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Alte Stellwerke in Schwerte

geschrieben von: ayshanancy

Datum: 29.09.15 22:59

Hallo interessiert Eisenbahnfreunde,

vor ein paar Tagen bin ich mal wieder über die A1 in Richtung Köln gefahren. Kurz vor der Ausfahrt Schwerte kommt man da über die Talbrücke "Block Heide". Heute stehen da überall Lärm- und Sichtschutzwände und man sieht von der Eisenbahn nichts mehr. 1988 war das noch anders. Da war noch nichts verbaut und man konnte im Vorbeifahren bei wenig Verkehr einen schnellen Blick auf die Bahnanlagen werfen, und damals standen dort noch Formsignale. Ich war auch schon öfter mal mit der Eisenbahn durch Schwerte gekommen und auch da waren mir neben den umfangreichen Bahnanlagen auch die schönen, alten Formsignale aufgefallen. Jedenfalls hatte ich im Juli 1988 auf der sonntäglichen Fahrt zu meinem Arbeitsplatz in Köln etwas Zeit über, die ich für einen Besuch in Schwerte nutzte. Dabei ergab sich die Gelegenheit, die Stellwerke in Schwerte sowie die Abzw Heide zu besuchen und zu fotografieren.
Hier erstmal eine schematische Übersicht über die Eisenbahstrecken in und um Schwerte:

IMG_2500.jpg

und ein Plan des gesamten Bahnhofs und der Abzw Heide, wie er 1988 auf "Sof" aushing:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/plan-schwerte.jpg

Da sieht man links unten die Pz-Gleise von und nach Hagen, nächster Bahnhof war dort Westhofen. Darüber dann die eingleisige Strecke von und nach Iserlohn, nächster Bahnhof dort war Kalthof. Oben dann die beiden Gz-Gleise von und nach Hagen, auch hier kommt als nächster Bahnhof Westhofen. Dann kann man ein wenig weiter rechts das Stellwerk "Swf" erkennen, oben dann die Richtungsgleise des Güterbahnhofs. In der Mitte oben dann das Stellwerk "Sn", unten "Sg", weiter rechts unten dann der Personenbahnhof mit den Bahnsteiggleisen. Weiter rechts oben dann das Stellwerk "Sof", rechts unten dann die obere Ruhrtalstrecke nach Warburg, nächster Bahnhof Schwerte-Ost. Weiter nach rechts folgt dann die Abzw Heide, da geht es oben 2-gleisig von und nach Dortmund und darunter 2-gleisig von und nach Hamm, nächster Bahnhof ist Holzwickede. Links vom Stellwerk der Abzw Heide kann man dann noch die 1-gleisige Verbindungskurve von und nach Schwerte-Ost erkennen und gestrichelt ein weiteres Verbindungsgleis zwischen Schwerte-Ost und den Gz-Gleisen von Schwerte.

Für Zugfahrten waren also in Schwerte die Stellwerke "Sof", "Swf", "Sg" und "Sn" zuständig. Der Bahnhofsfahrdienstleiter saß auf "Sof", auf "Swf" war ein weiterer Fahrdienstleiter und "Sg" und "Sn" waren abhängige Wärterstellwerke. Schauen wir uns die Stellwerke aus der Nähe an:

Stellwerk "Sof" auf der Ostseite war ein Reiterstellwerk, wie man sie in der Ecke sehr häufig fand:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/98070328.jpg

Sonntag, 24.7.1988, 19:22 Uhr und 34 Sekunden: Das Hebelwerk auf "Sof":

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072402.jpg

Nahaufnahmen der Hebel habe ich damals noch nicht gemacht, deshalb nur ein paar Hinweise. "Sof" bediente die Einfahrsignale F aus Schwerte-Ost, G und H von Abzw Heide und I von Schwerte-Ost sowie alle Ausfahrsignale in östliche Richtung, also die N-Gruppe. Außerdem gab "Sof" Befehle an Stellwerk "Sg" für das Einfahrsignal A am Pz-Gleis von Westhofen, die Ausfahrsignale P1 - P6 nach Kalthof und Westhofen sowie die die Zwischensignale R21 - R23 und S8 und S9 für Fahrten zwischen den beiden Bahnhofsteilen. An Stellwerk "Sn" wurden Befehle für die Zwischensignale R44 und R36-43 sowie S20 gegeben. Auf "Sof" arbeiteten damals sonntags ein Fdl und ein Zugmelder.

Für die Westseite des Personenbahnhofs war das Stellwerk "Sg" zuständig:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072420.jpg

Anscheinend heizte man dort 1988 noch mit Kohle.
Das Hebelwerk auf "Sg":

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072413.jpg

Zwei Nahaufnahmen vom Hebelwerk:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072414.jpg

Oben sieht man die Vor- und Rückblocktasten (Vbt und Rbt) sowie Anfangs- und Endfeld für den Streckenblock von und nach Westhofen.

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072415.jpg

Personenzüge von Kalthof fuhren durch Gleis 21 und dann auf Signal R21 in die Bahnsteiggleise. Auf die Signale R22 und R23 wurde in die Gz-Gleise der Ostseite gefahren. Dabei musste natürlich auch "Sn" mitwirken.

Das Stellwerk "Swf" auf der Westseite:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072427.jpg

Das Hebelwerk auf "Swf":

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072423.jpg

Auch hier habe ich leider keine Detailaufnahmen. "Swf" bediente die Einfahrsignale B von Kalthof und C von Westhofen (Gz) sowie die Ausfahrsignale der P-Gruppe aus den Gz-Gleisen. Oben im Hebelwerksaufbau kann man die Blocktasten und Felder für den Streckenblock von und nach Kalthof und von und nach Westhofen erahnen. Personenzüge nach Kalthof fahren aus dem Pbf durch Gleis 21 und dann weiter auf die Strecke. Dabei gibt "Swf" Zustimmung zur Zugfahrt an "Sof", dass dann den Befehl zur Ausfahrt an "Sg" gibt.

Das Stellwerk "Sn" auf der Nordseite:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/98021823.jpg

Das Hebelwerk auf "Sn"

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072428.jpg

Im Bereich von "Sn" wurde hauptsächlich rangiert. Von hier aus wurden auch die Weichen des Ablaufberges bedient. Als ich damals "Sn" besuchte, begann dort gerade der Ablaufbetrieb. Aber 3 Signale bediente "Sn" auch:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072430.jpg

Und bei der Fahrt aus Gleis 9 musssten alle 4 Stellwerke mitwirken: "Swf" musste Zustimmung an "Sof" geben, "Sn" gab Flankenschutz und musste deshalb ebenfalls zustimmen und "Sof" gab dann den Befehl S9 an "Sg", dass das Signal stellte.

Zum Schluß dann noch die Abzw Heide:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/94081726.jpg

Die Stellwerk war von der Bauart Scheidt & Bachmann und wurde nach meinen Aufzeichnungen 1918 in Betrieb genommen.

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072119.jpg

Der Blockkasten aus der Nähe:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072120.jpg

Die anschließenden Bahnhöfe Holzwicke, Dortmund-Hörde und Schwerte-Ost wurden schon von Dr-Stellwerken bedient. Für die Blockanpassung an die Dr-Technik gab es dieses kleine Stellpult mit den Bedienungseinrichtungen des Streckenblocks:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88072118.jpg

Das Signal F am Gleis von Holzwickede war nur einflügelig mit Geschwindigkeits- und Richtungsanzeiger, daher mussten eigentlich alle Weichen mit 80 Km/h befahrbar sein. Das war mit mechanisch bedienten Weichen nicht mehr möglich und daher müssten bei Abzw Heide eigentlich bereits Weichen mit elektrischem Antrieb eingebaut gewesen sein. Das hätte ich mir aber normalerweise notiert. In meinen Unterlagen steht davon aber nichts. Kann da vielleicht jemand im Forum mehr zu sagen?
Noch ein paar Fotos von draußen. Ich bin auch öfter mit der Eisenbahn durch Schwerte gekommen. Da konnte man schon mal eine Parallelfahrt mit einem Zug von Iserlohn nach Dortmund beobachten. Hier kommen wir auf den Pz-Gleisen aus Westhofen, Einfahrsignal B für den Zug von Kalthof zeigt freie Fahrt: Hp1 + Vr1, links die beiden Gz-Gleise:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/94081717.jpg

Weiter am Zwischensignal R21 dann Fahrt mit Halt erwarten:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/94081718.jpg

Die beiden anderen Zwischensignale und das Sh1 zeigende Sperrsignal für den Zug aus Iserlohn:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/94081719.jpg

Weiter dann beim Abzw Heide. Für den Zug aus Iserlohn ist der Richtungsvoranzeiger Zs2v mit Kennbuchstaben "D" für Dortmund angeschaltet:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/94081723.jpg

Der Zug aus Iserlohn an den Einfahrsignalen von Schwerte:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/94081724.jpg

und das Blocksignal B der Abzw Heide mit Richtungsanzeiger Zs2 "D" und Geschwindigkeitsvor- und Hauptanzeiger. Links mündet das Verbindungsgleis von und nach Schwerte-Ost ein. Dort steht ein Signal Ts1 "Nachschieben einstellen". Im Hintergrund dann noch die Talbrücke "Block Heide" der A1.

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/94081725.jpg

Zwischen Schwerte und Westhofen gab es bis ca 1983 noch die Blockstelle Steinhausen. Hat da vielleicht jemand ein Foto?
2006 und 2007 wurden dann die Stellwerke in Schwerte und die Abzw Heide außer Betrieb genommen und durch ein EStw ersetzt.

So viel zu Schwerte. Hier noch ein Link zu weitere Stellwerksbeiträgen: [www.drehscheibe-online.de]

Gruß von Kay!

Re: Alte Stellwerke in Schwerte

geschrieben von: Nesinger

Datum: 30.09.15 02:39

Danke fuer den schoenen Beitrag. Stellwerke und Sicherungstechnik interessieren mich immer !

L.G. Nesinger

Re: Ich schließe mich an! (o.w.T)

geschrieben von: Siersrod

Datum: 30.09.15 10:05

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Sicher gibt es hier Fachleute...

geschrieben von: Roststab

Datum: 30.09.15 11:14

die mir eine Frage beantworten können.

Aber zunächst mochte ich mich ein Einsteller für den interessanten Überblick über diese Einrichtungen im Bf Schwerte bedanken.

Nun meine Frage: Im Plan ist die Einbindung von Schwerte Ost beim Block Heide wie eine handbediente Weiche (ohne schwarze Füllung) gezeichnet. Auf dem Foto vom Inneren des Block Heide erkennt man aber an der Blockeinrichtung, daß Signal C von hier aus gestellt wird. Folglich muß auch die zugehörige Weiche in den Verschluß aufgenommen sein. Weshalb also diese andere Darstellung?

Einfach nur vergessen auszumalen, wäre zu einfach.

Weichen Abzw. Heide

geschrieben von: Michael Poschmann

Datum: 30.09.15 12:41

Hallo Kay,

danke für den sehr schön aufbereiteten Bericht!

EDITH schreibt: Ein mir vorliegendes Foto, das ich aus urheberrechtlichen Gründen leider hier nicht einstellen kann, zeigt in der Tat elektrische Weichenantriebe am Abzweig Heide. Das ist kompletter Unsinn, ich muss diese Aussage zurücknehmen: Es waren doch mechanisch angetriebene Weichen. Pardon. /EDITH

Die 80 km/h auf Hp1 bei abzweigender Fahrt ist mir ebenfalls aus den einschlägigen Unterlagen bekannt. Sollte also so passen.

Bist Du *rein zufällig* auch mal in Fröndenberg fotografisch aktiv gewesen? Bis dorthin ist mein Zusi3-Projekt Obere Ruhrtalbahn in westlicher Richtung vorangeschritten, und nun suche ich händeringend Vorbildfotos der dortigen Stellwerke, insbesondere Fo und Fw. Auch Wickede ist fotografisch nicht bei mir erfasst, in Sachen Stellwerksbauten klaffen leider noch Lücken in der virtuellen Nachbildung.

Grüße
Michael



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:09:30:22:20:19.

Re: Sicher gibt es hier Fachleute...

geschrieben von: S&B

Datum: 30.09.15 14:30

>>Einfach nur vergessen auszumalen, wäre zu einfach.<<

:-) Warum nicht...?
Aber schau mal: Das Gleis von Schwerte aus gesehen, endet lt. Plan ohne Weiche nach Bk Heide am Prellbock.
Die Strecke selbst ist nicht mehr dargestellt.
Offenbar war das Gleis zur Zeit der Planerstellung nicht mehr vorhanden.
Grüße
Ulrich



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:09:30:14:31:48.

Re: Sicher gibt es hier Fachleute...

geschrieben von: Michael Poschmann

Datum: 30.09.15 15:07

Hallo Ulrich,

die Darstellung interpretiere ich ein wenig anders, hier scheint lediglich die "Schwerter Kurve" auf die Ruhrtalbahn hinter der fälschlich als Handweiche gezeicheten Ausfädelung nicht weiter dargestellt zu sein. Diese Verbindung war allerdings nie außer Betrieb, und seit einigen Jahren fahren sogar wieder planmäßige Reisezüge auf diesem Abschnitt. Die Zeit der Zweigleisigkeit ist dort allerdings schon etwas länger vorbei - seit wann eigentlich genau?

Fragende Grüße ins Forum
Michael

Re: Alte Stellwerke in Schwerte

geschrieben von: OzBeFan

Datum: 30.09.15 15:18

Herliche Bilder von meiner Heimat... das tut gut und weckt gleichzeitig wehmütige Erinnerungen.


Aber, hast Du denn nicht auch Schwerte Ost dokumentiert ?

Re: Alte Stellwerke in Schwerte

geschrieben von: Fahrtanzeiger

Datum: 30.09.15 15:19

Hallo Kay,
danke für den tollen Beitrag.
Grüße
Timo



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:10:08:09:28:27.

Re: Sicher gibt es hier Fachleute...

geschrieben von: ayshanancy

Datum: 30.09.15 15:36

zu Michael: Nein, Fröndenberg habe ich damals leider nicht besucht und hab daher auch keine Fotos.

Die Weiche zur Kurve nach Schwerte-Ost wurde sicher von Abzw Heide aus bedient und über die Kurve wurde 1988 auch noch eine reger Güterverkehr abgewickelt. Die Kurve ist allerdings nicht elektrifiziert und deshalb gestrichelt dargestellt. Der Abschnitt von Schwerte zur Abzw Heide ist allerdings auf dem Plan auch nur verkürzt wiedergegeben, da fehlt ca ein Kilometer zwischen den E-Sig G und H und den Bk-Sig A und B. War die Kurve denn jemals zweigleisig? So viel Platz ist da ja auch nicht.

Re: Sicher gibt es hier Fachleute...

geschrieben von: S&B

Datum: 30.09.15 16:41

Auf dem (rechten) 'Heide' Planteil sieht man das zu Sig C gehörende Gleis ja- aber wo ist dieses Gleis in der Fortführung auf dem (linken) 'Schwerte' Planteil zu sehen?
Ich hatte geglaubt, es sei das Gleis mit dem Prellbock...
Grüße
Ulrich, nicht ortskundig :-)

Re: Sicher gibt es hier Fachleute...

geschrieben von: ayshanancy

Datum: 30.09.15 17:02

Das Gleis geht in einer recht engen Kurve unter den 4 anderen Gleisen durch und kommt so gar nicht mehr auf der anderen Seite vom Plan an.

Re: Sicher gibt es hier Fachleute...

geschrieben von: superbird

Datum: 30.09.15 18:16

Mal ein paar Worte eines dort wohnenden.

Die gestrichelt gezeichnete Strecke nach Schwerte-Ost ist die Verbindung zwischen Rangierbahnhof Schwerte und dem ehemaligen Bahnhof Schwerte Ost. Heute noch in Nutzung für diverse Güterzüge.
Die Lage ind er Zeichnung ist doch echt verkürzt dargestellt in Bezug auf den Abzweig Heide.

Der Abzweig bei Heide in Richtung Schwerte-Ost war früher 2 gleisig. Hintergrund waren u.a. die Kalkzüge, die angesichts der Steigung zwischen Schwerte-Ost und Heide nachgeschoben wurden und der Verkehr zuvor zum AW nicht unerheblich war.
Heute steht dort noch das entsprechende Signalzeichen rostend vor sich hin.
Wann un die zweite Spur aufgegeben und der jetzige Zustand errichtet wurde, kann ich nicht sagen.
Auf jeden Fall lief und läuft über die Verbindung der Verkehr zwischen Dortmund und dem Sauerland, oftmals auch für diverse Sonderzüge genutzt.

Zusammen laufen die beiden Strecken ca 200m vor dem ehemaligen Bahnhof Schwerte-Ost und bedienen das 5. Gleis dort.
Es gibt in Schwerte-Ost noch ein Gleis 6 - so will ich es mal nennen - welches eigentlich nur dem Zubringer von Coils in die Nachfolgeindustrie des ehemaligen AW Schwerte dient.


Gruss,
Micha

Re: Sicher gibt es hier Fachleute...

geschrieben von: Christof_K

Datum: 30.09.15 19:23

Roststab schrieb:
-------------------------------------------------------

> Einfach nur vergessen auszumalen, wäre zu einfach.

Hallo in die Runde,

der Plan ist ein Übersichtsplan für die Oberleitung und kein signaltechnischer Lageplan. Deswegen würde ich die Darstellung der Weichen zunächst einmal nicht "überinterpretieren".
Wenn man sich andere Stellen des Plans anschaut, stellt man fest, dass es noch weitere Weichen in nicht-überspannte Bereiche gibt, die nicht-ausgefüllt dargestellt sind. So gibt es oberhalb des Stellwerks "Swf" nicht-überspannte Stumpfgleise, von denen mindestens eines ein Ausfahrsignal zu haben scheint. Hier wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Weichen auch fernbedient sind.

Gruß

Christof

? reger Güterverkehr Schwerter Kurve ?

geschrieben von: cargofuzzy

Datum: 30.09.15 20:36

ayshanancy schrieb:
-------------------------------------------------------
> Die Weiche zur Kurve nach Schwerte-Ost wurde
> sicher von Abzw Heide aus bedient und über die
> Kurve wurde 1988 auch noch eine reger Güterverkehr
> abgewickelt.

Ist "rege" nicht etwas übertrieben? Was fuhr denn da 1988 planmäßig noch außer dem täglichen Kalkzug Menden - Dortmund-Hörde und vielleicht zweimal pro Woche dem Kohlezug nach Neheim-Hüsten?

Gruß
Paul

Re: Alte Stellwerke in Schwerte

geschrieben von: cargofuzzy

Datum: 30.09.15 20:59

ayshanancy schrieb:
-------------------------------------------------------
> Das Signal F am Gleis von Holzwickede war nur
> einflügelig mit Geschwindigkeits- und
> Richtungsanzeiger, daher mussten eigentlich alle
> Weichen mit 80 Km/h befahrbar sein. Das war mit
> mechanisch bedienten Weichen nicht mehr möglich
> und daher müssten bei Abzw Heide eigentlich
> bereits Weichen mit elektrischem Antrieb eingebaut
> gewesen sein. Das hätte ich mir aber normalerweise
> notiert. In meinen Unterlagen steht davon aber
> nichts. Kann da vielleicht jemand im Forum mehr zu
> sagen?

Ich war in den 80ern mal zu Besuch auf dem Stellwerk Abzw. Heide.
Soweit ich mich erinnern kann, wurden einige der 7 Weichen (aber nicht alle) elektrisch gestellt. Um die mechanische Abhängigkeit herzustellen, mussten die elektrischen Weichen nach der elektrischen Umstellung mit einem Hebel über Seilzüge in "plus" (Grundstellung) oder einen separaten Hebel in "minus" mechanisch verriegelt werden, bevor der Fahrstraßenhebel und der Hauptsignalhebel betätigt werden konnten.

Auf Deinem Foto glaube ich auch deutlich mehr Weichenhebel (ca. 12) als Weichen (7) erkennen zu können.

Auch gibt es mehr Signalhebel (8?) als Signale (5?). Je nach Fahrtrichtung („links“ oder „rechts“) gibt es ja für ein konkretes Signal in mech. Stw. durchaus 2 Hebel, und zwar nicht nur dann, wenn einmal 1 und einmal 2 Flügel gezeigt werden, sondern auch dann, wenn für links und für rechts gleichermaßen dasselbe Signalbild gezeigt wird, und zwar im Fall Heide stets 1 Flügel (Hp 1).

Der "Überschuss" an Hebeln war nach meiner Erinnerung NICHT dadurch zu erklären, dass es hier etwa noch „tote“ (wegen Rückbaumaßnahmen funktionslos gewordene) Hebel gegeben hätte, sondern hatte die oben genannten Gründe.

Gruß
Paul

Ergänzungen zum Abzweig Heide mit 2 Fotos

geschrieben von: Frank St.

Datum: 30.09.15 21:13

Hallo,

auch von mir an dieser Stelle ein großes Dankeschön für die Arbeit über die Schwerter Stellwerke, wirklich toll. 30 Jahre lang war dies für mich ein vertrauter Anblick, bis August 2007. Jetzt stehen sie zwar noch, mit Ausnahme des Ablaufstellwerks "Sn", sind aber betrieblich ohne Funktion. Der Ablaufbereich ist ja inzwischen EOW-Bereich.

Zu den anderen Äußerungen ein paar Anmerkungen:

Auch die Weichen am Abzweig Heide wurden trotz ihrer hohen Abzweiggeschwindigkeit mechanisch gestellt. Wozu würde man sonst so eine lange Hebelbank brauchen? Für insgesamt sechs einbegriffige Signale, denn die fünf Weichen waren alle 80er-Weichen? Ich habe auch nie andere als mechanische Umstellgeräusche dort gehört.

Zur Veranschaulichung sind hier zwei Fotos aus August 2007, als die Umstellung auf ESTW unmittelbar bevor stand: Hier haben wir den Antrieb der Abzweigweiche nach Schwerte Ost.

http://fs5.directupload.net/images/user/150930/s4iou8wr.jpg


Und hier kann man schwach im Hintergrund den Drahtverhau sehen, der zu einigen der anderen Antriebe führt. Ein Drahtzug geht aber auch zu dem Signal auf dem Nahgleis. Das für das Ferngleis, wo übrigens unnötigerweise ein dreibegriffiges Signal aufgestellt war (vielleicht wegen einer Hilfs-Überleitstelle anlässlich lange zurückliegender Bauaurbeiten?), wurde erst vor der gerade gezeigten Weiche unter den Gleisen durch auf die andere Seite geleitet.

http://fs5.directupload.net/images/user/150930/xkgey3pz.jpg

Zu Zeiten der zweigleisigen Streckenführung nach Schwerte Ost haben oben zwei Kreuzungsweichen hinter- und nebeneinander gelegen, so dass man z.B. von Schwerte Ost nach Holzwickede durchfahren und gleichzeitig aus Holzwickede oder Hörde nach Schwerte Ost hinunter fahren konnte. Über die damals mögliche Höchstgeschwindigkeit ist mir aber nichts bekannt, 80 km/h werden es sicher nicht gewesen sein. Mit Rückbau auf die Eingleisigkeit reduzierte man dann auf die Weichenreihe.

Das "Ts1" ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als die Horlecker Kalkzüge, und ggf. auch schwere Militärzüge aus Hemer oder Schotter aus dem Bestwiger Raum, die Kurve benutzten und eine 216/218 allein den Zug auch bei freier Durchfahrt nicht hochbekam. Man schob dann ab Schwerte Ost mindestens mit einer 212 bis dorthin nach. Ab Anfang der 80er wurden die Kalkzüge mit Vorspann oder Doppeltraktion befördert. Seitdem wird es vermutlich keinen Schiebebetrieb mehr gegeben haben. Das "Ts1" steht aber noch immer dort.

Im Bf. Schwerte Ost existieren für die abzweigenden Züge die Gleise 3 und 4. Gleis 5 liegt noch als Relikt alter Zeiten ohne Weichenverbindung an das Netz.

Soweit die Ergänzungen,
viele Grüße

Frank

Zu meinen Beiträgen:
- Eisenbahnen [www.drehscheibe-foren.de]
- Historisches Forum [www.drehscheibe-foren.de]
- Straßenbahnen [www.drehscheibe-foren.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:09:30:21:13:46.

Re: Ergänzungen zum Abzweig Heide mit 2 Fotos

geschrieben von: ayshanancy

Datum: 30.09.15 21:28

Meines Wissens nach können Weichen, die im abzweigenden Strang mit 80 Km/h befahren werden dürfen, nicht mehr mit mechanischen Hebeln bedient werden. Aus diesem Grunde wurden auch bei vielen Abzweigstellen (zB Abzw Lohbruch bei Krefeld) zur Erhöhung der Geschwindigkeit Weichen mit elektrischem Antrieb eingebaut. Aber da lasse ich mich gerne eines besseren belehren.
Bei den Leistungen um die Kurve habe ich mir Kalkzüge Menden - Dortmund-Eving und Leereisezüge in Tagesrandlage notiert.
Eine Frage ist mir aber noch in den Sinn gekommen: Auf Signal F (Gleis von Holzwickede) konnte in 3 Richtungen (Schwerte-Ferngleis, Schwerte Nahgleis, Schwerte-Ost)gefahren werden. Wie wird das auf der Hebelbank gelöst? Mit einem Seilzug geht das mit zwei Signalhebeln nur für zwei Richtungen. Wie wird da bei mehr als zwei Richtungn verfahren?

Gruß von Kay!

Re: Ergänzungen zum Abzweig Heide mit 2 Fotos

geschrieben von: S&B

Datum: 30.09.15 21:52

Gehörte F denn nicht zum Stellbereich Sof- also elektromechanisch?
Aber auch bei mechanischen Anlagen kann man mit einem Signal doch ggf. in mehr als zwei Gleise einfahren, und auch ggf. in mehr als zwei Richtungen ausfahren.
Oder habe ich Deine Frage mißverstanden?
Grüße
Ulrich

Re: Ergänzungen zum Abzweig Heide mit 2 Fotos

geschrieben von: cargofuzzy

Datum: 30.09.15 22:03

Frank St. schrieb:
-------------------------------------------------------

> Auch die Weichen am Abzweig Heide wurden trotz
> ihrer hohen Abzweiggeschwindigkeit mechanisch
> gestellt.

Nach meiner Erinnerung gab es für EINIGE, NICHT ALLE Weichen ein Bedienfeld wie in einem Gleisbildstellwerk. Es wird sich da wohl um die weit entfernt liegenden Weichen gehandelt haben, für die die Muskelkraft wohl nicht mehr ausreichte.

Wozu würde man sonst so eine lange
> Hebelbank brauchen?

Das habe ich in meinem vorherigen Beitrag versucht zu erklären: Es gab zusätzliche Stell-Hebel für das Verriegeln der Weichen. Damit meine ich nicht den Fahrstraßenhebel, sondern die zusätzlichen Hebel in der Hebelbank. Ich selbe durfte bei meinem Besuch mal eine Fahrstraße einstellen.

Für insgesamt sechs
> einbegriffige Signale, denn die fünf Weichen waren
> alle 80er-Weichen? Ich habe auch nie andere als
> mechanische Umstellgeräusche dort gehört.

Vielleicht hast Du deshalb dort keine anderen Geräusche gehört, weil die entfernt vom Stw. liegenden Weichen, die vermutlich den elektrischen Antrieb hatten, außerhalb des Hörbereiches lagen, es sei denn, Du bist über die Gleise Richtung Holzwickede gelaufen.

> Zur Veranschaulichung sind hier zwei Fotos aus
> August 2007, als die Umstellung auf ESTW
> unmittelbar bevor stand: Hier haben wir den
> Antrieb der Abzweigweiche nach Schwerte Ost.

Veranschaulichen die Fotos, dass die Richtung Holzwickede liegenden Weichen mechanisch angetrieben wurden? Nein, denn die sieht man auf dem Foto nicht. Nur ein Foto dieser Weichen könnte meine Vermutung, dass diese Weichen elektrisch angetrieben wurden, belegen oder widerlegen. Ein solches Foto wird es aber vermutlich nicht geben, weil man dort nicht legal hinkommt / kam.

>
> Frank

Gruß
Paul

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