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Ein digitaler Reiseplaner für anno 185x ?

geschrieben von: ohneEisen

Datum: 26.08.15 12:31

Hallo Freunde der frühen Eisenbahn, der Fahrpläne, der Dampfboote und der Diligencen,

Zu behaupten, dass sich bereits konkret eine Umsetzung abzeichnet, ginge zu weit, aber eine gedankliche Eintagsfliege ist die neulich hier vorgebrachte Frage auch nicht unbedingt geblieben. [www.drehscheibe-online.de]

Gründe dafür, zeitlich noch viel weiter zurück zu gehen, als ursprünglich gedacht, hatte ich in meiner letzten Meldung genannt.
Weil Kursbücher allgemein und Fahrpläne früher Epochen erst in den letzten Jahren wieder verstärkt mein Interesse fanden, bitte ich ggf. zu entschuldigen, wenn ich hier die ein oder andere dumme Mutmaßung oder Frage anbringe. Weil es im HiFo zu fast allem Experten gibt, setze ich darauf, entsprechend korrigiert zu werden.

Für alle anderen hier ein paar Notizen zu der Epoche, die man – in Anlehnung an die Phase nach Untergang des römischen Reiches - fast als dunkle Jahrzehnte der Eisenbahngeschichte bezeichnen könnte.
Einen ersten Eindruck gibt [de.wikipedia.org] mit seinen hoch auflösenden Streckenkarten. Vergleicht man z. B. die Karte von 1849

[de.wikipedia.org]

und die von 1861, [de.wikipedia.org]

wird sofort anschaulich, wie dynamisch, ja stürmisch die Entwicklung gewesen sein muss. Die letzte Grafik im Wikipedia-Artikel macht auch klar, wie das Streckennetz sich bis heute entwickelte.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d3/Eisenbahn_-_Entwicklung_des_Streckennetzes_in_Deutschland.png

Die Länge in km (oder Meilen), die Zahl der Stationen sind nur der eine Aspekt. Vor allem ist die Zahl der Züge sprunghaft gestiegen. Die Bahnen Europas 1849 abbilden zu wollen, hieße weniger Daten zu brauchen, als für so manchen heutigen regionalen Verkehrsverbund.

Erste Eisenbahnen, Streckeneröffnungen, Adler & Saxonia sind fast jedem geläufig. Danach setzt das Interesse und die allgemeinere Kenntnis - bedingt auch durch die nur allmähliche Verbreitung der Fotografie - erst um die Zeit der Bauarten nach den Pr. Normalien, wieder ein. Eine T3, T16, P 8 und ihre Pendants anderer Verwaltungen sind zudem uns allen vertraute Gesichter, die viele noch live erlebt haben.

Die Zeit davor habe ich z. B. erstmals bei der Lektüre eines eher kulturhistorischen Essays zur Kenntnis genommen.
Einige der Fragen, die mich gestern Abend bei einer ersten Durchsicht von Hendschel´s Telegraph 1865

[www.drehscheibe-online.de]

beschäftigten, sind auch Thema in diesem Buch:

W. Schivelbusch; „Geschichte der Eisenbahnreise, Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert“

Rezension v. 1978: [www.zeit.de]

Dass auch im Telegraphen von 1865 selbstverständlich Entfernungen in Meilen angegeben sind, dass die Zeiten in VM und NM (wie heute noch vielerorts am. Und pm.) notiert sind, würde ich nicht zu den ernsten Schwierigkeiten rechnen. die der Erstellung digitaler Auskunftsysteme ernstlich im Weg stehen.
Problematisch wird es bei der Zeit dennoch:
Zitat:
So orientierten sich beispielsweise in Preußen die Bahnen seit 1848 im dienstlichen Betrieb nach der Berliner Zeit.
Aus: [de.wikipedia.org]

Was heißt das im Einzelfall? Sind die Angaben für´s reisende Publikum dann doch noch über etliche Jahre Kirchturmszeiten, und falls ja, bis zu welchem Jahr? Obwohl ich überzeugt bin, diese Fragen können hinlänglich beantwortet werden, zeichnet sich erneut ab: Ein simples Einscannen wird es für keine Epoche geben.

Um so sinnvoller scheint mir, mit einer Zeit anzufangen, wo das Streckennetz noch vergleichsweise überschaubar war, auch auf Hauptbahnen nur wenige Züge verkehrten, es noch wenig Kurswagen gab, usw. Ergänzt werden müsste das noch löchrige Netz um Postkutschen „Diligencen“ und Dampfschiffe, um von einem Reiseplaner überhaupt reden zu können. Aber Diligencen fuhren meist nur 1 x täglich oder seltener, und es reicht im Prinzip, nur die dort die Zeiten zu erfassen, wo Bahnstationen berührt werden. Wo die Pferde getränkt oder umgespannt wurden, muss nicht unbedingt erfasst sein.

Schwierig würde für frühe Kursbücher auch die Bestimmung der Fahrtkosten. Im Hendschels sind meist Angaben für 1.- 3. Classe in Thaler & Groschen oder ggf. anderen Währungen zu finden, aber nicht in Form eines Kilometergeldes.

Zum googlebook Hendschel 1865 noch die Frage: In der Fassung als pdf steht auf Pdf-Seite 6 unten: „Mit einer Eisenbahn- und Postrouten-Karte“, die ich nicht fand. Gibt es die separat?

Weitere Fragen, die sich bereits bei der ersten Sichtung ergaben, werden folgen.

edit: Grafik ergänzt, paar Tippfehler beseitigt

Gruß aus Köln
Heiner
Meine Fundgrubenliste, meine Filmchen http://abload.de/img/ohneeisenyoutubeymozb.gif und die paar Beiträge in DSO]




4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:08:26:13:06:48.

Re: Ein digitaler Reiseplaner für anno 185x ?

geschrieben von: xv_htv

Datum: 27.08.15 00:19

Hallo Heiner,

im Rahmen meiner Farbenseite (Abschnitt Fahrkarten) habe ich mich in letzter Zeit mit einem
Routenplaner zur Fahrpreisberechnung (Sachsen Mai 1900) beschäftigt.
Einige Erkenntnisse daraus:
-eine Quelle reicht hinten bis vorne nicht, man braucht allerlei Informationsschnipsel aus Stationsverzeichnissen,
Karten und verschiedenen Kursbüchern
-manuelles Abschreiben ist eine heiden Arbeit, für den ganzen Fahrplan müsste man eine Layout-Engine maßschneidern und ein OCR für die Textschnipsel trainieren
-man sollte alle Informationen erfassen, jedes Weglassen oder Vereinheitlichen rächt sich später
-Quervergleiche sind hilfreich, notwendig und decken Fehler auf (ich bin gerade an Preistabelle vs. eigene Berechnung)
-Oft sind Plausibilitätstests einfach umzusetzen (aufsteigende Kilometrierung, aufsteigende Abfahrtszeiten)
-wenn die Daten vorhanden sind, kann man sie verschieden nutzen - ob als Routenplaner, in ein anderes Format konvertiert oder für Kurswagen sollte keinen Unterschied machen

Gute Nacht,
Nils

Re: Ein digitaler Reiseplaner für anno 185x ?

geschrieben von: DR01

Datum: 28.08.15 11:11

Finde es interessant wieviele Gedanken sich hier um eine Digitalisierung
der Kursbücher von "anno dunnemals" gemacht werden...

Ich denke da eher an einen Schalterbeamten der Bundesbahn, der noch das
Kursbuch gewälzt hat wenn ein Reisender eine ganz bestimmte Auskunft
haben wollte...

Das macht es für mich aus - suchen und die Verbindung dann auch finden...
Heutzutage wissen die Leute doch gar nicht mehr welche Städte sie bei
einer Bahnreise berühren, da die Auskunft aus dem Computer kam...

Durch das "Kursbuchwälzen" lernt(e) man da viel mehr...
Verkehrsgeographie war damals in der Ausbildung (ich spreche für die
Bundesbahn) auch ein wichtiges Thema...


Gruß...Wolfgang