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Hallo DSO :)

Nach langer Abstinenz als Beitragsschreiber und eher passiven Mitleser bei DSO, hat mich die bemerkenswerte Geschichte eines ganz besonderen Fahrgastschiffes dazu bewogen, diesen Beitrag zu erstellen.
Seit Juni 2014 habe ich mich mit der spannenden Geschichte des Dampfers "HERTHA", welcher in meiner Heimat auf der Kyritzer Seenkette bis heute unterwegs ist, näher beschäftigt.
Bemerkenswert ist zunächst einmal der Fakt, daß es sich nachweislich um den 1886 in Stettin gebauten, ehemaligen Berliner Spree-Dampfer "HERTHA" handelt! Einige Jahre nach dessen Stapellauf schwappte die neue Mode bzw. der Fussballsport aus England auf das europäische Festland über.
Als die 16-17jährigen Gebrüder Lindner und Lorenz im Jahre 1892 auf einer Bank am Arkonaplatz, im heutigen Berlin-Mitte, über einen Namen für ihren neuen Fussballverein nachdachten, erinnerten sie sich an die schöne Ausflugsfahrt mit ihren Eltern an Bord des Dampfers "HERTHA". Sie beschlossen den Namen des Schiffes und die blau-weiße Farbe der Reederei für ihren neuen Fußballclub zu verwenden. Am 25.Juli 1892 wurde der 2. älteste Verein der DFB-Bundesliga BFC HERTHA 92 bzw. der heutige Hertha BSC 1892 e.V.gegründet! Das es diese legendäre "alte Dame" heut noch gibt, ist der Mangelwirtschaft und dem unternehmerischen Mut der Reeder-Familie Dentler aus Wusterhausen/Dosse zu verdanken, welche das Schiff, nach dem 2.WK umbenannt in "SEID BEREIT", im Jahre 1968 vom Abwrack-Kai in Berlin-Stralau zog. Per Tieflader kam das Schiff auf dem Landweg zum neuen Heimathafen am Ufer des Klempowsee in 16868 Wusterhausen/D. (etwa 80 km nördl.von Berlin gelegen). Ohne zu wissen das es sich hierbei um das legendäre Gründungsschiff von Hertha BSC Berlin handelt, machte sich der einfallsreiche Unternehmer Walter Dentler mit Sohn Peter an den Wiederaufbau des Schiffes zu einem leistungsfähigen Fahrgastschiff ihrer bislang aus 3 Schiffen bestehenden Flotte. Die Nachfrage nach Seerundfahrten auf der Kyritzer Seenkette nahm nach dem Mauerbau am 13.8.1961 stark zu. Um die damalige "SEID BEREIT" zum leistungsfähgsten Schiff der Dentler`schen Flotte (kein VEB und "geduldeter" privat geführter Betrieb, seit 1928), zum neuen "SEEBÄR" mit damals 234 zulässigen Passagieren zu machen, zerschnitt man einen ausgedienten Personen-Waggon der Deutschen Reichsbahn und baute ihn in der Mitte des Schiffskörpers auf. Siehe Bereich des großen HERTHA-Schriftzuges auf Aussenaufnahme im Sommer 2014:
https://www.hertha-dampfer.de/wp-content/uploads/2015/04/1A_3686.jpg

Wenn man den Innenraum des historischen Dampfers betritt, dann wird die Verwandtschaft zur Deutschen Reichsbahn unverkennbar. Oberhalb des Mittelganges ist der Streifen zu erkennen um den man den Waggon verbreitert hat. Fenster, Sitzgarnituren, Griffe und Aschenbecher wurden ebenfalls weiterverwendet:

https://www.hertha-dampfer.de/wp-content/uploads/2015/04/20140804_170718.jpg


https://www.hertha-dampfer.de/wp-content/uploads/2015/04/20140804_170619.jpg

https://www.hertha-dampfer.de/wp-content/uploads/2015/04/20140804_170546.jpg

https://www.hertha-dampfer.de/wp-content/uploads/2015/04/20140804_170434.jpg

Und hier nun die Frage an die Experten:
Welche Art von Personen-Waggon fand hier im Jahre 1969 Verwendung?

Hier der Blick in den oberen Teil des Achterdecks. Hier fanden die Sitzbänke nebst DR-Aschenbechern eine neue maritime Verwendung:

https://www.hertha-dampfer.de/wp-content/uploads/2015/04/20140805_170506.jpg


Noch in Berlin-Stralau wurden im Jahre 1968 die beiden Dampfmaschinen aus dem Doppelschraubendampfer ausgebaut, wobei eine davon im Verkehrsmuseum Dresden als Exponat überlebt haben soll.
Wer kann dazu nähere Angaben machen bzw. kann ergänzend Bilder der Dampfmaschine aus Dresden zeigen?

In Wusterhausen baute man 2 MAN-Einheitsdiesel aus dem 2. Weltkrieg mit je 75 PS ein. Als Wendegetriebe dienen noch heute 2 russische Panzergetriebe der Marke SUCHOI!

https://www.hertha-dampfer.de/wp-content/uploads/2015/04/20141011_180241.jpg


Ein weiteres Rätsel wäre der ehemalige Waggon auf dem Firmengelände, welcher als Überdachung der Motorwinde für die Slip-Anlage dient? Dieser wurde zur Erweiterung eines anderen Schiffes genutzt.
Wer kann zu diesem ehemaligen Waggon etwas sagen oder Vergleichsbilder zeigen?:

https://www.hertha-dampfer.de/wp-content/uploads/2015/04/20140831_155049.jpg

https://www.hertha-dampfer.de/wp-content/uploads/2015/04/20140831_155001.jpg


Ich bedanke mich für die Mithilfe bei der Lösung dieser ungeklärten Fragen recht herzlich im Voraus und bin gespannt ob das geballte Expertenwissen etwas Licht ins Dunkel bringt!

Weitere Infos, Links und Bilder unter:

[www.hertha-dampfer.de]

Einen guten Start in die neue Woche wünscht
EST-NsD

P.S. Beim Erstellen des Beitrages ist mir aufgefallen, dass DIE BAHN der Hauptsponsor bei Hertha BSC 1982 ist.... ich schwöre das ist wirklich alles reiner Zufall!!! :D :D :D ;)





7-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:12:21:04:57:03.

Re: Die alte Dame HERTHA|Dampfer- u. Fußballlegende m. DR-Tradition! (9B.+3?)

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 13.04.15 10:11

Ich habe keine Ahnung, finde den Beitrag aber hochinteressant und wenn ich zeit habe fahr ich da auf jeden Fall mal mit!!!

Es könnte sich bei dem zerschnittenen Wagen und bei der Slipanlage evtl. um ein Beutefahrzeug handeln?! Hoffentlich wissen andere mehr... Welches andere Schiff wurde verlängert???

Gruß, zombie.

http://fs5.directupload.net/images/160314/wr64ge43.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:04:13:10:13:46.
Hallo EST-NsD,

die Fensterrahmen aus Aluminium machen den Eindruck, als stammten sie aus einem Dieseltriebwagen
oder -bei- bzw. -steuerwagen der 30er Jahre. Dazu passt auch die recht große Fensterbreite.
Sind die Kniehebelausgleiche noch vorhanden, so dass die Fenster auch herablassbar sind?

Die Alu-Handgriffe gangseitig an den Sitzrückenlehnen sind von Neubepolsterung-Ausstattungen
bei Wagen-Generalreparaturen der DR der 50er Jahre her bekannt (vgl. auch versch. erzgebirgische
Schmalspurwagen). Kann aber auch von Normalspurfahrzeugen her kommen.
Die Sitzbreite im Schiff konnte nur durch Andoppeln erreicht werden. Unklar ist, ob der gangseitige
oder der fensterseitige Teil der ursprüngliche ist.
Kann es sein, dass der gangseitige Teil der Sitzpolster klappbar ist, damit die fensterseitigen
Plätze besser erreichbar sind?

Beste Grüße
VB995
Vielen Dank für die aufschlussreichen und interessanten Neuigkeiten. :)

Sobald es mir möglich ist das Schiff zu besuchen, versuche ich noch ein paar mehr Details zu fotografieren.
Also die Fenster könnten durchaus versenkbar sein. Das müsste ich aber nochmal etwas genauer betrachten. Die Sitzbänke sind definitiv nicht klappbar.

Zitat aus dem Groggert, 1988:

"...die Aufbauten wurden im Zusammenwirken mit Fachkräften der Reichsbahn unter Verwendung von Teilen eines Personenwagens erneuert. Im Juli 1971 konnte das für 263 Fahrgäste vermessene Motorschiff “Seebär” wieder in Dienst gestellt werden und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit, wobei den wenigsten Passagieren die interessante Geschichte des früheren Personendampfers bekannt ist.”

Hier fällt mir spontan die Nähe zum RAW Wittenberge ein mit dessen Außenstelle für Schmalspurfahrzeuge in Perleberg. Zugleich lag in der angegebenen Zeit das Prignitzer Schmalspurnetz bzw. der Pollo in den letzten Zügen, da war mit Sicherheit genug Material vorhanden. (nur eine These)

Also der halbe Waggon zum Schutz der Seilwinde, kann von der Breite her nur ein Schmalspurfahrzeug gewesen sein. Er war Materiallieferant für das kleine Fahrgastschiff OLIVER, welches nach dem Bau der Staumauer im Obersee bei Stolpe im Jahre 1979, den Ausflugsverkehr auf dem nördlichen Teil der Kyritzer Seenkette aufrecht erhalten sollte. Durch den stetig wechselnden Wasserpegel war hier eine wirtschaftliche Personenschifffahrt nicht mehr möglich und wurde letztendlich eingestellt. Das Schiff wurde noch zu DDR-Zeiten verkauft.

Es verblieben

SEEBÄR bzw. die HERTHA,siehe: [die-sign.de]

NEPTUN, siehe: [die-sign.de]

BASSEWITZ,er kam vorrangig bis 1979 auf dem Obersee zwischen Stolpe, Bork und Lellichow zum Einsatz:

http://www.ak-ansichtskarten.de/shop/ak/35/3533874/AK-Bork-Dampfer-Bassewitz-mit-Fahrgaesten-Ausflugslokal-Blick-uebers-Wasser.jpg

Ein ähnlich prominentes Boot wie die HERTHA, nur etwas kleiner, war der DON JUAN!
Vormals WERNERWERKE, er war bis zum Ende des 2. WK die Reiseyacht des Berliner Siemens-Vorstandes!
Er wurde 2012 zurückgeholt nach Berlin und aufwendig in den Ur-Zustand der 1920er Jahre versetzt.

http://www.ddr-binnenschifffahrt.de/fotogalerie-gross/Passagier/P-570-donjuan.JPG

aktuelle Bilder sind hier zu sehen: [www.berlin-bootsverleih.com]

Melde mich so bald es geht mit Detail-Fotos zurück. ;)

mfG EST-NsD

Ein sehr schöner Beitrag Marco, wirklich interessant.

PS..
Das du wie ich Dampfloks magst wusst ich ja schon immer "Schippe", aber Schiffe is mir neu..
LG André (Fossie)

http://www.krawalowa.de/DSO/sig/5036041sig2.png
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