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Die Stellwerksanlage des Bf Essendorf

geschrieben von: S.B

Datum: 05.04.15 11:13

Hallo zusammen,

heute mal wieder was sicherungstechnisches. Es geht um die Stellwerke des Bahnhof Essendorf. Die Grundlagen zum erstellen dieses Hifo - Beitrags, gebührt auch dem User " Zaubermark " ( Danke Mark ) der mir seine Bilder zur Verfügung stellte. Weiterhin Kopien des Signallageplans aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg, sowie meine eigenen Forschungen.

Die Stellwerke des Bahnhof Essendorf :
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Der Bahnhof Essendorf liegt an der Strecke Ulm - Friedrichshafen in Km 143 + 823 der sogenannten Südbahn. Oder auch an der klassischen Schwäbischen Eisenbahne Stuegert, Ulm und Biberach, Meckenbeuren, Durlesbach. Die Südbahn Ulm - Friedrichshafen war seit dem 1 Juni 1850 komplett befahrbar. Der Südbahnabschnitt Biberach (Riß) - Essendorf - Aulendorf war seit dem 26 Mai 1849 eröffnet. Im Jahr 1891 erhielt der Bahnhof Essendorf eine Stellwerksanlage nach System IV. der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn, entnommen aus dem Bildfahrplan Nachdrucken Blatt 1. Winterdienst 1891/92 erschienen im Eberhard Verlag Rieber 1993. Das System IV. war für mittlere Bahnhöfe bestimmt und bestand aus je einem Weichen = und Signalstellwerk von dem der zugehörige Teil des Bahnhofs und die von diesen abhängigen Weichen / Signale durch den Fahrdienstleiter und Weichenwärter bedient werden. Der Weichenwärter konnte die Signale nur im Auftrag des Fahrdienstleiter stellen, dies war abhängig durch den mechanischen Bahnhofsblock zwischen Fahrdienstleiterstellwerk und Wärterstellwerk. Die Ausführung der Stellwerksanlage beim Fahrdienstleiter und Weichenwärter bestand je aus einem Kurbelstellwerk. Die Stellwerksanlage wurde von der Maschinenfabrik Esslingen geliefert. Zwischen 1905 und 1913 wurde die Südbahn Ulm - Friedrichshafen zweigleisig Ausgebaut. Am 15 Mai 1913 wurde das zweite Gleis Ummendorf - Essendorf in Betrieb genommen. Am 30 Juni 1913 wurde das zweite Gleis zwischen Essendorf und Schussenried in Betrieb genommen, sowie der Streckenblock. Der Bahnhof Essendorf bestand aus drei durchgehnden Hauptgleisen, sowie diversen Nebengleisen zum Güterschuppen und zur Ladestraße. Mit dem zweigleisgen Ausbau wurde auch eine neue Zentrale Signal und Weichenstellung im Bahnhof Essendorf in Betrieb genommen. Diese bestand aus dem Fahrdienstleiterstellwerk Stellwerk 1 im Empfangsgebäude und dem Wärterstellwerk Stellwerk 2 am Bahnhofskopf Richtung Schussenried. Beide Stellwerke wurden von der Maschinenfabrik Esslingen geliefert und eingebaut. Das Fdl Stellwerk 1 bestand aus einem Kurbelwerk und angebautem Streckenblock. Vom Kurbelstellwerk aus wurden alle Signale bedient. Die zugehörigen Weichen wurden mittels Weichenkurbel bedient, die Verriegelung der spitzbefahrenen Weichen erfolgte mittels Zungenriegel. Hand bediente Weichen wurden per Riegelkurbel in Grundstellung verriegelt. Zwischen dem Fahrdienstleiterstellwerk und dem Wärterstellwerk besteht mechanischer Bahnhofsblock mittels Drahtzugleitungen. Das Wärterstellwerk bestand aus einer Hebelbank Bauart I mit Weichenhebeln sowie den Fahrstraßenhebel die mit dem mechanischen Bahnhofsblock in Abhängigkeit standen. Alle Weichen im Bereich des Wärterstellwerks waren Gestängeweichen. Zur groben Übersicht habe ich eine Skizze erstellt.

http://fs2.directupload.net/images/150330/ep5s2fjn.jpg

Die Skizzen Darstellung der Gleise, Signale und sonstiges des Bf Essendorf nach dem STAND von 1957 soll als Ersatz für die Signallageplan Kopie aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg sein, weil der Plan ziemlich groß ist.

Zur Erhöhung der Betriebssicherheit wurde in den dreißiger Jahren eine Mechanische Fahrstraßenfestlegesperre im Fahrdienstleiterstellwerk eingebaut. Diese Fahrstraßenfestlegesperre wurde vom Reichsbahnrat Fr. Aichele vom Sicherungsbüro der RBD Stuttgart zusammen mit der Maschinenfabrik Esslingen entwickelt und kam auf vielen damaligen Bahnhöfen in Stellwerken, hauptsächlich Altbauarten ME und Jüdel im Bezirk der RBD Stuttgart zum Einbau. Hierfür wurden in Essendorf oberhalb der Signalkurbeln A und B zwei Fahrstraßenkurbeln mit Fahrstraßenschlösser / Signalschlössern eingebaut. Die Festelegung der Fahrstraße erfolgte bisher nur über die jeweilige Signalkurbel bei Fahrtstellung. Mit dieser mechanischen Fahrstraßenfestlegung war der Fahrdienstleiter gezwungen den Zugschluß auf dem Bahnsteig festzustellen, bevor die Signalkurbel zurück genommen wurde.

http://666kb.com/i/dj0bjg1bl3len7qbk.jpg

Im Lehrstellwerk Kornwestheim gibt bis Heute noch eine Mechanische Fahrstraßenfestlegesperre Bauart
RBD Stuttgart zu sehen, die auch im Bf Essendorf eingebaut wurde. Foto vom 3.11.2001

Wer mehr zum Thema Mechanische Fahrstraßenfestlegung wissen will, sei auf den Artikel in der Zeitschrift Das Stellwerk vom Juni 1937 verwiesen, dort gibt es eine Abhandlung von Reichsbahnrat Fr. Aichele, RBD Stuttgart.

http://fs2.directupload.net/images/150331/zf42zooz.jpg

Skizze des Fahrdienstleiterstellwerk 1 Bf Essendorf STAND 1957. Über den Signalkurbeln A/B befindeten sich die
nachgebauten Fahrstraßenkurbeln für die mechanische Fahrstraßenfestlegung. Rechts oben befinden sich die die zugehörigen Fahrstraßenschlösser / Signalschlösser. Die Fernbedienung der Weichen erfolgt mittels Weichenkurbeln1, 2 a/b, 2 c/d und 3, weiterhin gibt es die Zungenriegelkurbeln I / II,III / IV zum riegeln der entsprechenden Weichen. Die handbedienten Weichen 4 und 5 wurden mit der Weichenriegelkurbel V verschlossen. Der mechanische Bahnhofsblock zum Wärterstellwerk erfolgt mit den Verschlußkurbeln VI, VII,VIII und IV. Am Kurbelwerk angebaut ist der Streckenblock (Felderblock ). Skizzen Ausschnitt aus dem Signallageplan.

Skizze Wärterstellwerk Essendorf 1957.jpg

Skizze des Wärterstellwerk 2 Bf Essendorf STAND 1957. Der Weichenwärter hatte nur die Weichenhebel zu bedienen, sowie die Fahrstraßenhebel, die Festlegung des entsprechenden Fahrstraßenhebel erfolgte durch die Verschlußkurbel vom Fahrdienstleiter aus. Skizzen Ausschnitt aus dem Signallageplan.

Die Signalanlagen des Bahnhof Essendorf waren im Jahr 1957, fast noch noch eine klassische Stellwerksanlage aus der Zeit der Königlich Württembergischen Staatsbahn. Gestängeweichen Weichen, 7 a / b ,8 beide Weichen sind gekuppelt, Kreuzungsweiche 7 c / d und Weiche 10. Weichen württembergischer Bauart gemischt mit Reichsbahnweichen. Württembergische Signale mit Zoresmast. Alle Ausfahrsignale waren einflüglig, lediglich die beiden Einfahrsignale A und D waren zweiflüglig und konnten die Begriffe Halt, Fahrt und Langsamfahrt zeigen,die zugehörigen Vorsignale Va und Vd konnten nur Halt und Fahrt zeigen und von den Lokführern besondere Aufmerksamkeit bedeutete. Im Jahr 1962 wurden durch Weichenerneuerung die Gestängeweichen 8 bis 10 auf Drahtzug umgebaut. Die gekuppelten Weichen 7 a / b, 8 entfielen. Einbau einer Einfach Weiche 7. Die bisherigen Weichen 1,2 a b, 2 c d und 3 die bisher mit Weichenkurbeln im Fdl Stellwerk 1 bedient wurden, wurden auf Weichenhebel Bedienung umgebaut, hierfür wurde eine separate Hebelbank mit Einheits -Weichenhebel aufgestellt.Die DKW 2 a b, c d entfiehl und wurde durch zwei einfache Weichen ersetzt. Die Weichen 1,2,3 und 4 waren nun mit elektrischen Weichenhebelsperren versehen. Die Verrieglung der Weichen 1,2,3 und 4 erfolgte mittels Riegelkurbeln, somit war die Abhängigkeit zwischen Kurbelwerk und Hebelbank hergestellt.

Gleiplanskizze Bf Essendorf STAND 1962.jpg

Die Skizzen Darstellung der Gleise, Signale und sonstiges des Bf Essendorf nach dem STAND von 1962

Ebenfalls in den sechziger Jahren wurden die württ. Signale mit Zoresmast durch Einheitsformsignale ersetzt. Einbau von 3 bildrigen Vorsignalen ( Vo 44 ). Im Jahr 1975 wurde der Bremswegabstand zwischen den Einfahrsignalen A, F und Vorsignalen Va , Vf von 700m auf 1000m erhöt. Ebenfalls wurden die Standorte der Ausfahrsignale geändert. Einbau der Indusimagnete. Einführung des ZEB zwischen Biberach (Riß ) und Bad Schussenried. Ebenfalls in den siebziger Jahren Rückbau der Mechanischen Fahrstraßenfestlegesperre Ausführung RBD Stuttgart, Einbau elektrischer Schlüsselsperren für die Fahrstraßenfestlegung, hierfür wurden die Signal - Schubstangen im Kurbelwerk verlängert. Die bisherigen Fahrstraßenschlösser / Signalschlösser im Kurbelwerk wurden ausgebaut und die beiden Fahrstraßenhebel aber weiter verwendet. Einbau Wandbrett mit Fahrtmeldern für die Signale, sowie Relaisgruppen für die Fahrstraßenauflösung. Durch die Inbetriebnahme des Sp DrL 60 Stellwerk im Bf Bad Schussenried 1983 , Einbau einer Selbstblockanpassung ( Streckenblock ) mit Achszählern. Nach 1985 Rückbau der Nebengleise und der Weichen 7,15, 16 und der Gleissperre I . Ende der achtziger Jahre wird das bisherige Hauptgleis Gleis 1 zum Abstellgleis. Rückbau der Signale N 1, P 1 sowie der zugehörigen Fahrstraße.

http://fs2.directupload.net/images/150404/mtp4oqa7.jpg

Die Skizzen Darstellung der Gleise, Signale und sonstiges des Bf Essendorf nach dem STAND von 1990 soll als Ersatz für die Signallageplan Kopie aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg sein.Interessant ist das nach dem Rückbau der Fahrstraße von und nach Gleis 1 die beiden Einfahrsignale A und F zweiflüglig blieben, der zweite Flügel wurde festgelegt, weil nur noch die Beriffe Halt und Fahrt benötigt wurden, das gleiche gilt auch für die beiden Einfahrvorsignale Va und Vf.

http://fs2.directupload.net/images/150404/2j7cntpq.jpg

Das Fahrdienstleiter Stellwerk 1 des Bf Essendorf Bauart ME im Sommer 1991.Auf dem Foto sind schön die Rückbauten zu sehen. Entfall der Riegelkurbel W 3 / W 4, entfall der Signalkurbeln Signal P 1 und N 1. Die Verschlußkurbeln zum Wärterstellwerk 2 sind dauernd eingestellt. Weil eine Besetzung des Wärterstellwerk nicht mehr nötig war, nach Rückbau der Fahrstraße von und nach Gleis 1. Somit brauchte das Wärterstellwerk nur noch beim Rangieren besetzt sein.

http://fs1.directupload.net/images/150405/qhgfgtfq.jpg

Die Einheits Hebelbank die 1962 aufgestellt wurde. Die beiden ehemaligen Weichenhebel 3 und 4 fehlen bereits seit das Gleis 1 zum Abstellgleis wurde. An den beiden Weichenhebel 1 und 2 sind die elektrischen Weichenhebelsperren zu sehen. Die beiden Weichenhebel werden nur noch zum Rangieren benötigt. Foto Bf Essendorf, Sommer 1991.

http://fs1.directupload.net/images/150405/c4x28w2u.jpg

Die ehemalige mechanische Fahrstraßenfestlegesperre ( Bauart RBD Stuttgart )über den Signalkurbeln. Die Fahrstraßenschlösser / Signalschlösser sind ausgebaut, seit die Fahrstraßenfestlegung über die elektrischen Schlüsselsperren erfolgt. Die beiden Fahrstraßenhebel werden aber weiter verwendet. Bf Essendorf Sommer 1991.

http://fs1.directupload.net/images/150405/g834pg24.jpg

Ansicht des Streckenblocks im Bf Essendorf den es seit 1913 gab. Das Endfeld von Bad Schussenried ist durch die Selbstblockanpassung 1983 entfallen. Unten sind die mechanischen Blocksperren Bauart ME / Bruchsal ) der Anfangs - und Endfeldes zu sehen. Foto Sommer 1991

http://666kb.com/i/dj0bmpxwlru6dzm68.jpg

Die Skizze des Fdl Stellwerk 1 Bf Essendorf, Stand 1990. Die Rückbauten der Fahrstraße Gleis 1 sind vollzogen. Die elektrischen Schlüsselsperren für die Fahrstraßenfestlegung waren aber seitlich am Kurbelwerk angebracht, dies diente nur zur zeichnerischen Darstellung auf dem Signallageplan.

http://fs1.directupload.net/images/150405/rfvwilno.jpg

Der Verschlußplan des Fdl Stellwerk 1 Bf Essendorf, Stand 1990.

http://fs1.directupload.net/images/150405/kldiixjm.jpg

Das Wärterstellwerk 2 Bf Essendorf im Sommer 1991. Das Wärterstellwerk war nur noch bei Bedarf z.B beim Rangieren besetzt. Im Hintergrund steht das Signal N 3 Richtung Bad Schussenried auf Fahrt.

http://fs1.directupload.net/images/150405/8wu8whp9.jpg

Die Skizze des Wärterstellwerk 2 Bf Essendorf, Stand 1990.

http://666kb.com/i/dj0bpk77hgudb9nuo.jpg

Der Verschlußplan des Wärterstellwerk 2 Bf Essendorf, Stand 1990.

Im Südbahnforum habe ich noch zwei Bilder Bild 3 und 4 zum Bahnhof Essendorf gefunden. Anbei der Link dazu.

[www.suedbahnforum.de]

Zum 9 Juli 1992 gingen die beiden Stellwerke des Bf Essendorf Außer Betrieb und wurden durch Selbstblocksignale in beide Richtungen ersetzt.

So das war mein umfangreicher Hifo Bericht zu den Stellwerken des Bf Essendorf. Ergänzungen zum Thema und Verbesserungen sind gerne Willkommen. Natürlich auch über zusätzliche Fotos von den Stellwerken innen und Außen des Bf Essendorf. Ich habe den Hifo Bericht nach meinen mir vorliegenden Unterlagen erstellt, gewisse Sachen lassen sich nicht auf den Tag genau oder das Jahr festsstellen. Mit fehlten teilweise die zugehörigen Unterlagen in Form von Gleisplänen.

Im Nachbarbahnhof Ummendorf gab es auch bis 1992 eine Stellwerksanlage wie in Essendorf. den Signallageplan ( Kopie ) habe ich dazu, aber leider KEINE Bilder, vielleicht hat jemand was zum Thema, dann könnte man daraus auch einen Hifo Bericht machen.

Gruß von S.B aus dem Norschwarzwald
Gleiplanskizze Bf Essendorf STAND 1962.jpg



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:05:07:12:16:24.

Sehr interessanter Beitrag, danke! (m1B)

geschrieben von: Claudius Bernhard

Datum: 05.04.15 15:19

Servus,

vielen Dank für die Aufnahmen! Jetzt weiß ich endlich auch mal, wie das da von innen ausgesehen hat!
Heute ist leider nicht mehr viel übrig, das EG ist im Privatbesitz, die Fläche von den ehemaligen Nebengleisen eine Brachfläche... Lange Zeit lag noch das Gleis 1 in Teilen, aber mittlerweile ist auch dieses verschwunden... Die Bahnsteigkante zwischen Gleis 2 und 3 ist auch noch vorhanden!

http://claudius-bernhard.de/Fotos/2014/20140420_DSC_9031_Essendorf_218_439_IRE4211.jpg



Gruß

Claudius Bernhard

Re: Sehr interessanter Beitrag, danke! (m1B)

geschrieben von: Jörn

Datum: 05.04.15 17:25

Ich schließe mich Claudius an. Ich bin ja Südbahn-Anwohner, aber noch nicht lange genug, und so finde auch es hochinteressant, die alten Gleispläne zu studieren. Von Formsignalen wollen ja nun gar nicht reden...

Viele Ostergrüße
Jörn.

Re: Die Stellwerksanlage des Bf Essendorf

geschrieben von: Zaubermark

Datum: 05.04.15 19:52

Hallo Stefan,

absolut klasse, was Du da zusammengestellt hast.

An den Besuch in Essendorf kann ich mich noch gut erinnern, könnte fast gestern gewesen sein. Diesen interessanten Bestand aus Ludwigsburg kannte ich noch nicht, da wird irgendwann in nächster Zeit mal wieder ein Besuch dort fällig werden.
Man müsste auch einmal die KWStE-Streckenakten zu den entsprechenden Gemarkungen an der Südbahn durchsehen, vielleicht findet sich dort noch die eine oder andere Ergänzung.
Was micht immer noch fasziniert, sind die ganze Accessoires auf dem Bild mit der Hebelbank wie K- und L-Tafel. War eine tolle Stimmung dort. Umso mehr bereue ich, Ummendorf immer vernachlässigt zu haben, bis es zu spät war.

Vielen Dank für Deine tolle Arbeit und viele Grüsse von Mark

P.S. Das Bild vom Wärterstellwerk hat seinerzeit meine Mutter angefertigt. Und was sieht man rechts? Auch Markis Rücken kann entzücken : -)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:04:05:19:55:30.

Re: Die Stellwerksanlage des Bf Essendorf

geschrieben von: ayshanancy

Datum: 05.04.15 22:40

Hallo,

hochinteressanter Beitrag, vielen Dank. Die Anlage konnte sich ja erstaunlich lange halten. Ich habe ein Kurbelstellwerk 1992 nur noch in Grünstadt angetroffen, aber das ist ja auch schon lange außer Betrieb. Da hatte mir der Bahnhofsvorsteher von Bremen einen Tip gegeben. Stellwerke.de gab es da noch nicht und man musste viel rumkommen oder Glück haben, um solche seltenen Raritäten zu finden.

Gruß von Kay!

Re: Die Stellwerksanlage des Bf Essendorf

geschrieben von: Zaubermark

Datum: 06.04.15 11:14

Hallo Kay,

> hochinteressanter Beitrag, vielen Dank. Die Anlage
> konnte sich ja erstaunlich lange halten. Ich habe
> ein Kurbelstellwerk 1992 nur noch in Grünstadt
> angetroffen, aber das ist ja auch schon lange
> außer Betrieb.

Ja, ein bischen Glück und funktionierender Buschfunk gehörte schon dazu. Als diese Bilder im Juni 1991 entstanden, gab es in der BD Stuttgart sogar noch drei Kurbelstellwerke:

- das hier gezeigte in Essendorf
- die von Stefan schon erwähnte, fast identische Anlage im benachbarten Ummendorf
- das Fdl-Befehlswerk in Schelklingen mit zwei Wärter-Endstellwerken, ebenfalls ME Esslingen (Lizenz Bruchsal)

Und auch die damals noch vorhandene Stellwerksanlage in Sigmaringen war sehenswert, zwar nicht mit einem Kurbel-Befehlswerk, aber einer Befehlsstelle ähnlich Garching oder Lindau-Reutin.

Alle gingen 1992 ausser Betrieb.

Viele Grüsse von Mark

Re: Die Stellwerksanlage des Bf Essendorf

geschrieben von: S.B

Datum: 06.04.15 11:36

Hallo Mark,

ein Kurbelwerk hast Du vergessen das es 1991 auch noch gab und zwar im Bf Münsingen bis Heute. Da kann mann sagen das es wirklich das letzte aktive Kurbelwerk Bauart ME der Ex. BD Stuttgart gewesen ist.

Gruß von Stefan

Re: Die Stellwerksanlage des Bf Essendorf

geschrieben von: Betra

Datum: 04.03.21 19:27

Auch wenn der Beitrag recht alt ist, kann ich noch ein paar Fotos beisteuern.

Das Stellwerk in Essendorf habe ich noch weniger gefledertem Zustand ablichten könne. Wir mir Eisenbahner an anderer Stelle berichtet haben, soll es in Essendorf und Ummendorf jeweils ein Dienstfahrrad gegeben haben, damit der Fahrdienstleiter im Bedarfsfall schneller zum Wärterstellwerk gelangen kann. keine Ahnung, ob das Eisenbahnerlatein war. Ich habe diesbezüglich nicht vor Ort nachgefragt.

Durch die Scheibe des Wärterstellwerks in Essendorf habe ich auch mal fotografiert. Übrigens habe ich beim Landesarchiv den Plan eines Stellwerks aus Willsbach im Hohenlohischen entdeckt. Das ist, bis auf eine gespiegelte Ausführung m. E. mit dem aus Essendorf vollständig identisch. Ein Plan des Essendorfer Stellwerk 2 findet sich im Archiv der Gemeinde Winterstettenstadt, auf deren Gebiet sich das Gebäude befand. Dieser wurde im Gemeindeblatt "Der Winterstetter" im Rahmen eines sehr lesenswerten, mehrteiligen Artikels zur Geschichte der Bahn im Ort veröffentlicht.

Ein Foto des Fahrdienstleiterstellwerks in Ummendorf habe ich auch noch gefunden. Als Bonus noch das ähnliche Stellwerk in Mochenwangen, bis 1983 in Betrieb sowie der Blockstelle Durlesbach (bis Inbetriebnahme DR-Stellwerk in Aulendorf, AFAIK 28.12.1983) und der 1984 im Rahmen von Bauarbeiten eingerichteten Hilfsbetriebsstelle Kehlen. Letztere leider nur von außen.

Ergänzen kann ich auch noch, dass die Blockstelle Wattenweiler, als solche bis zur Inbetriebnahme des Dr-Stellwerks in Bad Schussenried (AFAIK 11.11.1982) zwar vorhanden, aber ständig örtlich durchgeschaltet war. Dieser Zustand könnte so seit 1975 gewesen sein, denn im dem Landesarchiv finden sich Hinweise auf entsprechende Personalunterlagen bis zu diesem Jahre.

https://live.staticflickr.com/65535/48489542072_fef06c20b7_c.jpg
Stellwerk Essendorf 17.04.1983 by Thomas Reincke, auf Flickr

https://live.staticflickr.com/65535/48490730176_78e7ee5be6_c.jpg
Stellwerk 2 Essendorf by Thomas Reincke, auf Flickr

https://live.staticflickr.com/65535/48496627851_6969e2a328_c.jpg
Essendorf Stellwerk 2, 26.07.1985 by Thomas Reincke, auf Flickr

https://live.staticflickr.com/65535/48491185932_224eff04b0_c.jpg
Stellwerk2-Essendorf_durchs_Fenster by Thomas Reincke, auf Flickr

*** Ummendorf ***

https://live.staticflickr.com/65535/48493387632_bae6a20d9a_c.jpg
Stellwerk Ummendorf, 26.07.1985 by Thomas Reincke, auf Flickr

*** Mochenwangen ***

https://live.staticflickr.com/65535/48491227377_fd8750eac9_c.jpg
Kinderarbeit? Nachwuchsförderung! by Thomas Reincke, auf Flickr

https://live.staticflickr.com/65535/50693696353_12201b66d4_c.jpg
Mochenwangen, 05.03.1983 by Thomas Reincke, auf Flickr

*** Durlesbach ***

https://live.staticflickr.com/65535/48490981477_cb7da7f5c7_c.jpg
Stellwerk der Blockstelle Durlesbach by Thomas Reincke, auf Flickr

*** Kehlen ***

https://live.staticflickr.com/65535/49356754281_2b0a1e044e_c.jpg
Hilfsbetriebsstelle Kehlen, 09.06.1984 by Thomas Reincke, auf Flickr