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Hallo HiFo!

Vor nicht allzu langer Zeit fiel mir folgende Schrift in die Hände, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:


Bild 1:

http://abload.de/img/img634iezay.jpg



Es handelt sich offensichtlich um ein Duplikat einer "Schmalversion" eines Betriebsbuches, was wohl beim Maschinenamt Paderborn aufbewahrt worden ist.
Was es mit den "Duplikaten der Concessionsurkunden" auf sich hat und warum sie beim Maschinenamt aufbewahrt wurden, ist mir nicht bekannt. Aber vielleicht kann jemand aus dem HiFo uns hier weiterhelfen. Vielleicht muss man sich das ja wirklich so vorstellen, dass zu jeder Lok die beim MA Paderborn regelmäßig untersucht wurde, eine Akte existierte und das genau diese hier, die vorliegende war. Was müsste das für ein Meter an wertvollster Werkbahn-Historie sein... Aber vielleicht liege ich mit meiner Vermutung ja falsch. Ich bin gespannt...

Es handelt sich jedenfalls um die Hohenzollern 1898/1143. Jens Merte sagt dazu in seinem Lieferverzeichnis:
Hohenzollern F 1143 1899 Nienburg alt Bfl 1435 .01.1899 Bernburger Portland-Zementfabrik, Plazschke & Co.

Vom Grundsatz her passt das ganz hervorragend. Für alle Freunde der technischen Daten habe ich hier die Scans der "Bescheinigung ... über die Wasserdruckprobe..." und die "Beschreibung zur Genehmigung einer Dampfkesselanlage" aus dem Jahr 1898.


Bild 2:

http://abload.de/img/img635r7zs6.jpg


Bild 3:

http://abload.de/img/img63626z9w.jpg


Bild 4:

http://abload.de/img/img637qhllc.jpg


Bild 5:

http://abload.de/img/img638kbxse.jpg


Bild 6:

http://abload.de/img/img639a4bs4.jpg



Und da es so schön ist hier noch die Skizze der Lok:


Bild 7:

http://abload.de/img/img632bjl8v.jpg


Bild 8:

http://abload.de/img/img633qsxi6.jpg



1922 scheint es dann eine Veränderung gegeben zu haben. Jedenfalls gibt es nun eine Genehmigungsurkunde, die einen neuen Besitzer - das "städtische Gaswerk Paderborn" - ausweist. Vielleicht war es üblich, dass solch eine Urkunde bei einem Besitzerwechsel ausgestellt wurde.
Die mir vorliegende Mappe beinhaltet jedenfalls keinerlei Informationen für die Zeit zwischen 1898 und 1922.

Interessant ist der Schreibfehler im oberen Teil der Urkunde - hier hat die Lok plötzlich die Fabriknummer 1134 und das passt natürlich gar nicht.


Bild 9:

http://abload.de/img/img644dox72.jpg


Bild 10:

http://abload.de/img/img645bdxlt.jpg



Die nächste Frage wirft die "Bescheinigung der Abnahme-Untersuchung" auf. Hier findet sich der abschließende Satz: "Die Lokomotive wurde am 1. Juli 1921 dem Betrieb übergeben." Heißt das, dass die Lok 1921 zu den städtischen Gaswerken Paderborn kam, aber erst 1922 geprüft worden war?


Bild 11:

http://abload.de/img/img6418hab6.jpg



Dann folgen eine ganze Serie an Bescheinigungen über ausgeführte Untersuchungen. Nämlich:
- Feb./Mrz 1921: Außerordentliche innere und äußere Untersuchung. - Nebenbemerkung: Ab hier besitzt die Lok die Nummer "24"
- Apr./Mai 1924: Regelmäßige äußere und innere Untersuchung
- Sept. 1927: Regelmäßige äußere Untersuchung
- Jun 1930: Regelmäßige äußere und innere Untersuchung
- Aug 1933: Regelmäßige äußere Untersuchung
- Jun 1936: Regelmäßige innere und äußere Untersuchung
- Nov 1939: Zwischenuntersuchung ohne Wasserdruckprobe
- Aug 1941: Regelmäßige innere Untersuchung
- Mrz 1944: Regelmäßige äußere Untersuchung
- Jun 1944: Regelmäßige äußere und innere Prüfung nebst Wasserdruckprobe

Danach findet sich auf der Rückseite ein Vermerk, dass die Lok 1947 einen neuen Kessel (Eisenwerk Baumgarte 10159/1947) erhalten hat.


Bild 12:

http://abload.de/img/img6405hxi2.jpg


Bild 13:

http://abload.de/img/img642zuxfm.jpg



Danach gehen die Genehmigungen weiter:
- Jul 1948: Regelmäßige äußere Prüfung
- Mai/Jun 1950: Regelmäßige äußere und innere Prüfung
- Feb 1952: Regelmäßige äußere Prüfung
- Feb 1953: Regelmäßige äußere Prüfung
- Apr 1953: Regelmäßige äußere und innere Prüfung
- Jan 1955: Regelmäßige äußere Prüfung
- Dez 1956: Regelmäßige äußere Prüfung
- Sep 1959: Regelmäßige äußere Prüfung
- Mai 1963: Regelmäßige äußere Prüfung

Laut Deckblatt wurde die Lok dann 1967 verschrottet.

Interessant:
In dem Wust der Untersuchungs-Bescheinigungs-Zettel sind einige Bescheinigungen, die wohl nicht hier her gehören:


Bild 14:

http://abload.de/img/img6437wa1s.jpg



Es sind dies die Bescheinigungen der feuerlosen Lok (Baujahr 1923 / Fabr. Nr. 9560) der Benteler Werke A.G. in Schloß Neuhaus. War das vielleicht die HANOMAG 9560/1923 (neu an Brauerei Göss <=> neu Adler & Oppenheimer, Neumünster)???
- Jun 1961: Regelmäßige äußere und innere Prüfung
- Apr 1962: Regelmäßige äußere Prüfung
- Dez 1962: Außerordentliche Wasserdruck-Prüfung auf Grund des Alters von über 35 Jahren
- Mrz 1963: Regelmäßige äußere Prüfung

Soweit und soviel für die Freunde der Statistik. Ich hoffe, es gefällt!

Ich würde mich an dieser Stelle sehr über ein Foto der Lok 24 der Gaswerke Paderborn freuen!


Mit bestem Gruß - insbesondere an die Eisenbahnfreunde im Großraum Paderborn...

Christian





PS.: An alle später Lesenden: Erfahrungsgemäß antworten die meisten Leser innerhalb der ersten 24 Stunden auf einen Forumsbeitrag. Gelesen wird er aber auch noch Wochen später. Ich freue mich natürlich auch noch nach Tagen, Wochen, Monaten über jede Rückmeldung, Anregung und Kritik!

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3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:03:16:18:04:51.

Was für ein Fund!

geschrieben von: christoph beyer

Datum: 16.03.15 08:09

Hallo Christian,

Was für ein Fund! Hinter der Identität der Lok sind wir schon lange her - mein Bruder hat im vergangenen Jahr in Akten des Gaswerkes in Paderborn gesucht, aber nichts gefunden. Und Du zeigst hier mal so eben diese Dokumente. DANKE!

Ich habe den Lebenslauf der Lok ergänzt und korrigiert [www.schmalspur-ostwestfalen.de] - die Einzelheiten gehe ich später noch einmal durch.

Spannend finde ich die Angabe des zum Hersteller des Ersatzkessels: Das "Eisenwerk Baumgarte GmbH", Brockhagener Straße 5, (Bielefeld-) Brackwede war mir als Gleisanschließer bei der Bundesbahn in Brackwede bekannt. Die Firma gibt es noch heute [www.eisengiesserei-baumgarte.de]. Sie war mir schon einmal als Lieferant eines anderen Kessels begegnet: In diesem Beitrag über die Feldbahnen der Bielefelder Hartsteinwerke hatte ich dieses Bild gezeigt:

http://www.schmalspur-ostwestfalen.de/imgs/werkbihart/WH-A2-066-1000.jpg

Hier wird ein Dampfkessel für die Herstellung von Kalksandsteinen angeliefert. Offenbar war man auch in der Lage, Kessel für Lokomotiven zu bauen! Der Kessel hat jedenfalls das Betriebsende in Brackwede erlebt und ist danach nach China verkauft worden. Und wenn er den Transport überlebt hat, kocht er dort noch heute Kalksandsteine ...

Den Beifang mit der Dampfspeicherlok der Bentelerwerke muss ich erst noch verdauen.

Liebe Grüße - christoph beyer






3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:09:27:14:46:46.

Zwischenstation...

geschrieben von: Essenberger

Datum: 16.03.15 09:04

Moin,

wenn ich das so richtig lese, war die Lok zwischendurch noch "in anderen Händen":

- 16. Februar 1921 / Besitzer Hohenzollern D.- Grafenberg, Lok 24

am 02. März 1921 folgte eine Wasserdruckprobe ebendort bez. einer Instandsetzung im Werk (Hohenzollern)

Ein Jahr später, am (10.02.1922) folgte eine Probefahrt auf dem Anschlussgleis der Stadtwerke Paderborn

Bedeutet:

Die Lok wurde von der Zementfabrik wieder an Hohenzollern abgegeben, dort aufgearbeitet und nach Paderborn veräußert (?)

Alte Unterlagen sind immer interessant, aber nicht immer ganz schlüssig

beste Grüße

Rüdiger

Re: Zwischenstation...

geschrieben von: Chr. Dahm

Datum: 16.03.15 09:13

Hallo Rüdiger,

stimmt, das sieht spannend aus. Ich prüfe das heute Abend nochmal im Detail... Jetzt muss ich erst mal arbeiten...

G R Ü S S E!

Christian

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Re: Zwischenstation...

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 16.03.15 13:24

Essenberger schrieb:
-------------------------------------------------------
>
> Bedeutet:
>
> Die Lok wurde von der Zementfabrik wieder an
> Hohenzollern abgegeben, dort aufgearbeitet und
> nach Paderborn veräußert (?)


Das sehe ich aber ganz genauso - dieses Detail ist mir gar nicht aufgefallen!

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(

Schöne Unterlagen

geschrieben von: Matthias Nieke

Datum: 16.03.15 18:06

Hallo zusammen,

das sind prima Unterlagen wie ich sie für "meine" hiesigen Werkloks auch gern hätte.

Danke für die Präsentation, auch für den "Beifang".


Beste Grüße

Matthias Nieke
Hallo zusammen,

bevor es gleich zum nächsten Termin geht, habe ich nun noch mal in die "Zettelwirtschaft" genauer reingeschaut.

Ja, die Lok war wohl tatsächlich im Feb/Mrz 1921 im Besitz der Lokomotivfabrik Hohenzollern und trug dort die Lok-Nr. 24 - (Bild 11). Grund der "außerordentlichen Untersuchung" war - wie auf der Bescheinigung angegeben - die "gründliche Instandsetzung der Lok". - Sie wurde also für den Weiterverkauf aufgehübscht.

Der Besitzerwechsel scheint dann im Februar 1922 stattgefunden zu haben, jedenfalls verstehe ich so die hochoffizielle und mit Siegel versehene Genehmigungsurkunde (Bilder Nr.9+10). Hier ist übrigens keine Loknummer angegeben.

Bei den nachfolgenden Bescheinigungen wird immer der Besitzer "Städtisches Gaswerk Paderborn" und die Lok-Nr. 24 angegeben. Das könnte aber auch ein "Übertragungsautomatismus" sein. Ob die Lok die Nr. wirklich getragen hat? Man weiss es nicht. Die letzte Bescheinigung mit Nr. 24 ist jedenfalls die vom Aug. 1941. Danach ist die Lok nummernlos.

Also schlage ich folgenden Lebenslauf vor:
Hohenzollern (1143/1898), Nienburg alt, Bfl, 1435 mm
01/1899 Auslieferung an Bernburger Portland-Zementfabrik, Plazschke & Co, Bernburg [D];
vor Feb 1921 an Hohenzollern AG, Düsseldorf-Grafenberg [D], Lok 24;
Feb 1922 an Städtisches Gaswerk Paderborn, Paderborn [D];
1947 Einbau eines Ersatzkessels (Baumgarte 10159/1947) [D];
1967 ++ [am 04.09.1967 als verschrottet gemeldet]

Und bevor ich das vergesse: Besten Dank an alle "Mitdenker", "Aufpasser" - dass ich nicht wieder Gerüchte in die Welt setze... - und an Ludger für das Bild!

Besten Gruß

Christian

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und zu meiner Internetseite über die KED Elberfeld, Essen und Cöln und deren Vorläufern ...
Das ist ja mal wirklich eine Überraschung! Das hätte ich nicht gedacht, dass sich das Rätsel noch lösen lässt!

Bislang war ja nur bekannt "Hohenzollern" und "Baujahr 1898", damit kamen nach der bei Karl Poschewinski ("Feuerlose Lokomotiven", 2000, S. 95) abgedruckten der Liste fünf Maschinen in Frage (Fabriknummern 1047–1049, 1052, 1053). Mein Favorit war bislang der Typ Griesheim und die Nummer 1049. Daneben gelegen! Nun ist es mit der 1143 eine erst 1899 ausgelieferte Maschine, die aber dennoch das Baujahr 1898 auf dem Schild trug. Und der Typ lautet "Nienburg alt", nicht "Griesheim".

Bevor mein Bruder hier Gerüchte in die Welt setzt: Ich habe im Stadtarchiv Paderborn zwar tatsächlich nach Werkbahnen gesucht, durchaus auch einige Ziegeleien und viele Trümmerbhanakten gefunden, aber um das Gaswerk konnte ich mich bialng noch nicht kümmern. Als nächstes ist übrigens die Geschichte der Anschlussbahn Mönkeloh dran.

Viele Grüße

Burkhard Beyer

noch ein Foto

geschrieben von: ludger K

Datum: 16.03.15 23:18

Im Todt-Archiv fand ich ein weiteres Foto, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Reinhard es eigenhändig aufgenommen hat. Im Hintergrund befindet sich übrigens die PESAG-Hauptwerkstatt.


http://666kb.com/i/cwz0o8siahe3th9li.jpg


Re: noch ein Foto

geschrieben von: stenkelfelder

Datum: 17.03.15 12:02

Nähere Informationen zur Firma Baumgarte (inkl. Geschichte) unter:
[www.standardkessel-baumgarte.com]

Meine Überlegungen zum Verkauf der Lok

geschrieben von: christoph beyer

Datum: 17.03.15 12:31

Ich habe die Unterlagen jetzt ein paar Mal durchgesehen und verstehe die verschiedenen Datumseinträge in den Jahren 1921 / 22 so:

Offensichtlich ist die Lok von der Bernburger Portland-Zementfabrik an den Hersteller zurückgegeben worden und dort für den Weiterverkauf vorbereitet worden. In dem Formular wurde zunächst eingetragen, wann die Lok zur nächsten Untersuchung fällig gewesen wäre: Am 19. Juni 1922 wäre der Kesselprüfer angerückt. Die Lok wurde aber schon am 16.Februar 1921 in Düsseldorf untersucht und befundet (Bild 11). Am 2.März gab es in Düsseldorf dann noch eine Druckprobe – und danach war sie wahrscheinlich fertig zum Verkauf.

Bild 10 zeigt nun das Formular für die Abnahmeuntersuchung. Es wird festgehalten, dass die Lok am 2. März 1921 in Düsseldorf geprüft wurde und bei der Probefahrt am 10. Februar 1922 auf dem Anschlussgleis des Gaswerkes ohne Beanstandungen gelaufen ist. Warum man sich mit dem Abnahmebesuch so lange Zeit gelassen hat, kann offen bleiben. Aber dann wird der letzte Satz des Formulars etwas seltsam ausgefüllt: Der Satz „Die Lok wurde am … (eingetragen: 1. Juli 1921) dem Betrieb übergeben“ ist wohl falsch verstanden worden. Eigentlich hätte hier eingetragen werden müssen, dass die Lok nach der erfolgreichen Prüfung am 10. Februar 1922 wieder dem Betrieb übergeben worden ist. Aber irgendjemand wusste noch, wann die Lok in Paderborn in Betrieb gegangen ist und hat dieses Datum eingetragen. So verstehe ich diesen Eintrag.

Für die regelmäßigen Prüfungen von Kesseln wurden auch in anderen Betrieben Formulare wie bei Bild 11 verwendet. Dort konnte auf einer Seite der ganze Prüfvorgang dokumentiert werden. In der Regel ließen die Betriebe einen Prüfer der Dampfkessel-Überwachungsvereine oder später vom TÜV kommen – der hielt dann fest, ob die Lok in Betrieb stand oder kalt vorgefunden wurde. Beanstandungen wurden festgehalten mit der Anweisung, sie bis zu einem festgesetzten Termin zu beheben. Kopien dieser Berichte gingen dann offenbar auch an das überwachende Maschinenamt – hier eben nach Paderborn.

Ergebnis für mich: Instandsetzung der Lok in Düsseldorf im Frühjahr 1921, danach Verkauf nach Paderborn und dort Inbetriebnahme am 1.7.1921. Die nächste regelmäßige Prüfung war dann dort nach einem Jahr am 10.2.1922.

Die neue Frage für mich: Wann wurde eigentlich das Anschlussgleis des Gaswerkes eröffnet und stillgelegt? Dazu fehlen mir Daten – aber vielleicht kann ja jemand weiterhelfen?

Gruss, christoph beyer





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:03:17:22:00:39.

Könnte es sein...

geschrieben von: Essenberger

Datum: 17.03.15 13:57

das die Gaswerke in Paderborn 1921 noch gar keine Möglichkeit hatte,
eine Dampfspeicherlok "aufzuladen" ?

Evtl. war der Dampferzeuger noch im Bau, und man benötigte die Lok vorher noch nicht... (?)

Nach Gieseler wurde eine ortsfeste Dampfmaschine erst 1925 montiert.

Bis dahin waren Gasmotoren als Verdichter im Einsatz

[www.albert-gieseler.de]

Glück Auf,

Rüdiger

Re: Könnte es sein...

geschrieben von: Michael Kelter

Datum: 17.03.15 17:38

Hallo!

Dies ist keine "Schmalversion" eines Betriebsbuches. Die Betriebsbücher von Werk- und Privatbahnloks sind fast immer so dünn und umfassen meist nur wenige Seiten.

Interessant das der Kesselwärter eine MÄNNLICHE Person über 18 Jahre sein mußte !



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:03:17:17:43:45.
Hallo Namenvetter!


Da hast Du aber einen interessanten und lehrreichen Beitrag aus Deinem "Fang", zu dem ich Dir gratulieren möchte, gemacht. Magst Du etwas zu den "Umständen" des Fanges nachreichen - und gibt es da noch mehr?

Nach meinem Kenntnisstand befindet sich ein Exemplar des Betriebsbuches o. ä. beim Betreiber der Lok und ein weiteres bei der Aufsichtsbehörde, sprich dem Bevollmächtigten für Bahnaufsicht (siehe Deckblatt hier "LfB"), der (eigentlich unlogisch bei privaten Maschinen) bei der Staatsbahn-Direktion saß. Allerdings kenne ich einen Fall, daß man zu einer neuen Lokomotive für die Überwachung vor Ort durch das (Staatsbahn-)Maschinenamt nachträglich beim Hersteller eine dritte Ausführung des Betriebsbuches angefordert hat. Daraus schließe ich, daß Drittschriften beim MA nicht Pflicht waren, vermute aber, daß so etwas öfter vorgekommen ist.

Skizzen (ich würde das eher als Zeichnung bezeichnen) der Lok (Bild 7) kenne ich in Betriebsbücher fast keine, vielleicht hat dieses Exemplar gerade deshalb die Zeiten überdauert? Üblich (Pflicht?) ist aber eine Kessel(-genehmigungs-)zeichnung.

Fehler wie den Zahlendreher in Bild 9 (F.-Nr. 1134 statt 1143) findet man öfter, nur sind sie nicht immer so leicht zu erkennen. Gleiches gilt für den "Übertragungsautomatismus" bei der Lok-Nr. 24. Auch bleiben häufig Fragen wie das genaue Eintreffen in Paderborn offen. Könnte die Bfl nicht auch nach der Untersuchung am 1. Juli 1921 beim Hersteller in Düsseldorf als (Vorführ-)Lok wieder in Betrieb gegangen sein? Denn eigentlich fordern die Vorschriften (s. a. Bild 13, Punkt 2) vor dem Einsatz (in Paderborn) erst die Abnahme und Genehmigung. (Teile der) "Concession" für Düsseldorf zeigt dagegen der Umschlag.

Der "männliche Kesselwärter" erscheint uns heute sonderbar, ist aber der zeittypische Text. Befremdlich finde ich die (eigentlich üblichen) Ausführungen zu "Feuers Rauch, Ruß oder Flugasche" allerdings bei einer Feuerlosen (immer noch Bild 13). In der Genehmigung für die stationäre Dampfanlage dürfte das nämlich auch gestanden haben.

"Beifang" wie Bild 14 ist übrigens auch nicht so selten und natürlich ein "Sahnehäubchen": Ein Betriebsbuch lesen und über mehrere Lokomotiven informiert werden.

Bei den Fotos von Ludger Kenning aus dem Todt-Archiv sind mir noch die Räder ohne Gegengewichte aufgefallen. Ist das bei Innentriebwerk üblich?

Abschließend möchte ich noch auf die Titelseite der "Concessionsurkunde" (Bild 1) hinweisen. Dort steht u. a. recht weit unten nach einer Änderung: "Lokomotive Betriebs No. 24 Fabrik No. 10159". Das ist bekanntlich (nur) die F.-Nr. des Ersatzkessels aus dem Jahre 1947 und nicht des Fahrgestells und damit nach deutschen Gepflogenheiten der Lok. Ketzerische Frage meinerseits: Welche Fabriknummer wird wohl für diese Lokomotive in Inventarlisten des Gaswerkes Paderborn oder in Fahrzeuglisten des LfB o. ä. stehen? Ich hatte da nämlich einmal einen netten Briefwechsel mit einem Gleichgesinnten, der mir stolz berichtete nur original Unterlagen zu verwenden. Nachdem ich gewagt hatte ihn darauf hinzuweisen, daß auch darin Fehler enthalten sein könnten, brach der Kontakt ab ...


Nochmals herzlichen Dank für diesen Pracht-Beitrag und viele Grüße

Christian Kamrath

Zum Gleisanschluss

geschrieben von: Burkhard Beyer

Datum: 18.03.15 00:04

Das Gaswerk in Paderborn ist zwar schon 1854 gegründet worden, der ursprüngliche, noch bescheidene Betrieb lag aber direkt neben dem Empfangsgebäude des Hauptbahnhofes (auf der Nordostseite, später Standort einer kleinen Maschinenfabrik). 1866 kaufte die Stadt das Gaswerk von den privaten Gründern. 1897 wurde mit den Planungen für ein neues Gaswerk im Norden der Stadt begonnen, das im März 1898 in Betrieb genommen wurde. Das Anschlussgleis muss von Anfang an vorgesehen gewesen sein, konnte aber erst nach Inbetriebnahme der Sennebahn 1902 eröffnet werden. Das Gaswerk der Stadtwerke lag übrigens genau neben dem Kraftwerk der PESAG, beide teilten sich das Anschlussgleis.

Zur Lage und zum Verlauf des Gleisanschlusses darf ich auf die Karte am Ende des folgenden Beitrags verweisen: [www.drehscheibe-online.de]

Viele Grüße

Burkhard Beyer

Re: Zum Gleisanschluss

geschrieben von: ludger K

Datum: 18.03.15 00:27

Die Karte entspricht jener in meinem PESAG-Buch. Fragt sich nur: Wo liegt die Weiche, auf der die Lok auf meinem zweiten Bild steht? Im Stadtarchiv Paderborn liegt bei Herrn Gaidt übrigens ein altes Album mit herrlichen Plattenaufnahmen vom Bau oder von der Erweiterung des Gaswerks. Stadtwerke und PESAG waren sich nicht immer grün. Da ist fraglich, ob sie sich überhaupt und ggf. in welcher Form das Agl geteilt haben. Womit sollte die PESAG das Gleis bedient haben?
Besten Gruß
Ludger

Re: Zum Gleisanschluss

geschrieben von: Burkhard Beyer

Datum: 18.03.15 09:51

Tja, wo liegt die Weiche? Es könnte das Anschlussgleis zur BBAG sein, eine andere Idee habe ich auch nicht. Das von mir gezeigte Bild der BBAG entstand ja von kurz vor 1970 und zeigt das Gelände direkt nach einem grundlegenden Umbau.

So weit ich weiß, war das Gaswerk zunächst mit einer Drehscheibe angeschlossen, die Wagen wurden dann vermutlich mit einer Seilzuganlage gedreht und bewegt. Es könnte sein, dass der Kauf der Lok im Zusammenghang mit dem Einbau der Kurve steht. Übrigens sehe ich keinen Grund, warum die fertig aufgearbeitete Lok nicht ein halbes Jahr in Düsseldorf auf einen Käufer gewartet haben soll!

Herrn Gaidt habe ich bereits auf diesen Beitrag hingewiesen, er fand ihn sehr interessant.

Viele Grüße

Burkhard Beyer

Re: Zum Gleisanschluss

geschrieben von: ludger K

Datum: 18.03.15 12:37

Die Drehscheibe gab es tatsächlich. Wann sie durch eine Kurve ersetzt wurde, weiß auch ich nicht genau. Vermutlich war es Mitte der 20er Jahre, als die PESAG ihre Wagenhalle modernisierte und an der Ostseite ein (später ein weiteres) Abstellgleis verlegte (dort verlief zuvor das Normalspurgleis zur Drehscheibe).

Besten Gruß
Ludger
Hallo HiFo!

Und herzlichen Dank für alle Rückmeldungen!

Um gleich die drängenste Frage vorweg zu beantworten: Diese Concessionsurkunde ist leider ein Einzelstück und durch einen glücklichen Umstand in meine Hände bekommen. Das einzige "andere Betriebsbuch" in meinem Besitz ist ein unvollständige Version der Hornitex-Köf, von der ich gerne mal bei Interesse etwas zeigen kann.

Interessant finde ich noch vier Aspekte:

1. Es ist sehr schwierig technische Daten der Loks herauszubekommen. Karl Pokschewinski - "Feuerlose Lokomotiven - Lok Rundschau 2000" schweigt sich hier aus. Er liefert nur eine Aufstellung des 1912-Typenprogramms. In meinen Unterlagen steht ebenfalls nichts...
2. Wo war eigentlich der Unterschied zwischen "Nienburg alt" und der späteren Bauform "Nienburg"?
3. Die Lok ist ja beimbesten Willen nicht groß, aber es scheint noch 7 (!) kleinere Typen der Hohenzollernschen Dampfspeicherloks gegeben zu haben.
4. Weit verbreitet war die Lok-Type auch nicht. Zwischen 1882 und 1900 hat Hohenzollern 70 Dampfspeicherloks gebaut, davon aber nur fünf vom Typ "Nienburg alt". Es waren dies (Aufzählung nach der Merte-Liste):

Hohenzollern F 791 1894 Nienburg alt Bfl 1435 neu Städtische Gasanstalt Kassel
Hohenzollern F 844 1895 Nienburg alt Bfl 1435 .04.1895 Eschweiler Drahtfabrik
Hohenzollern F 932 1896 Nienburg alt Bfl 1435 .08.1896 Portland-Zementfabrik Schmidt, Brosang & Co., Wernsdorf
Hohenzollern F 1053 1898 Nienburg alt Bfl 1435 .04.1898 H. Heye, Glasfabrik, Nienburg/Weser
Hohenzollern F 1142 1899 Nienburg alt Bfl 1435 .01.1899 Waggonfabrik Killing & Sohn, Hagen
Hohenzollern F 1143 1899 Nienburg alt Bfl 1435 .01.1899 Bernburger Portland-Zementfabrik, Plazschke & Co.

Besten Gruß und bis die Tage!

Christian

http://abload.de/img/signatur26pu08.jpgZu meinem HiFo-Inhaltsverzeichnis: Vor 100 Jahren in...

und zu meiner Internetseite über die KED Elberfeld, Essen und Cöln und deren Vorläufern ...




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:03:21:08:32:03.
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