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 04 - Historische Bahn 

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Als ich am 17. Juli 1987 vormittags im Bw Osnabrück 2 an der Schinkelstraße (dort war die VT-Gruppe des Bw Osnabrück 1 untergebracht) vorbeischaute, war man dort in heller Aufregung. Der damalige VT-Werkmeister empfing mich schon mit der Frage, ob ich wegen der ausgebrannten 624er gekommen wäre. Das war mir zu diesem Zeitpunkt aber vollkommen neu. Welche Fahrzeuge denn betroffen seien? Als Antwort bekam ich: „624 642, 660, sowie 924 416, 429 und 435“. Prost Mahlzeit! Und das, wo doch die Fahrzeugdecke bei den Triebwagen eh schon recht dünn war.

Man wolle in Kürze nach Münster fahren und sich die Fahrzeuge anschauen. Ob ich mitkommen wollte. Leider war mir das an diesem Tag nicht möglich, aber schon am nächsten Tag verabredete ich mich mit Dirk Schröder(†) für Sonntag, dem 19. Juli 1987, zur Fahrt nach Münster. Was wir dort sahen, tat in der Seele weh. Was war passiert:

In den frühen Morgenstunden des 17. Juli 1987 waren die oben genannten Fahrzeuge im Bereich des Münsteraner Hauptbahnhofs Opfer eines Feuers geworden. Während 624 642, 660 und 924 435 nahezu vollständig ausbrannten, erlitten 924 416 und 429 lediglich Löschwasserschäden und waren nach einigen Wochen wieder im Einsatz. In ersten Stellungnahmen war damals von fahrlässiger Brandstiftung die Rede. Mutmaßlich hatten sich Nichtsesshafte Zutritt zum 624 660 verschafft und dort ein Feuer zwecks Zubereitung von Speisen entfacht, welches dann außer Kontrolle geriet und zu dem vorliegenden Ergebnis führte. Ob die Ermittlungen diese Vermutungen bestätigt haben, ist mir leider nicht bekannt.

Der 624 660 brannte bis zu den 1. Klasse-Abteilen komplett aus, der mit diesem gekuppelte 924 416 erlitt lediglich Löschwasserschäden. Der zweite Motorwagen (ich habe auch mal gewusst welcher das war) blieb gänzlich unbeschädigt und konnte sofort wieder eingesetzt werden.

Direkt neben dem 626 660 standen leicht versetzt der 624 642, 924 435, 924 429 sowie ein weiterer Motorwagen. So griff das Feuer vom 624 660 auf den hinteren Teil des 624 642 und den vorderen Bereich des 924 435 über, die ebenfalls zum großen Teil ausbrannten. Für den 924 429 und den zweiten Motorwagen gilt das bereits zum 924 416 und dem unbekannten Motorwagen gesagte.

Noch am 17. Juli 1987 wurde der 624 660 vom 924 416 getrennt und auf ein Gleis am Bww Münster geschoben. Beim 624 660 war das Dach komplett ausgeglüht, wodurch sich der Wagenkasten so stark durchbog, dass Motorblock und Getriebe auf dem Gleis auflagen, was einen Abtransport zunächst nicht zuließ. In den nächsten Tagen waren die restlichen Fahrzeuge mit geöffneten Türen zwecks Durchlüftung im Bww Münster abgestellt und wurden noch in der 30. Kalenderwoche ins AW Kassel überführt, welches 924 416 und 429 schon bald wieder in Richtung Osnabrück verließen.

Lange Zeit war unklar, was mit dem 624 660 passieren sollte. Zunächst erwog man eine Zerlegung an Ort und Stelle, dann allerdings demontierte man im September 1987 Motorblock und Getriebe unter dem Zug, was den Rahmen ein wenig entlastete, wodurch dieser sich einige Zentimeter hob, so dass eine Überführung nach Kassel möglich wurde. Man dachte zunächst an eine Wiederherstellung eines Triebkopfes durch Verwendung des hinteren Teils des 624 660 und des vorderen Teils des 624 642. Allerdings waren die Schäden doch so gravierend, dass man diesen Plan bald zu den Akten legte. Daraufhin folgte die Ausmusterung der 624 642, 624 660 und 924 435 zum 30. April 1988.

Dieses Ereignis blieb aber nicht ohne Folgen für den 624er-Einsatz beim Bw Osnabrück 1. Das Fehlen dreier Mittelwagen im Sommer 1987 führte dazu, dass man den Plan für vierteilige Garnituren während der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen zum Teil nur dreiteilig fuhr. Aus Mangel an Triebfahrzeugen, die 624 waren in Osnabrück durch die dortige Generalvertretung im Sonderverkehr immer gut ausgelastet, klinkte man den Tag 27 des dreiteiligen Hauptplans aus dem Umlauf aus und fuhr diesen mit einem lokbespannten Zug (211 und drei Reisezugwagen). Wenn der 624 mit dem N 8609 über die Rollbahn aus Münster kam, wurde er durch den lokbespannten Zug ersetzt, der nun die Leistungen auf der Strecke Osnabrück – Delmenhorst übernahm. Wenn dieser mit dem N 8332 nach Osnabrück zurückkehrte, ging der dreiteilige 624 mit dem N 8347 wieder in den Plan. So bekam man im Bw Osnabrück etwas Luft, um dringende Reparaturen und Fristarbeiten ausführen zu können.


Nun zu den Bildern vom 19. Juli 1987 aus dem Bww Münster. Noch lag rund um die Fahrzeuge Brandgeruch in der Luft:

Bild 1: Das Feuer brach gegen 04.00 Uhr im 624 660 aus, der bis zu den 1. Klasse-Abteilen ausbrannte. Anschließend lagen Motorblock und Getriebe auf den Gleisen auf:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/6430616135643365.jpg

Bild 2:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/3864316133663734.jpg

Bild 3:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/6565343735663061.jpg

Bild 4:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/6665643930393363.jpg

Bild 5: Dirk Schröder(†) war am 12. August 1987 noch einmal im Bww Münster und fertigte diese Innenaufnahme des 624 660 an:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/6163353466626434.jpg

Bild 6: 624 642 wurde durch den Brand des 624 660 im hinteren Teil schwer beschädigt. Auch der dahinterstehende 924 435 bekam einiges ab. Der dritte im Bunde, der 924 429 kam glimpflich davon und konnte schon bald wieder eingesetzt werden:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/3666346536363530.jpg

Bild 7:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/6364613134643761.jpg

Bild 8:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/6134303865623163.jpg

Bild 9:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/3566663238383962.jpg

Bild 10: Auch der 924 416 war nahezu unversehrt, nur leichte Löschwasserschäden waren zu vermelden. Die Türen sind allesamt geöffnet um den Brandgeruch aus dem Fahrzeug zu bekommen:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/6135666339313862.jpg

Bild 11: Wenn das angegebene Datum (24. Juli 1987) korrekt ist, müssen 924 435 und 624 642 soeben im AW Kassel eingetroffen sein, als D. Klug die Fahrzeuge im Bild festhielt:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/3130363833333562.jpg

Bild 12:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/3631366335346438.jpg

Bild 13: Am 01. August 1987 fotografierte J. Stender die 624 642, 924 435, 924 429 und 924 416 im AW Kassel. Die beiden letztgenannten kamen nach einer Grundreinigung zurück nach Osnabrück:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/3530616630643037.jpg

Als Dirk Schröder(†) am 17. Juni 1988 erneut das AW Kassel besuchte, waren zumindest 624 642 und 924 435 noch vorhanden. Sie dürften aber bald darauf verschrottet worden sein. Die Bilder zeigen nichts Neues, so dass ich darauf verzichte, sie hier zu präsentieren. Tja, so war das damals im Juli 1987.


Bis neulich - natürlich im HiFo

Rolf Köstner





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:03:10:17:29:58.
Mal wieder ein sehr gelungener Hifo-Beitrag! Viele Bilder und Hintergrundinformationen zum Thema!
Klasse zu lesen!

Gruß aus Haltern!
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Gruß
Christian
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Meine Beiträge im Historischen Forum: [www.drehscheibe-online.de]
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Wie wir damals das Hobby ausübten: [www.drehscheibe-online.de]

Weitere Bilder aus dem AW Kassel (8 B.)

geschrieben von: Nobbi

Datum: 10.03.15 23:20

Gut, dass du diesen Beitrag angekündigt hast, hier sind meine Bilder der Fahrzeuge im AW Kassel als Anhang besser aufgehoben; ein eigener Startbeitrag dazu lohnt sich nicht.

Es ist richtig, bei der Führung im AW Kassel am 24.07.87 waren 624 642 + 924 435 + 429 + 416 bereits eingetroffen:
http://www.lokfotos.de/fotos/1987/0724/07652.jpg

Ein Detailfoto vom Übergang des 624 642 auf den vom Wagenkasten her eigentlich glimpflich davongekommenen 924 435 habe ich auch gemacht:
http://www.lokfotos.de/fotos/1987/0724/07653.jpg

Hier noch ein Zusatzfoto zu meinem Kurzkupplungsendenbeitrag mit dem "führenden" 924 416 und dem Rest der "Garnitur":
http://www.lokfotos.de/fotos/1987/0724/07661.jpg

Ein gutes Jahr später war der angebrannte 924 435 immer noch im AW Kassel anwesend:
http://www.lokfotos.de/fotos/1988/0805/08778.jpg

Inzwischen war auch der 624 660 eingetroffen. Diesen Motorwagen habe ich damals garnicht mit den Brandopfern ein Jahr zuvor in Verbindung gebracht, jetzt weiß ich's besser:
http://www.lokfotos.de/fotos/1988/0805/08779.jpg

Währenddessen wurden die Reste des 624 642 zerkleinert. Man beachte die lässige Haltung des damit beauftragten Mitarbeiters:
http://www.lokfotos.de/fotos/1988/0805/08803.jpg

Es fällt aber auch die scharfe Trennkante vorne am Rahmen auf. Das hatte seinen Grund darin, dass der Führerstand als Ersatzteil aufgehoben wurde und bereits in der Triebwagenhalle eingelagert war:
http://www.lokfotos.de/fotos/1988/0805/08828.jpg

Ein möglicher Kandidat für diese Führerstands-Transplantation könnte 624 507 gewesen sein, der am selben Tag mit abgeknicktem Rahmen im AW Kassel anzutreffen war (das müsste doch mit geringen Anpassungsmaßnahmen möglich sein, oder unterscheiden sich die Uerdinger Vorserienführerstände stark von den Serien-Quadratschädeln?):
http://www.lokfotos.de/fotos/1988/0805/08825.jpg

Danke, Rolf, für diesen informativen Beitrag - derartige Fotos bekommt man auch nicht alle Tage zu sehen. Dank auch an Nobbi für die weiteren Bilder!

Martin

Den Kopf des 624 642 bekam der 624 637, der...

geschrieben von: rolf koestner

Datum: 11.03.15 08:18

...in der zweiten Oktoberwoche des Jahres 1987 im Raum Braunschweig mit einer Lokomotive der Baureihe 216 kollidierte. Der 624 637 verlor durch diese Aktion seine Übergangstür.


Bis neulich

Rolf Köstner

Re: Den Kopf des 624 642 bekam der 624 637, der...

geschrieben von: 798610

Datum: 11.03.15 10:02

ach seufz....

interessierte Grüße

herr U.
Mich würde noch interessieren warum 924 435 nicht wiederaufgebaut wurde. Hätte der hintere Teil des 624 dafür verwendet werden können?

Re: Weitere Bilder aus dem AW Kassel (8 B.)

geschrieben von: 1020.12

Datum: 11.03.15 10:42

Hallo Rolf, hallo Nobbi,

auch ich möchte mich bei Euch für dieses sehr interessante Thema mit den guten Fotos bedanken!

Witzig ist bei den Fotos, dass man mal wieder sieht, dass bei Neulackierungen im ob-Schema öfter nur drüberlackiert wurde und die alte Farbe nicht vorher abgeschliffen wurde. An einigen Stellen kommt nämlich der altrote Lack zum Vorschein.

Noch eine Ergänzung zum 624 507:
er stand ein Jahr später bei der Führung im AW Kassel am 04.08.89 noch im gleichen Zustand abgestellt. Er hatte nur das Gleis gewechselt und war direkt an einem Prellbock am Rosten.
Er bekam am 23.04.91 eine REV mit Innen-Redesign und der neuen Farbe grün-weiß und stand dann wieder im Einsatz.

Viele Grüße
Michael

Re: Den Kopf des 624 642 bekam der 624 637 (1 B.)

geschrieben von: Nobbi

Datum: 11.03.15 11:50

Okay, den hatte ich auch im "Angebot", deshalb hier das schonmal gezeigte Foto am selben Tag im AW Kassel:
http://www.lokfotos.de/fotos/1988/0805/08827.jpg

Obwohl sich mir schon die Frage stellt, ob das Abschweißen des in diesem Fall nur leicht abgeknickten Führerstandes und das Anpassen des Ersatzführerstandes ggf. mit Distanzblechen nicht der selbe Aufwand gewesen wäre, als wenn man den Führerstand nur gerichtet hätte, der ja offensichtlich vorne - nicht so wie der FS vom 624 507 - keine strukturellen Beschädigungen aufwies.

...und stand längere Zeit im AW Kassel. Er wurde dann in das Modernisierungsprogramm aufgenommen und wiederhergerrichtet. Am 05. Januar 1990 ging er zurück in den Einsatzbestand.


Bis neulich

Rolf Köstner

Hallo!

Könnte die am 30.11.1988 ausgemusterte Braunschweiger 216 124 ggf. der Unfallgegner des 624 507 gewesen sein?
Es gab da mal im WWW ein Bild aus dem AW Bremen. Dort standen zwei blau/beige 216er mit jeweils einem abgeknickten Führerstand auf einem Gleis hintereinander abgestellt. Die Lok vorn auf dem Bild war die 216 124. Welche die andere 216 war, ist mir bis heute unbekannt. Möglicherweise wurde sie mit dem unbeschädigten Führerstand der 216 124 wieder instandgesetzt.

Grüße
Jörg