Vor einigen Wochen war ich seit langem mal wieder am Bahnhof Iserlohn – oder dem, was davon übrig geblieben ist. Tja, was soll man dazu sagen. Hier ist – bis auf einen Rest der Bahnsteigüberdachung am Gleis 2 nicht ein Stein auf dem anderen geblieben. Der Reisende findet dafür eine moderne, funktionale Verkehrsstation vor, die zudem noch barrierefrei ausgebaut ist.
Mit dem Bahnhof Iserlohn, wie ich ihn noch kannte, hat das freilich nichts mehr zu tun. Soll man darum in Nostalgie schwelgen und den alten Zustand gar besser finden?
Ich kann dazu nur sagen, dass man den Fehler begangen hat, die Möglichkeit einer Reaktivierung der Strecke Richtung Menden schon baulich einen Riegel vorzuschieben. Aber da Thema scheint ohnehin für immer vom Tisch.
Bis 1997 war der „Westbahnhof“, wie in alte Iserlohner noch immer nennen, ein hübscher, funktionaler „klassischer“ Bundesbahn-Bahnhof. Zahlreiche Gütergleise, 3 Bahnsteiggleise, dazu zwei mechanische Stellwerke, ein beschrankter Bahnübergang und sogar eine kleine Signalbrücke.
Ab Herbst 1997 erfolgte der vollständige Rückbau aller Nebengleise und Weichen. Es blieb eine Station aus zwei Haltepunkten. Gut, das funktioniert, aber mehr als Planverkehr ist nicht mehr möglich.
Blicken wir also zurück auf die Zeit, in der es in Iserlohn noch „richtig eisenbahnmäßig“ zuging.
Am 31.03.1989 war die Welt noch komplett in Ordnung. Der Bahnhof war noch Durchgangsstation von Letmathe nach Menden mit Abzweig nach Schwerte. Und so trafen sich werktags zur vollen Stunde die Züge aus Letmathe nach Fröndenberg (Gleis 3, rechts), nach Letmathe (Gleis 2) und nach Dortmund Hbf. (Gleis 1)
Am 16. Mai 1989 war 365 739 im Rangierdienst in Iserlohn tätig. Hier fährt sie aus Gleis 1 Richtung Iserlohn Ost aus.
Später konnte ich die Lok mit zwei Expressgutwagen und dem Schrottwagen aus Iserlohn Ost aufnehmen.
Einige Wochen früher: 365 736 hat Ausfahrt nach Iserlohn Ost am 12.03.1989.
Selten kam es vor, dass die Züge nach Dortmund gezogen wurden. Hier hatte ich Glück und 212 306 stand im schönen Licht zur Abfahrt bereit. (16.05.1989)
Am 27.05.1989 endete der planmäßige Personenverkehr nach Menden, einen Tag später fuhr, von 41 360 gezogen, der allerletzte durchgehende Zug von Menden nach Iserlohn. Danach wurde zwischen Iserlohn und Letmathe ein halbherziger Pendelverkehr aufgebaut – zunächst mit 212, dann ab 1991 mit 141. Hierbei kamen mit etwas Glück „Mini-Karlsruher-S-Bahnen“ zum Zuge. Mit der bekannten 141 248 und einem Steuerwagen.
Ich hatte am 09.01.1991 das Glück so eine Garnitur zu erwischen, leider aber stand die Lok verkehrt. C’est la vie…
Der Eilzugverkehr Aachen – Iserlohn (da gab es zwei bis drei Eilzüge täglich) wurde von der Baureihe 110 bestritten. 110 491 setzt am 09.01.1991 um, unterquert die Signalbrücke und rollt dann über Gleis 2 am Bahnsteig, mit seinen vielen Details vorbei.
Hier eine Nachtstimmung mit 110 365 am 05.02.1991.
Auf Druck und mit finanzieller Unterstützung der Stadt Iserlohn wurde dann die „Stadtexpress-Linie“ SE 4 (später RE 4) aufgebaut. Zunächst kamen 111-er mit n-Wagen zum Einsatz, später auch schon nagelneue Doppelstockwagen.
Eine stilreine und sogar saubere Garnitur mit n-Wagen passiert am 06.10.1997 das Stellwerk Iw. Am Zugschluss hängt eine 110, da man das Umsetzen im Zeichen des angelaufenen Rückbaus schon nicht mehr wollte. Das zweite Ausfahrsignal zeigt Fahrt für den 624 nach Dortmund, der aber etwas später abfuhr.
Zu dieser Zeit waren noch viele 111-er im S-Bahn-Look unterwegs. Hier einige Impressionen mit 111 146 im September 1997 am Bahnsteig…
Der 701 002 links im letzten Bild wurde in den Folgetagen zum Rückbau der Oberleitung (bis auf Gleis 2) verwendet)
Mit dem Bild der nach Letmathe schiebenden 111 145 möchte ich diesen kleinen Rückblick beenden, wohlwissend, dass es zum Bf. Iserlohn noch weit mehr Fotos gibt. Vielleicht kann jemand ein Bild vom Planeinsatz der Baureihe 103 um 1982 beisteuern?
