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Hallo HiFo!

Es ist Sommer und ich hatte heute meinen letzten Arbeitstag... wie wäre es daher mit einem Urlaubsbild? Jedenfalls muss ich bei dem Bild immer an meine Sommerurlaube als Jugendlicher mit meinen Eltern denken. Da kam es dann durchaus mal vor, dass ich mich in Richtung eines Bahnhofes bewegte, während der Rest der Familie irgendwo am Badesee lag. Die Eisenbahn war für mich aber irgendwie spannender...
Und wie das dann so ist: Mittags ist Betriebsruhe... Und genau da dran erinnert mich dieses Bild.



Betriebsruhe im Bahnhof Schliersee


http://abload.de/img/00_bay_o_schliersee_bz4ay6.jpg


Der Aufmachung des Fotos nach bewegen wir uns rund um 1890. Die Photographie stammt von Xav. Spiegl aus Miesbach.

Wir schauen wahrscheinlich vom Empfangsgebäude aus über den Lokschuppen auf St. Sixtus. Rechts hinter den Bäumen erkennt man den Schliersee. Wunderbar sind die Details der Szenerie - da kommt's auch gut ohne Dampflok aus.


http://abload.de/img/00_bay_o_schliersee_b0iavv.jpg


Schliersee hatte eine kleine Drehscheibe. Außer der Verteilung zu den Schuppengleisen gingen auch - offensichtlich mindestens - zwei Gleise seitlich ab. Die beiden Wagen machen sich so leicht abseitig wirklich sehr gut...
Auch gut zu sehen sind die beiden erhöht angebrachten Laternen mit angelehnten Leitern. Wozu diente die Kurbel in der Bildmitte? Konnte man mit ihr die Drehscheibe drehen, oder ist es vielleicht doch ein Signal o.ä.?
Und wenn wir schon mal beim Fragen sind: Was macht der Holzeimer am Mast? Ich dachte immer Wetterstationen wären eine Erfindung der Neuzeit...

Aber schauen wir mal etwas weiter links...


http://abload.de/img/00_bay_o_schliersee_b9vank.jpg


Auffallend sind die drei Güterwagen. Bei denen fehlt jeweils die rechte hintere Ecke! Das habe ich ja noch nie gesehen... Kennt jemand den Grund?

Auch sehr nett ist das überdachte Holzlager rechts neben dem Lokschuppen. Und die Viehladerampe ist sehr nett mit einer Hecke abgegrenzt - wahrscheinlich war es damals eine Kopframpe..
Übrigens gibt es im Bayern-Report, Heft 3, einen Gleisplan von 1880. In schlechter Qualität ist er auch hier auf dieser Seite verlinkt: [www.gleisplaene-archiv.de]

Wie war das mit den alten Bildern und dem Entdecken...

Ich wünsche allen einen guten Sommer - ich melde mich jetzt bis Mitte August erstmal ab. (Wobei ich Antworten auf diesen Beitrag durchaus noch mitkriege... Also keine Hemmungen!)


Besten Gruß

Christian




PS.: An alle später Lesenden: Erfahrungsgemäß antworten die meisten Leser innerhalb der ersten 24 Stunden auf einen Forumsbeitrag. Gelesen wird er aber auch noch Wochen später. Ich freue mich natürlich auch noch nach Tagen, Wochen, Monaten über jede Rückmeldung, Anregung und Kritik!

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und zu meiner Internetseite über die KED Elberfeld, Essen und Cöln und deren Vorläufern ...
...die Kurbel ist tatsächlich die von der Drehscheibe.
Ähnlich den sächsischen waren auch die alten bayerischen Drehscheiben sog. gedeckte,
d.h. im Vollkreis mit Bohlenbelag.
Gleich unterhalb der Kurbel ist ja auch schon das Bogen-Teilsegment der Scheibenkante zu sehen.

Schöner Kontaktabzug auf Albuminpapier.

Beste Grüße
VB995
...kaum eingestellt und schon die erste Ergänzung gefunden...
(Das scheint ein Naturgesetz zu sein: Kaum fertig, fällt einem etwas auf oder ein oder wie auch immer...)

Bei Wikipedia gibt es einen eigenen Beitrag zum Bahnhof Schliersee. Dort heißt es, dass der Bahnhof 1893 ein zweistöckiges Übernachtungsgebäude für Bahnmitarbeiter und 1896 einen Lokschuppen erhalten hat. Wobei letzterer bereits 1900 erneut auf vier Gleise erweitert worden ist.

Demnach wäre das Bild zwischen 1896 und 1900 aufgenommen. Kann das jemand bestätigen? (Wikipedia ist ja als Erstinformation nett, aber da steht manchmal - gerade wenn es speziell wird - ein Zeug...)

Gruß

Christian

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Hallo Christian,

mit deinem Beitrag hast du mir die schönste Frühstücksbeilage seit langem geliefert.........

Die Drehscheibenkurbel ist ja schon geklärt, bleibt die "Wetterstation": Könnte ein Starenkasten sein, da er wohl in einem Heimgarten steht. Selbiger Vogel (der nichts gemein hat mit den Produkten von Casting-Shows) wohnt gerne weit oben und hat durchaus wetteranzeigende Verhaltensweisen. Wetterstation würde ich trotzdem übertrieben finden, vielleicht eher: Katzensicherer Wohnstützpunkt für gefiederte Freunde zur biologischen Bekämpfung von Gartenschädlingen.

Bleiben die Güterwagen: seriell angeknabberte Ecke, und noch dazu gehäuftes Auftreten im BW-Bereich! Die Ecke könnte ein Relikt der bayrischen Ostbahn sein, dort baute man Bremserhäusl immer ziemlich offen in die Wagen ein. Die Form der Wagen und die BW-Nähe lässt auf Torfwagen schließen, die waren relativ niedrig und gedeckt, weil nasser Torf eine echte Spassbremse ist. Auch ein Umbau der bekannten Staatsbahn-Torfwagen (schau mal bei Märklintrix)käme in Frage. Ich habe aber keine Ahnung, ob damals noch Torfloks dahin kamen, wo doch in der Nähe (Hausham und Marienstein) schon Pechkohle gefördert wurde....

Viele Grüße,
Toni (der gerade überlegt, ob er nicht die BOB besteigen, in "Schliers" aussteigen und dann den Wasserstand des Sees durch seinen Luxuskörper erhöhen sollte)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:08:02:11:02:24.
Ein herrliches Foto! Habe mir gerade den Personenwagen angesehen. Erst kürzlich war ich in Bayerisch-Eisenstein, wo ein um ein Fenster kürzerer Wagenkasten steht (Untergestell gehört nicht dazu). Ein geretteter Hühnerstall, als Baujahr wird 1873 angegeben...

http://oi59.tinypic.com/dmw9cn.jpg

Grüsse, Andreas
Mich erreichte eine weitere Ergänzung zu diesem Bild. Gert von Rosen, der im DGEG-Jahrbuch für Eisenbahngeschichte 2013/2014 eine grundlegenden Beschreibung der ersten 20
Jahre der Entwicklung von Betrieb und Wagenpark bei den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen
vorgelegt hat, teilte mir mit:

Die 3 kleinen Wagen mit der offenen Ecke sind Torfmunitionswagen der KBE in der umgebauten, moderneren Form.
Der Handantrieb gehört zur Drehscheibe und steht am Rand ihrer Plattform wie man es auf dem Bild ausmachen kann.
Der 5-fenstrige Lokalbahnwagen ist nach altem Schema beschriftet. Er trägt oben zwischen 1. und 2. Fenster die Beschriftung in Buchstaben bzw. Zahlen (in Gelb). Später wurden diese Angaben schwarz im weißen Feld angemalt.
Übrigens steht neben dem Personenwagen ein offener Wagen mit hölzernen Kastenstreben. Dieser Typ wurde von 1863-66 gebaut.
Leider ist das aufgebockte Gebilde links vor dem Bahnhofgelände nicht gut zu erkennen. Es handelt sich um den Kasten eines gedeckten Güterwagens der Gattung A.


Herzlichen Dank für diese ergänzenden Informationen!

Besten Gruß

Christian

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:01:02:19:18:16.