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Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: ayshanancy

Datum: 26.07.14 19:30

Hallo interessierte Eisenbahnfreunde,

aus aktuellem Anlaß kommt heute ein Beitrag über die alten Dr-Stellwerke in Köln. In den News und im aktuellen Forum gab es einige Hinweise auf die bevorstehende Außerbetriebnahme von Stellwerk "Bf" vom Betriebsbahnhof. An diesem Wochenende geht nun mit diesem Stellwerk der letzte Vertreter der Dr1-Stellwerke bei der Deutschen Bahn vom Netz. Mit dieser Bauart wurden die ersten Schritte in der Technik der elektrischen Drucktastenstellwerke getan, die bis heute noch die Leit- und Sicherungstechnik bei der DB beherrscht und erst allmählich von den elektronischen Stellwerken abgelöst wird.

In den letzten Wochen habe ich in meinen Fotos und Unterlagen gewühlt und das Material für diesen Beitrag zusammengesucht. Dank Forumsmitglied D951 liegen mir auch zwei Artikel aus "Signal & Draht" zu diesem Thema vor: von April 1953 von Dr. Ing Walter Schmitz: "Die Signalanlagen im Raum Köln" und von November 1975 von Helmut Schütz und Gerhard Nottrott: "Neues Spurplanstellwerk im Bahnhof Köln-Hbf".
Als es mich 1988 für einige Jahre nach Köln verschlug, waren die meisten der Anfang der 50-iger Jahre gebauen Stellwerke noch in Betrieb und ich hatte Gelegenheit, sie zu besuchen und zu fotografieren.

Über die Bedeutung von Köln-Hbf als Verkehrskreuz im Westen muss man keine großen Worte verlieren. In beiden Aufsätzen ist von Köln als dem am stärksten belasteten Knotenpunkt der DB die Rede. Der Knoten Köln-Hbf besteht aus betrieblicher Sicht aus vier Bahnhöfen: dem eigentlichen Bahnhof Köln-Hbf, dem östlich davon auf der rechten Rheinseite liegenden Bahnhof Köln-Deutz und den beiden Abstellbahnhöfen Köln-Betriebsbahnhof im Westen und
Köln-Deutzerfeld im Osten. Hier eine Übersicht die die Lage von Köln im Nezt der DB von 1986:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/img_8238.jpg

und den Raum Köln mit Köln-Hbf, Köln-Deutz, Köln-Betriebsbahnhof und Köln-Deutzerfeld:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/89071518b.jpg

Das war der Betriebszustand in Köln vor dem S-Bahn-Bau.
Von Westen münden ein die linke Rheinstrecke mit Köln-West als nächstem Bahnhof, die Strecke von und nach Aachen bzw Mönchengladbach mit Köln-Ehrenfeld als nächstem Bahnhof und die Strecke von und nach Neuss mit dem folgenden Bahnhof Köln-Nippes.
Von Osten münden die alte Köln-Mindener Strecke von und nach Hamm über Düsseldorf, die Bergisch-Märkische Strecke von und nach Hamm über Wuppertal sowie die rechte Rheinstrecke im Raum Köln ein.
Für den Reisezugverkehr auf allen diesen Strecken standen bis 1976 nur 9, ab 1976 dann 11 Bahnsteiggleise zur Verfügung. Um den überaus dichten Verkehr einigermassen reibungslos abwickeln zu können, mussten in Köln schon frühzeitig besondere Maßnahmen ergriffen werden. Der Güterverkehr wird schon weit vor Köln-Hbf auf die Kölner Güterverkehrsgleise abgeleitet und um den Kölner Hbf herumgeführt. Die Personenzuggleise werden im Vorfeld im Bereich der Kanalstraße, im Bereich von Köln-Mühlheim und im Bereich Köln-Deutz mit vielen Überführungen vom Linienbetrieb auf Richtungsbetrieb gebracht, so dass die ankommenden und wegführenden Gleise direkt nebeneinander liegen und damit Zugkreuzungen mit entgegenkommenden Zügen vermieden werden. Wichtig war und ist immer noch, dass beginnende und endende Züge ihre Gleise nicht länger als unbedingt nötig blockieren und erst kurz vor der Abfahrt von den Abstellbahnhöfen bereitgestellt werden bzw kurz nach ihrer Ankunft bereits weiter in ihre Abstellbahnhöfe fahren können. Dazu später noch mehr.

Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Bahnanlagen in Köln weitgehend zerstört und der Betrieb wurde mit provisorischen Mitteln am Laufen gehalten. Die Hohenzollernbrücke wurde 1948 wieder zweigleisig in Betrieb genommen und für den nun sprunghaft anwachsenden Verkehr mussten dringend leistungsfähige Stellwerksanlagen aufgebaut werden. Dafür bot sich die damals noch in der Entwicklung begriffenen Gleisbildtechnik natürlich an und man war mutig genug, einen so wichtigen Knotenpunkt wie Köln mit dieser noch nicht erprobten Technik auszustatten. Das stellte auf der einen Seite natürlich ein gewisses Risiko dar, andereseits ergaben sich damit auch ganz neue Möglichkeiten für die Betriebsabwicklung, die man in Köln dann auch ausnutzen wollte. Dies waren die selbsttäige Zugnummernmeldeanlage, Mehrabschnittssignale und Rangierfahrstraßen.
Die Planungen für die Stellwerksanlagen für den Raum Köln begannen 1947, ohne dass Betriebserfahrungen mit dieser neuen Technik vorlagen. Das erste Dr-Stellwerk (Abzw Dp in Düsseldorf-Derendorf) ging ja erst 1948 in Betrieb.
Im Frühjahr 1952 waren dann auf allen 4 Bahnhöfen die Dr1-Stellwerke in Betrieb: im Hbf das Stellwerk "Kf", in Deutz das Stellwerk "Df", im Betriebsbahnhof das Stellwerk "Bf" und in Deutzerfeld das Stellwerk "Dtf" und das Rangierstellwerk R3. Im Betriebsbahnhof blieben noch die elektromechanischen Rangierstellwerke R3, R4 und R5 in Betrieb.

Gehen wir die Stellwerke der Reihe nach durch.

Als ich 1988 meine berufliche Karriere in Köln startete, war "Kf" im Hauptbahnhof schon lange außer Betrieb, daher muss ich da auf auf sekundäre Quellen zurückgreifen. Frei zu zeigende Fotos von "Kf" sind rar, sowohl von innen als auch von außen. Hier ein Foto mit "Kf" im Hintergrund, dass von Forumsmitglied Köln_Bbf vor einiger Zeit in diesem Beitrag [www.drehscheibe-online.de] gezeigt wurde und das ich freundlicherweise hier zeigen darf:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/1969a.jpg

Hier zwei Links zu Fotos aus dem Inneren:

[www.bilderbuch-koeln.de]

[www.bilderbuch-koeln.de]

Hier [www.drehscheibe-online.de] befinden sich noch mehr Infos zu "Kf", aber das Fotos ist leider nicht mehr an seinem Platz. Jedenfalls befand sich auf "Kf" eine Bahnhofsmeldetafel, vor der der Fahrdienstleiter, der Zugansager und der Zugmelder saßen. Der Fdl bediente sein Befehlspult und gab damit die Befehle an den Weichenwärter an dem Stelltisch ab. Auf einer Aufnahme ist noch ein Teil der Meldetafel mit den Meldefeldern der Zugnummernmeldeanlage zu sehen. Das war damals absolute Spitzentechnik und in Köln zum ersten mal eingesetzt. Dr. Schmitz schreibt dazu in S&D: "Durch die Zugnummernmeldung erhält der Fdl ein wirklichkeitsgetreues Bild aller Zugbewegungen. Es ist geradezu, als ob er in einem Fesselballon über dem Raum Köln schwebt und unter sich den genauen Stand und die Zugnummer der zu- und ablaufenden Züge sieht, wobei man sich vorstellen kann, dass die Nummer auf die Dächer gemalt ist, wie im Kriege das rote Kreuz bei Lazarettzügen." Jedes Meldefeld an der Stelltafel kann eine Zugnummer, bestehend aus einem führenden Buchstaben und 5 folgenden Ziffern, darstellen. Dazu enthält jede Stelle 10 Glühlämpchen, die das entsprechende Zeichen über je eine winzige Projektionseinrichtung auf einer Mattscheibe abbilden. Pro Meldefeld sind also 60 Glühlämpchen und 60 Projetionsoptiken eingebaut, von denen jeweils immer 6 leuchten, um eine Zugnummer anzuzeigen. Die Zugnummern wurden über Relaisschaltungen gebildet und von Abschnitt zu Abschnitt weitergeschaltet.
In den ersten Jahren wurden die Nummern von den Meldefeldern vom Zugmelder noch manuell in das Zugmeldebuch eingetragen, bis dann ein Zugnummerndrucker installiert wurde. An den Anfangsbahnhöfen der Zugnummernmeldeanlage wurde die Zugnummer vom Betriebsbeamten mit einer Wählscheibe in die Anlage eingewählt.
Der Fdl gab seine Befehle über das Befehlspult an den Wärter am Stelltisch, der dann die Zugstraßen einstellt. Trotz der damals hochmodernen Technik hatte man sich also noch nicht von der alten Hierachie Fdl: Disposition und Befehlsabgabe und Weichenwärter: Befehlsempfang und Rangiergeschäft trennen können.
Noch ein Detail am Rande: In dem S&D-Artikel von 1975 ist ein "Reserve-Stellwerk" für den von "Kf" nicht einsehbaren Ostkopf von Köln-Hbf mit einem umschaltbaren Stelltisch für diesen Bereich erwähnt, das bei Störungen z.B. der Gleisfreimeldeanlage den Betrieb im Ostkopf übernehmen sollte. Mangels solcher Störungen wurde das Stellwerk aber schon bald wieder aufgegeben. Kann da jemand aus dem Forum mehr zu sagen?

1959 wurde die Hohenzollernbrücke dann wieder auf vier Gleise erweitert, damit wurden umfangreiche Umbauten notwendig. Dr1-Baugruppen wurden von dem Hersteller zu dem Zeitpunkt bereits nicht mehr geliefert. Daher wurde der Ostkopf auf Spurplan-Technik umgebaut. Die Mehrabschnittssignale hatten sich nicht durchsetzen können und wurden durch Haupt-Vorsignalverbindungen ersetzt, was man auch auf dem obigen Foto von 1969 erkennen kann. Und man warf die Trennung Fahrdienstleiter - Weichenwärter über den Haufen. In Köln musste bei der Zugabfertigung schon immer mit Sekunden gegeizt werden und da ließ sich wertvolle Zeit bei der Befehlsübermittlung vom Fahrdienstleiter an den Weichenwärter einsparen. Der Stelltisch wurde umgebaut und zwei Fahrdienstleiter bedienten ihn jetzt selber. Sie standen mit dem Rücken zu den Fenstern und mit Blick auf die Meldetafel.

Ende der Sechziger Jahre begannen dann die ersten Planungen für die S-Bahn Köln und dabei wurde klar, dass man mit 9 Bahnsteiggleisen nicht mehr auskommen konnte und mindestens zwei neue Gleise benötigen würde. Genau in der dafür notwendigen neuen Trasse lag das Stellwerk "Kf", dass auch sonst an den Grenzen seiner Möglichkeiten angekommen war. Für die zahlreichen Sonderwünsche für Köln war das Stellwerk weitgehend in freier Schaltung errichtet worden und durch die zahlreichen Umbauten und Erweiterungen war die Anlage inzwischen unübersichtlich und schwer zu warten geworden. Daher begannen die Planungen für ein neues SpDrS60-Stellwerk "Kf", das dann auch am 01.11.1974 in Betrieb ging:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/92041503a.jpg

Das neue "Kf" ist zwar noch in Betrieb, aber ich zeige trotzdem mal ein paar Fotos aus dem Jahre 1992. Die Stelltafel auf "Kf"

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/92040322a.jpg

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/ko_hb002b.jpg

Was kann man da alles sehen: Links oben die Ferngleise nach Wuppertal und Düsseldorf, darunter die beiden Gleise der rechten Rheinstrecke von und nach Köln-Kalk, darunter die beiden Gleise von und nach Deutzerfeld und unten 3 Gleise von Köln-Mülheim, wobei die unteren beiden die Ferngleise von Wuppertal und Düsseldorf sind. Dann die Gleise von Köln-Deutz und unter dem linken Bildschirm die Hohenzollernbrücke. In der Mitte dann die Bahnsteiggleise von Köln-Hbf mit den Zugdeckungssignalen. Ganz rechts von oben dann die Strecke von Köln-West (Koblenz), Köln-Ehrenfeld (Aachen und Mönchengladbach) und Köln-Nippes (Neuss). Darunter dann die beiden Verbindungsgleise von und nach dem Betriebsbahnhof und die Gleise nach Ehrenfeld, Nippes und Köln-West. Inzwischen war auch schon die S-Bahn in Betrieb, die an der Stelltafel in grün dargestellt ist.
Die Zugdeckungssignale in den Bahnsteiggleisen schaffen nicht nur Platz für mehr Züge, sondern man kann damit auch wertvolle Sekunden sparen, wenn zB ein langer Zug im Gleis steht und der folgende Zug für dieses Gleis schon vorm Einfahrsignal wartet. Der Fdl gibt schon die Fahrstraße für den einfahrenden Zug ein. Wenn der ausfahrende Zug im Bahnsteiggleis sich in Bewegung gesetzt und den ersten Abschnitt geräumt hat, kommt das Einfahrsignal in Fahrtstellung (Hp2 mit 20 Km/h). Hinter dem ausfahrenden Zug kommen dann die Zugdeckungssignale der Reihe nach auf rot und wenn der Abschnitt geräumt ist, zeigen sie sofort wieder Kennlicht, so dass der einfahrende Zug dem ausfahrenden Zug in kurzem Abstand folgen kann.
Für die speziellen Kölner Anforderungen mussten aber auch in einigen Teilen für das SpDrS60-Stellwerk individuelle Lösungen in freier Schaltung eingebaut werden, so z.B. für die bis zu 9 Zudeckungssignale in einem Bahnsteiggleis. Zu dem Stellwerk gibt es übrigens unter diesem Link [www.railsignalling.org]
eine ziemlich genaue Beschreibung der Stelltafel und deren Bedienung.

Bleiben wir erstmal linksrheinisch und kommen zum Stellwerk "Bf" vom Betriebsbahnhof:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/92072431a.jpg

Da hing damals dieser Plan aus:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/92072427a.jpg

Kann vielleicht jemand aus dem Forum sagen, wie das im Betriebsbahnhof damals so ablief? Viel Platz war dort ja auch nicht und es gab nur wenige lange Gleise. Trotzdem mussten da viele und lange Züge behandelt werden, denn in Köln begannen und endeten früher viele D-Züge von und nach Zielen in der DDR, die hatten meistens 12 bis 14 Wagen. In welche Gleise fuhren die leeren Züge ein, wo wurden sie behandelt, wo neu gebildet und wo fuhren sie wieder aus?

Auf dem Stellwerk befand sich eine Befehlsstelle für den Fahrdienstleiter:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/92072424a.jpg

und der Stelltisch für den Weichenwärter:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/92072415a.jpg

Hier eine Nahaufnahme des unteren Teils. Für den ganzen Stelltisch reichte mein damaliges Weitwinkelobjektiv nicht aus.

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/ko_be001a.jpg

Dazu jetzt wieder ein paar Erläuterungen: Die Gleise rechts führen alle zum Hbf. Da sieht man von oben eins von den beiden S-Bahn-Gleisen, darunter die beiden Ferngleise vom Hbf. Über die Weichenverbindung konnten z.B zum Betriebsschluß hin abends Züge von den S-Bahn-Strecken in den Betriebsbahnhof einfahren bzw morgens bei Betriebsbeginn wieder ausfahren. Die mussten dabei natürlich die Ferngleise kreuzen. Darunter dann die beiden Verbindungsgleise für leere Züge von und nach dem Hbf. Darunter dann die beiden Ferngleise zum Hbf, ebenfalls mit zwei Weichenverbindungen, die Fahrten aus dem Bbf zum Hbf ermöglichte. Eine Strecke verläßt den Stelltisch nach unten. Das ist das sogenannte Schlundgleis, ein Verbindungsgleis zwischen Köln-Bbf und Köln-West. Da kommt man auf den Güterzugleisen in Köln-West heraus. Früher fuhren da meines Wissens nach hauptsächlich Leerloks von und nach dem Bbf, heute kann einem da schon mal ein ICE begegnen, der über die Südbrücke gekommen ist. Auf dem Rest des Stelltisches sind dann die vielen Gleise für ab- oder bereitzustellende Reisezüge zu sehen.
Hier noch ein Blick aus dem Fenster auf die Gleisanlagen:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/92072426a.jpg

Da sieht man links die drei Ferngleise nach dem Hbf und daneben das Schlundgleis, das in der Tiefe verschwindet. Die Fahrt in den Schlund von von unten:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/92072428a.jpg

Ein Blick in die andere Richtung zum Hbf:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/92072430b.jpg

Rechts die Ferngleise mit den beiden Einfahrsignalen, links die beiden Verbindungsgleise zwischen Hbf und Bbf. Für diese beiden Gleise galten schon immer besondere Regeln. Für das Funktionieren des Hbf war es einfach lebenswichtig, das endende Reisezüge so schnell wie möglich ihre Bahnsteiggleise räumten. Nun ließ es der Betrieb im Bbf auch nicht immer zu, dass sofort alle Züge aufgenommen werden konnten. Also mussten die Leerzüge auf den Verbindungsgleisen schon mal warten. Damit dort nun so viele Züge wie möglich Platz fanden, hatte man sich das sogenannte "Beifahren" ausgedacht. War der vorliegende Abschnitt besetzt, so leuchtete bei Halt zeigendem Hauptsignal das Vorsichtsignal Zs7 auf, das die Vorbeifahrt auf Sicht erlaubte. Hier mal eine solche Situaiton: Ein Wendezug fährt aus dem Hbf aus in Richtung Bbf, das E-Sig vom Bbf zeigt "Halt":

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/98083010a.jpg

Im Bbf muß erstmal rangiert werden und der Wendezug mit seiner 111 007-1 muß warten. "Kf" hat aber noch einen Zug für den Bbf und hat für den auch schon die Fahrstraße zum Bbf eingestellt:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/98083013a.jpg

Dieser Zug fährt bis zum Sbk 5, das Zughalt mit Vorsichtsignal zeigt und darf dann an dem Halt zeigenden Signal auf Sicht vorbeifahren bis an den Wendezug heran. Vorne das Kennlicht zeigende Signal 343, dass ebenfalls das Vorsichtsignal zeigen kann. Die Vorsichtsignale werden übrigens nicht vom Fdl manuell angeschaltet, sondern automatisch von der Anlage.

Und hier noch ein Blick vom Colonius auf den Betriebsbahnhof mit Stellwerk "Bf" rechts und den Resten von alten Güterbahnhof Köln-Gereon:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/91011322a.jpg

Ganz unten links in der Ecke sieht man noch ein kleines Stück vom Schlundgleis.

Gehen wir auf die andere Rheinseit nach Deutz. Dort wurde das Stellwerk "Df" errichtet:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/90042121a.jpg

Der Stelltisch auf "Df" im Jahre 1990:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/90042112a.jpg

Da wurde gerade die Hohenzollernbrücke auf 6 Gleise erweitert. Dabei wurde auch die jetzt mittlere Brücke für die beiden Gleise nach Köln-Hbf überarbeitet. Eins der beiden Gleise wird hier zeitweise über die neue 3. Brücke geleitet. Zu Köln-Deutz hatte ich schonmal einen Beitrag hier eingestellt: [www.drehscheibe-online.de] Deshalb spare ich mir hier weitere Kommentare.

Weiter geht es mit Köln-Deutzerfeld und dem Stellwerk "Dtf":

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/96051234a.jpg

Der Stelltisch auf "Dtf":

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/96051202a.jpg

und im Detail:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/ko_de011a.jpg

Da muß man auch nicht viel zu sagen. Hier war die Betriebssituation bei weitem nicht so angespannt wie bei "Bf". Der Fdl bediente seinen Stelltisch selber. Eingestellt ist gerade eine Zugfahrt aus Gleis 34 nach Deutz. "Dtf" ging 2003 außer Betrieb. Zu Stellwerk R3, ebenfalls ein Dr1-Stellwerk, habe ich hier ein Foto gefunden: [www.rail-control.de].

In Köln haben sich bis heute in Köln-West und Köln-Süd noch 3 uralte Stellwerke halten können: "Wf", vormals "Gzf" von 1952 und "Ws", ehemals "Gs" von 1936 in Köln-West sowie "Sof" in Köln-Süd von 1948. Und ich habe noch nicht gehört, dass sich da in absehbarer Zeit was ändern soll.

Soviel zu Köln.

Gruß von Kay!

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: Ruhrpottfahrer

Datum: 26.07.14 20:01

Moin,

danke für diesen passenden Bericht zur Situation in Köln die sich heute ein wenig verändert.
Vor allem das Gelände Güterbahnhof Gereon hat sich massig verändert.


Gruß

Eric

Da wo die Logik aufhört, fängt die Bahn an!
https://www.bahn-im-alltag.de/touren/br103_003.gif




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:07:26:20:02:14.

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: Mike

Datum: 26.07.14 20:28

Hallo Kay,

wieder ein sehr gelungener Beitrag mit und aus aktuellen Anlass :-)
Interessante Variante mit dem Beifahren zwischen Hbf und Bbf!

Vielen Dank für die Bilder und Du weisst ja:wir Forumanen sind "Süchtig" nach Deinen Beiträgen,also nicht nachlassen!!!

Gruß aus Bassum
der Mike

Gegen Mautflucht und Schieneninfrastrukturabbau sowie blinde Straßen-Verkehrs-Politiker.
Rettet das Sulinger Kreuz!
Informationen dazu siehe:
[www.eisenbahnkultur.de]
[www.aebb.de]
Modellbahn-Signaltechnik:
Elektronisches Stellwerk
[www.estw.eu]
MoBa mit DrS Stw:[www.dl5udo.de]

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: S&B

Datum: 26.07.14 20:52

Danke für den interessanten Beitrag!
Hast Du auch Infos zu den "Kleinstellwerken" im Bbf, also R2-R5? R5 an der Drehscheibe ist ja schon länger durch Weichenschlagschalter ersetzt. Im Vorbeifahren hatte ich früher immer den Eindruck, daß dort kein S&H 1912, sondern einfache Starkstromschalter installiert waren- aber ich kann mich auch irren, da ich nie dort oben war.
Grüße
Ulrich

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: Mw

Datum: 26.07.14 21:25

Vielen Dank für diesen grandiosen Bericht!

Ich weiß das umso mehr zu schätzen, als ich selbst dort (gerade auch beruflich) groß geworden bin. "Mw" war schließlich ein Außenposten im Bahnknoten Köln.

Darf ich mir deshalb erlauben, die Frage nach dem zweiten Kartenausschnitt stellen (der erste ist ja die offizielle Streckenkarte der Bahn...).
Um was für ein Werk handelt es sich und wo könnte man dieses beziehen?

Gruß
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 26.07.14 21:26

.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:07:26:21:34:16.

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: Papst

Datum: 26.07.14 21:42

Hallo Kay,

vielen Dank für deinen Bericht. Wenn ich solche Bilder sehe, weiß ich wieder,warum ich in jüngeren Jahren Fahrdienstleiter werden wollte.

Viele Grüße
Christoph

"Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen." (Immanuel Kant)
http://www.hippelandexpress.de/files/ability_logo.jpg
Hallo liebe Eisenbahnspezialisten.

Hier ist zur Ergänzung die Bahnhofsdienstanweisung Köln Bbf 1928. Leider ohne Lageplan.

Beste Grüße Wahrener

http://s1.directupload.net/images/140726/g4iwqsxh.jpg

http://s7.directupload.net/images/140726/3mt7t2sy.jpg

http://s14.directupload.net/images/140726/4l9z8a8i.jpg

http://s7.directupload.net/images/140726/t5tmq5uu.jpg

http://s7.directupload.net/images/140726/fzj6b99w.jpg

http://s1.directupload.net/images/140726/xi5e2g6v.jpg

http://s1.directupload.net/images/140726/4rpzrihs.jpg

http://s1.directupload.net/images/140726/iqvi3ngn.jpg

http://s14.directupload.net/images/140726/od6fxr6a.jpg

http://s7.directupload.net/images/140726/xaa5tjjl.jpg

http://s7.directupload.net/images/140726/m9nv4ojv.jpg

http://s1.directupload.net/images/140726/ekxtfxno.jpg

http://s7.directupload.net/images/140726/t8na783a.jpg

http://s14.directupload.net/images/140726/t3xnnxmz.jpg

http://s1.directupload.net/images/140726/tlnsli35.jpg

http://s14.directupload.net/images/140726/4k35v9af.jpg

http://s7.directupload.net/images/140726/g79itdpr.jpg

http://s14.directupload.net/images/140726/tli9rvg8.jpg

http://s1.directupload.net/images/140726/euwyxcs8.jpg

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: befehlsturm

Datum: 27.07.14 02:20

Hallo Ulrich,

bei "R3" hast du richtig beobachtet. Das Stellwerk für 10 Weichen bestand aus einer Anordnung von Starkstrom-Installationskästen mit je 1 Drehschalter, 1 Taster und 1 Überwachungslampe. Zum Umstellen musste man erst den Drehschalter bedienen - dann fiel die Überwachung ab, Lampe aus, und ein Weichenwecker ertönte - und dann den Taster so lange drücken, bis die Lampe wieder anging und der Wecker verstummte. Daneben gab es noch einige Tasten für Vorrücksignale und Zustimmungsabgabe zur Einfahrt von "Bf" her, und auch die zugehörige Nottaste, um das Einfahrsignal im Gefahrfall "einschmeißen" zu können. Isoliert war nur eine der Weichen. Eine wohl einmalige Bauart aus dem Jahr 1965. Leider ist es mir nicht vergönnt gewesen, das mal zu fotografieren.

"R2" war ein E43 mit Glühlampenüberwachung; technisch nichts Aufregendes und nach Schließung der Bahnpost mit sehr wenig Betrieb.

Grüße,
Martin

lange Fernzüge Köln Bbf

geschrieben von: alte Bahn

Datum: 27.07.14 10:46

Hallo Kay,

zur Frage nach der Aufnahmefähigkeit Köln Bbf für lange Fernzüge:

Vor der Einführung des vertakteten Fernverkehrs mit IC Zügen 1.und 2. Klasse 1979 (für die Linie nach/von Hamburg schon 1978) wurden in Köln Bbf hauptsächlich die ín Köln beginnenden und endenden Fernzüge in/aus Richtung Hamburg, Hannover und Gießen gebildet.

Zwischen Köln und Dortmund überlagerten sich die Fernzüge Köln- Hamburg/Hannover mit den Fernzügen Richtung Süden, weil vor Einführung der zweiklassigen IC Züge die Fernzüge Ri/aus Ri Süden hauptsächlich in Dortmund oder Hagen begannen oder endeten.

Viele der angesprochenen langen DB/DR Züge verkehrten über Neuss, so dass sie in Köln Deutzerfeld abgestellt wurden.

Für den Jahresfahrplan 1978/79 habe ich hier die in Köln beginnenden und endenden DB/DR Züge zusammengestellt:


D 244 Brest - Köln
D 245 Köln- Brest über Neuss ab Deutzerfeld ?
D 346 Berlin -Köln über Neuss nach Deutzerfeld
D 347 Köln- Berlin
D 440 Zwickau- Köln
D 441 Köln- Zwickau

D 442 Dresden -Köln über Neuss nach Köln Deutzerfeld
D 443 Köln- Dresden über Neuss ab Köln Deutzerfeld
D 444 Köln-Görlitz über Neuss ab Köln Deutzerfeld
D 445 Görlitz - Köln über Neuss nach Köln Deutzerfeld
D 446 Leipzig - Köln
D 447 Köln - Leipzig

Die Fernzüge mussten auch nicht unbedingt paarig in Köln Bbf beginnen oder enden. (Lr Fahrten zwischen Köln Bbf und Deutzerfeld) Früher hatte Köln- Kalk viele Abstellgleise für Reisezüge. Dort wendeten überwiegend nur an einzelnen Tagen verkehrende Fernzüge.
Damit die Zugbildung paarig bei Zügen in einer Richtung über Neuss bzw direkt über Düsseldorf bleiben konnte ohne "Dreiecksfahrten" zu machen, konnte der Zug aus Ri Neuss ab Köln Hbf nach Köln- Kalk direkt zur Abstellung fahren und in der Gegenrichtung über die Südbrücke nach Köln Hbf verkehren.

Vor der Einführung der zweiklassigen IC Züge waren die TEE/IC Züge mit nur 1. Klasse relativ kurz.

M.f.G.

Ulrich

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: lumpili

Datum: 27.07.14 11:12

Wunderschöne Bilder (wie immer) zu der Achse K-Betriebsbahnhof - Hbf - Deutz - Deutzerfeld.
Kleine Berichtigung zum Detail Deutzerfeld: Ausfahrt steht aus 48, 34 war damals ein Gleis in der Wagenhalle und wird heute zur Talentwartung genutzt
Gruß Ernie

Dank und Detailfrage

geschrieben von: HLeo

Datum: 27.07.14 11:30

Erstmal herzlichen Dank für diesen hochinteressanten Bericht!

Jetzt habe ich noch eine Frage zu einem Detail auf der ersten Streckenkarte: Es ist ja eine Karte der Eisenbahnstrecken. Unten links sieht man eine Strecke am Rudolfplatz enden. Welche Strecke war das? Barbarossaplatz hätte ich ja verstanden.

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: S&B

Datum: 27.07.14 11:36

Hallo Martin,

>>bei "R3" hast du richtig beobachtet.<<

Nur noch mal der Genauigkeit halber: Wir sprechen doch von R5, an der Drehscheibe gelegen und bei der Einfahrt aus Richtung Ehrenfeld links zu sehen? Das Büdchen stand bei meiner letzten Vorbeifahrt sogar noch.

Wenn ich mich recht entsinne, gab es solche Starkstromschalter für die Weichen auch in Mariagrube, Mf, auf der Siersdorfer Seite. Hauptsignale und HS bei den Entfernungen kein Problem; die Weichen waren mit Riegeln in die Fahrstraße eingebunden.
Vielleicht war aber auf Mf einfach kein Platz mehr auf der Hebelbank um die Weichen mit 60er Seilscheiben unterzubringen.

Grüße
Ulrich

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: br181

Datum: 27.07.14 11:44

Hallo Kay,

vielen Dank für den tollen Beitrag!
Hier noch eine bildliche Ergänzung zu den Starkstromschaltern:

schalter.jpg

Gruß

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: ayshanancy

Datum: 27.07.14 11:54

Hallo Forum!

Zu Ulrich: die Rangierstellwerke im Bbf habe ich nicht besucht. Aber da gibt es jetzt ja ein Foto von br181. Vielen Dank dafür.

R4 in Nippes war auch so ein "Einfachstellwerk". Da habe ich dieses Foto:

http://file1.npage.de/008885/90/bilder/88090226a.jpg

R4 war ein reines Rangierstellwerk ohne irgendwelche Abhängigkeiten zwischen den Weichen- und Signalschaltern. Man beachte die roten Hilfssperren!

Vielen Dank auch für die Bahnhofsdienstanweisung. Da gibt es ja einiges zu lesen.
Und lumpili hat Recht: die Ausfahrt steht aus 48.
Weiter schönen Sonntag und Gruß von Kay!

Re: Sperrsignal hinter Sbk 6?

geschrieben von: br181

Datum: 27.07.14 12:23

Hallo zusammen,

für mich stellt sich noch die Frage, welchen betrieblichen Zweck das Sperrsignal hinter Sbk 6 erfüllt?
Dieses Sperrsignal kann offensichtlich Kennlicht und Hp 0 zeigen. Auf Höhe dieses Sperrsignals steht das Ra 10 "Halt für Rangierfahrten".
Also konnte "Bf" anscheinend eine Rangierstraße bis zu diesem Sperrsignal (als Zielsignal) einstellen.
Hier liegt der Gefahrpunktabstand (vom Einfahrsignal bis zum Ra 10) nicht wie üblich innerhalb des Bahnhofs, sondern auf der freien Strecke.
Welchen Signalbegriff zeigt das Sbk 6, wenn eine Rangierstraße bis zu diesem dahinterliegenden Sperrsignal eingestellt wird?

sperrsig.jpg

Gruß



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:07:27:12:25:22.

Re: Sperrsignal hinter Sbk 6?

geschrieben von: Barrett

Datum: 27.07.14 12:35

Als das Stellwerk gebaut wurde, konnte das Sbk keinen für Rangierfahrten gültigen Signalbegriff zeigen, da es keine Doppeloptik hat. - Rangierfahrten durften da immer dran vorbeifahren.

Zum Ra10: Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass das hier für das Gleis rechts vom Ra10 gilt - kann mich aber täuschen



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:07:27:12:45:54.

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: S&B

Datum: 27.07.14 14:31

Danke für das Bild mit den Starkstromschaltern. Offensichtlich, den Weichen nach, ist das R3, das auch Martin beschrieben hat.
Diese Bauart hätte ich von Zug aus bei R5 nicht sehen können, denke ich. Auf R5 sah es also anders aus.
Erinnerst Du Dich an das Rangierbüdchen Aachen Hbf Gl.1 zur Posthalle? So in etwa sahen die Schalter meiner Erinnerung nach auf R5 auch aus.
Grüße
Ulrich



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:07:27:14:33:00.

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: S.B

Datum: 27.07.14 14:58

Hallo Kay,

DANKE erstmal wieder für den tollen Beitrag, da schlägt das Stellwerkfrak - Herz höher. Nun zum Thema kann ich noch drei Bilder beitragen.

Stw Geb&auml;ude KF.jpg

Das Ur - Stellwerkgebäude Kf ( Köln Hbf )von 1951. Foto aus dem Heft Signal & Draht, April 1953 " Die Signalanlagen im Raum Köln ". Sammlung S.B

Stw Kf.jpg

Innenansicht Stellwerk Kf nach dem Umbau von 1959. Vorne ist die Meldetafel zu sehen. Vor der Meldetafel sitzen von Links nach Rechts . Zugmelder, Disponent und Helfer. Den Stelltisch Bauart Sp DrS 20 bedienen die beiden Fahrdienstleiter West und Ost. Foto : BD Köln ,Signal und Fernmeldebüro Büro

Vorschrift Dr I.jpg

Die zugehörige Vorschrift zum Gleisbildstellwerk Dr I. Sammlung S.B

Noch zwei Bilder zur Ergänzung, diese stammen aus der Broschüre " Die Deutsche Bundesbahn in Wort und Bild " Athenäum - Verlag Bonn 1953.

http://img4.bilder-hochladen.tv/wFxQ3QFh.jpg

Das Stellwerk Kf in Köln Hbf im Jahr 1951. Foto : Direktionsfotograf Fischer der ED Köln

http://img4.bilder-hochladen.tv/UMogamCM.jpg

Innenansicht des Stellwerk Kf. Hinten ist die Meldetafel zu sehen, davor sitzen von Links nach Rechts : Ansager, Fahrdienstleiter und der Helfer. Der Weichenwärter bedient gerade den Stelltisch Bauform Dr I.
Foto : Direktionsfotograf Fischer der ED Köln


Gruß von S.B





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:07:27:18:34:51.

Re: Sperrsignal hinter Sbk 6?

geschrieben von: befehlsturm

Datum: 27.07.14 19:03

br181 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo zusammen,
>
> für mich stellt sich noch die Frage, welchen
> betrieblichen Zweck das Sperrsignal hinter Sbk 6
> erfüllt?

Es handelt sich um das Deckungssignal "Ds 335"; mit dem Rücken dazu steht ein Zwerg-Ls "335 II". Wollte Köln Hbf eine Rangierfahrt auf dem Gleis VON Köln Bbf durchführen, wurde das Ds 335 auf Sh 0 gestellt und eine elektrische Zustimmung an "Kf" abgegeben. Somit konnten beide Bahnhöfe auf dem gleichen Gleis ausziehen, jeweils bis zum trennenden Deckungssignal bzw. Ls 335 II hin.

> Also konnte "Bf" anscheinend eine Rangierstraße
> bis zu diesem Sperrsignal (als Zielsignal)
> einstellen.

Auf "Bf" gab es in der DrI-Technik keinerlei Rangierstraßen. Es wurde stets "frei rangiert", also wie Weichen mit WT + WGT einzeln umgestellt und dann mit SGT + Signaltaste das Ls auf Sh1 gestellt.

> Welchen Signalbegriff zeigt das Sbk 6, wenn eine
> Rangierstraße bis zu diesem dahinterliegenden
> Sperrsignal eingestellt wird?

Was auch immer der Zustand der Blockabschnitte gerade hergab. Fuhr eine Rangierfahrt bei Stellung Hp 1 am Sbk 6 vorbei und stellte es somit auf Halt, blieb es bei nach Räumung des Blockabschnitts durch die zurückkehrende Rangierfahrt auf Halt und wurde dann mit einer Blockgrundstellungstaste (hier ohne Zählwerk) wieder in Grundstellung Hp 1 gebracht.

Grüße,
Martin

Re: Sperrsignal hinter Sbk 6?

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 27.07.14 19:19

http://s7.directupload.net/images/140727/e644b4ok.jpg

http://s7.directupload.net/images/140727/n4a6qn3t.jpg

http://s1.directupload.net/images/140727/x8psg5ri.jpg

http://s7.directupload.net/images/140727/harqnt8s.jpg

http://s14.directupload.net/images/140727/3842ga4l.jpg

http://s7.directupload.net/images/140727/pdl3hcdk.jpg

http://s14.directupload.net/images/140727/9ilvbftj.jpg

http://s14.directupload.net/images/140727/lhjby8gg.jpg

Später, wenn ich Zeit habe, zeige ich mal ein wenig mehr zum Thema.

Re: Sperrsignal hinter Sbk 6?

geschrieben von: br181

Datum: 27.07.14 19:51

Hallo Martin und Eifelindianer,

vielen Dank für die Ergänzungen!

Gruß

Re: Sperrsignal hinter Sbk 6?

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 27.07.14 20:03

Hätte das Jemand gewusst? Eine Besonderheit gab es in früher in Köln Bbf noch, aber lest selbst:

Beschreibung des Bahnhofs Köln Betriebsbahnhof und seine Aufgaben von 1962

Der Bahnhof liegt an der Westseite des Bahnhofs Köln Hbf. Die durchgehenden Gleise der Strecken Köln – Neuß, Köln – Aachen, Köln – Koblenz führen südlich bzw. nördlich am Bahnhof Köln Betriebsbahnhof vorbei. An der Durchführung der Zugfahrten auf diesen Strecken ist der Bahnhof Köln Betriebsbahnhof nur in Störungsfällen beteiligt.

Der Bahnhof Köln Betriebsbahnhof ist eine Dienststelle der Rangklasse 3, er ist Abstellungs- und Zugbildungsbahnhof für die in Köln Hbf endenden und beginnenden Reisezüge, für Post und Expresszüge sowie für Übergabezüge nach und von Köln Gereon und Köln Deutzerfeld.

In den Bahnhof münden die zweigleisige Strecke Köln Hbf – Köln Bbf, das Streckengleis 23 mit den Selbstblocksignalen 4 und 6 und das Streckengleis 24 mit dem Selbstblocksignal 3 und die eingleisige Strecke Köln Gereon - Köln Bbf (Schlundgleis).

Ferner bestehen noch bei Einschaltung des Ortsbetriebs zwischen Köln Hbf und Köln Bbf folgende signalmäßigen Fahrwege: nach Köln Hbf die Gleise 21 und 22, von Köln Hbf die Gleise 25 und 26.
Bei Stellwerk 5 kann außerdem eine signalmäßig gesicherte Fahrstraße aus dem Bahnhof über das Streckengleis Neuß – Köln Hbf gefahren werden. Das ist heute nicht mehr möglich!!

Das Befehlsstellwerk Bf ist ein Gleisbildstellwerk, Das Stellwerk 5 ist ein elektromechanisches Stellwerk, die Stellwerke 3, 4 und 5 sind mechanische Stellwerke.
Bahnhofsblockung besteht zwischen dem Stellwerk Bf und den Stellwerken 2 und 3.

Heute ist Köln Betriebsbahnhof durch fehlen dieser Hilfsausfahrt zu einer klassischen Mausefalle geworden.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:07:27:20:43:26.

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: Emil Oldersum

Datum: 27.07.14 21:49

Hallo Kay,

ohne dass ich einen wirklichen Schimmer von Stellwerkstechnik hätte, möchte ich doch einen großen Dank für diesen wieder sehr interessanten Beitrag aussprechen. Einfach super!

Zitat:
In Köln haben sich bis heute in Köln-West und Köln-Süd noch 3 uralte Stellwerke halten können: "Wf", vormals "Gzf" von 1952 und "Ws", ehemals "Gs" von 1936 in Köln-West sowie "Sof" in Köln-Süd von 1948. Und ich habe noch nicht gehört, dass sich da in absehbarer Zeit was ändern soll.

Dokumentierst du denn uns und der Nachwelt auch noch diese Stw's?

Also, bravo nochmal!

Emil

Re: Sperrsignal hinter Sbk 6?

geschrieben von: br181

Datum: 27.07.14 22:03

Moin,

das habe ich nicht gewusst. Sehr interessant!

Gruß

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: D951

Datum: 28.07.14 00:02

Hallo Kay,

auch von mir Herzlichen Dank für die Bilder aus Köln.
- Vor kurzem war in einem Beitrag die Frage aufgetaucht,ob die kombinierten Sbk Hbf-Deutz überhaupt Fahrt erwarten zeigen konnten.
- Die besonderen Signalverbindungen im Raum Köln waren im strengen Sinne keine Mehrabschnittsignale.Mehrabschnittsignal bedeutet,daß der Vorsignalbegriff über mehr als einen Signal - Abschnitt reicht.Ich schreibe absichtlich nicht Blockabschnitt,weil es zB. in England ein Signalsystem mit Halbregelabstand und Vorsignalisierung über drei Abschnitte gab.Bei der SNCF gibt es auch zT.richtige Mehrabschnittsignale,ein grünes Blinklicht bedeutet ,daß auch das übernächste Blocksignal Fahrt zeigt,dagegen bedeutet ein gelbes Blinklicht,daß auf einen Fahrtbegriff auf ein Haltbegriff in einem Abstand folgt,der kürzer als der Bremsweg ist.
-Noch eine Scherzfrage:Was war am Bf Köln-Gereon einmalig in Deutschland(Jedenfalls meines Wissens),was aber es in Italien oder Frankreich öfter gibt?


Gruß

Christian

KFBE Köln- Benzelrath

geschrieben von: alte Bahn

Datum: 28.07.14 10:47

Hallo HLeo,

in der Nähe des Kölner Rudolfplatzes endete früher der Personenverkehr der KFBE (Köln- Frechen- Benzelrather Eisenbahn). Ab Dürener Straße/Lindenthalgürtel nutze die KFBE im Personenverkehr die Gleise der KVB. Der Güterverkehr verläuft von Frechen nach Köln- Niehl/Köln- Ehrenfeld/Köln- Nippes. Später wurde der Personenverkehr in das Netz der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) integriert.

M.f.G.
Ulrich

Danke für die Antwort!

geschrieben von: HLeo

Datum: 28.07.14 11:03

Es ist schon interessant, was die Bundesbahn alles pflichtschuldig als Eisenbahnstrecken in ihren Karten verzeichnet hat.

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: S&B

Datum: 28.07.14 18:39

>>Noch eine Scherzfrage:Was war am Bf Köln-Gereon einmalig in Deutschland(Jedenfalls meines Wissens),was aber es in Italien oder Frankreich öfter gibt?<<

Offenbar weiß das niemand- ich auch nicht.
Christian!!??
Grüße
Ulrich

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: Mw

Datum: 28.07.14 21:16

Der Bahnhofsname nach einer benachbarten Kirche. St.Gereon, einer der Stadtpatrone vom "Hillige Kölle".

Gruß
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: D951

Datum: 28.07.14 23:08

Hallo,

genau das habe ich gemeint.Ich muß jedesmal daran denken,wenn ich vom "Katholischen Güterbahnhof" lese,auch wenn er ausdrücklich jeden Zusammenhang bestreitet.

Gruß

Christian

wo war Stw 1 ?

geschrieben von: alte Bahn

Datum: 29.07.14 15:10

Hallo,

ist jemandem bekannt, wo sich das Stw 1 im Bf Köln Bbf vor dem 2. Weltkrieg befand ?

M.f.G.
Ulrich

Re: wo war Stw 1 ?

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 29.07.14 17:58

Ich würde sagen fast in der Mitte der Strecke zwischen dem Hochbekohlungsbunker und dem jetzt alten Stellwerk Bf dann zwischen Gleis 76 und dem Schlundgleis.

MfG



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:07:29:19:30:51.

Re: Alte Dr-Stellwerke in Köln

geschrieben von: Mw

Datum: 29.07.14 21:23

Die Namnesgebung "Köln-Gereon" hängt unmittelbar mit dem ersten Bahnhof der Köln-Bonner-Eisenbahnstrecke zusammen. Sie endete (bzw begann) im Bahnhof "Köln-Pantaleon", benannt nach der benachbarten großen romanischen Kirche St.Pantaleon, unmittelbar an oder in der Kölner Stadtmauer. Die Bahnen hatten damals große Schwierigkeiten, in die Innenstädte zu gelangen, und führten oft - auch aus miltärischen Gründen - außerhalb der Festungsmauern vorbei, z.B. in Ingolstadt.

[de.wikipedia.org]

[www.bilderbuch-koeln.de]

Der Reiseverkehrsteil von Köln-Gereon, nämlich schlicht "Köln West" wurde erst 1891 eröffnet.

[de.wikipedia.org]

Gruß
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)

Re: wo war Stw 1 ?

geschrieben von: S&B

Datum: 30.07.14 19:53

Möglicherweise sieht man es hier:

Bildarchiv der Eisenbahnstiftung unter 38 3247 in Köln.

[www.eisenbahnstiftung.de]

Grüße
Ulrich

Re: wo war Stw 1 ?

geschrieben von: Andre Joost

Datum: 30.07.14 20:18

S&B schrieb:
-------------------------------------------------------
> Möglicherweise sieht man es hier:
>
> Bildarchiv der Eisenbahnstiftung unter 38 3247 in
> Köln.
>
> [www.eisenbahnstiftung.de]


oder direkt mit:

[www.eisenbahnstiftung.de]

Gruß,
André Joost

Re: Sperrsignal hinter Sbk 6?

geschrieben von: ytracks

Datum: 30.07.14 20:25

Wenn es keine Rangierstrassen in Köln gab, wozu waren dann die eigens dazu eingeführten Rangierwendesignale gut, und vor allem wie wurden sie geschaltet?
Ich muß dazu sagen, das ich von Stellwerkstechnik keinen blassen habe, aber ich besitze die alten Signal & Draht Ausgaben zum Thema.

Gruß,

Ytracks

Re: Sperrsignal hinter Sbk 6?

geschrieben von: ayshanancy

Datum: 31.07.14 15:29

Hallo,

da will ich mal eine Antwort versuchen, wobei ich von der Technik her auch kein Experte bin. Daher also erstmal etwas Vorsicht, aber vielleicht kann ja jemand im Forum meine Gedanken bestätigen.
Erstmal waren bei Dr1-Stellwerken keine Rangierfahrstraßen vorgesehen. Das war wohl eine Frage des Aufwandes. Für jede Fahrstraße muß in der Dr1-Technik eine eigene Schaltgruppe vorhanden sein. Ich stelle mir das so ähnlich wie bei einem elektromechanischen Stellwerk vor, wo für je 2 Fahrstraßen ja auch ein Hebel vorhanden sein muß. Je mehr Fahrstraßen, desto mehr Hebel. Rangierstraßen bei elektromechanischen Stellwerken gibt es ja auch hin und wieder mal, da sind dann neben den Hebel für die Zugfahrstraßen auch zusätzliche Hebel für die Rangierfahrstraßen eingebaut.
Die Relaisgruppen für die Rangierfahrstraßen wollte man sich bei Dr1-Stellwerken aber meistens sparen und hat deshalb frei rangiert. Bei "Kf" hat man diesen Aufwand aber in Kauf genommen und Rangierstraßen vorgesehen, bei denen dann diese etwas eigentümlichen Rangierwendesignale eingebaut wurden.
Bei den späteren Bauarten ist das dann grundsätzlich anders gelöst worden. Dort enthält jedes Fahrstraßenelement, also zB jede Weiche, alle Schaltungskomponenten für eine Fahrstraße. Deshalb sind da auch Rangierfahrstraßen ohne weiteren Schaltungsaufwand möglich. Dafür ist dann natürlich zB die Weichengruppe komplizierter geschaltet.
Hier dann auch nochmal vielen Dank für die vielen Fotos, vor allen für die Aufnahmen von den Stellwerksräumen. Da kann man sehr schön sehen, wie viel sich in den paar Jahren zwischen 1951 und 1959 getan hat.

Gruß von Kay!

Rangierstraßen in Dr I

geschrieben von: befehlsturm

Datum: 31.07.14 18:47

"Kf" hatte wohl Rangierstraßen in Dr I-Technik, die übrigen Dr I-Stellwerke "Bf", "Df" und "Dtf" im "Raum Köln" nicht. Deshalb war der Weichenbereich von "Bf" bis zur Außerbetriebnahme der Alttechnik mit klassischen Weichensignalen gepflastert. Bin gerade heute morgen dran vorbei gefahren - die meisten sind schon weg.

Grüße,
Martin

Re: Rangierstraßen in Dr I

geschrieben von: S&B

Datum: 31.07.14 21:31

>>Deshalb war der Weichenbereich von "Bf" bis zur Außerbetriebnahme der Alttechnik mit klassischen Weichensignalen gepflastert. Bin gerade heute morgen dran vorbei gefahren - die meisten sind schon weg.<<

Bleiben die Stellwerke R2- R4 in Betrieb?

Grüße
Ulrich

Re: Rangierstraßen in Dr I

geschrieben von: befehlsturm

Datum: 31.07.14 22:34

Hallo Ulrich,

die Weichenbezirke R2 und R3 werden an das ESTW "Bf" angeschlossen, die Altstellwerke außer Betrieb genommen. Also fliegen auch da die Weichenlaternen raus. Die EOW-Bereiche R4 und R5 bleiben unverändert bestehen, lediglich der Bedienrechner wird vom Bedienraum "Bf alt" in den ESTW-Bediencontainer am Gladbacher Wall verlagert. Ob und wann welche Gebäude abgerissen werden, scheint derzeit noch offen. In "Bf alt" soll jedenfalls kein Bedienplatz mehr eingebaut werden.

Betrieblich gibt es jetzt keinen Bahnhof Köln Bbf mehr; es handelt sich jetzt um einen Bahnhofsteil von Köln Hbf. Das musste man so definieren, weil die Bereitstellungsfahrten von/nach KKB jetzt als Rangierfahrten ablaufen. Nur bei Fahrten von/nach dem Schlundgleis wird als Zugfahrt auf Hauptsignal gefahren.

Grüße,
Martin