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 04 - Historische Bahn 

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Mit dem Schienenbus unterwegs... in Österreich

geschrieben von: Der Hönnetaler

Datum: 20.07.14 20:06

Zunächst danke ich für die positiven Reaktionen auf [www.drehscheibe-online.de] einschl. der Fehlerkorrekturen. Bevor wir uns weiter in Deutschland auf „Schienenbusjagd“ begeben, möchte ich heute etwas vom Schienenbusbetrieb in Österreich zeigen. Ende der 80-er Jahre waren noch einige Exemplare der ÖBB aktiv, bis 1992 gab es bei der Graz-Köflacher-Bahn sogar noch aktive VT 95. Aber auch bei der Steiermärkischen Landesbahn standen noch VT 98 in Diensten, die ich aber nur in Weiz ablichten konnte. Schließlich kommt noch etwas von der Erzbergbahn, die in den 90-ern schon museal betrieben wurde, heute aber einer ungewissen Zukunft entgegenblicken musss.

Fangen wir an mit der hübschen Nebenbahn von Wels nach Grünau im Almtal, die noch heute einen Besuch wert ist. Zunächst begegnet uns in Wels der 5081 021 als Regionalzug nach Aschbach an der Donau (19.07.1989). Es handelt sich um einen österreichischen Lizenzbau mit abgesenkten Einstiegen.

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/801308.jpg

Der Betrieb auf der Almtalbahn war 1989 noch recht beschaulich. Das zeigte sich bei der Zugkreuzung in Voitsdorf, die mit ortsbedienten Weichen auf recht einfache Weise ablief. Wir sehen 5081 065 mit 6581 057 und dem Gegenzug 5047 010 am 28.07.1989.

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/801025.jpg

Im Endbahnhof Grünau im Almtal schien die Zeit (28.07.1989) stehengeblieben zu sein. Der Schienenbus wurde „bettfein“ gemacht, d.h. über Nacht abgestellt und mit Hemmschuh gesichert. Das Personal hatte in Grünau Übernachtung! Zeit genug zur Einkehr in die örtliche Gastronomie…

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/800861.jpg

Machen wir einen Sprung zur Strecke Braunau – Steindorf b. Straßwalchen, wo uns am 26.07.1989 der 5081.021 mit Postwagen (!) in Höhe von Holzleithen begegnet.

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/800858.jpg

Auf in die Steiermark zur Graz-Köflacher-Bahn. Bei meinem ersten Besuchen dort im Jahr 1991 standen tatsächlich noch deren VT 98 (mit vereinfachter Scharfenbergkupplung) im Planeinsatz. Ebenso eine Garnitur Plattformwagen (Spantenwagen). Beides jedoch nur im morgendlichen bzw. abendlichen Berufsverkehr, sonst beherrschten moderne VT den Betrieb und wenig später zogen Doppelstockwagen ein und beendeten die Einsätze der fast musealen Fahrzeuge.
Blicken wir uns zunächst im Bahnhof der GKB in Graz um. Zunächst der VT 10.03

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/800859.jpg

Am 02.09.1992 präsentierte sich dieser VT - auch noch mit aufgesetzter Stirnlampe, aber überlackierten Dachfenstern.

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/801023.jpg

Eine Streckenaufnahme gelang mit GKB-Schienenbussen und zwar am Hp. Gaisfeld am 02.09.1992
http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/800860.jpg
Die nächste NE-Bahn mit Schienenbussen war die Steiermärkische Landesbahn, deren Bahnhof Weiz ich 1993 besuchte. Im Einsatz habe ich deren Schienenbusse leider nicht erlebt, nur abgestellt. Zunächst der VT 22 mit zwei weiteren Fahrzeugen am 25.09.1993.

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/801022.jpg

Am gleichen Tag habe ich auch VT 24 in Weiz aufgenommen. Es herrschte Fahrbetrieb auf in Weiz beginnenden schmalspurigen Feistritztalbahn.

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/801309.jpg

Zum Abschluss einige Aufnahme von einer der spektakulärsten Schienenbusstrecke überhaupt. Nichts gegen Boppard – Buchholz, aber eine Fahrt über den Erzberg im Schienenbus war etwas Besonderes. Leider muss man „war“ sagen, denn momentan ist kein Fahrbetrieb möglich. Als ich im September 1992 die Bahn besuchte, war der Museumsbetrieb gerade im Aufbau und schon sehr beeindruckend.
Beginnen wir mit 5081.565, der an der Wasserstelle Blumau kurz einen Fotostopp einlegt.

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/800857.jpg

Das nächste Bild entstand im Bf. Erzberg, wo für die Fahrgäste kalte Getränke bereitgehalten wurden.

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/801021.jpg

Abschließend noch ein Foto aus Eisenerz, wo (neben Vordernberg Markt) Anschluss an das ÖBB-Netz bestand. Heute werden beide Übergangspunkte von der ÖBB nicht mehr angefahren und die Fahrzeuge dürfen wegen einer Streckensperrung das Depot in Vordernberg nicht mehr verlassen. Vielleicht kann hier jemand mehr berichten.

http://www.bahnbilder.de/bilder/1200/801020.jpg

Soweit dieser kleine Blick über die Grenze. Demnächst mehr aus Deutschland….

Re: Mit dem Schienenbus unterwegs... in Österreich

geschrieben von: 211 116-9

Datum: 20.07.14 20:46

Hallo Hönnetaler,
vielen Dank für die tollen Schienenbusbilder aus der Alpenrepublik. Ich selbst habe die 5081 leider nur in Simbach erlebt, beim samstäglichen D-Ö-Uerdingertreffen.
Kleine Korrektur jedoch: der Bahnhof Holzleithen, in dessen Nähe die Aufnahme mit dem Postwagen/Expressgutwagen entstanden ist, liegt an der Hausruckstrecke Ried - Attnang-Puchheim und nicht an der Mattigtalbahn Braunau - Steindorf b- Strw.
Vom Bf Holzleithen aus gab es früher übrigens Kohlebahnen in dortige Braunkohlerevier, Holzleithen war damit der bedeutendste Unterwegsbahnhof der Strecke, was heute noch an den umfangreichen Gleisanlagen zu erkennen ist.
Grüße aus Oberbayern und nix für ungut!
211 116

Re: Mit dem Schienenbus unterwegs... in Österreich

geschrieben von: Der Hönnetaler

Datum: 20.07.14 20:51

Danke für die Korrektur, Du hast natürlich recht. Auf diese Weise kann ich auch bei mir im Archiv Ordnung schaffen.

Re: Mit dem Schienenbus unterwegs... in Österreich

geschrieben von: Michael Sieß

Datum: 21.07.14 06:35

211 116-9 schrieb:
-------------------------------------------------------
> in dessen Nähe die Aufnahme mit dem Postwagen/Expressgutwagen entstanden ist

Genaugenommen handelt es sich um einen BahnExpress-Wagen.

Schöne Fotoserie.

mfg
MS

Zum Thema Erzbergbahn...

geschrieben von: Jürgen Seif

Datum: 21.07.14 14:09

...hier die Kopie der letzten Presseerklärung:


Zitat Anfang:

Sehr geehrte Damen und Herren.

Aus gegeben Anlass müssen wir Ihnen leider folgende Presseaussendung
übermitteln.

Pressemitteilung vom 23. April 2014

Die Erzbergbahn von der endgültigen Einstellung bedroht.
Die letzte Frist verstreicht am 30. April 2014!

„Der Verein Erzbergbahn hat über 350 ehrenamtliche Mitglieder, die es
sich zur Aufgabe gemacht haben, das technische Denkmal Erzbergbahn zu
erhalten. Der Verein, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn gerichtet ist,
stellt sich der Denkmal- und Heimatpflege im Bereich und hinsichtlich
der Substanz der steiermärkischen Erzbergbahn, die schon zur Zeit der
Monarchie als interessanteste Lokalbahn Österreichs galt.“ (Auszug
aus den Vereinsstatuten).
Wie bereits mehrfach berichtet, hat die ÖBB mit Wirkung vom 31. Mai
2013 den Mietvertrages für die lebenswichtige Verbindungsbahn vom
Heizhaus Vordernberg „Süd“, Eigentum des Vereines Erzbergbahn, bis
zum Bahnhof Vordernberg Markt, wo die ebenfalls im Vereinseigentum
befindliche Bergstrecke über den Präbichl zum Erzberg und nach
Eisenerz beginnt, gekündigt. Aus diesem Grund sind seit 2013 bis dato
keine Fahrten möglich. Darüber hinaus ist der Verein auch
verpflichtet, durch regelmäßige Instandhaltungsmaßnahmen für die
Sicherheit zu sorgen. Da dies nur mit schienengebundenen
Instandhaltungsfahrzeugen möglich ist, können die Vereinsmitglieder
diese nicht durchführen. Wegen des Wegfalls der Publikumsfahrten (bis
zu 5000 Fahrgäste pro Jahr) und der Einnahmen davon, fehlen dem Verein
auch die finanziellen Mittel hierfür. Die Strecke ist somit dem Verfall
preisgegeben. Ein Abstellen von Fahrzeugen auf der dem Verein
gehörenden Bergstrecke ist mangels Witterungsschutz und aus Gründen
der Fahrzeuginstandhaltung nicht möglich.

Das Ultimatum der ÖBB lautet nun: „Die Strecke mit ca. 1,9 km kaufen,
ansonsten wird dieser Teil der Strecke abgebaut bzw. einer anderen
Verwendung zugeführt. Kaufpreis: €411.000.- zuzüglich UST, sowie
Kosten für Vermessung und Verbücherung.

Zur Vorgeschichte:
Die ÖBB bieten 2012 die gesamte stillgelegte Eisenbahnstrecke zwischen
Trofaiach und Vordernberg Markt zum Verkauf an. Teilverkäufe sind nicht
möglich. Basierend auf diesem Kaufangebot wurde im Frühjahr 2013 ein
fundiertes Projekt namens „FE-Express“ mit Business Plan,
Betreiberkonzept und Finanzplan, welches von Fachleuten ausgearbeitet
wurde, an das Land Steiermark, LH Mag. Voves eingereicht. Mitte April
2014, nach einem Jahr, ging die Antwort ein. NEGATIV! Keine
Unterstützung des Projektes durch Landesmittel. Erst im November 2013
wurde von den ÖBB die Möglichkeit eingeräumt, nur die für den
Museumsbahnbetrieb essentielle Teilstrecke von Vordernberg Süd bis
Vordernberg Markt, zu kaufen. Der Verein kann jedoch die Summe von
€411.000,-- aus eigener Anstrengung nicht aufbringen.

Folgende Maßnahmen wurden bereits vom Verein Erzbergbahn gesetzt, um
den Erhalt der Erzbergbahn zu sichern:

1. Ein Bittschreiben an die Mitglieder, Firmen und Freunde der
Erzbergbahn um eine einmalige Sonderzahlung. Diese Briefe sind bereits
verschickt und die ersten Spenden in der Höhe von annähernd
€10.000.- von unterstützenden Mitgliedern eingegangen.
2. Ein Ansuchen um Förderung an das Verkehrsreferat, Dr. Kurzmann.
Hierzu gibt es allerdings nur eine vage verbale Zusage.
3. Ein Ansuchen mit Datum 18.02.2014 um Förderung an das
Tourismusreferat, LH. Stv. Schützenhöfer. Dieses Ansuchen wurde mit
dem Verweise, es handle sich dabei um kein touristisches Projekt,
abgewiesen.
4. Ein Ansuchen an Landesbaudirektor DI Andreas Tropper, die
Gutachter der Landesbaudirektion mögen prüfen, ob die verlangten
Preise der Region bzw. dem Zustand der Grundstücke entsprechen. Hier
gibt es bereits eine verbale Zusage. Zum Vergleich: Im Jahre 2003 wurde
die Bergstrecke von Vordernberg Markt nach Eisenerz (16,7 km) um rund
€ 72.600.- erworben, nun, rund 10 Jahre später kosten etwa 2
Kilometer Strecke € 411.000.--!
5. Der ehemalige Hauptschuldirektor von Schladming, Herr Karl Müller
hat 5.743 Unterschriften für den Erhalt der Erzbergbahn gesammelt.
Seine Briefe sind an alle Fraktionen des Landes übermittelt worden, mit
der Bitte um Unterstützung der Erzbergbahn, blieben jedoch
unbeantwortet.
6. Der Verein versucht auch mit rechtlichen Schritten die Erzbergbahn
zu erhalten. So haben die Vereinsverantwortlichen beim Bezirksgericht
Leoben den Antrag auf Einräumung eines Notwegerechtes eingebracht. Zwei
Instanzen haben diesen Antrag aber bereits abgelehnt. Der ordentliche
Revisionsrekurs an den obersten Gerichtshof ist eingebracht.
7. Das Regionalmanagement Obersteiermark Ost hat in enger
Zusammenarbeit mit dem Verein Erzbergbahn mehrere Treffen mit Mandataren
aus Nationalrat, Bundesrat und Stmk. Landtag, allen Bürgermeistern der
Region, Vertretern des Museumsverbundes, des Vereins Eisenstraße und
der Tourismusverbände sowie Vertretern des Verkehrsministeriums und den
ÖBB sowie organisiert.
8. Mit den leitenden Verantwortlichen der ÖBB standen die
Vereinsfunktionäre permanent in Kontakt. Bei den vielen Gesprächen mit
den ÖBB gab es allerdings kein Entgegenkommen


Fazit:
Das Ultimatum der ÖBB lautet: €411.000,-- bezahlen oder die Strecke
wird abgetragen bzw. einer anderen Verwendung zugeführt.
Die Bürgermeister der Region können, mangels finanzieller Mittel, nur
zahnlose Bekundungen zum Erhalt der Erzbergbahn abgeben.
Der Verein Erzbergbahn hat alles in seine Macht befindliche getan, um
den Erhalt zu sichern. Hierzu sei noch angemerkt, dass der Verein
Erzbergbahn seit seinem Bestehen keine nennenswerten Förderungen,
abgesehen von Unterstützungen im Rahmen des Ankaufes der Bergstrecke im
Jahr 2003 sowie kleineren Zuwendungen durch Sponsoren, erhalten hat. Der
Verein hat keine Schulden und hat sich immer rein durch die
ehrenamtlichen Tätigkeiten, Einnahmen aus den Plan- und Sonderfahrten
und den Beiträgen von über 350 Mitgliedern selbst finanziert.

Wenn es also bis zum 30. April 2014 zu keiner Lösung kommt, ist das
technische Denkmal "Erzbergbahn" endgültig und unwiederbringlich
Geschichte. Die Gemeinden der Eisenstraße, die regionalen
Tourismusverbände und vor allem das Land Steiermark sind nun gefordert,
um einen unwiederbringlichen Verlust eines Kulturgutes in einer ohnehin
von der Abwanderung bedrohten Region noch zu verhindern. Ein bedauerndes
Achselzucken mancher Verantwortlichen ist hier zu wenig. Müsste der
Verein seine Tätigkeit nun tatsächlich einstellen und würde die
Strecke mit ihren Bauwerken und Anlagen verfallen und verwildern, wäre
dies ein Armutszeichen ersten Ranges für die Steiermark.
Glück Auf!

Der Vorstand
Verein Erzbergbahn
[www.erzbergbahn.at]


Zitat Ende.


Weitergehende Hinweise evtl. auch auf [www.erzbergbahn.at]