(Neuauflage eines Beitrages)
Zu Bahnübergängen hegt unsere Gesellschaft vermutlich ein eher ambivalentes Verhältnis. Den Autofahrer nerven die sich kurz vor ihm schließenden Schlagbäume, das Warten auf einen Zug, der partout nicht kommen will, er trommelt nervös mit den Fingern auf dem Lenkrad, lässt den Motor bereits wieder an, wenn gerade erst die Lok die Straße quert, auch wenn sich herausstellt, sie hat einen Güterzug am Haken. Besonders beliebt sind Situationen, bei denen auf dem Gegengleis sich bereits im Blockabstand der nächste Zug ankündigt und das Warten schier endlos erscheinen will. Na ja, und die ganz Mutigen umkurven bekanntlich auch gerne mal die Schlagbäume ...
Und wir als Eisenbahnfreunde? Für uns gibt es nichts Schöneres, als dass sich unmittelbar vor uns die Schranken senken. Wir schauen auf die Uhr, wissen häufig um den im Takt planmäßig verkehrenden Zug, hoffen auf Überraschungen, auch wenn dem dann nicht so ist. Wir lehnen lässig und entspannt auf dem Schrankenbaum oder haben den Bahnübergang vielleicht sogar als Fotomotiv auserkoren – für uns Liebhaber der Eisenbahn können Schranken nicht lange genug unten sein!
Die Bahnübergänge, von denen an dieser Stelle die Rede sein soll, liegen auf Siegener Stadtgebiet. Oder soll ich sagen lagen? Denn in dieser gezeigten Form existiert bis auf einen keiner mehr, teilweise wurden sie durch Brückenbauwerke oder Unterführungen ersetzt, mindestens verschwand der Posten und die Vollschranken wurden durch Halbschranken mit Ampelanlagen ersetzt.
In Siegen quert die Achenbacher Straße das südliche Gleisvorfeld des Bahnhofs und die sich anschließende Siegstrecke in Richtung Betzdorf. Außerdem dient ein Gleis dem Anschluss des Bahnhof Eintracht der Kreisbahn Siegen-Wittgenstein. Zudem zogen Zuggarnituren über den Bahnübergang vor, um anschließend in die Wagenabstellgruppe gedrückt zu werden. Dass hier die Schranken häufig und länger geschlossen waren, versteht sich von selbst.
Im Zuge des Baus des Ziegenbergtunnels im Verlauf der Hüttentalstraße (HTS) wurde auch die Achenbacher Straße mittels einer Brücke über die Gleise geführt. Als 110 155-9 am 23.02.1997 den Übergang passiert, sind dessen Tage längst gezählt.
Der mit am meisten frequentierte Bahnübergang dürfte in Weidenau der im Verlauf der Straße „Auf den Hütten“ gewesen sein, früher B 62. Doch auch hier sind Brückenbauarbeiten im Gange und vier gegenschlägige Schrankenbäume sichern noch den mehrspurigen Übergang, der soeben von 110 201-1 passiert wird (21.02.1982).
Nicht etwa einen IC „Weidenau-Dreis-Tiefenbach“ hat hier 260 796-0 am Haken. Den Laufzetteln an der vorderen Tür nach zu urteilen, dürfte der Großraumwagen aber tatsächlich von oder zur damaligen Waggon-Union – heute Bombardier - überstellt worden sein, ebenfalls aufgenommen am 21.02.1982.
Die Rampe hinauf zur B 62 n wurde inzwischen für den Straßenverkehr freigegeben und der Übergang „Auf den Hütten“ dient fortan nur noch Fußgängern und Radfahrern. Die beiden Schlagbäume zum Stellwerk hin sind bereits überflüssig geworden. Hier sehen wir 110 424-9 mit D 916 am 28.05.1983. Einen BÜ gibt es heute im Verlauf der Straße immer noch, allerdings wurde dieser hinter die Unterführung verlegt.
Nach Queren der Sieg folgt bereits der nächste BÜ im Verlauf der Straße „Am Eichenhang“. Die Ampeln stehen bereits, es fehlen noch die obligatorischen Schutzgitter. Fast völlig zugerankt erkennt man hinter dem blauen Pkw das Postengebäude, 08.08.1984.
Hier die Situation aus Schienenhöhe und mit der Durchfahrt der 140 720-2, beobachtet ebenfalls am 08.08.1984.
Hinter einem kurzen Einschnitt folgt der dritte BÜ im Bunde, der Übergang „Setzer Weg“, dessen Postengebäude rechts hinter der Bake erkennbar ist; 111 136-8 im Februar 1982.
Warten ist angesagt! Das Bürogebäude im Hintergrund existiert nicht mehr, ebenso das daneben stehende Werkstattgebäude, ganz früher eine Gasolin-Tankstelle.
Dieses Mal dauert es nicht lange und eine 110 rauscht vorbei (08.08.1984). Abgesehen von den Ampeln, Halbschranken und den fehlenden Gebäuden gibt es diesen BÜ heute noch und auch die Straßenführung ist unverändert.
Die Entfernung zum BÜ „Glück-Auf-Straße“ betrug weniger als einen Kilometer. Vom unmittelbar davor liegenden ehemaligen Haltepunkt „Weidenau Nord“ bzw. später „Hüttental-Haardt“ finden sich kaum noch Spuren. Auch hier ersetzte eine Brücke bereits früh den Straßenübergang. Eine Weile verblieb ein schmaler beschrankter Fußgängerüberweg, bis die Unterführung fertig gestellt war. Dieses Bild mit 290 040-5 vom 08.04.1978 möge daran erinnern.
An den Posten 102 werden sich vermutlich nur noch die Älteren erinnern. Die Straße wurde vollständig unterbrochen, die Verkehrsführung heute eine ganz andere. Fußgänger benutzen hier jetzt eine Betonbrücke, die Widerlager für eine geplante Straßenbrücke wurden nie ihrer Funktion gerecht. (110 440-5 27.10.1978).
Der BÜ vom Hang auf der gegenüber liegenden Gleisseite aus betrachtet. Der Luftraum zwischen Gebäude und 150 136-0 ist nicht allzu üppig ausgefallen (27.10.1978)!
Von ursprünglich drei BÜ in Geisweid (südliche Zufahrt Stahlwerke, in Höhe Empfangsgebäude, Obere Kaiserstraße) verblieb Letzterer, der von T 3 der MWB am 16.07.2006 überquert wird. Nach Errichtung von Lichtsignalen fiel das Stellwerk der Spitzhacke zum Opfer. Überwacht wird inzwischen alles zentral vom Stellwerk in Siegen aus.
Wer die Vorstellung des BÜ „Samuel-Frank-Straße“ vermisst – zu sehen auf dem zweiten Bildschirm von rechts – ihn habe ich mir als Besonderheit für den Schluss aufgehoben, ist er auch als „der doppelte Bahnübergang“ bekannt. Die Situation war vor Jahrzehnten insofern besonders interessant, weil zwischen den beiden Übergängen und abzweigend aus dem Richtungsgleis Siegen-Weidenau links ein auf der Straße verlaufendes Anschlussgleis nach Siegen zu einem Fabrikgebäude verlief.
Ein Blick auf die grundsätzliche Situation. Links die Strecke Siegen-Weidenau, rechts die bereits geringfügig höher liegende Verbindung Weidenau-Siegen-Ost im Zuge der „Neubaustrecke“ von 1915 nach Haiger. Das Schalthaus steht mitten auf dem ehemaligen Anschlussgleis.
Aus Richtung Siegen-Ost kommt 212 240-6 der EfW am 08.07.2007 des Weges.
Das erwähnte Anschlussgleis führte bei dieser Ansicht am rechten Straßenrand zu dem im Hintergrund sichtbaren hellen Fabrikgebäude. (294 866-9 in Weidenau 30.08.2012). Dass die Schranken beider Bahnübergänge gleichzeitig geschlossen werden, kann man recht selten beobachten. Spannend wird es dann, wenn mehrere Kraftfahrer voller guter Hoffnung zwischen die Übergänge aufgerückt sind und es dann eng werden kann ...