DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historisches Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.

Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: S.B

Datum: 19.06.14 19:15

Hallo zusammen,

in dem Hifo Beitrag [www.drehscheibe-online.de] wo es eigendlich um Farbilder der S 3/6 geht, kam unter anderem auch eine Diskussion über das bayrische Ruhehaltsignal, das auf einigen Bildern im Beitrag zu sehen ist. Und ich deshalb einige Worte darüber noch sagen möchte, nach meinem Wissenstand. Das bayrische Ruhehaltsignal konnte die Stellung Hp Ru, Hp 0 , Hp 1 oder 2 zeigen ( ich nehme Bewußt die Bezeichnungen weil diese am meisten Bekannt sind ). In der Grundstellung zeigte das bayrische Ruhehaltsignal Hp Ru auf dem Gleis durfte rangiert werden. Anbei einen Auszug aus der DV 421 / I Deutsche Bundesbahn Eisenbahndirektionen in Bayern, Anhang zu den Vorschriften für den Block - und Stellwerksdienst ( Block und Stellwerksanlagen bayer. Bauform ), Ausgabe 1951;

Auf Bahnhöfen, deren Ausfahrsignale noch die Ruhestellung haben, kann der Hebel eines Einfahrsignals nicht umgelegt werden, bevor nicht das Ausfahrsignal der Einfahrstraße von Ruhe auf Halt gestellt ist ( Haltabhängigkeit ) ; anderseits kann der Hebel des Ausfahrsignals nicht von Halt in die Ruhestellung zurückgelegt werden, solange die Einfahrstraße eingestellt ist ( Rückverschluß). Bei verschiedenen Stellwerken fehlt der Rückverschluß ganz oder teilweise.

Wie sah es mit den Hebeln im mechanischen Stellwerk nun aus, anbei eine Skizze als Scan.

Hebelwerkskizze.jpg

Die Skizze zeigt ein Wärterstellwerk mit mechanischem Bahnhofsblock und stellt nur einen Auzug dar aus der Vorschrift Bay 335 DRG Gruppenverwaltung Bayern , Vorläufige Vorschriften für den Stellwerks- und Streckenblockdienst, Ausgabe 1933. In der Skizze habe ich farbig die Stellung der Hebel für ein bayrisches Ruhehaltsignal ( Signal C ) dargestellt. es ist ein Doppelsteller Signalhebel für drei Stellungen Hp Ru, Hp 0 , Hp 1 oder Hp 2. Auf der Gleisplanskizze ( nicht zu sehen hier ) in der Vorschrift ist ein bayrisches Ausfahrsignal das die Stellungen Hp Ru, Hp 0 und Hp 1 zeigen kann.

Elfershausen Vögele Stw.jpg

Im Bahnhof Elfershausen - Trinberg an der Strecke Gemünden am Main - Hammelburg gibt es noch ein Stellwerk Bauart Vögele, gebaut 1932. Der Bahnhof Elfershausen - Trimberg wurde noch mit bayrischen Signalen ausgerüstet. Die aber zur Bundesbahnzeit auf Einheitssignale umgebaut wurden. Um die alte Funktion bei zu behalten wurde davor ein Hauptsperrsignal aufgestellt das nun die Stellung Hp Ru ersetzte. Anbei ein Foto der Hebelbank. Zu sehen ist der Signalhebel P 1 ( Ausfahrsignal )in der Stellung Hp 0,daneben in umgelegter Stellung der Hebel für das Hs 1 I in Stellung Sh 0. Soll nun eine Ausfahrt gestellt werden muß sich der Hebel vom Hs 1 I in Stellung oben befinden und das Hs 1 I zeigt Sh 1 nun kann der Signalhebel P 1 umgestellt werden nach unten somit kommt Hp 2 ( natürlich müssen vorher die Weichen alle richtig gestellt werden, Fahrstraßenhebel umgelegt werden,Gleichstromblockfeld muß festgelegt werden )
Foto vom 15.6.2001, Foto S.B

Ausfahrsignal mit HS.jpg

Das Ausfahrsignal P 1 und Hs 1 I im Bahnhof Elfershausen Trimberg. Als Ersatz für die Stellung Hp Ru wurde davor ein Hauptsperrsignal aufgestellt. Das Hauptsperrsignal ist mit einer Verbindungsstange verbunden mit dem mechanischen Signalantrieb vom Signal P 1. Die Stellung der Hebel im Stellwerk ist wie im Bild oben. Foto vom 15.6.2001, S.B

http://img4.bilder-hochladen.tv/lNIJwWU0.jpg

Im Lehrstoffheft Stellwerks - und Blockanlagen Heft 1 Mechanische Sicherungseinrichtungen, Ausgabe 1934. Habe ich noch ein Bild gefunden zum mechanischen Antrieb des bayrischen Ruhehaltsignals für drei Stellungen Hp Ru, Hp 0, Hp 1 oder 2. Mehr Bilder habe ich nicht. Eine Zeichnung des Signalsantrieb wäre toll wo die ganzen Stellbewegungen aufgeführt sind.

Auch in Stellwerken in Bayern mit Kurbelwerk konnte die Stellung Hp Ru gezeigt werden. Natürlich waren die Hebel alle bauart bedingt anders gebaut von jeden Hersteller. Hersteller von Stellwerken in Bayern waren die Firma Krauss, Jüdel System Noell, Vögele und Spaeth.
Es wurde auch gefragt ob es Elektromechanische Stellwerke Bauart 1912 mit Farbscheibenüberwachung in Bayern gab die Signale mit Stellung Hp Ru hatten " Ja ". Hierfür war aber ein dritter Antrieb am Signal erdorderlich sowie ein zusätzlicher Fahrstraßensignalhebel im Hebelwerk. Die elektromechanischen Stellwerke in München Hbf hatten die Stellung Hp Ru sowie Räumsignale. In der Zeitschrift Das Stellwerk Jahrgang 1932 gibt es eine Abhandlung über die elektromechanischen Stellwerke in München Hbf. Es wird auch noch andere Bahnhöfe in Bahnhöfe mit elektromechanischer Stellwerkstechnik gegeben haben mit Stellung Hp Ru.
Nochmals zum Schluß die Grundstellung Hp Ru gilt nur für RANGIERFAHRTEN. Hp O, 1 und 2 nur für ZUGFAHRTEN. Sobald der Zug den Bahnhof verlassen hatte wurde vom Stellwerker die Stellung HP Ru eingestellt egal ob nun rangiert werden mußte oder nicht. Es gab auch Bahnhöfe in Bayern OHNE Stellung Hp RU weil nicht planmäßig rangiert werden mußte, deshalb war die Grundstellung Hp 0.
So das wars hoffe mein Beitrag hilft ein wenig, ich bin auch nicht allwissend.

Gruß von S.B



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:06:20:19:45:45.

Re: Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 19.06.14 19:53

Hallo S.,
ich kenne die Ruhe-Halt-Signale nur noch aus Freilassing, wo sie Mitte der 1970er Jahre noch in Betrieb waren. Nach meiner Erinnerung war die Grundstellung Hp0. HpRu zeigten sie nur dann, wenn Rangierfahrten erfolgten.
Du schreibst jetzt, die Grundstellung sei HpRu gewesen. Das irritiert mich ein bißchen (bin kein Signal-Fachmann).
Viele Grüße
Stefan


http://foto.arcor-online.net/palb/alben/29/383229/6162336338636635.jpg

https://abload.de/img/db-251902-4003812-titu8k49.jpg





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:06:19:20:53:59.

Re: Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: Mw

Datum: 19.06.14 20:11

Stefan Motz schrieb:

>>ich kenne die Ruhe-Halt-Signale nur noch aus Freilassing, wo sie Mitte der 1970er Jahre noch in Betrieb waren. Nach meiner Erinnerung war die Grundstellung Hp0. HpRu zeigten sie nur dann, wenn Rangierfahrten erfolgten.<<

Genau so habe ich es auch in Erinnerung. Wir kamen mit dem D-Zug Dortmund-Berchtesgaden in Freilassing (z.B. in Gleis 2) an. Das Ausfahrsignal Richtung Salzburg zeigte eindeutig Hp0.
Nach Halt des Zug "fiel" der Signalflügel auf HpRu und die Zuglok fuhr mit dem abgetrennten 1. Zugteil Richtung Salzburg vor und drückte ihn nach Gleis 1 zurück, dann wurde die Lok abgekuppelt und rangierte über das HpRu in Gl1 wider zurück nach Gleis um den 2. Zugteil nach Salzburg weiterzufahren.
Ein direktes Umstellen von HpRu auf Hp1 war scheinbar nicht möglich, so daß erst von HpRu auf Hp0 umgestellt werden musste, danach danach auf Hp1 und der Salzburger Teil fuhr aus.
Der Berchtesgadener Zugteil wurde derweil mit der E44.5 bespannt, die westlich aus dem Bw beifuhr bzw bereits im Gleisvorfeld wartete.
Die ganze Aktion Einfahrt, umsetzen des Berchtesgadener Teilks bis zu dessen Ausfahrt dauerte planmäßig 13 Minuten.

Gruß
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)

Re: Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: Zaubermark

Datum: 19.06.14 22:00

Hallo Stefan,

erstmal ein herzliches Danke an Dich, dass Du dir die Arbeit gemacht hast, einiges über die Hp Ru-Stellung zusammen zu stellen. Sonst hätte ich mich jetzt noch hingesetzt, aber Du besitzt die eindrucksvolleren Unterlagen als ich.

Danke auch für die Ergänzung zu den elektromechanischen Stellwerken, war mir nicht bekannt, aber, sag niemals nie... : -)
Wäre interessant, ob es tatsächlich noch weitere Anlagen dieser Art neben München Hbf gab. Aber wo? Auch grössere Knotenpunkte wie Hof, Marktredwitz, Plattling etc. blieben ja bis zum Ende mechanisch. Evtl. Würzburg oder was im Nürnberger Raum. In Lindau Hbf waren es ja ähnlich wie in Garmisch und Memmingen nur Signalflügel in bayerischen Formen in Verbindung mit elektromechanischen Hebelbänken ohne Ruhefunktion.

@ Stefan Motz und Mw: gerade noch die mir zur Verfügung stehenden Quellen überflogen: Die Grundstellung war definitiv Hp Ru. Wobei das wohl in der Endzeit in Freilassing (und wohl auch in Buchloe, wie auf Martins ergänzten Bildern zu sehen - da haben sich aber für mich ein paar neue Aspekte ergeben) etwas laxer gehandhabt wurde.

Viele Grüsse von Mark

P.S. Wo waren eigentlich wirklich die letzten Signale mit Hp Ru-Funktion? Wirklich in Freilassing, wie es irgendwo in der Literatur erwähnt wird, oder...? Wann wurden beispielsweise Bindlach, Harsdorf oder Schwindegg umgebaut?

Re: Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: S&B

Datum: 19.06.14 22:35

>>Ein direktes Umstellen von HpRu auf Hp1 war scheinbar nicht möglich, so daß erst von HpRu auf Hp0 umgestellt werden musste, danach danach auf Hp1<<

Anzunehmen- von Hp0 ausgehend mußte ja nach der Rangierfahrt erst die Fahrstraße festgelegt werden, bevor man das Signal für die Zugfahrt auf Hp1 stellen konnte. Das dauerte eine Zeit.
Grüße
Ulrich

Re: Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: Zaubermark

Datum: 19.06.14 23:22

Hallo Ulrich,

wenn Du jetzt hier auftauchst, machen wir hier auch weiter. [qopt.org]

Also, um den Faden nicht zu verlieren, kopiere ich mal Deine Antwort aus dem S3/6-Thread hier ein:

"Wenn, angenommen, fünf Gleise mit Ru-ASig auf ein Streckengleis führen, von dem gerade ein Zug in eines der fünf Gleise einfährt, dann müssen alle fünf Ru-ASig-Flügel waagrecht stehen"

Bin ja jetzt wieder zuhause, wie ihr bemerkt haben dürftet, und wühle mich durch Bücherregal und Altpapier.

Meine Antwort dazu: Nein. "Dein" Zug fährt beispielsweise auf Gleis 1 ein. Nur wenn zur gleichen Zeit auf einem anderen der fünf Gleise eine Zugfahrt stattgefunden hätte, bspw. eine Einfahrt auf ein Gleis aus der Gegenrichtung (geben wir ihm die fiktive Bezeichnung Gleis 4) oder wenn auf einem der Gleise ein abfahrbereiter Zug gestanden hätte (von mir aus wiederum auf "Gleis 4"), dann wär das Ausfahrsignal aus Gleis 4 auf Hp0 gestanden, die Ausfahrsignale der Gleise 2, 3 und 5 auf Hp Ru, weil nach der bayerischen Definition der Zugverkehr auf diesen Gleisen ruhte und eventuelle Rangierfahrten auf diesen Gleisen vor den Hp Ru zeigenden Signalen anzuhalten hatten wie bei einem Ra 11. Um Hp Ru passieren zu dürfen, war ein mündlicher Auftrag zur Rangierfahrt vom Fdl oder Ww erforderlich, wiederum ähnlich wie beim Ra 11.

Falls ich alles falsch wiedergegeben habe, dürft ihr mich hauen, aber denke mal schon, dass es so hinhaut : -)

Mark



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:06:20:00:28:22.

Re: Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: ropix

Datum: 20.06.14 02:57

S.B schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo zusammen,
>
> Im Bahnhof Elfershausen - Trinberg an der Strecke Gemünden am Main - Hammelburg gibt es noch ein
> Stellwerk Bauart Vögele, gebaut 1932. Der Bahnhof Elfershausen - Trimberg wurde noch mit bayrischen
> Signalen ausgerüstet. Die aber zur Bundesbahnzeit auf Einheitssignale umgebaut wurden. Um die alte
> Funktion bei zu behalten wurde davor ein Hauptsperrsignal aufgestellt das nun die Stellung
> Hp Ru ersetzte. Anbei ein Foto der Hebelbank. Zu sehen ist der Signalhebel P 1 ( Ausfahrsignal )in
> der Stellung Hp 0,daneben in umgelegter Stellung der Hebel für das Hs 1 I in Stellung Sh 0. Soll
> nun eine Ausfahrt gestellt werden muß sich der Hebel vom Hs 1 I in Stellung oben befinden und das
> Hs 1 I zeigt Sh 1 nun kann der Signalhebel P 1 umgestellt werden nach unten somit kommt Hp 2

Das erstaunt mich jetzt. Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, das umlegen des Signalhebels alleine reicht um sowohl Haupt als auch Rangiersignal "auf Fahrt" zu bekommen. Wie auch sonst sollte das mit nur einem vorhandenen Stelldrahtpaar funktionieren?

Wenn man das alte bayerische Signal betrachtet hat das 3 Punkte im Antrieb - Hp Ruh, Hp 0 und Hp 1. Auf die Hebel übertragen ist die Mittelstellung (also ein Hebel unten, einer oben) Hp0 - legt man jetzt den neuen Rangiersignal, alt Hp Ruh-Hebel um, also von unten nach oben, hat man die eine Endstellung der Leitung - sprich Hp Ruh oder neu eben Hp0 Sh1.

Legt man hingegen den Signalhebel um hat man die andere Endstellung - sprich Fahrt.

Interessant daran - wenn die Grundstellung aller Hebel oben ist wird im Bahnhof original an allen Signalen Hp Ruh gezeigt.

Das ist zumindest bei den Kurbelwerken so, hier sind ja jeweils zwei Ausfahrsignale auf einer Kurbel aufgelegt. Schön zu sehen hier am Beispielstellwerk im Verkehrszentrum am Deutschen Museum (ich entschuldige mich schonmal vorab dass auch diese Bilder nicht den Hifo-Kriterien entsprechen)

http://www.ropix.com/stellwerkfotos/Hp-Ruh/Kurbelwerk_klein.FL.JPG
Zwar steht jeweils ein Ausfahrsignal auf Halt - das andere aber ist in Grundstellung Hp Ruh. Bei den heute noch erhaltenen Kurbelwerken der DB sind allerdings jeweils die beiden Ausfahrsignale eines Gleises auf eine Kurbel gelegt, weil zu Hp Ruh Zeiten ansonsten keine Möglichkeit bestanden hätte alle Signale eines Bahnhofkopfes auf Halt zu stellen. Ob das bei der zweigleisigen Ausführung wie im Deutschen Museum gezeigt auch in Wirklichkeit zum Einsatz kam, oder ob das wie so vieles nur der Fantasie des Museums entspringt entzieht sich meiner Kenntniss.

Das DB-Museum hätte auch noch eine Hebelbank zum Thema im Angebot

http://www.ropix.com/stellwerkfotos/Hp-Ruh/Hebelwerk_klein.FL.JPG
Hier ist die Grundstellung der Signale Hp 0. Der Hebel fürs Signal C ist der schon erwähnter Doppelstellerhebel. Mit dem Umschalter wird gewählt ob das Signal mit Hp Ruh oder mit Hp 1 "aufgezogen" werden soll. Beim Signal D übernehmen diese Funktion die beiden Hebel Signal Halt (dessen Rückseite mit Signal Ruhe beschriftet ist) und Ausfahrt nach A' oder B'Dorf. Interessant in diesem Zusammenhang. Das Signal D kann offensichtlich 4 Signalstellungen. Da man auf einer mechanischen Leitung aber nur 3 Stellungen übertragen kann gibt es den Kuppelhebel. Ist dieser Umgelegt erscheint beim ziehen des Signals das Signalbild Hp2, ist er in Grundstellung erscheint das Signalbild Hp1.

Mit freundlichen Gruße
Florian

Re: Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: S&B

Datum: 20.06.14 10:24

Hallo Florian,
anscheinend entspricht der Kuppelhebel D mit separater Doppeldrahtzugleitung den Kuppelhebeln, die auch für dreiflügelige (vierbegriffige) Signale verwendet wurden.
Grüße
Ulrich

Ergänzung zu den elmech Stw in Bayern

geschrieben von: Zaubermark

Datum: 20.06.14 23:14

Hallo zusammen,

nach den interessanten Diskussionen und Beiträgen zur bayerischen Sicherungstechnik noch ein kurzer Nachtrag meinerseits.

Nach langer Zeit habe ich gestern und heute mal wieder im hier schon öfters erwähnten "Zintl" gelesen, darin ist auch ein kurzer Abschnitt über elektromechanische Stellwerkstechnik in Bayern enthalten, der mir so gar nicht mehr im Gedächtnis war.

Laut Robert Zintl wurde das erste elektromechanische Stellwerk Bayerns 1897 auf dem Starnberger Bahnhof in München in Betrieb genommen und versah dort bis 1925 seinen Dienst. Zintl ergänzt, dass in Bayern überwiegend SuH 1912-Stellwerke angeschafft wurden.

Zintl geht nur auf Grundlagen der elektromechanischen Stellwerke ein, die den hier Mitlesenden sicher bekannt sind. Besonderheiten in Bayern werden nicht nähers erwähnt. Von Interesse dürfte das Bild 127 sein, es zeigt eine SuH 1912-Hebelbank, auf die über dem Hebelwerksaufbau eine Miniaturhebelbank mit 5 Hebeln aufgesetzt ist.

Viele Grüsse von Mark

Re: Ergänzung zu den elmech Stw in Bayern

geschrieben von: ChristianMUC

Datum: 20.06.14 23:44

Servus,

in den Artikel über die Stellwerke in Garmisch und München Hbf von Anfang der 1930er, die damals in der Zeitschrift "Das Stellwerk" veröffentlicht wurden, werden die bayerischen Besonderheiten mit angeschnitten. Neben den Ruhe-Halt-Signalen sind das vorallem die vom mechanischen bekannten Belegungssperre sowie Räumungssignale. Den Artikel über die Garmischer Stellwerke hatte ich schonmal kopiert und hier eingestellt, den Münchner kann ich vllt. im Winter entsprechend aufbereiten.

Viele Grüße, Christian
http://www.christianmuc.de/foren/mh-tafel-k.jpg
Mehr oder minder aktuelle Bilder gibt es auf flickr: Fotos | Alben




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:06:20:23:55:01.

Re: Ergänzung zu den elmech Stw in Bayern

geschrieben von: ChristianMUC

Datum: 20.06.14 23:56

Zaubermark schrieb:
-------------------------------------------------------
> Laut Robert Zintl wurde das erste
> elektromechanische Stellwerk Bayerns 1897 auf dem
> Starnberger Bahnhof in München in Betrieb genommen
> und versah dort bis 1925 seinen Dienst.

Ganz kurze Ergänzung: dieses S&H 1896-Hebelwerk steht im VM Nürnberg.

Viele Grüße, Christian
http://www.christianmuc.de/foren/mh-tafel-k.jpg
Mehr oder minder aktuelle Bilder gibt es auf flickr: Fotos | Alben

Re: Die Stellung Hp Ru , bei Ausfahrt eines Zuges

geschrieben von: ehemaliger Teilnehmer

Datum: 21.06.14 14:52

Hallo!

Im Dr. Rolf Brüning Band 1, von EK 1982 , Seite31 fährt eine Wannentender pr P8 aus dem Bf. Hergatz, die 38 2981 am 3.9.1964 mit Pz aus(Farbaufnahme), wo die übrigen 2 sichtbaren Ruhehaltsingnale, in Hp Ru Stellung sind. Das mittlere Signal hat sogar noch einen Zusatzflügel.

Im Bf. Hof(Saale) dürften es wg. Fahrmöglichkeiten aus der Mitte, die Ruhehaltsignale auf Hp 0 gestanden haben, da die weiterführenden Gleis häufig belegt waren.
Siehe EJ Sonderausgabe Hof, ca. 1982/1983 erschienen, Foto Nr. 52 von Herbert Stemmler, vmtl. 1971 entstanden und Bild 62 auf Seite 40 von der nördlichen Ausfahrt des Bf. Hof (Saale) von F. Jäger, vom 8.4.1966, wo noch Ruhehaltsignale gestanden hatten.

Gruß
thomas.splittgerber, berlin

Bayerische Signale in Hof Hbf

geschrieben von: martin welzel

Datum: 23.06.14 07:43

Ich habe die Signale Z3 und Z4 dereinst einmal fotografiert - die Stellung Hp Ru war nicht mehr möglich (und das Ru-Schild verschwunden).

Signal Z3 am 4.5.73:

http://www.eisenbahnhobby.de/Sueddt73/SW320-8_Signal_Z3_Hof_4-5-73_S.JPG


Und am 10.7.74:

http://www.eisenbahnhobby.de/Voelkl-Sueddt/SW560-21_Signal_Z3_Hof_10-7-74_S.JPG


Signal Z4 am 10.7.74:

http://www.eisenbahnhobby.de/Voelkl-Sueddt/SW559-2A_Signal_Z4_Hof_10-7-74_S.JPG



Gruß,
Martin

Re: Bayerische Signale in Hof Hbf

geschrieben von: S&B

Datum: 23.06.14 09:54

Hallo Martin,

hinter den Signalen Z3 und Z4 ist jeweils eine ortsgestellte Weiche zu sehen. War das so, daß eine Riegelleitung in die Signalleitung eingebunden war, und Z3/4 quasi Deckungssignale zu dieser Weichenverbindung waren?
Möglicherweise hingen Z3 und Z4 incl. Riegel an einem Hebel; mit einer Doppeldrahtzugleitung?
Der elektrische Weichenantrieb lag wohl nur für den zukünftigen Umbau so rum?
Grüße
Ulrich

Re: Bayerische Signale in Hof Hbf

geschrieben von: Zaubermark

Datum: 23.06.14 10:40

Hallo Martin,

erst einmal herzlichen Dank für diese interessanten Bilder aus Hof.



S&B schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo Martin,
>
> hinter den Signalen Z3 und Z4 ist jeweils eine
> ortsgestellte Weiche zu sehen. War das so, daß
> eine Riegelleitung in die Signalleitung
> eingebunden war, und Z3/4 quasi Deckungssignale zu
> dieser Weichenverbindung waren?
> Möglicherweise hingen Z3 und Z4 incl. Riegel an
> einem Hebel; mit einer Doppeldrahtzugleitung?
> Der elektrische Weichenantrieb lag wohl nur für
> den zukünftigen Umbau so rum?
> Grüße
> Ulrich

Hallo Ulrich, leider habe ich keinen Originalgleisplan von Hof aus dieser Zeit zur Hand, aber diese Signale, die Martin hier zeigt, scheinen Zwischensignale gewesen zu sein. In dem mehrfach erwähnten Buch von Zintl sind dazu auch einige Fotos abgebildet. Der Umbau von Ru Halt mit Aufstellung der Lichtsperrsignale muss demnach zwischen 1962 und 1970 erfolgt sein. Gleichzeitig wurden auch die Signalbezeichnungen verändert, Signal Z 1 war vormals als N bezeichnet, die Weichenverbindungen wurden vereinfacht. Auf einem Bild ist zumindest eine ortsgestellte Weiche erkennbar, die mit einem Riegel versehen ist. Auf dem Bild von 1970 ist kein elektrischer Weichenantrieb zu erkennen, auf Martins Bildern sind die Vorbereitungen zur Inbetriebnahme des Dr-Stellwerks ja schon voll im Gange.

@ Thomas: Genau das Bild ist es, welches mit im Gedächtnis geblieben ist mit der Mischform aus bayerischen Original- und Einheitsflügeln. Das Signal in Hergatz scheint mir auch nachträglich mit dem zweiten Flügel versehen geworden zu sein. Im Brüning-Band 3 auf Seite 109 ist übrigens die Situation am anderen Bahnhofskopf in Richtung Kisslegg/Röthenbach zu erkennen. Dort fährt gerade ein Schienenbus mit Güterwagen im Schlepp in den Bahnhof ein, auch dort befinden sich alle Ausfahrsignale in Stellung Hp Ru.
Danke für den Hinweis!

Viele Grüsse von Mark



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:06:23:10:46:13.

Re: Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: S.B

Datum: 23.06.14 20:15

Hallo zusammen,

ich habe noch was gefunden in meiner Sammlung über bayrische Signale in elektromechanischen Stellwerken mit Hp Ru Stellung. Anbei die zwei Scans.

elektrischer Antrieb Bay. Hp Ruh.jpg

In der Zeitschrift Das Stellwerk vom Oktober 1931 kommt ein Artikel der sich über mehrehe Hefte verteilt mit
dem Titel " Die neuen Sicherungsanlagen des Hauptpersonenbahnhofs in München ". Aus diesem Artikel stammt auch
das Bild. Es zeigt die Antriebe an einem bayrischen Hp Ru. Sammlung S.B

Verschl&uuml;sse Hp Ruh Signal.jpg

Aus einem Heft der Vereinigten Eisenbahn - Signalwerke GmbH Berlin - Siemensstadt aus den dreißiger Jahren. Der Titel Verschluß - und Bewegungsstücke im elektrischen Stellwerk Bauart 1912. Sammlung S.B

Nun habe ich noch eine kleine Auflistung über elektromechanische Stellwerke in Bayern mit bayrischen Ausfahrsignalen. Ich habe dabei verschiedene Bücher und Hefte mal durchgesehen wo Bilder der betreffenden Bahnhöfe zu sehen sind.

Bf Garmisch Partenkirchen , Bauart 1912 VES, Bj.1929. Ausfahrsignale alle mit Hp Ru Stellung. Zur Bundesbahn Zeit beseitigt.

Bf München Hbf, Bauart 1912 VES, Bj. 1928. Ausfahrsignale alle mit Hp Ru Stellung. Nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzt durch Formsignale Einheit mit Hs und Wartezeichen.

Bf Memmingen, Bauart 1912 VES, Bj. 1929 ? . Ausfahrsignale ohne Hp Ru Stellung. Nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzt durch Formsignale Einheit mit HS

Bf Lindau, Bauart 1912 VES, Bj. 1924. Ausfahrsignale alle mit Hp Ru Stellung.Nach dem Zweiten Weltkrieg durch Lichtsignale ersetzt.

Bf Nürnberg Hbf hier gab es ja gemischte Stellwerke elektromechanisch und mechanisch. Gleichstrombahnhofsblock zwischen den Stellwerken. Ob die Ausfahrsignale mit Hp Ru Stellung an einem elektromechanischen Stellwerk angeschlossen waren weiß ich leider nicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzt durch Lichtsignale.

Ob es weitere Bahnhöfe mit elektromechanischen Stellwerken in Bayern mit Hp Ru Stellung gab weiß ich nicht. In der Regel wurden zur späteren Reichsbahnzeit und Bundesbahnzeit elektromechanische Stellwerke nur noch mit Einheitsformsignalen oder Lichtsignalen gebaut.

Für weitere Daten und Berichtigungen zum Thema sind willkommen.

Gruß von S.B

Re: Die Stellung Hp Ru im bayrischen Stellwerk

geschrieben von: hmmueller

Datum: 06.09.20 11:26

Ich hole diesen Thread noch einmal nach vorn, weil er indirekt meine Frage in diesem anderen Thread beantwortet, was die Grundstellung bei den bayrischen Ru-Signalen war; und wie sie mit der "neuen" Grundstellung nach einem Umbau auf Haupt- und Sperrsignal zusammenpasst.

Ich binde hier dafür noch einmal S.B.s großartigen Scan ein, der Doppelhebel für solche Ruhesignale zeigt:

S.B schrieb:
...
Wie sah es mit den Hebeln im mechanischen Stellwerk nun aus, anbei eine Skizze als Scan.

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?017,file=99684

Die Skizze zeigt ein Wärterstellwerk mit mechanischem Bahnhofsblock und stellt nur einen Auzug dar aus der Vorschrift Bay 335 DRG Gruppenverwaltung Bayern , Vorläufige Vorschriften für den Stellwerks- und Streckenblockdienst, Ausgabe 1933. In der Skizze habe ich farbig die Stellung der Hebel für ein bayrisches Ruhehaltsignal ( Signal C ) dargestellt. Es ist ein Doppelsteller-Signalhebel für drei Stellungen Hp Ru, Hp 0 , Hp 1 oder Hp 2....
Was man daran m.E. sieht, ist etwas sehr interessantes: Nämlich, dass hier zwei Hebel ("CHt" und "BHt" - die linken Hebel der Doppelhebel) in der Grundstellung nach unten wiesen! In dieser Stellung waren, wie S.B. ja anmerkt, die Flügel in Ruhestellung nach unten.

Als solche Bahnhöfe dann auf Haupt- und Sperrsignale umgebaut wurden, konnte man einfach definieren, dass die linken Sperrsignalhebel nun in Grundstellung nach oben zu stehen haben, und schon ist man bei (a) lauter in Grundstellung Halt zeigenden Signalen; und (b) lauter in Grundstellung nach oben weisenden Hebeln - so, als wäre es nie anders gewesen.

Besten Dank daher für diesen vieles erklärenden Scan!

H.M.

==== Von Stellwerken und anderen Maschinen: [stellwerke.blogspot.co.at] ====




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 06.09.20 11:27.