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Die Sicherungsanlage des Bf Berbersdorf in Sachsen !

geschrieben von: S.B

Datum: 09.03.14 14:19

Hallo zusammen,

ich habe mal einen alten HIFO - Beitrag von mir aus der Versenkung geholt und Neu bearbeitet. Dieser HIFO Beitrag erschien am 20.6.2008 unter dem Titel " Die Überraschung in der Holzbude ". Die Bilder drei waren leider nicht mehr sichtbar und so dachte ich mir,das ich nochmals was zum Thema schreiben könnte.

Nun wo liegt Berbersdorf ? In Sachsen an der Strecke Roßwein - Hainichen, diese wurde 1874 von der Königlich Sächsischen Staatsbahn eröffenet als Nebenbahn. Berbersdorf war aber voerst nur eine Haltestelle und wurde zum 1 Mai 1905 zum Bahnhof. Im September 2000 war ich mit einigen Bekannten auf Stellwerkstour im Raum Freiberg in Sachsen. Durch einen Bekannten vor Ort erfuhren Wir das es im Bahnhof Berbersdorf noch ein Kurbelwerk Bauart Bruchsal gab. Also fuhren Wir zum Bahnhof Berbersdorf. Dort angekommen war ich sofort von der Lage des Bahnhof Berbersdorf begeistert der im Wald lag etwas abseits des Ortes Berbersdorf.

http://img4.bilder-hochladen.tv/MEJHY6nP.jpg

Das Empfangsgebäude Berbersdorf. Der Bahnhof lag im Wald abseits der Ortschaft selber. In der Holzbude befand sich das Kurbelwerk Bauart Bruchsal. Foto vom 4.9.2000

Sofort wurde um den Bahnhof herum gelaufen und erkundet wo sich das Kurbelwerk befindet. Nun standen Wir vor einer kleinen Holzbude darim muß sich das Kurbelwerk befinden. Die Türe war verschlossen und Fenster zum reinsehen gab es auch keine, was machen jetzt ? Ein Bewohner des Bahnhofs Berbersdorf bemerkte Uns. Wir fragten höfflich an ob er einen Schlüssel hätte zu der Holzbude mit dem Kurbelwerk. Es sagte Ja und holte den Schlüssel die Spannung stieg bei mir und den anderen Bekannten ( Wir waren zu viert ). Er schloss die Türe auf und ich sah zum erstem mal LIVE ein Kurbelwerk Bauart Bruchsal. Darin befand sich ein Kurbelwerk Bauart Bruchsal mit zwei Signalkurbeln und zwei Riegelkurbeln. Das Kurbelwerk soll Baujahr 1910 sein ob dies stimmt weiß ich leider nicht. In der Holzbude ging es sehr bengt zu so das ein Foto zu machen vom ganzen Kurbelwerk nicht möglich war. So wurde in beide Ecken fotografiert um wenigstens Bilder zu haben vom Kurbelwerk Bauart Bruchsal.

http://img4.bilder-hochladen.tv/dyKcKXaF.jpg

Das Kurbelwerk Bauart Bruchsal, Baujahr 1910, es ging sehr bengt zu in der Holzbude. Zu sehen sind die Signalkurbel für das Einfahrsignal A aus Richtung Böhrigen sowie die beiden Riegelkurbeln der Einfahrweichen 1 und 12. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/WHLqqMGI.jpg

Ansicht des Kurbelwerk mit der Seite des Einfahrsignal H aus Richtung Hainichen. Die Signalkurbel ist mit einer Hilfssperre versehen. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/0fi48wf9.jpg

Die beiden Riegelkurbeln I und II für die beiden Einfahrweichen 1 und 12. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/bNVFu3QT.jpg

Seitlich am Kurbelwerk war der Fahrstraßenhebel angebracht. Das Kurbelwerk konnte bei Betriebsruhe mittels Einheitsschloß abgeschlossen werden. Somit konnte kein Unbefugter das Kurbelwerk bedienen. Foto vom 4.9.2000

Der Bahnhof Berbersdorf war mit einfacher Sicherungstechnik ( Stellwerkstechnik ) ausgestattet. Es gab zwei durchgehende Hauptgleise ( Gleis 1 und 2 ) für den Personenzugvekehr die zugleich auch als Kreuzungsgleise dienten. Ebenso ein Güterzuggleis ( Gleis 3 ), sowie ein Ladestraßengleis und zwei Abstellgleise. Auf der Strecke Richtung Böhrigen gab es ein Anschlussgleis zu einem Steinbruch. Der Bahnhof Berbersdorf besaß zwei Einfahrsignale A und H.

http://img4.bilder-hochladen.tv/1jHLAQdO.jpg

Das Einfahrsignal A des Bf Berbersdorf aus Richtung Böhrigen. Freileitung, Fernsprecher Nebenbahnromantik pur. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/YoRmR3gq.jpg

Zwischen Einfahrsignal A und der Einfahrweiche 1 befand sich die Anschlußweiche zum Steinbruch. Die Weiche war örtlich verschlossen mit einem Riegelhandschloss Ausführung RBD Dresden. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/1AJv7Tni.jpg

Das Einfahrsignal H des Bf Berbersdorf aus Richtung Hainichen. Vorsignale hatte beide Einfahrsignale nicht, dafür gab es die Kreuztafel. Der Bremswegabstand betrug 400 m. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/GD5DA758.jpg

Der Signalfernsprecher des Einfahrsignal H war etwas abendteuerlich in Holzausführung. Allein die Freileitung zwischen Fernsprecher und Freileitung hat was. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/JWHJ4wOR.jpg

Das einzige elektrische was es gab waren die beiden Signalhaltmelder A und H für die Einfahrsignale. Diese befanden sich über dem Kurbelwerk. Foto vom 4.9.2000

Die beiden Einfahrweichen 1 und 12 waren mit Riegel versehen, die Bedienung der Riegel erfolgte durch Riegelkurbeln vom Kurbelwerk aus. Alle anderen Weichen im Bahnhof waren handbedient und mit Riegelhandschlösser Bauart Einheit versehen, zwei sogar noch mit dem sächsischen Riegelhandschloss Ausführung RBD Dresden der ehemaligen sächsischen Staatsbahn.

http://img4.bilder-hochladen.tv/1YtrtzyQ.jpg

Sächs. Riegelhandschloss Ausführung RBD Dresden an der DKW - Weiche 5 im Bf Berbersdorf. Diese Ausführung stammte noch aus Zeiten der Sächsischen Staatsbahn. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/F1GWiEVi.jpg

Und so sieht der Schlüssel aus für das Riegelhandschloss Ausführung RBD Dresden. Es gibt verschiedene Schlüsselformen, genau so wie beim Schlüssel der Einheitsausführung. Das Foto zeigt einen versiegelten Schlüssel der sich im Ersatzschlüsselkasten im Fdl - Stellwerk in Aue im Erzgebirge befand und soll als Beispiel dienen. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/IkEUfpDV.jpg

Ich habe mal eine Skizze vom Schlüsselbrett des Bf Berbersdorf erstellt. Als Vorlage habe ich ein Foto aus dem Buch : Abschied von der Schiene, Stillgelegte Bahnstrecken im Personenverkehr 1998 - 1999 aus dem transpress Verlag genommen. Auf Seite 107 gibt es ein Foto vom Dienstraum des Fdl im Bf Berbersdorf vom 6.4.1998 mit der Schlüsseltafel. Dort habe ich die Daten was ich lesen konnte übernommen. Nicht eingezeichnet habe ich die Schlüsseltaschen bzw. Schlüssel, diese befinden sich unterhalb der Bezeichnungen für Weiche, Gleisssperre, Kurbelwerk, Anschluß und Schranke.
SCHREIBFEHLER der Ort heißt richtig Böhrigen nicht Böhringen, sorry.

Angebracht waren die beiden Schlösser an der Doppelkreuzungsweiche 5 und den der Anschlußweiche zum Steinbruch. Im Fahrdienstzimmer befand sich ein Schlüsselbrett mit der aufgemalten Verschlußtafel. Im Bahnhof Berbersdorf befand sich auch ein Bahnhübergang mit mechanischer Reichsbahnschranke, diese wurden von einer Einheitsschrankenwinde vor der Holzbude aus bedient.

http://img4.bilder-hochladen.tv/F1HfhWqM.jpg

Zum bedienen der Reichsbahnschranke im Bf Berbersdorf Richtiung Hainichen stand vor der Holzbude eine Schrankenwinde Bauart Einheit. Diese konnte in Grundstellung abgeschlossen werden gegen unbefugte Eingriffe. Die Verwahrung des Schrankenschlüssel erfolgte am Schlüsselbrett. Foto vom 4.9.2000

http://img4.bilder-hochladen.tv/CrYQZXvE.jpg

Im Netz habe ich noch diese Gleissplanskizze vom Bf Berbersdorf gefunden. Leider habe ich sonst keine Angaben aus was für einen Jahr die Skizze stammt.

Jetzt noch ein paar Angaben zur Strecke. Der Personenverkehr zwischen Hainichen und Roßwein wurde am 26 April 1998 schon eingestellt, der offizielle Termin wäre eigendlich der 24 Mai 1998 gewesen. Zum 1 Januar 2000 wurde auch der Güterverkehr auf diesem Abschnitt Hainichen - Roßwein eingestellt, zum 30 September 2001 erfolgte die Gesamteinstellung des Streckenabschnitts Hainichen - Roßwein. Ab 2005 begann der Gleisrückbau der Strecke Hainichen - Roßwein. Ab 2007 wurde das Projekt Museumsbahnhof Berbersdorf ins Leben gerufen um die letzten Gleise im Ex. Bahnhof Berbersdorf zu erhalten.

So das wars hoffe der HIFO - Beitrag findet Interresse. Auch sind Ergänzungen zum Thema in Form von Bilder besonders Sicherungstechnisch oder sonstigem willkommen. Vielleich hat jemand noch Bilder vom Dienstraum des Fdl im EG. Auch ein Bild von der Hauptuhr beim Fdl wäre toll für mich. Und wenn was falsch sein sollte geschichtlich gesehen einfach ergänzen, Danke.

Gruß von S.B aus BA/WÜ


.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:03:12:19:28:34.

Re: Die Sicherungsanlage des Bf Berbersdorf in Sachsen !

geschrieben von: S&B

Datum: 09.03.14 14:33

Danke für den interessanten Beitrag.
Grüße
Ulrich

Re: Die Sicherungsanlage des Bf Berbersdorf in Sachsen !

geschrieben von: falk

Datum: 09.03.14 16:04

Bruchsal-Kurbelwerke waren in Sachsen nicht selten. Ich staune aber immer wieder, wie viele Versionen es davon gibt. Die Abdeckkappen über den Kurbeln habe ich jedenfalls noch nicht gesehen.

Die sächsischen Schlösser sind übrigens nicht »Bauform Rbd Dresden«, es gab sie schon lange vor der Bildung der DR. Man muss einfach bedenken, dass die DR im Prinzip die preußische Staatsbahn mit Erweiterungen war. In Preußen nicht übliche Bauarten waren den plötzlich Zuständigen ähnlich suspekt wie siebzig Jahre später DR-Technik für die gemeinsame Führung der DB, die sich wieder vergleichbar nur aus Personal mit Bundesbahn-Vergangenheit rekrutierte. Man bezeichnete deshalb die nichtpreußischen Bauarten nachträglich mit dem Direktionsbezirk, der der vorher selbstständigen Verwaltung am ehesten entsprach. Man denke an die süddeutschen Bauarten, beispielsweise die Weichenverschlüsse mit innerer Abstützung.

Falk
Hallo,


wie immer, wieder ein interessanter Bericht von Dir.

Ich melde mich noch über eine PN wegen der Hektometersteine.


Grüße aus Erfurt


Klaus

Re: Die Sicherungsanlage des Bf Berbersdorf in Sachsen !

geschrieben von: itter

Datum: 09.03.14 17:24

Wie sieht es heute da aus, was genau wurde erhalten, gibt es Bilder davon?

Thema Weichenhandschloß RBD Dresden !!

geschrieben von: S.B

Datum: 09.03.14 18:41

Hallo Falk und alle anderen,

zu der Bezeichnung Weichenhandschloß bin ich gekommen durch das Lehrstoffheft: Stellwerks = und Blockanlagen, Heft 1: Mechanische Sicherheitseinrichtungen, Ausgabe 1934 erschienen im Verlag der Verkehrswissenschaftlichen Lehrmittelgesellschaft bei der DR in Berlin. Ich habe mal die beiden Seiten gescant.

seite 1.jpg

seite 2.jpg

Auch sind mir die Weichen - und Gleissperrenschlüssel zu dem Weichenhandschloß RBD Dresden in einigen Stellwerken ( Egal ob Bauart Bruchsal, Jüdel oder Thomas ) der Ex. RBD Dresden im Jahr 2000 bei der Stellwerktour aufgefallen. Die Schlüssel waren damals schon rar auf den Stellwerken, die Einheitsschlüssel waren in der Überzahl schon. Auch sind auf älteren Bilder aus Sachsen in Büchern teilweise die Weichenhandschlösser zu sehen. Solche Themen interressieren mich natürlich sehr. Auch habe ich ein Kopie von einem Bekannten mit allen Schlüsselformen der Sächs. Staatsbahn. Das Verzeichnis wurde 1959 bei der Sfm Halle / Saale erstellt. Die Museumsbahn Schönheide hat das Weichenhandschloß RBD Dresden mit Ex. Sächs. Weichen und Gleissperrenschlüssel für Museumsbahnzwecke teilweise wieder aufgearbeitet eingebaut. Die ganze Schlüssel und Schlossgeschichte ist ein Thema wo ich immer infos darüber Suche. Vielleicht hat jemand was noch.

Gruß von S.B
Hallo Stefan,

vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag!

Zu den Weichenschlössern sächs. Ausführung kann noch angemerkt werden, dass sie im offiziellen Schriftverkehr als "Weichensicherheitsschloß Bauart Adler & Hentzen" bezeichnet worden sind. Hier der "Beweis" in Form eines abfotografierten Schriftfeldes der Einbauzeichnung:

http://i57.tinypic.com/vq0ghj.jpg

Beachtenswert sind auch die 101 verschiedenen Schlüsselformen:

http://i57.tinypic.com/2432h6e.jpghttp://i61.tinypic.com/21e7r7l.jpg

Das Firmenlogo "AH" im Kreis war in den meisten Fällen auf der Abdeckklappe angegossen, so wie auch auf Deinem Bilde erkennbar.
Hier mal noch eins vom Bahnhof Lugau aus dem Jahre 2010:

http://i61.tinypic.com/2ep0axg.jpg

Alle Fotos/Dokumente: Mike Robeck/Sammlung Mike Robeck

Viele Grüße
Mike

Bahnhof Berbersdorf im Herbst 2013 !!

geschrieben von: S.B

Datum: 11.03.14 18:53

Hallo zusammen,

von einem Bekannten der aus der Nähe kommt von Berbersdorf erhielt ich noch einige Aufnahmen vom Herbst 2013 wie es

jetzt dort aussieht in Berbersdorf.

http://img4.bilder-hochladen.tv/mugkyrww.jpg

Das Einfahrsignal H aus Richtung Hainichen. Der untere zweite Flügel fehlt bereits.

http://img4.bilder-hochladen.tv/EFVmkNLN.jpg

Die Rückseite des Einfahrsignal H

http://img4.bilder-hochladen.tv/qiikxUeB.jpg

Das Gleisbett der Ex. freien Strecke bei Berbersdorf

http://img4.bilder-hochladen.tv/j7RM6w00.jpg

Der kleine Rest der übrig blieb vom Bf Berbersdorf. Es sind noch mehr Ex. Bahnhofsgleise übrig die auf dem Bild aber nicht sichtbar sind.

http://img4.bilder-hochladen.tv/yySDdDMb.jpg

Im Ex. Bf Berbersdorf aber wo ?

Gruß von S.B

Re: Bahnhof Berbersdorf im Herbst 2013 !!

geschrieben von: uymotive

Datum: 12.03.14 10:09

Der Ort Richtung Roßwein heißt Böhrigen
also ohne N in der Mitte

Re: Bahnhof Berbersdorf im Herbst 2013 !!

geschrieben von: itter

Datum: 13.03.14 20:36

Danke für die Bilder, wie es heute dort aussieht.
Interessant, das man das Einfahrsignal H dort stehen gelassen
hat.
Normalerweise werden Signalanlagen ja auch beim Rückbau mit entfernt.
Schade daß das Signal immer weiter zuwächst und das anscheinend
Vandalen dort ihr Unwesen getrieben haben.
Ist bekannt, ob das Signal noch vom Bf aus bedienbar ist?