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Eine S-Bahn-Lok auf Abwegen... BR 111 - Teil 1: the early years
So! Bevor ich mir heute im Fernsehen die Endkämpfe im Eiswürfelwettlutschen und Schneeballweitwurf bei den XXII. Olympischen Spielen der Neuzeit in Sotschi anschaue, möchte ich noch einen neuen und - wie ich meine - interessanten Beitrag ins HiFo einstellen. P.P!
Die Keimzelle der heutigen S-Bahn Rhein-Ruhr liegt im Düsseldorfer Süden. Dort wurde Mitte der 60er Jahre die Trabantenstadt Garath errichtet, die verkehrstechnisch an Düsseldorf angebunden werden mußte. Da die Bahnlinie Düsseldorf – Köln mitten durch Garath führte, lag es nah, diese für eine leistungsstarke S-Bahnverbindung in die Landeshauptstadt zu nutzen. So wurde am 28. September 1967 der S-Bahn-Betrieb zwischen Düsseldorf-Garath und Ratingen Ost aufgenommen. Am 26. Mai 1968 folgte die Verlängerung bis Essen Hbf, am 12. Dezember desselben Jahres die Verlängerung in südliche Richtung bis Langenfeld (Rheinl.). Zunächst wurden Lokomotiven der Baureihe E 41/141 mit Silberling-Wendezüge eingesetzt.
Erst zum 02. Mai 1974 folgten die Strecken S 1, Duisburg-Großenbaum – Duisburg Hbf – Essen – Bochum, und S 3, Oberhausen Hbf – Essen – Hattingen. Die Strecke Langenfeld (Rheinl.) – Düsseldorf – Essen Hbf wurde fortan als S 6 bezeichnet. Damit war auch das Ruhrgebiet ans S-Bahn angeschlossen. Von nun an wurden die S-Bahnlinien mit Triebzügen der Baureihe 420/421 betrieben. Das galt auch für die zum 01. Juni 1975 im Bereich der S-Bahn Rhein-Sieg eröffnete Strecke S 11, Bergisch Gladbach – Köln-Chorweiler. Die Strecke wurde später zunächst bis Köln-Chorweiler Nord und dann bis Köln-Worringen verlängert.
Insbesondere auf den langen Ruhrgebietsstrecken mehrten sich schon bald die Beschwerden darüber, dass die Triebzüge der BR 420/421 über keine Toilettenanlagen verfügten. Da die Fahrzeuge keine Übergänge besaßen, kam eine Nachrüstung nicht infrage, da in jedem Wagen ein WC hätte installiert werden müssen. Gleichzeitig neigte sich die Auslieferung der seit 1974 in zwei Bauserien beschafften Lokomotiven der Baureihe 111, einer Weiterentwicklung der Einheitsbaureihe 110, dem Ende zu. Da aber die neue Generation von Elloks mit Drehstromantrieb noch nicht zur Verfügung stand, hätten die Lokfabriken über Jahre keine Aufträge durch die Deutsche Bundesbahn mehr erhalten. Es fiel der Entschluß, den S-Bahn-Verkehr im Bereich Rhein/Ruhr und Rhein/Sieg auf lokbespannte Züge umzustellen. Als Zugloks sollten solche der Baureihe 111 zum Einsatz gelangen, die für diesen Einsatz zunächst lediglich eine geänderte Lackierung in orange-kieselgrau, sowie Zugzielanzeiger erhielten. Zunächst wurden nur einige Loks (111 111 – 111 115) mit der erstmals verwendeten zeitmultiplexen Wendezugsteuerung über die IS-Leitung ausgerüstet. Erst die vierte Bauserie (ab 111 147) wurde gleich ab Werk mit der ZWS ausgeliefert. Die anderen S-Bahn 111 wurden nach und nach nachgerüstet.
Am 21. August 1978 traf die erste Lok der dritten Bauserie, die 111 111-1, beim Bw Düsseldorf 1 ein. Bis Jahresende waren sieben Loks dort eingetroffen. Aber noch standen die neuen S-Bahnzüge überhaupt nicht zur Verfügung. Erst im Februar 1979 wurde die erste von drei Garnituren der Öffentlichkeit vorgestellt, die in der Folgezeit auf der S 1 getestet wurden. Erst Ende 1981 sollten die ersten Serienzüge zur Auslieferung gelangen. Doch was macht man so lange mit den Loks? Zwar waren die S-Bahn 111 mit Finanzhilfe des Landes Nordrhein-Westfalen und der Maßgabe beschafft worden, die Loks ausschließlich im Rhein-Ruhr/Rhein-Sieg S-Bahnverkehr zu verwenden, aber Loks, die stehen, verursachen Kosten und verdienen kein Geld.
So kam es, dass die S-Bahn 111 zunächst in diversen Diensten zu finden waren. Im Mai 1979 waren einige Maschinen zu Personalschulungszwecken beim Bw Siegen im Einsatz, wenig später wurde die Höchstgeschwindigkeit der BR 111 von 150 km/h auf 160 km/h angehoben. Über die Einsätze der S-Bahn 111 außerhalb des S-Bahn-Verkehrs möchte ich in diesem und den nächsten Beiträgen berichten.
Bild 01: Am 21. Mai 1979 war die 111 139 abgenommen worden. Vier Tage später, am 25. Mai 1979 fotografierte Th. Lange
die Lok vor einer abgebügelten 110.3 in Stuttgart Hbf. Vermutlich wurde dieser Zug zur Überführung nach Düsseldorf genutzt:
Bild 02:
Bei dem Zug müßte es sich um den D 214 "Rhein-Express", Innsbruck – Hoek van Holland (- London) handeln, der Stuttgart um 14.24 Uhr verließ.
In Düsseldorf gingen mit den Neuzugängen die Leistungen schrittweise von anderen Baureihen auf die S-Bahn 111 über. Der 27-tägige Umlauf vom Sommer 1980 sah u.a. die Bespannung fast aller Reise- und Güterzüge auf der gerade elektrifizierten Strecke zwischen Troisdorf und Siegen vor, wobei auch Leistungen der Betzdorfer 798 übernommen wurden. Rundläufe von Aachen über Hagen und Siegen nach Köln und zurück gehörten nun zum täglichen Brot der neuen Loks.
Bild 03: Am 01. Juni 1980 fotografierte Bruno Georg die 111 125 mit dem Ng 65385 bei der Einfahrt in die Berggleise des Bahnhofs Betzdorf:
Bild 04: Am 16. Juni 1980 war es K. Henning Kurth, der die 111 127 mit einem Güterzug im Bf Hüttental-Weidenau ablichtete:
Bild 05: Dieser Bahnhof wird am 25. August 1980 von der 111 122 mit dem Ng 65384 passiert, als K. Henning Kurth erneut zur Stelle war:
Die folgenden vier Aufnahmen entstanden am 18. Juli 1980 in Köln rund um die Hohenzollernbrücke.
Bild 06: Zunächst erwischte ich auf der Drehscheibe im Bw Köln-Deutzerfeld die 111 117 bei einer Karussellfahrt:
Bild 07: 111 122 verläßt den Bahnhof Köln-Deutz mit einem Nahverkehrszug zur Fahrt nach Köln Hbf:
Bild 08: Aus der Gegenrichtung ist die 111 126 unterwegs,...:
Bild 09: ...bevor um 15.20 Uhr die 111 123 ebenfalls mit einem Nahverkehrszug in den Kölner Hbf einläuft:
Bild 10: Am ersten Tag des Winterfahrplans 1980/81, dem 28. September 1980
steht die 111 149 mit dem N 7280, Rheine – Münster, abfahrbereit im Bf Rheine:
Bild 11: 111 168 steht mit einem Dm vmtl. für den Lokwechsel beim D/E 842, Kassel – Hagen – Köln, in Hagen Hbf bereit:
In diesem Jahr fiel auch die Entscheidung eine fünfte Bauserie von 32 Lokomotiven (111 179 – 111 210) zu beschaffen, wovon die zehn ersten (111 179 – 111 188) noch in der S-Bahnausführung zu liefern waren. Die endgültige Bestellung erfolgte dann im Jahre 1981.
Bild 12: Ein weiteres Güterzugfoto zeigt die 111 128 am 15. April 1981 bei der Durchfahrt durch den Hp Freusburg Siedlung:
Die nächsten drei Aufnahmen entstanden allesamt am 11. Mai 1981.
Bild 13: Im Bw Hagen-Eckesey warten die 111 161, sowie etwas verdeckt die 111 143, als auch 140 072 und 141 439 auf ihre nächsten Aufgaben:
Bild 14: Im Lennetal ist die 111 170 mit dem N 6835, Hagen – Siegen – Au(Sieg), bei Einsal unterwegs:
Bild 15: 111 117 fährt mit dem N 6569, Köln – Siegen – Hagen, in den Bf Altena ein. Oben am Berg die Ur-Jugendherberge auf der Burg Altena:
Bild 16: In diesen S-Bahn losen Jahren wurde die Lok bevorzugt auf der Siegtalstrecke von Köln nach Siegen eingesetzt. K. Henning Kurth
fotografierte die 111 136 mit einer interessanten Wagengarnitur am 20. Mai 1981 mit dem N 6635, Au (Sieg) – Siegen, im Hp Kleehahn:
Im Sommer 1982 wurden nun endlich die ersten S-Bahn 111 vor den neu angelieferten S-Bahnwendezügen im Gebiet Rhein/Ruhr eingesetzt. Trotzdem waren noch jede Menge anderer S-Bahn 111 in anderen Diensten anzutreffen.
Bild 17: Am 07. Juli 1982 ist die 111 127 mit einem Güterzug zwischen der Kölner Südbrücke und Köln-Kalk unterwegs:
Ein herzlicher Dank geht an K. Henning Kurth, Bruno Georg und Michael Krolop für die Erlaubnis, ihre Fotos hier einzubinden.
Bild 18: 111 116 verläßt am 21. August 1982 die Hohenzollernbrücke und fährt mit einem Nahverkehrszug
in den Kölner Hbf ein, während eine unbekannte 141 in Kürze den Rhein in östliche Richtung überqueren wird:
Zu jener Zeit wurden die Loks im westdeutschen Raum natürlich auch gerne auf Fahrzeugausstellungen präsentiert.
Bild 19: Anläßlich der Feierlichkeiten zum Jubiläum „50 Jahre Wuppertal“ im Jahre 1979 führte die 111 113 mit einem der neuen S-Bahn-
züge Schnupperfahrten durch, während die 111 114 mit einem Zug auf der Fahrzeugschau im Bf Wuppertal-Steinbeck anzutreffen war:
Bild 20:
Bild 21: Am 09. August 1980 fotografierte W. Löpker die 111 142 zusammen mit der 104 018,
103 118, 151 018, 212 273 und eiuner unbekannten 218 als Lokzug im Bf Lüdenscheid:
Bild 22: Am 03. Oktober 1982 war die 111 129 in Osnabrück Hbf Po zu Gast:
Bis März 1982 war auch die vierte Bauserie (111 147 bis 111 178) ausgeliefert worden, deren S-Bahn-Einsatz aber erst wenige S-Bahnwendezüge entgegen standen.
Im Winter 1982/83 gab es beim Bw Düsseldorf zwei Pläne für 26 Loks (ø 582 km/Tag) und 11 Loks (ø 598 km/Tag), die Einsätze im Bezirks- und Fernverkehr vorsahen . Für den S-Bahn-Verkehr wurden drei Pläne aufgestellt, die zwölf (ø 650 km/Tag), sieben (ø 643 km/Tag) und zehn Loks (ø 648 km/Tag) vorsahen.
Bild 23: Am 18. Februar 1983 hat die 111 141 mit dem N 5528, Wpt.-Oberbarmen – Düsseldorf Hbf, den Bahnhof Wpt.-Vohwinkel erreicht:
Bild 24: Sie wird in Kürze ihre Fahrt nach Düsseldorf fortsetzen:
Bild 25: Im Rahmen meiner vierten Tramper-Ticket-Tour traf ich am 09. März 1983 im Bf Au (Sieg) die 111 131 mit einem Nahverkehrszug an:
Bild 26: Am 12. März 1983 wollte ich eigentlich mit dem IC 515 „Senator“, Hamburg – München, in Richtung Ruhrgebiet
fahren. An diesem Tag fuhr jedoch ein Vorzug, IC 15515, der mit der 111 130 bespannt war. Hinter der Lok lief ein ABm
225, dessen 1. Klasse-Bereich zur 2. Klasse degradiert war, so dass ich in den Genuß von reichlich Beinfreiheit gelangte:
Bild 27: Am Nachmittag desselben Tages traf ich in Hagen Hbf die 111 146 als Vorspann vor der ebenfalls aufgebügelten 110 444 an:
Seit dem 7. März 1983 weilte die Düsseldorfer 111 115 leihweise beim Bw München Hbf. Die Lok wurde im Plantag 7 des Münchener 141-Plans auf der Strecke Tutzing – Kochel eingesetzt. Mit dem Einsatz der Lok wollte man hinsichtlich eines wirtschaftlichen Nahverkehrs Erfahrungen u.a. mit der ZWS sammeln. Auch sollten die Lokführer mittels Ultraschallpistole die Schrankenanlagen an der Strecke vom Zug aus bedienen können. Da beim einmännigen Betrieb die Türschließeinrichtung vom Lokführer zu bedienen war, kam nur eine S-Bahn 111 für den Einsatz in Frage, da in Süddeutschland das Türenschließen bis zu dem Zeitüunkt ausschließlich dem Schaffner oblag.
Bild 28: 111 115 wartet am 08. April 1983 im Bf Kochel darauf, mit dem N 6672 die Fahrt nach Tutzing antreten zu können:
Zurück in den nordwestdeutschen Raum:
Bild 29: Anstelle der planmäßigen Lokomotive der Baureihe 110 ist am 02. Juni 1983 die 111 143 in Osnabrück Hbf Po einem Eilzug nach Bremen vorgespannt:
Bild 30: Am darauffolgenden Tag kam mir in Münster Hbf die 111 138 vor die Linse:
Bild 31: Eine der schärfsten Bespannungen mit einer S-Bahn 111 war für mich am 14. Oktober 1983 die Führung des IC 15614, Köln – Hamburg,
mit der 111 123. Der Zug bestand an diesem Tag aus sechs blauen Am 202 und einem Avmz 111, hier bei der Ausfahrt aus Osnabrück Hbf Po:
Bild 32:
Obwohl nicht im Kursbuch verzeichnet, fuhr dieser Vorzug zum IC 614 „Poseidon“, München – Köln – Hamburg-Altona, nahezu regelmäßig an Frei- und Sonntagen. Er wurde häufig mit S-Bahn 111 bespannt, mit dieser Wagengarnitur habe ich ihn allerdings nur an diesem Freitag erlebt.
Bild 33: Die beiden letzten Aufnahmen dieses 1. Teils dieser Reihe entstanden am 13. November 1983 im Bf Hamm,
wo ich vom fahrenden Zug aus die 111 130 zusammen mit der blauen 110 197 im Bild festhalten konnte:
Bild 34:
Das soll für heute erst einmal reichen. Weitere Aufnahmen mit interessanten Einsätzen und Zugbildungen dann im nächsten Teil. In Kürze in diesem Theater!
Hier die Links zu den gesamten drei Folgen
"Eine S-Bahn-Lok auf Abwegen... BR 111 - Teil 1: the early years (m34B)".
"Eine S-Bahn-Lok auf Abwegen... BR 111 - Teil 2: 1984 - 1989 (m33B)".
"Eine S-Bahn-Lok auf Abwegen... BR 111 - Letzter Teil: 1990 - 2004 (m26B)".
Bis neulich – natürlich im HiFo
Rolf Köstner
Ach ja: P.P. = Pfiel Pfergnügen
Liebe Leser und Bilderangucker, ich denke, dass ich jetzt nahezu 100 % der vor dem 30. Juni 2024 sichtbaren Bilder zu picr holen konnte. Sollte aber dennoch ein Beitrag (ab 2017) ohne Bilder sein, bitte ich um eine PN. Das dürfte dann eigentlich kein Problem sein, dass nicht kurzfristig erledigt werden könnte.
Man hat nicht richtig gelebt, wenn man nie in einem ICE gesessen hat, der in Hamm geteilt worden ist.
10-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:06:30:17:59:08.