Wie bereits im ersten Teil ausgeführt, war die "Brandenburgische Städtebahn" eine der bedeutendsten Privatbahnen Deutschlands und die zweitgrößte Privatbahn in der Mark Brandenburg. Da es sich bei der BSB weder um eine Kleinbahn noch um eine Kreisbahn handelte, entstand die etwas ungewöhnliche Bezeichnung "Städtebahn". Wie viele Privatbahnen in Deutschland, so verzeichnet auch die BSB eine sehr wechselhafte Geschichte. Nachdem der Betrieb zunächst von der Brandenburgischen Städtebahnen AG durchgeführt wurde, wechselte er ab 1920 an das Landesverkehrsamt der Provinz Brandenburg und ab 1923 dann an die "Landesverkehrsdirektion der Provinz Brandenburg GmbH". Ab dem 01. Januar 1934 war dann das "Landesverkehrsamt Brandenburg" zuständig. Ab dem Jahr 1948 übernahm eine neu gegründete "Vereinigung Volkseigener Betriebe Landesbahnen Brandenburg" das Betriebsvermögen und Betriebszuständigkeit der Kleinbahnen bis schließlich 1949 der Betrieb für über 40 Jahre von der Deutschen Reichsbahn übernommen wurde.
Quelle: Walter Menzel “Die Brandenburgische Städtebahn“
Im Zweiten Teil dieser Serie wollen wir uns nun auf den Weg nach Belzig machen. Zunächst jedoch die obligatorische Übersichtskarte:
DR-Atlas 1984
Auch einen Fahrplan möchte ich euch in diesem Teil nicht vorenthalten. Diesmal aus dem Jahr 1914. Gegenüber dem Jahr 1905 wurde der Fahrplan auf dem Abschnitt Treuenbrietzen – Belzig um ein weiteres Zugpaar ergänzt. Alle Fahrpläne wurden übrigens von Alberto zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank dafür.
Fahrplan Städtebahn 1914 aus dem Archiv von Alberto
In den Jahren 1997 bis 1999 gab es noch einige Sonderfahrten der EF Belzig auf dieser Strecke, die von Steffen Tautz ausführlich dokumentiert wurden. Eine Auswahl seiner Bilder hat er dankenswerter Weise für diese Serie zur Verfügung gestellt.
50 3708 am BSB-Bahnsteig in Treuenbrietzen
50 3708 verlässt Treuenbrietzen in Richtung Belzig, rechts das Befehlsstellwerk B2
50 3708 zwischen Treuenbrietzen und Haselhoff – Niederwerbig
Nächste Betriebsstelle auf dem Weg nach Belzig war an Km 6,6 der HP Haselhoff – Niederwerbig. Trotz aller Bemühungen konnte ich kein Bild von diesem HP auftreiben. Selbst in der einschlägigen Literatur gibt es hier nichts. Hier ist zumindest der Bahnsteig zu sehen:
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www.berliner-bahnen.de]
Wofür mag der noch vorhandene Betonbau aus DR-Zeiten wohl gedient haben?
Zumindest aber einige Daten kann ich zur Verfügung stellen:
• 25.03.1904 Eröffnung
• 20.04.1945 Schließung
• 27.08.1945 Wiedereröffnung
• 01.10.1962 Einstellung PV
Nicht nur an Bildern fehlt es, sondern auch sonstige Informationen sind rar gesät. Gesichert ist lediglich, dass es in HN nur ein Durchgangsgleis und als einer von drei HP der BSB es kein EG sondern nur einfaches Wartehaus gab. Da auch keine Güterschuppen verzeichnet ist, gehe ich davon aus, dass es in HN auch nie ein Ladegleis gegeben hat. In den Aufzeichnungen eines Mitarbeiters des Bahnhofs Belzig wird der HP dagegen als Bahnhof bezeichnet. Außerdem wird dort festgehalten, dass die Überreste des ehemaligen Bahnhofsgebäudes in HN 1962 zu Filmzwecken zerstört wurden. Vielleicht kann hierzu ja noch jemand etwas erhellendes beitragen. Den ganzen Beitrag von Carsten Friese gibt es hier:
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www.drehscheibe-foren.de]
Ergänzung von Carsten Friese:
Es ist kaum zu glauben,aber das "Betongebäude" war das Dienstgebäude des Bahnagenten.Dort hat er mit seiner Familie auch gelebt!
Ich kannte den letzten "Bahnhofsvorsteher",Erwin M. noch persöhnlich. Er ist dort sogar geboren worden und vor wenigen Jahren im nahen Grabow gestorben. Er hatte uns auch Fotos gezeigt vom Hp., der zwischenzeitlich auch mal Haseloff-Grabow hieß.Im Zuge des Ausbaus der Strecke für TEEM-Züge der Relation CSSR-Ostseehäfen (wahrscheinlich nur die offizielle Begründung-es waren wohl mehr militär-strategische Überlegungen),begann man mit dem Bau eines Kreuzungsgleises.Das Planum war schon weitgehend fertiggestellt, jedoch nie vollendet.Mit ein bischen Phantasie kann man das Ganze noch erahnen. Bis vor einiger Zeit standen noch Reste der BHG (Bäuerliche HandelsGenossenschaft/Raiffeisen).
Beim Abbau der Gleise zwischen Treuenbrietzen und Niemegk im Jahr 2011 wurden leider auch sämtliche Reste des HP entfernt, so dass ich leider nur mit einigen “Gebüschfotos“ aufwarten kann. Die beiden nachfolgenden Bilder zeigen den Standort des ehemaligen HP. Hier ist wirklich nichts mehr zu finden.
Etwa 300 Meter hinter dem HP in Richtung Niemegk kreuzte die Landstraße zwischen Haselhoff und Niederwerbig die Strecke. Dort konnte Christoph Carl Arndt im Jahr 2005 noch Aufnahmen mit Gleisen machen. Meine Vergleichsfotos aus dem Jahr 2012 habe ich jeweils dahinter eingefügt.
Zwischen Haselhoff-Niederwerbig und Niemegk entstand das folgende Bild von Steffen Tautz
Kommen wir nun zum Bahnhof Niemegk am Km 11,8:
Die folgende Fahrkarte stammt aus der Sammlung von Carsten Friese:
Vom Bahnhof Niemegk hat mir Dirk Pfannschmidt wieder zwei Gleispläne aus seinem umfangreichen Archiv zur Verfügung gestellt.
Gleisplan Niemegk 1984 / Archiv Dirk Pfannschmidt
Gleisplan Niemegk 1988 / Archiv Dirk Pfannschmidt
Die Unterschiede sind nur marginal und betreffen ausschließlich das Anschlussgleis zum Ziegelwerk auf der Ostseite des Bahnhofs. Fand hier tatsächlich zwischen 1984 und 1988 ein Umbau statt oder ist einer der beiden Pläne schlicht falsch?
Als größerer Zwischenbahnhof erhielt Niemegk als EG einen Typenbau vom Typ 1. Während vermutlich in den Vorkriegsjahren (WK II) fernbediehnte Einfahrsignale nachgerüstet wurden (das genaue Datum ist leider nicht bekannt) blieben die Weichen bis zum Schluss auf Handbetrieb. Lediglich die einfachen Schlüsselbretter wurden gegen Schlüsselwerke ausgetauscht.
Die Daten zum Bahnhof Niemegk entsprechen denen aus Treuenbrietzen mit Ausnahme des Güterverkehrs, welcher aus Richtung Belzig noch bis kurz nach der Wende durchgeführt wurde.
• 25.03.1904 Eröffnung
• 20.04.1945 Schließung
• 27.08.1945 Wiedereröffnung
• 01.10.1962 Einstellung PV
Nachfolgend einige Bilder vom Bahnhof Niemegk
Zunächst die östliche Ausfahrt in Richtung Treuenbrietzen
Nun zweimal der Blick vom BÜ in Richtung Personenbahnhof
Im Januar 1991 gab es erstmals eine Sonderfahrt auf der Städtebahn Richtung Niemegk, an der auch Carsten Friese teilnahm.
Die Fahrstrecke war Seddin-Belzig-Niemegk-Belzig-Brandenburg-Wildpark-Seddin. Weitere Bilder von Carsten Friese zu dieser Fahrt gibt es hier:
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www.drehscheibe-foren.de]
Das nachfolgende Foto dieser Fahrt entstand etwas weiter hinten (wo heute nur noch Dschungel ist), ist aber dennoch ein schönes Vergleichsfoto zu den ersten beiden Bildern. @Carsten: Wo ist der BÜ geblieben. Der müsste doch deutlich zu erkennen sein?
Nachstehend einige weitere (meist unkommentierte) Bilder vom Zustand des Bahnhofs Niemegk aus dem Jahr 2012 sowie weitere Aufnahmen von Steffen Tautz im Rahmen der angesprochenen Sonderfahrten:
Das Gebäude auf dem folgenden Bild ist auf den Gleisplänen nicht verzeichnet. Weiß evtl. jemand welche dienstliche Funktion es einst hatte?
Nachstehend ein Bild des ehemaligen Stellwerks in Niemegk. Gut erkennbar, es gab nur zwei Plätze für die Stellhebel der jeweils einflügeligen Einfahrsignale und keine fernbedienten Weichen. Ein kleines Rätsel geben mir die beiden Stellbänke auf. Macht das Sinn, wenn beide Signale zeitgleich aufgestellt wurden? Oder stand das erste Einfahrsignal der BSB möglicherweise sogar in Niemegk? Eine weitere Möglichkeit wäre, dass es aufgrund der handbedienten Weichen und der großen Entfernung an der Ostausfahrt (gab es auch eine Schranke am BÜ?) früher einen Weichenwärterstellwerk gab. Später wurde der Stellhebel dann in das EG versetzt. Würde mich freuen, wenn die Stellwerksexperten dazu eine Meinung abgeben könnten.
Ausfahrt in Richtung Belzig
Blick zurück vom BÜ Richtung Bahnhof
Das ESig aus Richtung Belzig steht noch immer, auch wenn das zugehörige Stellwerk schon lange nicht mehr existiert.
Dies soll es dann für heute und den zweiten Teil erstmal gewesen sein. Über weitere Ergänzungen, Korrekturen oder Bilder würde ich mich sehr freuen.
Viele Grüße ins Forum
Carsten
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