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 04 - Historische Bahn 

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Zwischen dem Comersee und dem Gardasee fristet der schöne Lago d’Iseo ein Mauerblüchmendasein. Eisenbahntechnisch wird sein Ostufer von der Trenord-Strecke Brescia - Edolo erschlossen. Von der FS-Linie Brescia - Bergamo aus führt die knapp 10 km lange Stichstrecke Palazzuolo - Paratico zum unteren Ende des Sees. Der reguläre Personenverkehr endete schon vor Jahrzehnten. In den Sommermonaten gibt es gelegentlich touristischen Zugsverkehr. Der Güterverkehr wurde bis 1999 aufrechterhalten. Bei meinem Besuch im Frühling 1993 fuhr der Güterzug noch täglich. Diese Daten wirken völlig unspektakulär. Sie gelten, mit anderen Jahreszahlen versehen, für Dutzende von Strecken im ländlichen Raum.

Das Einzigartige am Güterverkehr war jedoch, dass er nicht in Paratico endete, sondern über den See bis ins 24 km entfernte Stahlwerk Lovere weiterführte. Als Verkehrsmittel kamen nicht motorisierte, mit einem Gleis versehene Kähne von unterschiedlicher Länge zum Einsatz. Der Schlepper „Adamello“ konnte auf jeder Seite bis zu drei dieser Kähne mitschleppen. Das Stahlwerk am anderen Ende des Sees wurde in knapp dreistündiger Fahrt erreicht. Eine alte Diesellok mit Deutz-Motor verteilte die Wagen im Werkareal von Lovere.

In einer italienischen Fachzeitschrift habe ich einen Bericht über diesen altväterischen Trajektverkehr gelesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein derartig aufwändiger Betrieb noch lange durchhält. Das muss ich bei der nächsten Italienreise ins Programm aufnehmen. Der erste Ferientag ist für den Lago d’Iseo reserviert. Da ich den Fahrplan nicht kenne, bin ich zur Sicherheit bald nach dem Frühstück zur Stelle, gewappnet mit reichlich Geduld. Beide Fährbrücken sehen noch betriebstüchtig aus.
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Blick in die Gegenrichtung. Die gut belegten Abstellgleise machen mir Hoffnung, dass Güterzug und Trajektverkehr nicht ausgerechnet am heutigen Tag ausfallen.
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Glücklicherweise dauert es nicht allzu lange, da biegt der Konvoi um den etwa 8 km entfernten Felsvorsprung gegenüber von Pilzone. Die nächsten 40 Minuten vergehen wie im Flug. Endlich ist der Schleppverband nahe genug, dass ich die ersten Bilder machen kann.
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Der Schlepper „Adamello“ führt steuerbord einen beladenen Kahn mit sich, backbord einen beladenen und einen leeren. Am Lago d’Iseo heissen die flachbödigen, nicht motorisierten Kähne „chiatte“, Singular „chiatta“.
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Auf dem Steuerbord-Ponton stehen vier Dienstwagen mit frisch bandagierten Achsen.
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In diesem Moment beginnt das spektakuläre Anlandemanöver.
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Die Pontons werden losgebunden und fahren mit Schwung weiter.
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Der Schlepper zieht sich zurück.
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„Adamello“ begibt sich solo zur Kaimauer.
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Der Schlepper legt an, dahinter gleiten die beladenen Kähne lautlos weiter.
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Während die Kähne die letzten Meter zurücklegen, wird der Ablauf der kommenden Stunde vorbesprochen. Die beiden Trajektbrücken sind auf verschiedene Höhen eingestellt.
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Der Herr mit dem weissen Helm ist der Rangierleiter der Bahn. Mit einem Schlüssel öffnet er die massiven, hölzernen Gleissperren.
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Auf den Kähnen sind zwei kräftige Seeleute an der Arbeit. Mit den Steuerrudern sorgen sie dafür, dass die drei Kähne seitlich parallel zur ersten Trajektbrücke anlanden und dort vorläufig festgebunden werden können.
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Zuerst werden die bereits an den Brücken bereitstehenden Kähne beladen. Das erfordert vorab die präzise Ausrichtung der bereitstehenden Kähne
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Besondere Aufmerksamkeit gilt der Gleisverbindung.
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Fortsetzung folgt.

Hier mein Beitragsverzeichnis:
[www.drehscheibe-foren.de]

Gruss
Werner

Edit: fünf Bilder in Teil 2 verschoben. Sonst ist der Ablauf nicht ganz verständlich.



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:12:31:11:30:23.

Porca miseria!

geschrieben von: Nietenreko

Datum: 29.12.13 19:43

Wenn das ein deutscher Sicherheitsbeauftragter sieht, der kriegt ja sofort einen Herzanfall! Mama mia!

Bin gespannt, wie es weitergeht!

Hinweis: Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten.

Re: Porca miseria!

geschrieben von: 57er Rene

Datum: 29.12.13 19:59

Die Strecke Brescia - Iseo - Edolo wird immer noch betrieben
An dieser Stelle mal der längst überfällig riesigen Dank für die jüngste Italien-Serie. Nach Unmengen von Loks, Triebwagen und Waggons, die ich selber gar nicht mehr oder nur noch abgestellt gesehen habe kommt jetzt sogar etwas, das ich Mitte der 1990er Jahre noch selbst live erlebt habe. Super.
Die ganze Serie ist der Wahnsinn, zumal ich viele der Strecken noch gefahren bin und zahlreiche der Bahnhöfe selbst betreten habe. Bin gespannt, was alles noch kommt.

Beste Grüße
Frank

Danke für die Dokumentation!

geschrieben von: Georg Ringler

Datum: 29.12.13 23:18

Danke für die interessante Dokumentation!

In diesem Zusammenhang sei auch auf einen älteren Beitragsstrang zum Thema verwiesen, u. a. auf Franks Beschreibung in Drehscheibe 121, verwiesen: [www.drehscheibe-foren.de]

Grüße,
Georg

Re: Porca miseria!

geschrieben von: CH-Mirage

Datum: 29.12.13 23:22

57er Rene schrieb:
-------------------------------------------------------
> Die Strecke Brescia - Iseo - Edolo wird immer noch
> betrieben

Ja, und mehr denn je!
Sie wurde in den letzten Jahren massiv modernisiert - nebst renovierten 668ern fahren dort neue Triebwagen aus der Schweiz (Stadler-GTW) und aus Polen (Pesa) :-)

Tanti Saluti
1000 Dank!!!!
Der Wahnsinn, jetzt weiß ich endlich wozu ich meinen Walthers Trajekt Ponton verwende!
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
Tja, Lago d'Iseo, ...speziell dahin hatten wir's leider nie geschafft.

Zwar Schade, aber dank Deiner Dokumentation...

...immerhin fast so gut, wie dort gewesen!

Gruß und verbindlichsten Dank,

Wolfgang Löckel

Das Stahlwerk:

geschrieben von: Michael Kelter

Datum: 30.12.13 03:31

Hallo!

Tolle Bilder!

Wieviele Achsen wohl auf dem Grund des See liegen?

Das Stahlwerk:

[upload.wikimedia.org]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:12:30:03:36:01.

Pisogne

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 30.12.13 07:28

Komisch:

Gegenüber von Lovere hat es am Ufer von Pisogne auch ein Eisenbahnverlad: [goo.gl].
Das der nicht genutzt wurde....

Que maravilha !

geschrieben von: Reinhard Gumbert

Datum: 30.12.13 16:31

Danke für diesen hochinteressanten Bericht, Werner ! ...und überhaupt für dein "FS-Feuerwerk" in diesen Tagen... Nur weiter so, auch in 2014 !

Guten Rutsch und schöne Grüße aus Aachen -
Reinhard (der mangels Italienisch-Kenntnissen in der Überschrift auf Portugiesisch ausweichen "mußte", aber das verstehst du ja auch!?)

Re: Pisogne

geschrieben von: DonLocomotori

Datum: 30.12.13 16:52

Meines Wissens, wurde die alte Anlage in Pisogne 1994 instand gesetzt, aufgrund lokalpolitischer Streitigkeiten kam die Verlegung des Trajektverkehrs dann aber nicht zustande. Im März 1999 wurde der Trajektverkehr dann schließlich eingestellt. In Lovere gab es übrigens auch zwei Werkloks, eine Deutz und eine Greco.

Re: Que maravilha !

geschrieben von: CH-Mirage

Datum: 30.12.13 17:50

Reinhard Gumbert schrieb:
-------------------------------------------------------
> Danke für diesen hochinteressanten Bericht, Werner
> ! ...und überhaupt für dein "FS-Feuerwerk" in
> diesen Tagen... Nur weiter so, auch in 2014 !
>
> Guten Rutsch und schöne Grüße aus Aachen -
> Reinhard (der mangels Italienisch-Kenntnissen in
> der Überschrift auf Portugiesisch ausweichen
> "mußte", aber das verstehst du ja auch!?)

Auf italienisch: Che meraviglioso!;-)

Ciao @werner
Auch hier ein BRAVISSIMO!
Allerherzlichsten Dank, guter Rutsch, gute Gesundheit und alles Beste für 2014! Buon nuov'anno e tanti auguri!;-)

Auch dies wieder ein wunderschöner Beitrag, hab von diesem einzigartigen Trajekt-Verkehr auch mal in einer ital. Bahnzeitschrift gelesen.

In der Hoffnung auf weitere Beiträge (ich kann gar nicht genug davon bekommen) verbleibt herzlich con tanti saluti e mille grazie

CH-Mirage/Ueli

PS:
Die auf der 10 km langen Strecke nach Paratico verkehrende Touristenbahn heisst m. W. 'Ferrovia del Basso Sebino' (FBS)...



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:12:30:21:37:38.

Re: Que maravilha !

geschrieben von: meier1

Datum: 30.12.13 21:45

da war doch mal ein Artikel zu diesem Thema in der Schweizer Eisenbahnzeitschrift oder Loki, etwa 1990 ?
Lieber Werner,

an dieser Stelle möchte ich mal meinen herzlichen Dank für diese grandiose Serie von der Appeninhalbinsel aussprechen. Dass gerade dieser Beitrag für mich das bisherige Highlight der Reihe ist, glaube ich nicht extra erwähnen zu müssen. Und dann sogar noch Wagen mit diesem besten "Keks" aller Zeiten...


Einen guten Rutsch und bis neulich - natürlich im HiFo

Rolf Köstner

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