Liebe Leute,
die Diskussion um die Leichtlaufradsätze im Vorlauf-Drehgestell der 03.10 nimmt ja langsam kuriose Züge an. Um es klarzustellen: Wir reden hier über das Vorbild, die "richtige" Eisenbahn, nicht über Modellbahn !!
Erstens:
Die Vorläufer der 03.10 hatten einen Nenndurchmesser von 1000 mm; bei allen Loks zu jeder Zeit.
Wie immer es auf einzelnen Fotos aussehen mag:
850 mm sind Unsinn (um es ganz höflich auszudrücken). Die Verwendung von kleineren Radsätzen, und sei es nur zeitweise, lässt sich mit der Abstützung der Lok auf das Drehgestell, sowohl bezüglich der vertikalen als auch horizontalen Federung und Führung, überhaupt nicht technisch realisieren, bzw. hätte einen ganz erheblichen Umbauaufwand erfordert.
Zweitens:
Die Verwendung oder auch Nicht-Verwendung von Leichtlaufradsätzen unter dem Gesichtspunkt des Erscheinungsbildes der Lok – das hat seinerzeit ganz sicher keine entscheidende Rolle gespielt, sondern war allenfalls ein nach-nachrangiges Kriterium.
Drittens:
Was waren denn nun die Vorzüge der Leichtlaufradsätze? Wie der Name schon sagt,
sie waren leicht; deutlich leichter als gleich große Speichenradsätze, auch wenn ich momentan den genauen Gewichtsvergleich nicht zur Hand habe. Und leicht ist im Fahrzeugbau immer gut, besonders bei schnellfahrenden Maschinen und wenn es, wie hier, um nichtabgefederte Massen geht.
Dazu kommen, im 64er-Thread bereits angesprochen, die geringeren Herstellkosten.
Was das Werkstättenwesen natürlich nicht so gerne sah: Die Monobloc-Bauweise ohne aufgezogene Radreifen machte das Rad nicht nur leicht, sondern eben auch als Ganzes zu einem Verschleißteil, welches bei abgefahrenem Radkranz komplett ersetzt werden musste.
Viertens:
Ob die Radscheiben der Leichtlaufradsätze bei den Loks identisch waren mit denen bei (Güter-)Waggons entzieht sich meiner Kenntnis – es liegt allerdings nahe, dass dieses genau so war. Damit wären auf jeden Fall erhebliche Einsparungen bei den Beschaffungskosten möglich geworden. Ein Umbau von Waggonradsätzen ist aber auf jeden Fall auch Blödsinn.
Fazit:
Bei der Rekonstruktion der 03.10 durch die DB ging es darum, gleichzeitig mit dem notwendigen Ersatz des alten Kessels aus St47K eine moderne Lokomotive für den Fernschnellzugverkehr über große Distanzen bereitzustellen. Da waren Leichtlaufräder, Kohlennachschubvorrichtung usw. die logische Konsquenz. Wäre da nicht das leidige Problem mit dem Heißdampfregler gewesen, dass man aus heute unerklärlichen Gründen im Gegensatz zur BR 41 mit gleichem Neubaukessel nie in den Griff bekam, hätten die 03.10 womöglich zu den letzten Dampfern der DB gehört.
Persönliches:
Dass ich die DB 03.10 mit Neubaukessel für eine der formschönsten Dampflokomotiven halte, die je auf deutschen Gleisen unterwegs waren, ist natürlich reine Geschmackssache. Allerdings weiß ich mich da in guter Gesellschaft ;-))
Deswegen möchte ich meinen Kommentar nach so viel Text noch mit einem herrlichen Bild meiner Lieblingslok abschließen, welches mein Freund HS am 25.04.59 im Bahnhof Mülheim Styrum aufs Celluloid bannen konnte:
Abschließend bitte ich um Verständnis, dass ich mal wieder den Schienenfahrzeug-Ingenieur raushängen lassen musste und vorsorglich um Entschuldigung für manch spitze Formulierung. Aber eine derart absurde Diskussion und dann noch in Verbindung mit meiner Lieblingslok – da musste ich einfach mal Dampf ablassen.
Nix für ungut und einen schönen Tag noch,
Ulrich B.
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:11:25:11:42:23.