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 04 - Historische Bahn 

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Liebe Forumsmitglieder,

In diesem Beitrag möchte ich bereits historische Bilder aus dem benachbarten Frankreich, genauer: aus dem nur wenige Kilometer südlich der Grenze zu Rheinland-Pfalz und zum Saarland gelegenen Bitscherland zeigen. Das Bitscherland / Pays de Bitche um die Festungsstadt Bitche erstreckt sich im Osten über die Nordvogesen und reicht im Westen über die Lothringische Hochfläche bis zur Saar. Politisch gehört es heute zur Region Lothringen / Lorraine. Eisenbahnmäßig war es durch eine eingleisige, nicht elektrifizierte Strecke vom elsässischen Knoten Haguenau über Bitche zum lothringischen Knotenbahnhof Sarreguemines (Saargemünd) erschlossen. Diese Durchgangsstrecke wurde von der französischen Ostbahn-Gesellschaft in zwei Etappen eröffnet: 1864 die 21 km von Haguenau nach Niederbronn-les-Bains (dieses Streckenstück ist bis heute im Pv und Gv in Betrieb), 1869 die 62 km von Niederbronn bis Sarreguemines. Die Strecke entstand also vor dem Anschluss von Elsass-Lothringen ans Deutsche Reich und war damit - anders als die etwas südlich parallel verlaufende Modertalbahn (Straßburg-) Mommenheim - Sarreguemines keine primär strategischen Interessen dienende Strecke - wobei jedoch ein strategisches Interesse Frankreichs angesichts der militärischen Bedeutung von Bitche durchaus unterstellt werden darf. In deutscher Zeit war allerdings ein Bahnanschluss Bitches von Norden her durch die 1913 eröffnete Hornbachtalbahn Zweibrücken - Brenschelbach geplant, weiter als bis zum ersten lothringischen Ort Volmunster scheinen die Bauarbeiten aber nie gediehen zu sein.

Ich habe die Bahn im Bitscherland in den 1990er Jahren, als noch die Gesamtstrecke befahren wurde, mehrmals besucht - leider zu selten und zu kurz, wie ich heute weiß. Der Fahrplan war immer dürftig, mehr als 4 Zugpaare pro Tag waren nicht drin, da waren andere Ziele ergiebiger... Der nachfolgende Bilderbogen gibt eine Art Reise von Ost nach West wieder. Der Personenverkehr war damals fest in der Hand der als "Caravelles" bekannten EAD-Triebwagen der SNCF, Güter- und Militärverkehr habe ich leider nie vor die Linse bekommen. Die Strecke war betrieblich und fahrplanmäßig zweigeteilt: der östliche Abschnitt erschien als KBS 157 (Strasbourg -) Haguenau-Bitche im Kursbuch, der westliche Teil als KBS 198 (Metz-) Béning-Sarreguemines-Bitche. Durchgehende Züge gab es nicht.

Den Auftakt machen Bilder vom elsässichen Abschnitt Haguenau-Niederbronn, wo auch heute noch Regionalzüge fahren (und in Zukunft sehr viel mehr fahren sollen), wobei dieser strenggenommen gar nicht zum Bitscherland gehört.

Bild 1: SNCF X4300 als Regionalzug Niederbronn-Haguenau bei Uttenhoffen; 24.10.1996

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_01.jpg

Bild 2/3: Zugkreuzung zwischen zwei SNCF X4300 im Bahnhof Reichshoffen-Ville; August 1990. Reichshoffen ist Standort des heute zu Alstom gehörenden De Dietrich-Eisenbahnfahrzeugwerks, das mit Reichshoffen-Usine einen eigenen Bahnhof besitzt.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_02.jpg

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_03.jpg

Bild 4: SNCF X4300 ist als Mittagszug von Haguenau in Niederbronn-les-Bains angekommen und wird in Kürze nach Haguenau zurückkehren; August 1990.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_04.jpg

Hinter Niederbronn tritt die Strecke ins Sandsteingebirge der Nordvogesen ein, das hier zum Naturpark Nordvogesen-Pfälzer Wald gehört, ein. Damit beginnt der landschaftlich schönste Teil, durch den Wald und vorbei an Felsen, Teichen und malerischen kleinen Ortschaften.

Bild 5: SNCF X4300 als Regionalzug Haguenau-Bitche im Tal des Falkensteinbachs zwischen Niederbronn und Philippsbourg; 24.10.1996.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_05.jpg

Bild 6: SNCF X4300 als Regionalzug Bitche-Haguenau zwischen Philippsbourg und Niederbronn; August 1990.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_06.jpg

Bild 7: SNCF X4300 als Regionalzug Bitche-Haguenau bei Philippsbourg; 24.10.1996

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_07.jpg

Bild 8: SNCF X4300 als Regionalzug Haguenau-Bitche. Am rechten Bildrand ist gerade noch die Kirche von Philippsbourg erkennbar; 20.08.1991.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_08.jpg

Bild 9: SNCF X4300 verlässt als Regionalzug nach Bitche den Bahnhof Bannstein; 20.08.1991.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_09.jpg

Von Bannstein aus gab es ab 1870 eine knapp 6 km lange Werksbahn nach Mouterhouse, wo De Dietrich ein Eisen- und Walzwerk betrieb. Auf dieser Werksbahn wurde auch beschränkter Personenverkehr betrieben. Wann der Verkehr eingestellt und die Strecke abgebaut wurde, ist mir leider nicht bekannt. Zu dieser De-Dietrich-Strecke gibt es im Forum hier einen interessanten Beitrag. Hinter Bannstein folgt um Eguelshardt ein landschaftlich besonders reizvoller Abschnitt, der aber leider schon in den 1990er tlw. wegen Bewuchs fotographisch kaum umzusetzen war. Auch am Armeelager Bitsch (Bahnhof Bitche-Camp) habe ich nicht fotographiert. Der Bahnhof Bitche, der sehr fotogen unterhalb der Festungsanlagen aus dem 18. und 19. Jh. liegt, war das betriebliche Zentrum der Strecke. Hier endeten alle Personenzüge.

Bild 10/11: SNCF X4300 wartet in Bitche auf seinen nächsten Einsatz; 20.08.1991.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_10.jpg

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_11.jpg

Der Bahnhof Bitche muss in der deutschen Zeit nach 1871 beträchtlich umgestaltet worden sein. Das aktuelle Bahnhofsgebäude, das 1903 fertiggestellt wurde, trägt architektonisch ganz klar die Handschrift der Reichseisenbahnen Elsaß-Lothringen und unterscheidet sich baulich deutlich von den anderen Bahnhofsgebäuden der Strecke. Die folgenden zwei Aufnahmen zeigen den Bahnhof heute: er ist nach wie vor besetzt (sogar am Sonntag, als ich die beiden Fotos gemacht habe), allerdings findet z.Z. kein Personenverkehr und auch kein regelmäßiger Güterverkehr statt.

Bild 11a/11b: Bahnhof Bitche aktuell von der Straßen- (11a) und von der Gleisseite (11b); 09.06.2013. Eine historische Aufnahme (in Laurent Baudoin, "Les gares d'Alsace-Lorraine", Sarreguemines: Editions Pierrons, 1995, S. 24) belegt, dass es rechts vom giebelständigen Flügel noch einen verglasten Anbau (vermutlich eine Wirtschaft oder aber einen Wartesaal evt. für besondere Gäste) gab, ansonsten zeigt sich das beeindruckende Empfangsgebäude quasi noch wie zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_11a.jpg

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_11b.jpg

Westlich von Bitche geht es ziemlich steil bergauf in Richtung des Hochplateaus des südlichen Westrich. Von Bitche bis zum folgenden Bahnhof Lemberg werden auf 8 km Länge etwa 100 Höhenmeter überwunden.

Bild 12: SNCF X4300 als Regionalzug Bitche-Sarreguemines in Lemberg; 20.08.1991.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_12.jpg

Bild 13/14: SNCF X4300 bedient als Mittagszug Sarreguemines-Bitche den Bahnhof Enchenberg; 20.08.1991.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_13.jpg

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_14.jpg

Bild 15: SNCF X4300 verlässt als Regionalzug Sarreguemines-Bitche den Bf. Petit-Réderching; 26.07.1999.

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/05_Bitscherland_1990/Bitscherland_15.jpg

Westlich von Petit-Réderching (Kleinrederchingen) verlässt die Strecke definitiv die Nordvogesen und durchfährt weitläufige Agrarflächen, die sich bis Sarreguemines hinziehen und wo ich nie brauchbare Fotopunkte fand. Dafür ist es jetzt auch leider zu spät...

Denn von der Eisenbahn-Herrlichkeit im Bitscherland ist nicht viel übriggeblieben. Das landschaftlich wunderschöne Streckenstück zwischen Niederbronn-les-Bains und Bitche verlor im November 1996 seinen bescheidenen Personenverkehr. Es wurde sozusagen Opfer der Regionalisierung des Personennahverkehrs in Frankreich: der Verkehr auf diesem Teilstück war klar in Richtung Elsass ausgerichtet, das Teilstück liegt aber nahezu vollständig auf dem Gebiet der Verwaltungsregion Lothringen, und vermutlich sah der dortige Conseil Régional keinen Anlass, weiterhin Bahnverkehr in die Nachbarregion zu subventionieren. Das elsässische Teilstück Haguenau-Niederbronn soll 2014 umfassend modernisiert und danach öfter und schneller als jetzt bedient werden. (Beim Ausbau des TER-Regionalverkehrs lässt sich die Region Alsace ja ohnehin nicht lumpen...) Das Gleis von Niederbronn nach Bitche-Camp liegt noch, wächst aber unaufhörlich zu. Angesichts des touristischen Interesses des durchfahrenen Naturpark-Abschnitts wäre hier ein Ausflugsverkehr, ähnlich dem des "Bundenthalers" zwischen Hinterweidenthal und Bundenthal-Rumbach wenige Kilometer nördlich im Pfälzer Wald, sicherlich reizvoll, aber so ein Vorhaben ist im französischen Kontext leider illusorisch.

Das westliche Teilstück Bitche-Sarreguemines behielt - trotz der noch dünneren Besiedlung und des massiven Ausbaus des Straßennetzes in diesem Bereich - seinen mageren Personenverkehr (i.d.R. 3 Zugpaare pro Tag) bis zum Dezember 2011, als er infolge des schlechten Gleiszustands eingestellt werden musste. Zwar brachte die französische Infrastrukturgesellschaft RFF (Réseau Ferré de France) das Gleis danach wieder soweit in Schuss, dass der gelegentliche Militär-Güterverkehr nach Bitche sichergestellt war; die Region Lorraine weigert sich aber, auf der nach wie vor minimal unterhaltenen Strecke Personenzugleistungen zu bestellen, und verlangt erst einen Ausbau auf höhere Sicherheits- und Geschwindigkeitsstandards von RFF. Damit ist leider eine Konstellation eingetreten, in der davon auszugehen ist, dass zwischen Sarreguemines und Bitche auch keine Personenzüge mehr fahren werden (wobei in den letzten Jahren hier das moderne Fahrzeugmaterial und die Uralt-Infrastruktur ohnehin nicht mehr zusammengepasst haben)...

Viele Grüße aus dem Schwarzwald von
Claus



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:08:25:12:24:40.
Guten Morgen Claus!

Erstmal vielen Dank für die Bilder aus der Nachbarschaft meiner Heimat. Tja, ich kannte den Bahnhof Bitche noch mit Wasserkran...

Es gab auch mal, von einigen Eisenbahnfreunden und Entusiasten ausgesponnen, mal den Plan, die Verbindung nach Hornbach (D) wieder auf zunehmen. Aber alleine die Tatsache, dass die Hornbachstrecke schon seit Jahren "rückgebaut" und als Fahrradweg verbaut war, machte den Traum nie realisierbar.

Aber irgendwie interessant, wenn man sich ausmahlt, wie´s wohl wäre, wenn´s so gewesen wäre...

Gruß, Stefan
Danke für diese zauberhafte Reise in eine wirklich reizvolle Gegend!

Da mein Vater "gleich nebenan" (in Zweebrigge) wohnt, kenne ich mich in dieser Ecke halbwegs aus, aber dem dünnen Fahrplan war es wohl geschuldet, bei meinen Besuchen nie eine Eisenbahn wahrgenommen zu haben.

Daher von mir als kleines Dankeschön zwei Bilder aus der Festung Bitche:

http://abload.de/img/dscf0009xjs91.jpg

http://abload.de/img/dscf0011uhsnx.jpg


Mehr zu diesem interessanten Bauwerk:
[www.citadelle-bitche.com]


Gruß,
Markus.

Berlin für Anfänger: Tiergarten ist ein Park, Tierpark ist ein zoologischer Garten, Zoologischer Garten ist kein Park. Alle drei sind Bahnhöfe.
AG Märkische Kleinbahn e.V. Berlin *** Meine HiFo-Bildbeiträge
http://www.abload.de/img/mkb-banner1000ye7dl.jpg







1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:08:25:10:16:18.
Herzlichen Dank für diese sehr gute Beschreibung und die schönen Bilder der ehemaligen Strecke Niederbronn-Saargemünd (Sarreguemines).

In den sechziger Jahren hatte sie im „Chaix“ (ehemaliges offizielles französisches Kursbuch) die Kursbuchnummer 186, und zwar durchgehend von Sarreguemines bis nach Haguenau. Damals gab es auch noch eine einzige durchgehende Verbindung von Sarreguemines nach Haguenau an Sonn- und Feiertagen in der Mittagszeit. Alle anderen Bewegungen waren aber tatsächlich in Bitsch unterbrochen, meistens ohne sofortige Anschlußmöglichkeiten von der einen zur anderen Teilstrecke.

Mit „buckligem Elsaß“ (Alsace Bossue) meinst Du wahrscheinlich die richtige deutsche Bezeichnung „Krummes Elsaß“. Diese Landschaft liegt allerdings nicht bei Niederbronn, sondern im westvogesischen Teil des Départements Bas-Rhin, also südlich vom Bitscher Land und nördlich vom Pfalzburger Land (Pays de Phalsbourg), die beide zu Lothringen (Département Moselle) gehören. Wichtige Ortschaften des Krummen Elsaß sind Diemeringen, Sarre-Union, Drulingen und Lützelstein (La Petite-Pierre).

Grüße
Petersbacher
Danke für die Kommentare und den Hinweis zum falschen Gebrauch der Bezeichnung "Alsace bossue" - habe ich korrigiert!
Im Eingangsbereich der Festung
(Besichtigung mit mehrsprachigen Kopfhörern war sehr zu empfehlen)

sah ich vor einigen Jahren ein historisches Diorama des Bahnhofes...

Hier noch ein Vergleichsbild aus Bitche

geschrieben von: cw

Datum: 26.08.13 19:43

Allerdings nicht nach, sondern ein bißchen früher als Dein Besuch aufgenommen, etwa in den Zwanzigern:

Bitche-Moselle-LaGare.jpg

Quelle: Flohmarkt (0,50 Euro)

Danke aber für die wirklich sehenswerten Fotos aus der klassischen SNCF-Zeit!

Christopher



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:08:26:19:44:43.
Hallo,

wirklich tolle Bilder einer Bilderbuchstrecke (ich meine vor allem Niederbronn - Bitche), danke fürs Einstellen! Diesen Abschnitt habe ich leider nie im Normalbetrieb erlebt, einmal allerdings mit einem Dampfsonderzug:
[www.drehscheibe-foren.de]

Die Bilder hatte damals "tram" für mich eingestellt.Sein eigener Beitrag zur Strecke ist auch sehenswert:
[www.drehscheibe-foren.de]


Viele Grüße aus der Vorderpfalz
Jochen
Hallo,

auch ich möchte mich für die tolle Bilderstrecke bedanken. Sehr schön eingefangen!

Zum Anschluss in deutscher Zeit vom Norden her mittels der Hornbachbahn ein paar Anmerkungen. Während Hornbach schon seit 1863 einen Anschluss an die Ostbahnstrecke mit Einmündung bei Bitsch ins Auge fasste, zog Zweibrücken erst 1871 nach. Dabei spielte - wie damals immer - der Güterverkehr die Hauptrolle.

Es ging um die bei und in Neunkirchen geförderte Kohle und den kürzesten Weg nach Straßburg, Basel und weiter in den Süden.

1882 sprach sich der Landesausschuß von Elsaß-Lothringen für den Bau der Strecken Saaralben - Ingweiler - Hochfelden und Zweibrücken - Hornbach - Bitsch aus. Die Verbindung dieser beiden Strecken sollte mittels der Strecke von Siersthal nach Wingen hergestellt werden, auch hier spielte der Anschluss der blühenden Glasindustrie um Meisenthal und St. Louis die wichtigste Rolle.

Gebaut wurde der Anschluss der Glasindustrie von Wingen bis nach St. Louis (nur 4 km südlich der Ostbahnstrecke Saargemünd - Bitsch), jedoch nicht ab Zweibrücken über Hornbach nach Bitsch.

Zuletzt blieb Hornbach als "Notanker" noch das Streben nach einer Stichbahn von Zweibrücken. Selbst dieses bescheide Ziel eines Eisenbahnanschlusses benötigte noch über zwanzig Jahre bis zu Ihrer Eröffnung 1913.

Die Hoffnung nach der direkten Verbindung nach Wingen war 1913/14 noch heftig am Flammen - wie nachstehender Ausschnitt belegt:

P1030239b.jpg

Quelle:
P1030243b.jpg

mfg
KPM

PS: In einer Karte von ELSASS-LOTHRINGEN, erschienen in STRASSBURG, DRUCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ & COMP., die mein französischer Vorbesitzer per Bleistift mit "avant 1890?" beschriftet hatte, ist die Gesamtstrecke Zweibrücken - Wingen als im Bau eingezeichnet. Interessant ist dabei, dass Wingen selbst weitab jeglicher eingezeichneter Eisenbahnstrecken liegt, also noch "bahnlos" ist!
Der Bau der Verbindung Brenschelbach-Wingen war beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs effektiv geplant, und wahrscheinlich wäre mit den Arbeiten gegen Ende 1914 angefangen worden. Mein Großvater erzählte mir, daß man in unserer Gegend damals viel und erwartungsvoll über dieses Vorhaben diskutierte.

Weiß jemand, wie die Trasse genau ausgesehen hätte? Von Brenschelbach über Wolmünster (Volmunster) bis nach Siersthal folgt man leicht ansteigend dem Schwalbachtal. Münztal (Saint-Louis-lès-Bitche) liegt aber sehr tief unter dem Bitscher Hügelland in einem Nordvogesental. War zwischen Siersthal und Münztal (Saint-Louis) ein Tunnel vorgesehen, der den Höhenunterschied bewältigt hätte? Wenn ja, hätte es dann keine Kreuzung mit der Bitscher Bahn zwischen Lemberg und Rohrbach gegeben?
Hallo !

Pläne, die Strecke an die Linie Saargemünd - Bitsch anzubinden hat man nicht weiterverfolgt, der Höhenunterschied war zu groß. Man plante einen Tunnel, den man auch zu bauen begann. Die Arbeiten an der Strecke wurden im August 1914 eingestellt und die Stollenzugänge wurden nach dem Krieg gesprengt. Bahnhöfe waren vorgesehen in Volmünster, Weiskirch, Hottviller, Siersthal, Lambach und Lemberg(292m ü.M.) (am nördl. Tunnelausgang). Das Bahnhofsgebäude von Volmünster wurde erstellt.

Rolf Becker
Vielen Dank für diese wertvollen Informationen! Sieht man noch Spuren dieser Vorarbeiten zwischen Wolmünster und Wingen? Irgendwo vielleicht noch Aufschüttungen? Deinen Angaben zufolge hätte es zum Schluß zwei Bahnhöfe "Lemberg" gegeben? Wahrscheinlich hätte der "untere" genau in der Mitte zwischen Lambach-Glasenberg, Lemberg und Enchenberg gelegen: ist das korrekt? Wo genau waren die Tunnelansätze im Norden und im Süden?

Grüße
Petersbacher
Guten Morgen !

Komme erst jetzt dazu zu antworten. Bemühe bitte mal die Suchfunktion über verschiedene Ortsnamen an dieser Strecke. Wir hatten vor ein paar Jahren mal über diese Strecke diskutiert. Es hatte auch mal jemand eine topographische Karte mit dem Tunnel reingestellt.

Gruss


Rolf Becker

Merci bcp! :)

geschrieben von: julian l.

Datum: 21.09.13 00:34

Hallo Claus,

da ich nur unregelmäßig im historischen Forum mitlese, bin ich eher zufällig auf deinen Bericht gestoßen, möchte mich aber an dieser Stelle auch für die interessante Mischung aus Info und Fotos bedanken!

Besonders die Aufnahmen des in den neunziger Jahren stillgelegten Abschnitts Niederbronn - Bitche sind klasse. Das habe ich leider nicht mehr selbst miterleben können, ebenso wenig wie die 'Caravelles' in der Gegend - zu spät geboren eben. ;-)

Hier ein Foto aus dem Bahnhof Woelfling-lès-Sarreguemines, das während der Sonderfahrt mit X 2403 im Mai 2011 entstanden ist. Es sollte mein letztes Bild der Bitcher Strecke sein...: [www.drehscheibe-online.de]

Viele Grüße,
Julian

Meine schönsten Fotos in der DSO-Galerie...: [www.drehscheibe-online.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:09:21:00:34:51.