Liebe Forenfreunde,
am Mittwoch, dem 11.08.1982 beschlossen wir, von Oradea aus mit dem Rapid "Transsylvania" nach Sighisoara zu fahren, um die dort rangierende P8 zu besuchen. Hier zunächst noch der
Link zu Teil 13.
Der Rapid war platzkartenpflichtig, das sollte 76 Lei kosten. Angesichts des happigen Umtauschkurses (1:4) erschien uns das unverschämt teuer, und wir ließen es darauf ankommen. Der Schaffner verlangte unsere "reservatione locurilor", was wir mit einem freundlichen Achselzucken und Vorzeigen der Interrailkarte beantworteten. Von unseren Mitreisenden im Abteil wurden wir unterstützt, "der würde schon aufgeben". Natürlich durchschaute der Schaffner das Spiel, aber er gab sich geschlagen. "Sighisoaaraaa" flötete er, als unser Ziel nahte und verabschiedete sich freundlich. WW und ich tauften dieses Verfahren "Rapid-Algorithmus". Nicht schön, aber: wir waren jung, und wir brauchten das Geld.
Unterwegs - in Tejus - wurden einige Schrottloks gesichtet: Reihe 142 (Nachbau BBÖ 214), 50.0 (ex kkStB 80), 150 (DR 50) und 230 (P8).
Um 18:30 erreichten wir Sighisoara, und dort rangierte 230.137.
Bild 1: Meine erste P8 im Regelbetrieb: 230.137 der CFR
Im Hotel "Steaua" fanden wir für 253 Lei eine sehr schöne Bleibe, leider war der Weingarten in der Nähe schon geschlossen. Nach zwei Nächten im Zug "endlich gebadet", so die Notizen.
Bis gegen 21:45 haben wir noch der P8 beim Rangieren zugeschaut, die verfeuerte Blumenerde flog dabei größten Teils als wilder Funkenregen zum Schornstein hinaus! "Tour macht Spaß" ist notiert.
Am nächsten Tag, dem 12.08.1982 gab es erst Mal ein "gutes Frühstück, aber zu wenig Brot". Aus dem Vorrat wurde "nachgefrühstückt", dann ging es zum Bahnhof, nach der P8 schauen. Unterwegs trafen wir auf eine kleine Denkmalslok.
Bild 2: CFR 388.002
Bild 3: Die Lok wurde auch als Spielgerät genutzt
Im Netz ([
www.pospichal.net]) findet sich: SSAV Nr. 2 "SZENT AGOTA", 1896, Wiener Neustadt Fabrik-Nr. 3897, 1911 MAV 388.002, 1924 an CFR. Sie war auf der Schmalspurbahn Sighisoara-Agnita in Betrieb und steht heute im Museum Sibiu.
Nun aber zur "richtigen Eisenbahn".
Bild 4: 230.137 in klassischer Pose, ohne störende Masten
Derweil kam ein Reisezug mit 060 EA1 054 herein, dahinter ein Messwagen von Breda, Baujahr 1928.
Bild 5: 060 EA1 054 mit Messwagen in Sighisoara
Dann widmete ich mich verstärkt der P8, die sich mit Hechtwagen abmühte.
Bild 6 und 7: 230.137 mit Hechtwagen ...
Bild 8: ... beim Rangieren
Bild 9: Triebwerk der 230.137
Bild 10: Hier ist der Hecht mal ganz zu sehen
Bild 11: Die P8 aus der Hocke ...
Bild 12: ... und zusammen mit einer Sulzer 060DA (Reihe 60)
Bild 13: Frontansicht - preußisch, aber mit Kuhfänger
Bild 14: Der Lokführer macht Pause ...
Bild 15: ... bevor es wieder los geht
Bild 16: ... mit dem Rangiergeschäft. Wir wurden auch beobachtet ...
Bild 17: ... während der Lokführer voll konzentriert ist
Bild 18: Ein letzter Blick auf die Rangierabteilung
Die Sonne verschwand im Mulsch, und wir machten eine kleine Stadtbesichtigung. Zunächst trafen wir auf die orthodoxe Kathedrale, die mir zwei Bilder wert war.
Bild 19 - 20: Die Orthodoxe Kathedrale
Sighisoara - deutsch Schäßburg, ungarisch Segesvár - ist eine deutsche Gründung ("Siebenbürger Sachsen"), erstmals 1280 urkundlich erwähnt. Um 1982 lebten noch über 5000 Deutsche (ca. 17%) in der Stadt. Heute sind es weniger als 600, nach dem Ende des Ceaucescu-Regimes sind viele ausgewandert. Die Stadt bot einfach so schöne Motive, dass ich sie hier zeigen möchte.
Bild 21: Altstadtgasse
Bild 22: Keine traurigen Geranien
Wir gingen über eine überdachte Treppe hinauf zur Bergkirche. Von oben gab es nicht nur einen schönen Blick auf die Stadt, ...
Bild 23: Straßenszene mit altem und neuem Kiosk
Bild 24 - 25: Blick über die Dächer
... sondern auch auf das Tal und die Eisenbahn.
Bild 26: Eine 060 DA zieht einen langen Güterzug
Zwischendurch immer wieder deutsches Erbe:
Bild 27: Deutscher Friedhof auf dem Berg
Bild 28: Blick mit dem 300-mm-Teleobjektiv auf eine mittlerweile alte Bekannte
Damit schließt sich der Kreis - vorläufig.
Dort oben stießen wir aber auf ein schönes Gewölbe, mit einer Wirtschaft, wo es herrliches Bier in Steinkrügen gab. Dazu sogar ein ganz hervorragendes Steak - völlig unerwartet in diesem Land des Mangels.
Den Nachmittag gibt es dann im nächsten Teil. Bis dahin herzliche Grüße - Helmut (ICE).
Edith: Signatur hinzugefügt, Schreibfehler korrigiert. Auf Bild 26 ist es nur eine Lok, das zweite Fahrzeug ist ein gedeckter Drehgestellwagen
Link zu Teil 15: Schrott und mehr in Sighisoara (m. 21 B.)
8-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:11:06:21:36:00.