Auf der Suche nach etwas ganz anderem bin ich von Google doch tatsächlich auf diesen Beitrag gestoßen und muß nun auch mal meinen Senf dazu geben.
Bereits mehrere Tage vor dem geplanten Termin hatte ich von der Überführung des Viertels gehört. Zu der Zeit lief ja noch der Wiederaufbau der Kremmener Bahn nördlich von Tegel, d. h. die S 25 hatte in Tegel ihre Endstation.
Das Gleis nach Lübars wurde wer weiß warum auch wieder an das Streckengleis der S-Bahn angebunden und wer heute von der Gorkistraße in Richtung Bahnsteig schaut, dem fällt die nicht befahrene Gleisverbindung zwischen beiden S-Bahngleisen auf, die schon ziemlich nach Modellbahn aussieht. Nur von dieser hier zu sehenden Überführungsfahrt wurde diese genutzt - wenn das mal nicht weit gedacht war!
Schon vor dem 21.11. beobachtete ich, wie zwei Personen auf der Strecke Tegel - Lübars zu Fuß unterwegs waren und sich um einen annähernden Profil-Freischnitt kümmerten. Durchaus nachvollziehbar, waren die letzten Befahrungen der Berliner Eisenbahnfreunde schon eine Weile her und die Natur holt sich ja schnell etwas zurück...
Für mich war klar, daß dieser einmalige Transport fotografisch festzuhalten ist und so hoffte ich auf das Wetter, das sich anfangs auch November-untypisch darstellte.
Die Zuführung des Viertelzuges von Schöneweide erfolgte also am 21.11.1998 über den Außenring bis Hohen Neuendorf oder Birkenwerder(?), von da weiter auf der Nordbahn - hier zu sehen kurz vor Hermsdorf:
Hinter Waidmannslust überquert der Zug das Gleis der Industriebahn nach Lübars, welches später auch befahren werden sollte:
Nach einem erneuten kopfmachen in Schönholz trifft das Gespann nun endlich in Tegel ein:
Noch einmal sieht der 612 einen Bahnsteig bei Tageslicht:
Wenig später wird in die Tegeler Kehranlage rangiert...
...und anschließend geht es auf ein Gütergleis, um den Zug abfahrtbereit aufzustellen:
Gut zu sehen ist hier,wie sich die Lok an das andere Ende des Vz setzt, um ihn so nach Lübars zu schieben:
Wenn es bis hierher alles aussah wie 15 Grad im Schatten, dan kam spätestens beim Beginn der Dämmerung die Ernüchterung, daß es auf dem Güterbahnhof Tegel keinen Fleck gab, an dem wir auch nur annähernd windgeschützt stehen konnten - ein eiskalter Wind zog von allen Seiten und die Leerlauf-Heizung in meinem damaligen Winterauto war, sagen wir mal mäßig. Langsam spürte ich meine Finger immer weniger und nach einer ganzen Weile und noch niedrigeren Temperaturen ging es endlich los:
Natürlich sollte es auch ein Foto am Bahnsteig in Tegel und wenn möglich an der Schranke geben.
Was ich allerdings nicht eingeplant hatte - der Vorplatz des Bahnhofs Tegel war nur mäßig gestreut und ich erwischte in der Eile natürlich genau die Stelle mit gefrorenem Wasser: Einmal der Länge nach hingepackt und die Kamera lag daneben, selbst der Aufsteckblitz hatte sich entschieden, der Praktica "lebewohl" zu sagen! Und das ausgerechnet jetzt!!!
Nach diesem (Vor-)Fall war an ein vernünftiges fotografieren in der Dunkelheit nicht mehr zu denken. Alle Versuche in Tegel scheiterten, da die Belichtungseinstellungen nicht mehr wie gewünscht gehorchten. Ganz aufgeben wollte ich trotzdem nicht und so entschieden wir uns, solche Übergänge wie die Rosentreterpromenade und die Hermsdorfer Straße auszulassen und fuhren zur Cyclopstraße - und so sah es dann dort aus:
Mit der einen Hand den Auslöser zu betätigen und mit der anderen Hand den Blitz auslösen - die Erfahrung hätte mir bei Temperaturen über 0 gereicht, so kam noch der eisige Wind dazu und nur so kann ich die Bildqualität entschuldigen!
Am VW-Autohaus im Eichhorster Weg vorbei, wenigstens ist dieses als Orientierungspunkt im Hintergrund zu erkennen:
Fast geschafft ist es hier an der Finsterwalder Straße - unvergessen auch die Gesichter einiger Fußgänger: "Seit wann fährt hier die S-Bahn?"
Soeben angekommen in Lübars, es ist noch Spitze geschaltet:
Und da steht er nun und rollt nie wieder:
Am nächsten Morgen ist nichts mehr davon zu erahnen, wie er her kam:
Den Vergleich zu heute spare ich mir mal, lieber zeige ich Euch noch ein paar Aufnahmen von einem seiner letzten Einsätze elf Monate früher.
Am 20. Dezember 1997 steht der Viertelzug hier im Ostbahnhof zu einer privaten Sonderfahrt bereit:
Wenig später ist die Greifswalder Straße erreicht:
Und noch einmal nach Westkreuz:
Und dann gab's da noch eine Fahrt, aber das ist ein anderes Thema zu späterer Zeit...
Das war's von mir - ich hoffe, daß Herr D. noch lange an seinem Zug Freude haben wird. Ganz billig war er ja nicht, aber das macht ihm so schnell auch keiner nach!
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und schöne Grüße
(Nordbahn-)Micha
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:12:27:21:09:33.