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 04 - Historische Bahn 

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Der folgende Text ist eigentlich nur ein Beifang aus einer anderen Recherche, aber weil er so schön ist, will ich ihn dem Forum nicht vorenthalten. Er stammt aus dem Buch "Braunschweig im Jahre 1897" von Rudolf Blasius, Verlag Johann Heinrich Meyer, Braunschweig 1897. Ein schöner Band über ausgewählte Unternehmen und Einrichtungen der Stadt, eigentlich anläßlich eines Naturforscherkongresses herausgegeben und mit einem Schwerpunkt auf Einrichtungen der Gesundheitspflege, aber auch die Straßenbahn wird beschrieben, und da heißt es:

"Die ersten Verhandlungen bezüglich der Anlage datiren bis zum Jahre 1875 zurück. Es waren belgische und englische Gesellschafter, die um die Concessionen nachsuchten. Die Verhandlungen zerschlugen sich bis zum Jahre 1878, wo James Lesly Walker sich erbot, die Linien Hauptbahnhof - Infanteriekaserne, Hauptbahnhof - Kreuzkloster und Hauptbahnhof - Richmond zu bauen.
Die Actien der zu bauenden 'City of Brunswik Tramway Comp.' wurden im December 1878 bei der Braunschweigischen Creditanstalt aufgelegt, jedoch nur schwach gezeichnet.
Als System wählte man die Lochschiene. Es ist dies eine Hohlschiene, welche in der Lauffläche mit Löchern von ca. 4 cm Durchmesser, die ca. 5 cm voneinander entfernt liegen, versehen ist. In diese Löcher sollten correspondirende 1 Zoll hohe Zapfen, welche sich an den Radkränzen der Räder befanden, eingreifen. Man wollte das System, sobald es sich hier in Braunschweig bewährt hatte, in London zur Einführung empfehlen.
Das System bewährte sich nicht, denn die Wagen setzten fortwährend, besonders in den Kurven, aus. Es war ein markerschütterndes Ereigniß, wenn eine Entgleisung eintrat, denn die mit Zapfen besetzten Räder führen eine hopsende Bewegung auf dem Pflaster aus.
Diese Lochbahn reüssirte nicht. Sie verkrachte, weil sie nicht capitalkräftig war. Aus ihren Ruinen ersproß die jetzige Pferdebahn, welche zur Zeit in der Umwandlung in eine elektrische begriffen ist."

Soweit ein Herr Ribbentrop in dem besagten Buch. Sehr interessant fand ich (neben der bildlichen Vorstellung einer hopsenden Pferdebahn), daß Braunschweig hier wohl nur der Testfall für London sein sollte. Die kurzlebige Lochschienenbahn ist ja vor allem durch Dieter Höltge schon ein wenig erforscht, siehe seine Bücher über die Braunschweiger Straßenbahn, oder diesen Zeitungsartikel mit einem Bild:

[www.braunschweiger-zeitung.de]

Weitere, vor allem genauere Bilder dieser Konstruktion, dia ja fast eine Zahnradbahn war, kenne ich leider nicht. Hat da vielleicht noch jemand etwas in der Schublade?

fragt
Christopher



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:01:27:20:34:04.
Im Hannoverschen Straßenbahnmuseum war zu mindest ein Stück Schiene dieser Pferdebahn im Raum Braunschweig ausgestellt.
Hallo Christopher,

danke für den interessanten Artikel. Ich habe nie verstanden, was denn nun der Vorteil dieser Lochschienen gegenüber normalen Adhäsionsschienen sein sollte. So starke Steigungen haben die Braunschweiger Straßenbahnen doch nie gehabt, als dass sich eine Art Zahnrad gelohnt hätte. Und wenn ja, dann wären Hufeisen-Spikes bei den Pferden wohl adäquater gewesen...

Schöne Grüße,

Dennis.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:01:04:14:25:34.
Als Vorteil versprach man sich damals, dass die Schiene mit der Straßenoberfläche bündig abschloss.
Es gab also keine Schienenrille, in die Fuhrwerksräder (oder Radfahrer, wie heute noch) hineinrutschen und sich verkeilen konnten.
Diese Abbildung erschien damals in Dinglingers polytechnischem Journal:

Lochschiene.jpg