Ursache für den Bau dieser Wagen ist der Neuwagenbedarf zum Ersatz der Erstausstattung der elektrischen Straßenbahn (ab 1896). Zudem waren durch den 1.Teil des Weltkrieges Neuwagenzuführungen ausgeblieben. Unmittelbar danach gab es den Mangel zunächst nicht, da in Nachkriegswirren und Inflation mit wenigen Wagen ausgekommen wurde (immerhin kam es 1923 zu einer beinahe Verkehrseinstellung: es rollten nur noch 70 Wagen durch Leipzig!).
Nun waren 1913/14 Wagen entstanden, die andere Wagenkästen, jedoch noch dasselbe Fahrgestell erhalten hatte, wie bis 1912 der Vorgängertyp 20. Diese Typ21-Wagen waren durch den Weltkrieg erst 1921 komplett ausgeliefert.
Als in den "golden 20's"/"Goldenen Zwanziger"n nicht nur der Bedarf an Neuwagen durch massive Streckenneubauten und die Erfordernis der Ablösung von Wagen von 1986 - 1901 anstand, sondern durch Dawes- und Young-Plan und die Währungsreform (> Rentenmark) auch möglich wurde, beschaffte Leipzig mit - heute würde man Fördermittel sagen - diese 200 Züge, und griff dabei wagenkastenseitig auf den Typ 21 zurück, von dem sich die neuen nur durch eine gleichhohe Fensterunterkante (Typ21 war an den Plattformen niedriger) und das Schleppdach (vorgezogene Hauben = "Pullman"-Bauweise) unterschieden. Diese Dachform (einschl. Filmkästen) bekam auch der Typ 21 später während seiner Modernisierung, so dass 21er und 22a/b schwer unterscheidbar waren, wenn auch die tiefere Plattform-Fensterunterkante am 21er blieb. Markant aber war, dass der neue Typ ein neuentwickeltes, zu den Typen 20 und 21 differentes Fahrgestell erhielt.
Man muss dazusagen, dass am Lebensende kaum mehr ein Wagen noch seine Originalnummer hatte. 1401 und 1468 sind ein paar wenige Ausnahmen; mancher Wagen brachte es auf bis zu 6(!) Nummern, z.T. bekam er sogar seine alte mal zurück...
Ursache ist die bereits 3 Jahre nach dem Bau - das "Modell 1924" kam ab 1925 noch für 3 Jahre mit Rollenstromabnehmer zum Einsatz(!) - begonnene Aufmotorisierung. In der Anfangszeit war das 200:200-Verhältnis wenig störend: die Wagen liefen als 2er, als 3er, aber auch einzeln. (Es gibt sogar Bilder von 1936(!) auf der 6 als Alleinfahrer!) Häufiger Doppelbw.-Betrieb, auch mit schweren Bw.-typen, trieben zur Aufmotorisierung.
1928 - 1935 erhielten 47 Wagen statt 34 45kW-Maschinen (22a), 1937 - 1942 nochmals 26 Wagen 55kW-Motoren (22b). Ab 1946 wurden 60kW-Motoren verbaut (22c), anfangs noch Motoren und Fahrschalter aus der Reichsindustrie. Bei allen Untertypen gab es Vertreter mit Filmkästen, jedoch nicht komplett. Auch wurden alle 22c ER-Wagen, anfangs nur provisorisch, während originale und -a/-b ZR blieben. Die 1946 - 1961 rekonstruierten bekamen weiterhin die 1928 - 1942 teilweise angewendete Plattformgestaltung <BILD 8>.
10 Tw. (davon 4 -a/-b) und 17 Bw. überlebten den 2.Teil des Weltkriegs nicht. Wiederaufbauten gab es als Personenwagen keine; lediglich der Fahrleitungswagen 5060 entstand auf dem Fahrgestell eines Kriegsopfers.
Es ist richtig, dass mit fast ausschließlichem 3er-Zug-Einsatz die fehlenden Bw. durch Bw. anderer Typen ausgeglichen werden mussten.
Im Laufe der Jahre wurden die Wagen immer mehr vervollkommnet.
Besonders werterhaltend und auch optisch wahrnehmbar war die Generalreparatur von 41 Tw. und weit über 100 Bw., die statt des bisherigen Holz- einen Ersatzwagenkasten aus Stahl erhielten. Dazu wurde das Dach abgenommen, der Wagenkasten auf dem Bodenrahmen neu erbaut und das Dach wieder aufgesetzt. So zieht denn auch der Tw. in <BILD 8> je einen Stahl- und einen Holz-Bw., während bei <BILD 11> auffällt, dass der Tw. originale und generalreparierte LOWA-Bw. in einem Zug zieht! (Die Anzeige der Liniennummer in den Filmkästen war üblich, auch wenn der Ersatzzug naturgemäß nur E zeigte.)
1962 hielt die Vollsichtscheibe Einzug, von 1962 - 1964 noch in Holzkasten-GR, u.a. <BILD 2>. Dabei wurden die Filmkästen metallgerahmt und bekamen diese Luftrippen, die später <BILD 11> zugeblecht wurden. Gleichsam wurden 1965 - 1967 die Fronten der Stahlwagenkästen gestaltet <BILD 9>;<10>.
1968/69er GR bekamen gummigerahmte Filmkästen unter Weglassung der Lufteintrittsschlitze, u.a. <BILD 1>;<5>.
Allerdings blieben mit den Wagen 1405, 1408, 1411, 1413, 1415, 1417, 1426 - 1430, 1433 und 1439 22a zurück, denen kein 22c-Umbau spendiert wurde und die auch als ZR endeten, alle als Atw. Nur die zuletzt noch eingesetzten 4 (1411 - der im Aufbau befindliche historische Tw. 1463 -, 1427, 1429, 1430) erhielten noch 60kW-Motoren und waren de facto "ZR-22c", mit einigen noch vorhandenen Lenkdreiachsern ex Außenbahn die letzten Steh-Wagen der LVB.
In die Zeit der Stahlwagen-Aufbauten fällt auch der "Abschied" von Vorhänge-Richtungsschildern: der 22b 1464 war 1969 der letzte Schilderwagen.
Vollsichtscheiben mit Fronten ohne Luftschlitze, dafür ein seitliches Schiebefensterchen, sowie gummigerahmte Filmkästen bekamen später auch noch Tw. wie <BILD 8>, bei Aufarbeitungen der Front, insbes. nach Unfällen.
Um eine Tauglichkeit für Betrieb mit Gotha-(/Reko-)Bw. zu testen, bekam der Wg. 1450 Kleinspannungsscheinwerfer (bisher waren jene in einem 600V-Lichtkreis enthalten) und Dreikammerrückleuchten statt eines einzelnen Rücklichtes im 600V-Kreis. Ihm wurden die gleichsam aufgerüsteten Bw. 839 und 841 vom Typ LOWA-GR angehängt. Die umformerlose Batterieladung mit Bremsstrom befriedigte bei diesem "Typ 22d"-Musterzug nicht, so dass die Serie mit Umformer entstand, da beim Gotha-Bw. auch noch E-Türen anzutreiben waren; ferner bekamen diese Tw. auch noch nachträglich Schienenbremsen.
Für den S-Wagen-Umbau (S = Sonderausführung mit Umformer und nunmehr auch Scharfenbergkupplung) waren nur 25 St. der 1968/69er GR geplant (1412, 1419, 1437, 1446 - 1449, 1451 - 1468) <BILD 5>; der Brand des Bf. Möckern vernichtete jedoch die vorgesehenen Wg. 1452, 1455, 1456, 1460, 1462 und 1466. Um die Anzahl 25 zu erreichen, wurden zusätzlich die Wg. 1418, 1421, 1422, 1425, 1431 und 1434 so umgebaut <BILD 1>;<10>. Andere Stahl-Wg. endeten jedoch weiter als 22c ohne Umformer und mit Albert-Kupplung (1401, 1402, 1403, 1404, 1406, 1407, 1409), wobei die 1406 sogar ein 1968er war. Auch wurde der gescheiterte Versuch 1450 nachträglich ein normaler 22S, um die Unfall-Ausmusterung der 1437 zu kompensieren.
Für uns sehr erfreulich verlief die Ausmusterung ziemlich schleppend. Während über einen längeren Zeitraum ausschließlich "hölzerne" ausgesondert wurden, kam 1977 das Ende der Beiwagen. Mit den Wagen 703ex603, 708ex608 (wird historischer Bw.), 711ex611, der ohnehin in der Reihung etwas umpassenden 736 und 780ex680 erlebten sogar noch Holzbw. das letzte Jahr. Die Tw. zogen dann LOWA-Bw. (bis 1979 noch originale, GR-Bw. bis 1981). Nach der Ausmusterung der 3-Fenster-LOWAs 832 - 865 wurden die letzten 22c 1401, 1402, 1403, 1406, 1407, 1409, 1500 und 1501 (die letzteren auch noch "hölzerne"!) entbehrlich und landeten auch noch wiederum im Atw.-Bestand. Der Rückzug der 22S vollzog sich in 2 Schüben 1986/87; auch sie wurden Atw., die 1990 durch die 1989 ausgemusterten ET ersetzt wurden.
Grundhaft haben die Wagen (fotografische Beweise sind sicher kein Problem) alle Linien von 1 - 30 in ihren jeweiligen Linienführungen befahren, natürlich alle Nummernverstärker mit angehängtem E, soweit es sie als Linie gab, Einsatzwagen "E" sowieso, aber auch die verschiedenen zeitweisen anlassbedingten Sonderlinien, sei es aus Messe-/Veranstaltungs- oder Baustellengründen. Fotos als 31 - 38 und 41 - 43 sind sämtlich nachweisbar, eine 39 hat es nie gegeben. Mit den Bf. Reu., Pro., Dö., Pau., DSF, Wi. (bis Ende der 1960er) und Mö. waren sie auch auf allen neuzeitlicheren Bf. "zu Hause".
Einen solch treuen Typ hatte es nie zuvor gegeben; er wird auch kaum Konkurrenz erfahren... (auch nicht vom T4D in der M-Variante)
Es kam die Frage, warum die <BILD 2>;<3> 24E in dieser Linienführung zeigen. Es war die Zeit des Baus des Gebäudes Dr.-K.-Fischer-(Pfaffendorfer)Str. 4 - 10 mit Kranstellung auf der Fahrbahn und vielmonatiger Umleitung der Linien 20 und 24 über Michaelisstr.
Die Uhrzeit 17.00 auf <BILD 4> ist stimmig: erst mit dem Ausrücken eines zusätzlichen 10.Kurses auf die 29 gegen 14 Uhr musste bis 18.30 vor gefahren werden, um 2 Züge in der Schleife unterzubringen. Ich habe Aufnahmen der 1463 zur Vormittagszeit: sie steht folgerichtig weiter hinten, bevor die Freigleise in die Schleife münden.
<BILD 5> zeigt angeschnitten den zeitweise im Bf. betriebenen Zeitkartenkiosk. Da somit also Publikumsverkehr dort stattfand > jene gespannte Kette, damit Käufer und Züge nicht kolliddieren. Deshalb auch die Hinweise am Tor aus Papier (eines ist zerrissen) auf die bevorstehende Umrüstung der Wagen von Zahlboxen auf Entwerter im Mai 1976. Damit ist das angegebene Datum definitiv stimmig!
<BILD 7> zeigt die 1590. Es darf vermutet werden, dass dies die umgezeichnete 1549 ist, da die 1590 ungeplant "von uns ging".
Gleiches <BILD 7> zeigt den 22S-Fahrschulwagen 5005 noch als 5004. Es ist die ehemalige 1432, die als 22c in die Hw. gegangen war. Damit gibt es zu dieser Zeit noch den 22c-FS-Tw. 5005, der später Rangierwagen 5069 wurde und aus der schweren Entgleisung am Fr.-List-Pl. 1966 (Wg. 1544) resultiert - eine vergessene Zange im Fahrschalter hatte einen totalen Bremsversager verursacht und der viel zu schnelle Zug entgleiste und fuhr in das Hotel "Meinhardt". Den Trümmerhaufen baute man als FS wieder auf, als ZR mit nur vorderen Türen, allerdings eine typische Plattform und eine mit G4-Türen und G4-Handrad, da an eine Zweckentfremdung eines Linienwagens (wie später 1181) 1968 noch nicht zu denken war. Ferner gab es einen 4.Tatra-FS-Wagen 5004 noch nicht.
Feinheiten, die ein Foto zeigt. Feinheiten, die ein Foto immer auch zeitlich einordnen.
Der Typ 22 war ein Fahrzeug mit einer spitzenmäßigen "Straßenlage", a) ein Qualitätsprodukt der Waggonindustrie jener Jahre, sowie b) ein Zeugnis der damals hohen Kunst der LVB-Hw., einen Wagentyp (wie keinen zweiten) immer und immer wieder nicht nur instandzuhalten sondern stetig zu verbessern. Die Qualität der Waggonbauer, durch die Intensität von HwH ergänzt, haben die Langlebigkeit von 62+x Jahrenn überhaupt nur möglich gemacht!!
(Man beachte: die 1945 20 Jahre alten Wagen waren damals nicht nur kriegsbedingt mangelhaft instandgehalten, sondern fast schon am Ende der üblichen Lebenszeit! An Ausmusterungen war überhaupt nicht zu denken, auch nicht bei wesentlich älteren. Immerhin ermöglichten die G4 erst Ausmusterungen von Altbauten, die von 1907/09 - 1965 auch stolze 58/56 Jahre in Dienst gestanden hatten (Typen 19; 20). 62 zu schaffen war nur dem "Pullman" vergönnt!)
Wenn überall nur noch T6, KT4Dt und KT8 fahren würden, wäre die Welt gewiss eintöniger. Schöner wäre sie trotzdem!