DREHSCHEIBE-Online 
DREHSCHEIBE-Online

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historisches Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Seiten: 1 2 All Angemeldet: -

Fragen zur Dampfloktechnik

geschrieben von: RB85

Datum: 21.07.12 10:34

Hallo

Im Zusammenhang mit der alten Dampflok tauchen immer mal folgende Begriffe auf:
Abblasen
Bläser
Rauchrohre ausblasen
Wasserstand ausblasen

Bei "Rauchrohre (oder auch nur "Rohre") ausblasen ist das Reinigen der Rohre vom Ofen zur Rauchkammer gemeint?
Wie geschieht das? Mit Druckluft oder Dampfdruck?
Oft ist auch die Rede davon, das die Rohre in den Stützpunkten der Dampflokomotiven ausgeblasen wurden, vom örtlichen Personal.
Dann heißt es mal wieder, das der Heizer den Bläser einschaltet, und dann entweder im Zusammenhang mit Rohre ausblasen oder das Feuer anzufachen.
Ist das in beiden Fällen die gleiche Einrichtung?
Muss das nicht eine Staub- und Aschewolke aus dem Kamin geben?
Wann wie und warum wird der Wasserstand ausgeblasen? Um den Wassertank im Anhänger leerzubekommen?
Ich denke mal, wenn sehr kalkiges Wasser drin ist und es an einer Tankestelle für Wasser weicheres Wasser gibt?

Und noch zwei eher organisatorische Fragen zum Thema Dampflok:
Um den Heizer beim schippen zu unterstützen und um die Hitze im Ofen zu belassen, haben die Triebfahrzeugführer die Feuerlochklappe auf und wieder zu gemacht. Das im richtigen Rhytmus zum Heizer. So sieht man es in Filmen, z.B.
Der TF muss sich also auf den Schippenrhytmus des Heizers konzentrieren, sonst knallt die Schaufel Kohle vor die Tür. Somit ist der TF von der Strecke teilweise abgelenkt.
War das offiziell erlaubt? Oder eine geduldete interne Sache des TFz- Personals?

Wie wurde das Pesonal für den Heizerstand ausgewählt?
Wurden eher Muskelbären oder zum Beispiel gelernte Schlosser eingestellt? Die Heizer mussten sich ja auch mit vielen mechanischen Teilen auskennen.

Erwin



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:21:10:35:08.

Re: Fragen zur Dampfloktechnik

geschrieben von: ytracks

Datum: 21.07.12 11:30

RB85 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo
>
> Im Zusammenhang mit der alten Dampflok tauchen
> immer mal folgende Begriffe auf:
> Abblasen -> normalerweise das Abblasen der Sicherheitsventile aufgrund zu hohen Kesseldruckes
> Bläser -> ist eine Einrichtung zum Anfachen des Feuers, wird genutzt wenn die Maschine steht, da dann kein Zug durch die Zylinder entsteht.
> Rauchrohre ausblasen -> wird turnusmässig gemacht um Verbrennungsrückstände innerhalb der Rohre zu entfernen
> Wasserstand ausblasen -> habe ich noch nicht gehört, muß ich passen. ich kenne noch das Auswaschen des Kessels um Kesselstein zu entfernen, auch eine Turnusarbeit
>
> Bei "Rauchrohre (oder auch nur "Rohre") ausblasen
> ist das Reinigen der Rohre vom Ofen zur -> der Ofen heißt bei Dampfloks Feuerbüchse
> Rauchkammer gemeint? -> Nein es wird von der anderen Seite, der Rauchkammer aus gereinigt.
> Wie geschieht das? Mit Druckluft oder Dampfdruck? -> Mit Druckluft und einem langen Rohr (Lanze genannt) an der Lanze vorn sind Düsen
> Oft ist auch die Rede davon, das die Rohre in den
> Stützpunkten der Dampflokomotiven ausgeblasen -> Die Stützpunkte heissen Bahnbetriebswerk, Bw
> wurden, vom örtlichen Personal.
> Dann heißt es mal wieder, das der Heizer den
> Bläser einschaltet, und dann entweder im
> Zusammenhang mit Rohre ausblasen oder das Feuer
> anzufachen. -> zum Feuer anfachen
> Ist das in beiden Fällen die gleiche Einrichtung? Nein
> Muss das nicht eine Staub- und Aschewolke aus dem
> Kamin geben? -> Rohrblasen ist eine sehr schmutzige Angelegenheit, es wird bei geöffneter Rauchkammertür von einem Gestell, dem Rohrblasgerüst gemacht. Da die Maschine nicht unter Feuer steht, und die Rauchkammertür geöffnet ist geht nichts durch den Schornstein
> Wann wie und warum wird der Wasserstand
> ausgeblasen? Um den Wassertank im Anhänger -> der Anhänger nennt sich Tender
> leerzubekommen?
> Ich denke mal, wenn sehr kalkiges Wasser drin ist -> die Wassertankstelle nennt sich Wasserkran
> und es an einer Tankestelle für Wasser weicheres -> ja, vor dem Krieg wurde das Wasser speziell aufbereitet, nach dem Krieg wurde das auf der Lok gemacht (innere Speisewasseraufbereitung)
> Wasser gibt?
>
> Und noch zwei eher organisatorische Fragen zum
> Thema Dampflok:
> Um den Heizer beim schippen zu unterstützen und um
> die Hitze im Ofen zu belassen, haben die
> Triebfahrzeugführer die Feuerlochklappe auf und
> wieder zu gemacht. Das im richtigen Rhytmus zum
> Heizer. So sieht man es in Filmen, z.B.
> Der TF muss sich also auf den Schippenrhytmus des
> Heizers konzentrieren, sonst knallt die Schaufel
> Kohle vor die Tür. Somit ist der TF von der
> Strecke teilweise abgelenkt.
> War das offiziell erlaubt? Oder eine geduldete
> interne Sache des TFz- Personals? -> das ist Teamarbeit. Die in Deutschland übliche Marcotti Feuertür hat Griffe auf beiden Seiten.
>
> Wie wurde das Pesonal für den Heizerstand
> ausgewählt?
> Wurden eher Muskelbären oder zum Beispiel gelernte Der Weg zum Lokomotivführer führte über die Heizerposition. Ein Metallberuf, meist Schlosser war Voraussetzung für die Laufbahn.
> Schlosser eingestellt? Die Heizer mussten sich ja
> auch mit vielen mechanischen Teilen auskennen.
>
> Erwin

Das alles kannst du im Detail nachlesen im " Niederstrasser, Leitfaden für den Dampflokomotivdienst" antiquarisch, relativ teuer (Wer hat, der hat) oder " Die Dampflokomotive" Transpress Verlag auch antiquarisch


Viele Grüße,

Ytracks



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:21:11:42:50.
Hallo RB85,

ein Bild sagt mehr, als tausend Worte....

http://www.abload.de/img/bild_013kopiemuah7.jpg

Rohre ausblasen im BW Ottbergen am 22.04.1976

Günter



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:21:13:15:29.

Re: Fragen zur Dampfloktechnik

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 21.07.12 12:00

Der Versuch einer Erklärung, das hätte aber Wikipedia auch gekonnt.

Abblasen = Kesselsicherheitsventil, eine vom Ausbesserungswerk fest eingestellte und verplompte Sicherheitseinrichtung, sie wird dort im Rahmen einer Untersuchung regelmäßig vom Kesselsicherheitsbeauftragten überprüft. Die Einstellung des Kesserlsicherheitsventil richtet sich nach dem amtlich festgesetzten Höchstdruck des Kessels.

Bläser = Hilfsbläser der erzeugt einen künstlichen Saugzug in der Feuerbüchse zum Anfachen des Feuers im Stand.

Rauchrohre ausblasen = geschieht in der Regel mit einer Luftdruck-Lanze. Na klar muß der dadurch entstehende Staub irgendwo hin. Wie wäre es z.B. einen passenden Ventilator in den Schornstein legen oder hängen und damit einen künstlichen Saugzug erzeugen, dem entstehenden Staub dadurch den Weg weisen? Der Staub sucht sich sonst seinen eigenen Weg, was nicht immer sehr angenehm ist.

Wasserstand ausblasen = gehört zur Funktionsprüfung des Wasserstands (Durchgangsprüfung ob der Durchgang vom Kessel zum Wasserstandsglas gegeben ist, sich also kein Dreck davorgesetzt hat und den Durchgang somit verstopft, bei einen Wasserstand den man ausblasen kann funktioniert auch der Selbstverschluß, falls zum Beispiel mal das Wasserstandsglas zerbricht. Ist ein Durchgang verstopft kann er unter gewissen Umständen mit einem dünnen Draht durchgestossen werden.

Kritik erbeten!

MfG


Niederstrasser selten und teuer? Klar gibt es den auch in teuer, doch wer so was kauft ist selber schuld. Den gibt es auf vielen Flohmärkten oder im Internet bereits schon mal ab 10 Euro. Man muß nur etwas Geduld haben. Immerhin wurden davon in den ersten sechs Auflagen schon 47 000 (oder waren es 49 000) Stück gedruckt. Kann mir Keiner erzählen das die ersten sechs Auflagen alle verschwunden sind. Den Reprint gibt es übrigens bereits für 30 Euro.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:21:12:09:31.

Re: Fragen zur Dampfloktechnik

geschrieben von: Cargoknipser

Datum: 21.07.12 12:02

Für diverse Fragen zur Dampfloktechnik möchte ich das Musemusbahnforum empfehlen. Da gab es vor einigen Tagen eine Diskussion zu 03 2155 und deren Schadensvermeidung. Ich muss neidlos anerkennen, das ich soviel selbst ernanntes "Expertenwissen" zur Dampftechnik bisher nur selten vernommen habe. Jedenfalls lache ich heute noch! Wir mitlachen möchte und es noch nicht gelesen hat, dem empfehle ich selbiges! Evl. melden sich ja einige von den Diskutanten auch hier wieder zur Wort.

Viele Grüße
Günter

Bilder sagen mehr als Worte

geschrieben von: RB85

Datum: 21.07.12 13:10

Hallo

Ein Bild aus Ottbergen!

Es zeigt aber auch, wie dreckig die Arbeit an und mit der Dampflok war und wieviel Dreck diese Maschinen in den Himmel geschleudert haben. Zu der Zeit war das nicht von Bedeutung, Feinstaub, Ozonloch und Klimaschaden haben die damals noch nicht gekannt. Was heute die einschlägigen Gruppen und Parteien schreien würden, wenn die Dampflok im gleichen Umfang fahren würde. Gut, das sie das nicht mehr erleben muss.

Re: Fragen zur Dampfloktechnik

geschrieben von: RB85

Datum: 21.07.12 13:23

Hallo

Was die Museumsloks und deren Führer und Fahrer mit ihren Loks machen, das ist mir vollkommen gleichgültig. Es ist vorbei mit dem Dampf, im meiner Heimat (Ottbergen ist nah) war das schon 1973, bis 1976, dem Ende, war das dampfen nur noch ein sterbendes Siechtum. Ich war damals 14.

Vor einigen Jahren, ich war zufällig in Paderborn, warten auf Anschluss, da fuhr dort ein Sonderzug mit Dampflok ein. Ich weis nicht welche Lok das war und welcher Verein. Ich bin rüber zum Bahnsteig, wollte kurz mal in die Nähe zu der Lok, den Geruch warnehmen,die Geräusche hören, alles was aus frührern Jahren so vertraut war.
Was ich da erlebt habe, dass ist nahezu unvorstellbar. Blanker Hass ist mir von den Fotografen entgegengeschlagen, mir und den anderen interessierten ohne Fotoapparat, Familien mit Kindern und so weiter.
Lasst die alten Kisten fahren für die knipserei. Für mich hat sich das erledigt.
Heute ist das doch nur noch "Show", wenn ich an das elendige jaulende rumgehupe denke. Sowas hat ein ordentlicher Lokfahrer früher nicht gemacht. Dort wo es notwendig war, da wurde ein vorschriftsmäßiges Achtungssignal gegeben, und gut.
Wie heute die mit der Dampflok zu tun habenden Eisenbahner mit den wertvollen Restexemplaren umgehen, das habe ich in den genannten Beiträgen zur 03 lesen können.

Der Wert eines Museumszuges mit Dampf hat für mich einen anderen Sinn als diesen zu Fotografieren. Ich möchte das erleben und nicht stören. Darum bleibe ich dem fern.

Erwin.

Re: Fragen zur Dampfloktechnik

geschrieben von: RB85

Datum: 21.07.12 13:29

Danke für die ausführlichen Erläuterungen.

Der Wissensdurst ist noch nicht ganz gestillt:
Wird durch den Bläser zum feueranfachen Dampf oder Drucklunft eingeblasen, und wo wird das eingeblasen (in die Feuerbüchse oder in in Rohre zum Zug erzeugen?
Und, wenn beim Fahren der Zylinderabdampf den Rauchzug erzeugt hat, dann muss dieser in der Rauchkammer einen großen Unterdruck erzeugt haben. Das geht aber nur, wenn der da durchströmt nach dem Venturiprinzip, und nicht durch ein geschlossenes Rohr bis zum Schlot?

Re: Fragen zur Dampfloktechnik

geschrieben von: ytracks

Datum: 21.07.12 13:41

RB85 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Danke für die ausführlichen Erläuterungen.
>
> Der Wissensdurst ist noch nicht ganz gestillt:
> Wird durch den Bläser zum feueranfachen Dampf oder
> Drucklunft eingeblasen, und wo wird das
> eingeblasen (in die Feuerbüchse oder in in Rohre
> zum Zug erzeugen?
Der Hilfsbläser ist vorn in der Rauchkammer, er bläst Frischdampf in das Blasrohr und erzeugt so einen schwachen Zug durch den Schornstein.
> Und, wenn beim Fahren der Zylinderabdampf den
> Rauchzug erzeugt hat, dann muss dieser in der
> Rauchkammer einen großen Unterdruck erzeugt haben.
Ja, in der Rauchkammer herrscht Unterdruck
> Das geht aber nur, wenn der da durchströmt nach
> dem Venturiprinzip, und nicht durch ein
> geschlossenes Rohr bis zum Schlot?
Ja, die Rohre sind zur Rauchkammer hin offen, daher wird das Rohrblasen auch von dieser Seite durchgeführt.

Ytracks



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:21:15:52:02.
Der Bläser erzeugt Sog und keinen Druck, sitzt also hinter dem Feuer und er benutzt natürlich Dampf, den davon ist genügend vorhanden (sobald der Kessel einmal angeheizt ist).

Und Ja, das hast Du völlig richtig erkannt, damit die Energie des ausströmenden Dampfes zur Feueranfachung genutzt werden kann, wird der Zylinderabdampf nicht in einem geschlossenen Rohr von den Zylindern in den Schlot geleitet.

Vielleicht hilft Dir diese Skizze: [dlok.dgeg.de].



Gruß

Walter

Re: Fragen zur Dampfloktechnik

geschrieben von: PKP-modelarz

Datum: 21.07.12 15:25

Hallo Eifelindianer,
Deine Aussagen sind durchaus korrekt.
Nur eine Erweiterung möchte ich einfügen: Das Ausblasen des Wasserstandes war/ ist eine Turnusarbeit zum Beginn jeder Dienstschicht. Ist doch hiernmit der sichere Betrierb einer Dampflok gewährleistet. Ich erinnere hier an den Kesselzerknall der 42 1893 am 12.Oktober 1951. Hier war ein Wasserstand defekt...

Üblicherweise ließ sich auch der denstübernehmende Lokführer vom Schuppen- , Lokheizer den Wasserstand vorführen. Ebenso die B-Ing oder Dienstinspektoren...
Im Niederstrasser und auch in der DV 938 beschrieben und vorgeschrieben.
Besonders in der "Dienstanweisung für Lokomotivanheizkesselwärter" ist diese Prozedur ausdrücklich unter §7(3) angewiesen.

Viele Grüße
Christian

Link-Übersicht zu meinen Beiträgen [www.drehscheibe-online.de]

Re: Fragen zur Dampfloktechnik - Rohreblasen m. Bild

geschrieben von: S&B

Datum: 21.07.12 16:25

Wie funktioniert der "Gärtner?"
Gruß
Ulrich

OT: Dampfgeführte Züge heute...

geschrieben von: S&B

Datum: 21.07.12 16:32

OT:
>> Was ich da erlebt habe, dass ist nahezu unvorstellbar. Blanker Hass ist mir von den Fotografen entgegengeschlagen, mir und den anderen interessierten ohne Fotoapparat, Familien mit Kindern und so weiter.
Lasst die alten Kisten fahren für die knipserei. Für mich hat sich das erledigt. <<

Das gilt auch für mich. Es ist manchesmal abartig. Das grenzt gelegentlich schon an Hooligans.

>> Heute ist das doch nur noch "Show", wenn ich an das elendige jaulende rumgehupe denke. Sowas hat ein ordentlicher Lokfahrer früher nicht gemacht. Dort wo es notwendig war, da wurde ein vorschriftsmäßiges Achtungssignal gegeben, und gut.<<

Das fällt mir vor allen Dingen bei youtube Beiträgen, die solche Züge zeigen auf: Es scheint heute eigens ein Pfeifer mitzufahren. Naja- bei dem "Publikum" vielleicht bitter nötig.

Und hinten dran die obligatorische Dieselschiebelok.

Gruß
Ulrich, der den andersdenkenden gerne ihr Vergnügen läßt :-)

Re: Fragen zur Dampfloktechnik - Rohreblasen m. Bild

geschrieben von: ytracks

Datum: 21.07.12 16:52

Der Rußbläser Bauart Gärtner bei der DB oder die Bauarten IFS und VES/M bei der DR wirken von der Feuerseite aus. Sie dienen dazu die Feuerbüchsrohrwand von Ruß, Flugasche und Schlacke freizuhalten. Bei Steinkohle (DB) nicht so stark notwendig wie bei Braunkohle (DR). ich zitiere mal "Die Dampflokomotive" "... Es ist dann zweckmäßiger, den warmen Kessel während des Betriebes in jeder Schicht einmal und bei starker Anstrengung stündlich zu säubern."

Ytracks

Re: Fragen zur Dampfloktechnik

geschrieben von: guru61

Datum: 21.07.12 19:05

RB85 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Dann heißt es mal wieder, das der Heizer den
> Bläser einschaltet, und dann entweder im
> Zusammenhang mit Rohre ausblasen oder das Feuer
> anzufachen.
Der Bläser dient zur Feueranfachung: Weil im Stillstand der Dampf aus den Zylindern fehlt, der die Luft durch den Rost zieht und somit das Feuer anfacht, hat man eine Zusatzeinrichtung am Dampfausströmrohr in der Rauchkammer, mit der Frischdampf in den Kamin geblasen wird und einen gewissen Zug erzeugt.

Auf diesem Bild siehst du in eine Rauchkammer eines (kubanischen) Kessels, dessen Rohre ausgebaut sind:

http://farm4.staticflickr.com/3244/2864941637_01b2de9888_b.jpg


Unten in der Mitte siehst du das Blasrohr durch das der Abdampf in den Kamin strömt und die Rauchgase mitreisst. Der Hilfsbläser ist, entweder im Blasrohrkopf integriert, indem eine ringförmige Kammer gebildet wird, mit kleinen Löchern in Richtung Schornstein, oder es kann auch ein ringförmig gebogenes Rohr sein, wie hier (Es fehlt aber). Der Leitungsstummel rechts würde zum Hilfsblässer führen.



Dient einerseits zum Feueranfachen, vor allem vor der Abfahrt, damit das Feuer schon auf Vollglut ist und die Dampferzeugung mit der Abfahrt auch sofort einsetzt, andererseits aber auch zum verhüten, dass Rauchgase aus dem Feuerloch schlagen.
Auf diesem Bild habe ich es einmal provoziert:
Ich habe aber auch Kugelwolken erlebt, die sich schlagartig entzündeten und in einen Feuerball von 1 m Durchmesser aufgingen.
http://farm4.staticflickr.com/3315/3258989010_8666a0012f_b.jpg

Es kann nämlich vorkommen, dass Rauchgase in den Führerstand schlagen und sie sich ausserhalb der Feuerbüchse schlagartig entzünden! Mit dem Bläser verhimderst du sowas zuverlässig. Auch kann der Bläser, im Stillstand massvoll benützt, zur Rauchverminderung gebraucht werden, indem er bei teilweise offerner Feuertür zusätzlich Luft ins Feuer bringt und die Verbrennung fördert.

> Wann wie und warum wird der Wasserstand
> ausgeblasen? Um den Wassertank im Anhänger
> leerzubekommen?
Der Wasserstand, die beiden Glasohre im Führerstand, die dir den Wasserstand unmittelbar anzeigen, sind nur mit kleinen Bohrungen und einem dazwischen geschalteten Rückschlagventil mit dem Kessel verbunden. Das Ganze ist relativ anfällig auf Vertopfung durch Kalk.
Darum kann das Glasrohr selber und jeder Kanal zum Kessel unter und über dem Glasrohr separat abgesperrtt und durchgespühlt werden. Dazu ist am untern Ende ein Hahn, von dem ein Rohr unter dem Führerstandsboden ins Freie führt.
Auf dem Bild siehst du den goldenen Wasserstand im Vordergrund links, die 2 Absperrhähne mit den roten Griffen oben und unten, Leider nicht mehr ganz im Bild und unten würde der Ablass- oder Durchspühlhahn sein. Beim hinteren Wasserstand siehst du den roten Hahngriff etwa auf der Höhe der Hosentaschen des Führers.
Aif dem oberen Bild siehst du auch den unteren Tel eies andern Wasserstandes. Der rote Hahn ist der Absperrhahn und der schwarze mit dem runden Griff unmittelbar über der Flamme ist der Durchspühlhahn.
http://farm4.staticflickr.com/3085/3204001519_3dddb92e19_b.jpg



> Und noch zwei eher organisatorische Fragen zum
> Thema Dampflok:
> Um den Heizer beim schippen zu unterstützen und um
> die Hitze im Ofen zu belassen, haben die
> Triebfahrzeugführer die Feuerlochklappe auf und
> wieder zu gemacht. Das im richtigen Rhytmus zum
> Heizer. So sieht man es in Filmen, z.B.
> Der TF muss sich also auf den Schippenrhytmus des
> Heizers konzentrieren, sonst knallt die Schaufel
> Kohle vor die Tür. Somit ist der TF von der
> Strecke teilweise abgelenkt.
> War das offiziell erlaubt? Oder eine geduldete
> interne Sache des TFz- Personals?

Das war, mindestens in der Schweiz, auch offiziell erlaubt.
Aber es hiess im Reglemnt auch klar, dass der Heizer seine Arbeit so einrichten muss, dass ihm die Signal- und Streckenbeobachtung möglich bleibt. Dies daher, weil er auch fahrdienstlich mitverantwortlkich war, wenn ein Signal überfahren wurde. Somit ist die Schipperei schon mal ziemlich eingeschränkt worden.
Zudem ist der Feuertürgriff so erreichbar, dass der Füher nicht die ganze Streckensicht verliert. Bei der Marcotty Feuertür sowieso.
Dann gab es noch einen andern Grund, warum die Feuertür zu war zwischen dem Schippen:
Mindestens bei den kleinen Loks und den starken Steigungen, bei denen ich heizte, wurden die Dinger regelrecht ausgewunden. Die Feuertemperaturen erreichten durchgehende Weissglut, bis über 1500 Grad. Wenn du nun bei den kleinen Tendermaschinen den @#$%& vor der offenen Feuertür hast, dann versengt es dich, alleine durch die Strahlung. Das machst du nur einmal!
Diese Gefahr wird gerne unterschätzt! Es kann bei unsachgemässer Kleidung zu grossflächigen Verbrennungen kommen.
Darum hat ein Heizer auch bei 30Grad im Schatten immer eine lange Hose und einen langärmligen Kittel an.

>
> Wie wurde das Pesonal für den Heizerstand
> ausgewählt?
> Wurden eher Muskelbären oder zum Beispiel gelernte
> Schlosser eingestellt? Die Heizer mussten sich ja
> auch mit vielen mechanischen Teilen auskennen.
>
In der Schweiz waren es mechanische oder elektrische Berufe und es wurde geschaut, dass sie auch als LF weiter ausgebildet werden konnten.
> Erwin

Gruss Guru



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:22:10:51:20.

Re: OT: Dampfgeführte Züge heute...

geschrieben von: JensH

Datum: 21.07.12 20:55

Fahrt mal in den Harz, ins Erzgebirge, nach Radebeul, Zittau, zum Molli oder nach Rügen. Dort gibt es zwar auch einige "Fotokasper" aber man kann auch einfach auf der Bahnsteigbank sitzen und dem Personal beim abschmieren, Wasser fassen oder Kessel wienern zugucken.

Gruß
Jens

Meine (Reise-)Berichte DSO:[www.drehscheibe-online.de]


Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Art.1(1) Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
Ja, und bei Heizern auf den 44 des Bw Nürnberg (und nur da) konnte ich grüne Blendschirme kennenlernen; die Mütze wurde verkehrt herum getragen, damit sie den Blendschirm nicht behinderte.
Wer hat das damals noch beobachtet, wo gab es das noch?

Ob der Blendschirm wirklich Infrarotstrahlung absorbierte? Immerhin sind die einzigen Sonnenbrillen mit Infrarotschutz, nämlich die alten Ray Ban mit den RB3 Gläsern, auch intensiv grün.
Grüße
Ulrich
Diese Blendschirme haben damals viele Heizer benutzt, ich auch. Sie dienen nicht eigentlich zum Absorbieren von IR-Strahlung, sondern zum Erkennen der Feuerlage bei Lastfahrt. Das Feuer ist ja bei Fahrt mit offenem Regler so hell, dass man geblendet ist und nicht erkennen kann, ob im Feuerbett vielleicht ein Loch ist oder vorn mal wieder ein paar Schaufeln hin müssen. Der Schirm war fast so dunkel wie ein Schweißschirm und hat uns so Erkenntnisse über den Feuerzustand ermöglicht. Später, mit wachsender Erfahrung hat man das Ding dann meist weggelassen und nach "Jefühl" gelöffelt.

Und noch ein paar Sätze zur Feueranfachung: ja, RB85 (muss das nicht eigentlich BR85 heißen?) das mit dem Venturiprinzip hast du völlig richtig erkannt!
Es geht so: der Abdampf von den Zylindern wird von einem düsenförmigen Blasrohr senkrecht nach oben in den Schornstein geblasen. Dadurch wird die umgebende Luft mitgerissen und es entsteht ein Unterdruck, der sich nur durch die Heiz- und Rauchrohre ausgleichen kann. Dabei wird Frischluft durch das Feuerbett gesaugt. Der Schornstein ragt noch ein ganzes Stück nach unten in die Rauchkammer (RK) und ist am unteren Ende "trompetenförmig" aufgeweitet, um den Dampfstrahl des Blasrohrs gewissermaßen einzufangen. Der Abstand des Blasrohres vom Schornsteinrand ist bei großen Kesseln erheblich (bis zu 1 m) und ermöglicht es, dazwischen noch einen korbförmigen, zweiteiligen Funkenfänger anzubringen, dessen Maschen die Rauchgase durchströmen müssen. Dabei prallen die mitgerissenen Flugascheteilchen ab und fallen auf den Boden der Rauchkammer. Dort müssen sie nach der Fahrt rausgeschaufelt werden. Diese Tätigkeit nennt man "Lösche ziehen". Damit der Rauchkammerboden durch die Flugasche nicht anfängt zu glühen, hat der Heizer die Möglichkeit über ein quer in der RK verlaufendes, mit Bohrungen versehenes Rohr Wasser einzuspritzen, das bei laufender Speise- oder Strahlpumpe abgezweigt wird.

Bei geschlossenem Regler, wenn der Saugzug durch das Blasrohr fehlt, kann der Heizer den Hilfsbläser, kurz Bläser, öffnen. Der bekommt Frischdampf über ein Ventil und besteht im Prinzip aus einem ringförmigen Rohr, das um den Blasrohrkopf herum liegt. Es hat rund 20 kleine Bohrungen, die nach oben zeigen und damit ebenfalls, wenn auch mit geringerer Wirkung, einen Unterdruck durch die ausströmenden Dampfstrahlen nach dem Venturi-Prinzip erzeugen. Eine ausreichende Feueranfachung ist übrigens nur möglich, wenn der Dampfstrahl, egal ob vom Blasrohr oder vom Bläser, den Schornsteinkegel vollständig ausfüllt. Ein schief stehendes oder nicht genau zentriertes Blasrohr führt zu Dampfmangel. Ebenso ein zugesetzter Funkenfänger, aber das ist ein anderes Thema!
Wichtig ist auch, dass sich der Unterdruck nicht durch Nebenluftwege ausgleichen kann, zum Beispiel durch undichte Rohrdurchführungen oder eine undichte Rauchkammertür! Diese muss daher immer mit Zentralverschluss und/oder Vorreibern sorgfältig verschlossen werden.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu komplex... :o

Gruß Holgi (8 Jahre Musbahnheizer, 14 Jahre Musbahn-Lokführer)



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:21:22:50:23.

Re: Fragen zur Dampfloktechnik - Bläserarten

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 21.07.12 22:45

Hilfsbläser findet man in der Rauchkammer, sitzt oberhalb des Blasrohres um dessen Rand und erzeugt im Stand einen künstlichen Unterdruck in dieser, wodurch auch ein Unterdruck in der Feuerbüchse entsteht und dadurch wird Luft über die Luftklappen angesaugt. Dieser Luftzug sorgt dann dafür das das Feuer angefacht wird.

Die Dampfbläsereinrichtung dient zum Reinigen der Rohrwand und der Verbrennungskammer der Lokomotivkessel von Flugasche und Ansätzen. Dem Lokomotivpersonal ist dadurch ein Mittel in die Hand gegeben, die hochwertigen Heizflächen der Lokomotiven auch während der Fahrt sauber zu halten, eine gute Wärmeübertragung des Brennstoffes an das zu verdampfende Wasser zu erzielen und Dampfmangel wegen zugesetzter Rohre zu vermeiden. Ferner erübrigt sich bei Langläufen die zwischenzeitliche Rohrbehandlung der Lokomotiven durch das örtliche Personal.
Der Düsensatz des Dampfbläsers ist durch einen Durchbruch durch Feuerbüchs- und Stehkesselwand oberhalb der Feuertüre eingebaut, es werden durch ihn intensive Dampfstrahlen auf die zu reinigende Heizfläche geblasen. Die Düsen sind so verteilt, dass die gesamte Rohrwand, sowie Teile der Feuerbüchsdecke und der Feuerbüchsseitenwände angestrahlt werden.
Zum Erzielen einer möglichst sauberen Heizfläche der Lokomotive genügt es normalerweise wenn während der Fahrt alle 60 bis 90 Minuten mit dem Dampfbläser jeweils 10 Sekunden lang mit dem oberen Düsensatz und mit dem unteren Düsensatz geblasen wird.

Diese Blendschirme liegen auch noch irgendwo hier rum, inclusive der damals dienstlich zugeteilten Streichhölzer.

http://img204.imageshack.us/img204/3984/diensthlzer.jpg

MfG

Edith:
eine etwas detailliertere Erklärung zum Dampfbläser



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:22:22:33:44.
Blendschirme: >>Sie dienen nicht eigentlich zum Absorbieren von IR-Strahlung, sondern zum Erkennen der Feuerlage bei Lastfahrt.<<

Das Eine schließt das Andere ja nicht aus. Schon mal was von Feuerstar oder auch Glasbläserstar gehört? Wer beruflich (Heizer) da reingucken muß, sollte seine Augen schützen.
Grüße
Ulrich
Seiten: 1 2 All Angemeldet: -