Hallo Benedikt,
als Zwangzuwanderer aus den neuen Ländern interessiere ich mich eigentlich nicht so für Dinge der Eisenbahn auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Bundesbahn , aber dennoch ließ mir es mir keine Ruhe und ich habe mir weitere Gedanken zum Thema gemacht.
Anfangs hatte ich zwei Ideen für die Existenz dieser Anlagen. Erstere habe ich aber recht schnell wieder verworfen , weil zu viele Unstimmigkeiten auftraten. Für mich kam da ein eventueller Zusammenhang mit dem Bau der Autobahn oder des Flughafens in Betracht. Dafür sprach eigentlich nur eine Tatsache: nämlich eine Beschleunigung des Baus durch die Möglichkeit eines schnellen und massenweisen Antransport der Baumaterialien. Dagegen sprach aber: bei vielen ähnlich Projekten wurden dazu meist nur Schmalspurbahnen / Feldbahnen errichtet die im Unterhalt auch viel günstiger waren. Weiterhin , und auch sehr gravierend , spricht dagegen die Lage der Behandlungsanlagen "hinter" zwei Staatsbahnstrecken. Das ergäbe ja nun garkeinen erkennbaren Sinn. >>> also schnell verworfen !
Nächste Idee eine ehemalige Privatbahn. Aber wohin sollte man von dort aus denn gefahren sein ? Also studierte ich deine Seite nochmal in Ruhe > da machte es KLICK ! Mir fielen Ähnlichkeiten zu diesen beiden Beispielen auf: [
de.wikipedia.org] ; [
de.wikipedia.org]
Auf deiner Seite steht folgendes ( ich zitiere dich mal in fetter Schrift ):"
Zwar verfügte die Stadt mit dem Main-Neckar-Bahnhof bereits über eine Anbindung an das Schienennetz, dessen Lage im Westen der Stadt war für die Isenburger Betriebe jedoch sehr ungünstig. Vor diesem Hintergrund und nach Verhandlungen zwischen Stadt und der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft, entschied man sich für den Bau einer 2,56 km langen Güterstrecke vom Bahnhof Neu-Isenburg zum neu errichteten Bahnhof Neu-Isenburg (Stadt). Der Betrieb konnte am 1. April 1903 aufgenommen werden ". diese Tatsache stimmt schon mal eindeutig mit meinen aufgeführten Beispielen überein - Länge und Spurweiten der jeweiligen Bahnen lassen wir mal außen vor. Bei deinen gezeigten Relikten und der auf deiner Seite erwähnten und gebauten Güterstrecke handelte es sich um Regelspuranlagen. Auch die Lage der Lokbehandlungsanlagen kann günstiger nicht sein.
"
...darüber hinaus zweigten ursprünglich mehrere private Firmen-Gleisanschlüsse... " > wieder Übereinstimmungen mit meinen Beispielen.
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...allerdings wurde die Teil der Strecke bereits in den 60er Jahren wieder zurückgebaut." > hier würde ich vermuten , das durch die Wirtschaftswunderzeit der 1950/1960-er Jahre die Unternehmen unabhängiger werden wollten und den Transport ihrer Güter auf die Straße verlagerten. Das brachte eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber der Bahn und deren Zustellzeiten und bestimmt auch eine gewisse Kostenersparnis mit sich.
"
...Im Jahr 2003 und damit genau 100 Jahre nach Aufname des Betriebs wurde die Bedienung des letzten genutzten Gleisanschluss - den der BfB Verwertungsstelle - eingestellt..." > einer muß ja immer der Letzte sein :-).
Vermutlich hat sich die Private Bahngesellschaft die alle Anschlüsse an der ursprünglichen Güterstrecke bedient hat Anfang der 1960-er Jahre dann aufgelöst weil kein rentabler Betrieb mehr möglich war. Das Überbleibsel BfB bediente dann die Bundesbahn mit oder die BfB brachte ihre Wagen mit eigenen Loks zum Staatsbahnbahnhof.
In meiner Heimatstadt Lu.-Wittenberg gibt es auch eine Niederlassung der BfB ( gleich gegenüber vom EG der Staatsbahn ). Die Wagen wurden von Rangierloks der DR bis in die Wagenübergabestelle ( Wüst ) gebracht und dann mit den eigenen ( feuerlosen ) Werkloks innerbetrieblich weiter rangiert.
Eines der von mir aufgeführten Bahn-Beispiele ist dann später verstaatlicht worden , das andere blieb Privatunternehmen > daran muß man sich nicht festhalten. Es war halt so in der DDR. In der alten Bundesrepublik ( gemeint ist der Staat in der Zeit von 1949 bis 1990 ) war es durch die Markwirtschaft ein ganz anderes Wirtschaftsgefüge > es gab viel mehr private Unternehmen. In der ehemaligen DDR dagegen wurde vieles , wenn auch nicht alles , verstaatlicht.
Ein Bekannter von mir hat mal bei der Vermessung gearbeitet und kam eines Tages mal mit einem sehr interessantem Meßtischblatt an. Dieses stammte aus den 1930-er Jahren und zeigte meine Heimatstadt Lu.-Wittenberg und deren nähere Umgebung. Es gab bei uns mal ein großes Munitionswerk ( WASAG Reinsdorf ) in der Nähe. Dieses besaß auch einen eigenen Gleisanschluß. Auf dieser Karte waren das Streckengleis und die Anschlußgleise ( alle ? ) verzeichnet. Eine solche Karte solltest du dir mal besorgen > einfach mal beim zuständigen Landesvermessungsamt anfragen. Je nach Maßstab sind auch zugehörige Gebäude verzeichnet. Du solltest nochmal intensiver vor Ort nachsehen ob nicht noch Gebäudereste zu finden sind. Meist gehörten doch zu einer solchen Anlage doch auch ein Lokschuppen , Neben- und Sozialgebäude. Wenn schon die Gruben und andere Relikte noch heute erkennbar bzw. vorhanden sind hat man garantiert auch eventuell vorhandene Gebäude nur grob entfernt.
Wie schon jemand anderes hier in einer Antwort formuliert hat kann man ältere Anwohner befragen. Das mache ich auch so bei meinen Streckenwanderungen. Da kommt auch einiges zu Tage. Vielleicht ist dann auch jemand dabei der das Geschehen von damals noch sehr gut ( aus eigenem Erleben ) in Erinnerung hat. Vielleicht taucht dann schon ein Name einer Bahngesellschaft dabei auf die damals dort "ihr Unwesen" trieb. Falls nicht , dann würde ich die Betriebe die damals an diese Güterbahn angeschlossen und bedient wurden befragen. Größere Betriebe haben meist ein Firmenarchiv. In diesen Archiven müßte auf alle Fälle was zu finden sein. Ebenfalls hilfreich wären noch Ortschronisten.
Das wären so die Erfahreungen die ich dazu weitergeben kann.
Eine Bw-Außenstelle , wie ich es zuerst als Gedanke angebracht habe , ist dann hinfällig. Die Nähe zu den nächt größeren Bw´s in Darmstadt oder Frankfurt würde dies kaum rechtfertigen - beide lägen ja nur gut 10 - 15 km von dieser Anlage entfernt.
Ein Ausweich-Bw als Schutz der Lokomotiven vor Angriffen auf die "richtigen" Bw´s wäre zwar auch eine Möglichkeit. Aber von solchen Dingen habe ich ehrlichgesagt vorher noch nie gehört. Möglich wäre es aber schon , Klar. Aber mir kommen die jetzt noch vorhandenen Relikte etwas zu neu vor.
Zu den beiden Wasserbecken:
vielleicht gab es in dieser Anlage keinen Wasserturm und diese Becken dienten der Wasserspeicherung. Bei Bedarf wurde das Wasser mittels Pumpen über einen Wasserkran in die Lok gepumpt.
Weiterhin sind Feuerlöschteiche möglich. Bei uns in Lu.-Wittenberg gab es innerhalb des Stadtteils Friedrichstadt schon allein mindestens drei. Da es sich aber scheinbar nur um eine Bahnanlage handelte , scheint mir das eher unwahrscheinlich und erstere Version möglicher. Aber vielleicht sind die Teiche / der Teich erst nach Aufgabe des Geländes durch die Bahn entstanden ? Das würden die obern erwähnten Meßtischblätter zeigen.
Gruß
Thomas