Hallo interessiert Eisenbahnfreunde,
1993 ging es im Urlaub an die Schlei, eine tiefe Bucht an der Ostsee. Übrigens eine ganz vorzügliche Gegend für einen ruhigen Urlaub und vor allem zum
Radfahren. Auch aus eisenbahntechnischer Sicht war Schleswig-Holstein eine gute Wahl, war der Eisenbahnbetrieb dort doch ein wenig zurückgeblieben.
Der elektrische Betrieb endete in Hamburg, und von den größeren Stationen besaßen nur Elmshorn (Estw seit 1992), Rendsburg (SpDrL60 seit 1983),
Schleswig (SpDrL60 seit 1986) sowie Puttgarden mit der Fernsteuerstrecke nach Lübeck moderne Stellwerke. In Lübeck, Kiel, Neumünster und Flensburg standen
noch mechanische und elektromechanische Stellwerke. Da wäre noch genug Material für ein paar Beiträge ... Hier geht es aber zunächst um Flensburg und Umgebung sowie
die Blockstelle Schleibrücke.
Zunächst eine Übersicht über die etwas verknoteten Bahnanlagen um Flensburg
und ein alter Plan des Flensburger Bahnhofs:
Im Bahnhof selbst befanden sich die Stellwerke Fo und Fw. Der Fahrdienstleiter
saß auf dem Reiterstellwerk Fo:
Auf Fo befand sich ein elektromechanisches AEG-Stellwerk:
Hier ein paar Nahaufnahmen der Fahrstraßen- und Signalhebel:
Im Gegensatz zu den E43-Hebelwerken waren hier noch Fahrstraßenhebel und Signalhebel getrennt. Es gab auf Fo 4 (rote) Signalhebel: F für die Einfahrt
von Abzw Friedensweg, K für die Einfahrt von Husby und 2 Hebel für die Ausfahrsignale N5 bis N10 für die Ausfahrt nach Husby bzw für die Ausfahrt nach
Abzw Friedensweg. Bei einer Ausfahrt wurde mit dem Fahrstraßenhebel die gewünschte Fahrstraße festgelegt und mit dem Signalhebel dann das entsprechende
Ausfahrsignal auf Fahrt gestellt. Die Befehlsabgabe an Fw erfolgte auch mit grünen Hebeln.
Aus dem Lageplan geht hervor, dass an allen Zugfahrten die beiden Stellwerke sowie ein Aufsichtsbeamter am Bahnsteig mitwirken mussten. Die
Zustimmungsabhängigkeiten dazu befanden sich in den Hebelwerksaufbauten. Im Hintergrund ein E43-Weichenhebelwerk für die Weichen des Bw, die nicht in die
Fahrstraßenabhängigkeiten eingebunden waren.
Auffällig auch: im Gegensatz zu E43 befand sich das Verschlußregister mit den Fahrstraßenschubstangen auf der Rückseite des Hebelwerkes.
Für die Strecke von und nach Abzw Friedensweg war Felderblock installiert. Einen Streckenblock für die Strecke von und nach Husby kann ich aber nirgends
entdecken. Die Strecke war so häufig frequentiert, dass dort eigentlich auch ein Streckenblock hätte eingebaut sein müssen. Vielleicht kann da ja jemand
aus dem Forum etwas zu sagen.
Hier fährt ein Triebwagen als Rangierfahrt ins Bw. Am Signal N5 ist ein Wartezeichen (Signal Ra11: Der Auftrag des Wärters zur Rangierfahrt ist abzuwarten)
angebracht. Der Fdl auf Fo gibt diesen Auftrag mit dem Lichtsignals Sh1. Rechts im Hintergrund die Strecke nach Kiel mit dem Einfahrsignal K.
Nun zu Stellwerk Fw:
Auch hier ein AEG-Hebelwerk:
die Detailansicht der Hebel:
Fo und Fw stammen aus dem Jahr 1926 und dürften die letzten AEG-Stellwerke im Bereich der alten DB gewesen sein. Besonders zahlreich war diese Bauart sowieso
nicht vertreten, in der Literatur wird für 1970 für den Bereich der ehemaligen DB ein Bestand von 18 Stellwerken dieser Bauart angegeben. Frage ans Forum:
Wo standen weiter Stellwerke dieser Bauart?
Fo und Fw wurden jdenfalls 1995 außer Betrieb genommen und durch das EStw Ff in Flensburg-Weiche ersetzt.
Weiter zum Verzeigungbahnhof Flensburg-Weiche. Dort befand sich unter anderem das markante Fdl-Stellwerk Wo:
Wo war ein mechanisches Stellwerk der Bauart Weinitschke. Hier die Hebelbank mit dem Blockkasten:
Flensburg-Weiche war zu diesm Zeitpunkt (1994) schon weitgehend zurückgebaut.Es wurden nur noch wenige Gleise befahren und die meisten Hebel und Blockfelder
waren schon außer Betrieb. Hier aber noch ein Lageplan von Flensburg-Weiche aus der Zeit vor dem Rückbau:
Ein weiterer Fdl befand sich auf Wa, während Wm ein Wärterstellwerk war. Von diesen beiden Stellwerken habe ich leider keine Fotos. Vielleicht kann da ja
jemand aus dem Forum nachbessern.
Wo ging nach den Unterlagen auf dem Stellwerk am 15.12.1927 in Betrieb.
In Richtung Norden befindet sich dann die Abzw Friedensweg:
Hier ein Blick auf die Hebelbank:
Die Weichen der Abzw Friedensweg wurden bereits elektrisch mit einem Dr-Anschluß bedient:
wobei die Fahrstraßenabhängigkeit mit den blauen Riegelhebeln auf der Hebelbank hergestellt wurde.
Hier noch ein Blick auf die Bahnanlagen der Abzw Friedensweg:
Hier ein Zug aus Dänemark auf der Fahrt nach Flensburg:
Etwas ungewöhnlich war die Signalisierung: Von Dänemark kommend zweigte man am Friedensweg auf Signal Hp1 in Richtung Flensburg ab, auf Signal Hp2 fuhr man
geradeaus nach Flensburg-Weiche.
Zum Abschluß dann die Blockstelle Schleibrücke auf der Strecke von Flensburg nach Kiel. Die Blockstelle sicherte die bewegliche Schleibrücke bei Lindaunis. Hier ein
Bild der Blockstelle mit der hochgeklappten Brücke:
Die Blockstelle wurde elektromechanisch bedient:
Hier ein Blick aus dem Stellwerk über die Klappbrücke:
und ein Foto von der anderen Seite:
In der Grundstellung war die Brücke heruntergeklappt und für den Straßenverkehr freigeben. Dabei konnte die Brücke nur in jeweils einer Richtung befahren
werden und der Fdl und sein Kollege am Schrankenbaum auf der anderen Seite mussten sich über eine Wechselsprechanlage verständigen, welche Richtung
freigeben wurde. Dabei wurde der Verkehr mit den Schrankenbäumen geregelt. Hatte z.B der Fdl seine Schranke geöffnet, so schloß der Wärter auf der anderen
Seite seine Schranke halb, so dass von seiner Seite kein Auto die Brücke befahren konnte, die Autos von der anderen Seite die Brücke aber verlassen
konnten. Damals (1993) war der Straßenverkehr bereits so stark, dass der Fdl und sein Kollege eigentlich ständig am Kurbeln waren. 1996 war dort dann auch
bereits eine Ampelanlage eingebaut.
Kündigte sich ein Zug an, so schlossen Fdl und Wärter beide ihre Schranken und verschloßen sie. Für die Schranke des Wärters war dafür das Blockfeld "Schranke Wb" da.
Erst dann ließ sich eines der beiden Signale auf Fahrt stellen. Auf dem Foto sieht man auch den Felderblock von und nach Süderbrarup, während der Streckenblock von und
nach Eckernförde rechts oben im Hebelwerksaufbau eingebaut ist. Etwas merkwürdig ist, dass sowohl von und nach Süderbrarup und von und nach Eckernförde ein Erlaubnisfeld
eingebaut ist. Eigentlich sollte die Erlaubnis doch direkt zwischen Süderbrarup und Eckernförde hin und hergegeben werden. Aber vielleicht kann ja jemand aus dem
Forum etwas mehr zum Streckenblock bei Blockstellen an eingleisigen Strecken sagen.
Einmal jede Stunde wurde die Brücke für ca 10 Minuten hochgeklappt. Dabei mussten natürlich auch die Schranken geschlossen und verschlossen werden. Mit den beiden blauen
Weichenhebeln wurde erst die Brücke entriegelt und dann das Schaltpult für die Brücke freigeben. Die Signale waren dann verschlossen und die Brücke ließ sich
hochklappen.
Soviel zu diesen Stellwerken aus dem hohen Norden. Eine Fortsetzung mit den alten Stellwerken aus Freiburg und Umgebung folgt demnächst in diesem Forum.
Gruß von Kay
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:02:24:22:43:55.