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 04 - Historisches Forum 

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Hallo liebe Hi-Fo-Gemeinde,

heute nun der 2. Teil der Serie über die Gleispläne der ehemals an Alzey angegliederten Betriebsstellen.

Zunächst der Link zum Teil 1:

Gleispläne HDst Alzey Teil 1 – Die Hauptbahnen [www.drehscheibe-foren.de]

Wiederum bin ich Volker Blees herzlichst dankbar, der sein Fotoarchiv geöffnet und beeindruckende Aufnahmen eines Bahnbetriebs beigesteuert hat, wie es ihn heute nicht mehr gibt. Ebenso gilt mein Dank Michael Porzberg, der interessante Scans zum Güterverkehr rund um Alzey zur Verfügung stellte.

Im heutigen Teil betrachten wir uns die westlich der Hauptstrecke Worms – Bingen gelegenen Nebenbahnen.
Beginnen möchte ich mit einer eigentlich nur von wenigen Fans beachteten, aber sehr reizvollen Strecke, der Nebenbahn Armsheim - Wendelsheim. In Betrieb ging zunächst am letzten Tag des Jahres 1871 der Abschnitt von Armsheim nach Flonheim, erst am 1. Juli 1895 folgte die restliche Etappe bis Wendelsheim. Eine Verlängerung bis nach Wöllstein an der Strecke Sprendlingen – Fürfeld war offenbar angedacht, wurde aber nie realisiert.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/zwbornheimund1xygef5ia2.jpg
Bild 1
Mit vier Td-Selbstentladern im Schlepp hat 212 354-5 vom Bw Darmstadt vor wenigen Minuten Armsheim verlassen und wurde vor der Ortskulisse von Bornheim und den Höhenzügen des Rheinhessischen Hügellandes abgelichtet.

Die Bahnlinie lebte zunächst vom Transport von Sandsteinen aus der Umgegend von Flonheim, später konzentrierte sich der Wagenladungsverkehr hauptsächlich auf landwirtschaftliche Erzeugnisse, Dünger, Brennstoffe, Rundholz und ab und an militärische Güter.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/bornheim26dceqrsmw.jpg
Bild 2
Mit einer Rübergabe aus Wendelsheim passiert 212 219-0 hier die ehemalige Betriebsstelle Bornheim, die schon um 1980 herum aufgegeben wurde.

Der Personenverkehr wurde bereits zum Winterfahrplan 1966 am 24. September eingestellt, aus technischen Gründen erfolgte die Vollsperrung der Strecke im Spätsommer 1992. Offiziell wurde sie am 1. Januar 1995 stillgelegt.
Auf der Strecke fand Zugleitbetrieb statt, Zugleiter war der Fdl Armsheim. Für die Betriebsstellen war ein Zugführerschlüssel und Daum’sche Sperren vorhanden.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/zwbornheimundveqdf453jp.jpg
Bild 3
Was tun, wenn eine Betriebsstelle nur ein einseitig angebundenes Ladegleis besitzt und man keine Lust hat, zum Umsetzen bis zum Endbahnhof zu fahren? Ganz einfach: Man schiebt! Hier zuckelt 212 365-1 mit ihrem geschobenen Fc durch die Rheinhessische Schweiz nahe Bornheim.

Die Pläne stammen alle vom August 1993, als die Strecke schon knapp ein Jahr nicht mehr befahren wurde, die beiden Betriebsstellen sich aber noch in unangetastetem Zustand befanden. Die Pläne sind jeweils nach rechts Richtung Armsheim ausgerichtet.

Anst Flonheim (km 5,3)

Flonheim, einst besetzter Bahnhof mit Stellwerk, befand sich 1993 in folgendem Zustand:

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/flonheimt8kuqiybsd.jpg

Bis Ende der 1980er Jahre war eine weitere, westlich gelegene Gleisverbindung vom Ladegleis zum Streckengleis vorhanden, welche eine beidseitige Bedienung des Ladegleises ermöglichte. Danach konnte Flonheim nur noch bei der Rückfahrt von Wendelsheim oder eben, wie oben gesehen, geschoben aus Richtung Armsheim bedient werden. Brennstoffe und Zuckerrüben waren in den letzten Jahren die wichtigsten beförderten Güter.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/flonheimanschlxikgqhrp29.jpg
Bild 4
212 365-1 hat nunmehr die Anst Flonheim erreicht und schiebt ihre Fuhre nun in ein Privatanschlussgleis. Auf dem Ladegleis warten mehrere E-Wagen auf die kommende Rübensaision. Bemerkenswert auch der freistehende Güterschuppen im Miniaturformat.

Auszug aus der Streckenliste der BD Frankfurt (Sommer 1986):

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/strlflonheimz67tfqs9pa.jpg

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/flonheimanschlel9ndv0uro.jpg
Bild 5
212 365-1 im verschwindet im Anschlussgleis.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/flonheimortskue1pzacu4tb.jpg
Bild 6
Eine unbekannte 212 passiert als Lz Flonheim mit seiner 1885 erbauten, neugotischen Pfarrkirche.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/zwwendelsheimsyiw6f19xq.jpg
Bild 7
Mit der schönste Abschnitt der Strecke war der Verlauf im Wiesbachtal zwischen der Geistermühle und Wendelsheim. Mit Rüben im Schlepptau hat 212 122-6 vor kurzem den Bahnhof Wendelsheim verlassen und wird sogleich eine Brücke über den Wiesbach passieren.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/zwwendelsheimo837v4ti1z.jpg
Bild 8
Der schon aus Bild 2 bekannte Rübenzug mit 212 219-0 in der rheinhessischen Schweiz zwischen Wendelsheim und der Geistermühle.

Bf Wendelsheim (km 9,3)

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/einfahrtwendelkid9bnr07h.jpg
Bild 9
212 219-0 trifft mit leeren Rübenwagen im Bahnhof Wendelsheim ein. Im Vordergrund ist die in der Streckenliste erwähnte Einschalttaste für die Blinklichtanlage zu erkennen.

Nunmehr ist auch schon der Bf Wendelsheim erreicht, dessen Gleisanlagen sich 1993 folgendermassen präsentierten:

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/wendelsheimt47kuifepz.jpg

Bis Ende der 1980er Jahre war das nördliche Ladegleis noch zweiseitig angebunden, ansonsten waren die Bahnanlagen offenbar nie grösser verändert worden. Nachgewiesen ist ein Einfahrsignal, das wohl bis zur Einstellung des Personenverkehrs Bestand hatte.

Auszug aus der Streckenliste der BD Frankfurt (Sommer 1986):

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/strlwendelsheim8507vtseiw.jpg

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/wendelsheimosts52dghw6qk.jpg
Bild 10
Rüben! Rüben! Rüben! 212 122-6 betätigt sich mit Rangierarbeiten in Wendelsheim. Die links auf dem Hauptgleis stehenden Wagen wurden bereits vom Ladegleis abgezogen, auf dem nun gerade Nachschub bereitgestellt wird.

Im Sommer 1991 wurde der Güterverkehr nach Wendelsheim in folgender Form abgewickelt:

Üg 67215 B W(Sa) Armsheim 12.35 – Wendelsheim 12.55 Tfz 212
Üg 67216 B W(Sa) Wendelsheim 13.05 – Armsheim 13.25 Tfz 212


Auszug aus einer GZV des Jahres 1971:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/scanaw1g8nqcxrt6p.jpg

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/scanaw2wkpfgis1vr.jpg

Wendelsheim wurde vor Einführung des Knotenpunktsystems offenbar direkt von Mainz aus angefahren, wie sich aus diesen Unterlagen entnehmen lässt. Die Rückfahrt führte dann nach Alzey.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/wendelsheimladqspclg2o0b.jpg
Bild 11
212 354-5 hat mit dem schon auf Bild 1 gezeigten Üg den Endbahnhof erreicht und wird sich gleich ans Rangiergeschäft machen. An der südlichen Ladestrasse ist ein Fc mit Brennstoffen zur Entladung bereitgestellt. Das war noch vor 20 Jahren Eisenbahnalltag in der deutschen Provinz…

Den Güterverkehr in Wendelsheim prägten neben der in Rheinhessen allgegenwärtigen Rübe auch Getreide, Dünger, Brennstoffe, die Holzverladung und ab und an Militärgut. Selbst in den letzten Jahren war der Verkehr noch recht zufriedenstellend, wie mir durch örtliche Eisenbahner erzählt wurde.

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Bild 12
Eine Schienenbus-Sonderfahrt vor dem Backstein-Empfangsgebäude von Wendelsheim.

Nun zur nächsten Strecke, der Nebenbahn Alzey – Kirchheimbolanden. Die einstige, 1874 in zwei Etappen eröffnete und ursprünglich nach Marnheim führende Hauptbahn war bis zur Sprengung des Pfrimmviadukts 1945 Teil der Achse Mainz – Kaiserslautern. Nachdem der Viadukt über die Pfrimm nicht mehr aufgebaut wurde, reduzierte sich der Betrieb auf die Strecke Alzey – Kirchheimbolanden. Als eine der ersten Strecken der DB verlor sie schon am 20. Mai 1951 den Personenverkehr.


http://www.fotos-hochladen.net/uploads/zwwahlheimunn8h20es64c.jpg
Bild 13
Kurz vor Alzey befindet sich 212 360-2 auf der Rückfahrt von Kirchheimbolanden und passiert soeben einen technisch nicht gesicherten Bahnübergang. Mit dem G-Wagen gelangte Reisegepäck und Expressgut nach Kirchheimbolanden und zurück.

Der Güterverkehr konnte sich dank einiger treuer Kunden dagegen bis zum Jahresende 1994 halten. Im Personenverkehr erlebte die Strecke ab Sommer 1999 eine ungeahnte Renaissance: Dieser wurde nach fast 50jähriger Pause wiederaufgenommen und heute können die Fahrgäste mit modernen Triebwagen der Rhenus-Veniro die Strecke benutzen.
Die Strecke wurde bis zur Einstellung des Güterverkehrs im Zugleitverfahren betrieben, Zugleiter war der Fdl Alzey, mittels Zugführerschlüssel und Daum’scher Sperren waren die Betriebsstellen gesichert.
Auch hier sind alle Pläne 1993 entstanden und rechts in Richtung Alzey ausgerichtet.

Anst Wahlheim (km 4,1)

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/wahlheimmitral4bzuq6fmg.jpg
Bild 14
212 038-4 erreicht mit einer langen Schlange Fc, die für den Anschluss der Nordpfälzischen Hartsteinwerke bestimmt sind, die Anst Wahlheim. Soeben musste der Rangierer die mechanische Schrankenanlage (vgl. die Streckenliste) bedienen und kehrt nun zur Lok zurück.

Der Gleisplan im Jahr 1993:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/wahlheim901x8lhuqn.jpg

Offenbar war in Richtung Alzey bis in die 1980er Jahre hinein noch ein Gleisstumpf vorhanden, der als Flankenschutz sowie Rampengleis diente. 1993 war er entfernt und durch eine Gleissperre ersetzt worden.
Neben der Rübenverladung spielte in Wahlheim lediglich die Landwirtschaft mit einem Lagerhaus eine Rolle.

Auszug aus der Streckenliste der BD Frankfurt (Sommer 1986):

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/strlwahlheim1dwfqzuhpv.jpg

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/wahlheimmitegegshyq0cm8.jpg
Bild 15
Mit dem schon auf Bild 13 gezeigten Üg passiert 212 360-2 gerade das ehemalige Empfangsgebäude von Wahlheim. Im Hintergrund gesunde Infrastruktur der Eisenbahn im ländlichen Raum vor 20-25 Jahren: Ladegleis, Lagerhaus, Rübenverladeanlage und E-Wagen für die süsse Fracht.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/wahlheimladestpckghsw1df.jpg
Bild 16
Blick auf den westlichen Kopf der Anst Wahlheim mit der Ladestrasse und Schuppen für die Rübenverladeanlage. Eine 212 passiert mit ihrer Übergabe nach Alzey die Betriebsstelle und hat neben drei Schotter-Fc auch einen mit Altpapier beladenen Rils aus Morschheim im Schlepp.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/framersheim24c9w7a3s5.jpg
Bild 17
Auf der Hinfahrt nach Kirchheimbolanden nahe Freimersheim. Darsteller 212 360-2, ein Hbis für die Altpapierverladung in Morschheim, der erst mit in den Endbahnhof reisen durfte sowie der G für Reisegepäck und Expressgut.

Anst Morschheim (km 24,5)

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/morschheimeinf0f4dockslw.jpg
Bild 18
Der eben gezeigte Üg bei der Einfahrt in die Anst Morschheim.

Recht umfangreiche Gleisanlagen wies die Anst Morschheim auch noch im Jahr 1993 auf:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/morschheim6b8ysz4dah.jpg

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/morschheimmita67qm4fhky.jpg
Bild 19
212 360-2 hat auf der Rückfahrt von Kirchheimbolanden gerade mit den zwei schon bekannten Anhängseln Morschheim erreicht. Da das Umsetzgleis mit E-Wagen für die Rübenverladung belegt war und der Altpapierhändler ohne Umfahren nur aus Richtung Kirchheimbolanden bedient werden konnte, wurde der Hbis einfach mit in den Endbahnhof gezogen und auf der Rückfahrt bereitgestellt.

Auszug aus der Streckenliste der BD Frankfurt (Sommer 1986):

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/strlmorschheim9zybl2k04i.jpg

Aufmerksame Mitleser werden es schon bemerkt haben, vor Morschheim hat die Kilometrierung gewechselt. Km 0,0/25,7 befand sich an der ehemaligen pfälzisch/hessischen Grenze zwischen Freimersheim und Morschheim.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/rangierenostkoyak3phimts.jpg
Bild 20
Gerade eben hat 212 360-2 den Hbis zur Beladung mit Altpapier bereitgestellt. Nun werden durch den Rangierer die Gleissperre wieder aufgelegt und die Weiche wieder in Grundstellung gebracht und anschliessend verschlossen.

Morschheim hatte im Güterverkehr einige Bedeutung. Am nördlichen Ladegleis gab es einen Altpapierhändler, der regelmässig für Fracht sorgte. Neben Zuckerrüben gelangte von hier aus auch Getreide auf die Reise, wozu extra ein Silo mit Verladeanlage vorhanden war.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/morschheimblicbek89dxczv.jpg
Bild 21
Mit dem schon aus Bild 16 bekannten Üg von Kirchheimbolanden nach Alzey steht eine 212 in Morschheim. Der im Hintergrund an der Altpapierverladung stehende, noch halb geöffnete Rils wird sogleich durch den leeren, hinter der Lok laufenden ausgewechselt werden.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/zwkiboundmoru1xndh7yli.jpg
Bild 22
Mit dem gerade gezeigten Üg brummt eine 212 zwischen Kirchheimbolanden und Morschheim durch die ehemalige bayerische Rheinpfalz.

Anst Nordpfälzische Hartsteinwerke und Ballotini Europe (km 21,0)

Am Stadtrand von Kirchheimbolanden lagen die beiden Anschlusstellen Nordpfälzische Hartsteinwerke sowie Ballotini Europe. Erstere hatte dabei besondere Bedeutung, waren doch die von hier aus verschickten Schotterladungen ein wichtiges Rückgrat des Güterverkehrsaufkommen dieser Strecke.

Der Gleisplan der beiden Anschlusstellen im Jahr 1993:

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/hartsteinwerkersqpng8ved.jpg

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/kibohartsteinwphzna7wxq8.jpg
Bild 23
Mit dem schon mehrmals gezeigten Üg ist 212 360-2 gerade in Kirchheimbolanden aufgebrochen und passiert die Verladeanlagen der Nordpfälzischen Hartsteinwerke mit ihrer Deutz-Werklok.

Auszug aus der Streckenliste der BD Frankfurt (Sommer 1986):

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/strlhartsteinwe6n9eaobwmh.jpg

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/strlballotini1hmylds84w.jpg

Während die Hartsteinwerke mehrmals wöchentlich bedient wurden und sogar über eine eigene Werklok verfügten (Deutz Typ OMZ 122 R aus dem Jahr 1938, Fabriknummer 23180, was ist aus der Lok geworden???), waren Ladungen für den Glaswarenhersteller Ballotini eher selten.

Bf Kirchheimbolanden (km 20,4)

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/sonderfahrtkib4dmup8bl3k.jpg
Bild 24
Eine Schienenbus-Sonderfahrt im Bahnhof Kirchheimbolanden.

Kirchheimbolanden, ehemals Residenzstadt derer von Nassau-Weilburg mit mittelalterlicher Stadtbefestigung und sehenswerter Schlosskirche, auf deren Orgel Mozart 1778 als 22jähriger spielte, war noch bis Anfang 1989 verkehrlich besetzter Bahnhof mit Fahrkartenausgabe sowie Gepäck- und Expressgutabfertigung. Da Gepäck- und Expressgut per Schiene angeliefert wurden, führte das Üg-Paar bis 1989 stets einen G-Wagen für diesen Zweck mit und verkehrte auch dann, wenn sonst keine Fracht anfiel.

Der kuriose Gleisplan im Jahr 1993:

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/kirchheimbolandw47ughdfiy.jpg

Interessant, Hauptgleis ist nicht etwa das durchgehende, sondern das vom Streckengleis abzweigende. Vermutlich um sich mehrere verschlüsselte Weichen und Gleissperren zu sparen, kam es zu dieser kuriosen Situtation.

Auszug aus der Streckenliste der BD Frankfurt (Sommer 1986):

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/strlkirchheimbo3l284ag07r.jpg

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/kiboegdl8yqsuh1i.jpg
Bild 25
212 360-2 vor dem recht ansehnlichen Empfangsgebäude von Kirchheimbolanden. Die Lok umfährt gerade ihre beiden in den Endbahnhof mitgebrachten Anhängsel. Rangierer in Schwarz und mit Schildmütze, lang ists her…

Im Sommer 1991 wurde der Güterverkehr der Strecke in folgender Form abgewickelt:

Üg 67210 W(Sa) Alzey 14.10 – Kirchheimbolanden 15.00 Tfz 212
Üg 67211 W(Sa) Kirchheimbolanden 15.15 – Alzey 15.48 Tfz 212


Bis 1989 verkehrte das Üg-Paar wegen der Gepäck- und Expressgutbeförderung noch in den Morgenstunden. Neben Brennstoffen und landwirtschaflichen Gütern spielte bis Mitte der 1980er Jahre auch die Zuckerrübenverladung in Kirchheimbolanden noch eine Rolle.

Auszug aus einer GZV des Jahres 1971:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/scanakxtkoe4zvy2.jpg

Seinerzeit gelangten auch noch reine Schotterzüge nach Kirchheimbolanden:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/scandstskiboz4tw25ayre.png

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/kiboumsetzennzp1mw34ix.jpg
Bild 26
Nun umfährt 212 360-2 über das kurios gelegene Gleis ihre beiden nunmehr allseits bekannten Begleiter und wird sich danach zur Rückfahrt nach Alzey aufmachen.

Ich hoffe, es hat ein wenig gefallen.

Viele Grüsse von Mark



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:09:06:18:26:52.
Moin,
nein der Beitrag hat nicht nur ein wenig gefallen. Er ist ein Highlight!

Gruß aus dem Norden Bremens

"Ich besinne mich, dass es ihm in der Schule immer so schwer ward, die Commata und Puncta recht zu setzen. Sieht er,(...), wo der Verstand halb aus ist, setzt Er ein Comma; wo er ganz aus ist, ein Punctum, und wo gar keiner ist, kann er setzen was Er will." (Matthias Claudius - 1774)

Re: Gleispläne HDst Alzey Teil 2 - Westliche Nebenbahnen (mit 26 B und 6 Plänen)

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 06.09.11 18:16

Viiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeeellllllllllllllllllleeeeeeeeeeeeen Dank!

bin schon gespannt, was Du noch aus Deinem Raritätenkabinett zauberst.

Nochmals Vielen Dank

Thorsten

Schotterwagen nach Kirchheimbolanden (2 Scan)

geschrieben von: Olaf Ott

Datum: 06.09.11 19:50

Guten Abend!

Danke für diesen fundierten Bericht.

Als kleinen Dank der Schotterzug aus dem Jahr 1972:





http://img26.imageshack.us/img26/2698/70397a.jpghttp://img638.imageshack.us/img638/7595/70397b.jpg


Viele Grüße!

Olaf Ott

Dankeschön für die Ergänzung! (o.w.T)

geschrieben von: Michael P

Datum: 06.09.11 20:04

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Traumhafter Bericht. Danke dafür. Auf die Fortsetzung bin ich ja mal gespannt...
Hallo,
tolle Bilder !
der Deutz Diesel ist nach wie vor in Kibo vorhanden !!!!


Hemmschuh

Bemerkenswert!

geschrieben von: Volker Blees

Datum: 06.09.11 22:53

Lieber Olaf,

herzlichen Dank für Dein Altpapier! Ohne Altpapiersammler wie Dich wüssten wir heute nur noch jedes Detail über Loks, aber nichts mehr von der betrieblichen Infrastruktur.

Was mir an dem Buchfahrplan auffällt:
- Büdesheim-Dromersheim ist noch Hst
- Wallertheim ist noch Bf
- Wahlheim ist falsch geschrieben
- Kirchheimbolanden ist noch Bf ohne 'u'?!?

Vor allem letzteres halte ich für bemerkenswert, denn trotz verkehrlicher Besetzung des Bahnhofs kann ich mir die Notwendigkeit einer betrieblichen Besetzung kaum vorstellen.

Grüße
Volker

Grüße
Volker
Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für die positiven Rückmeldungen.

Extra Dank an Olaf für den wirklich bemerkenswerten Buchfahrplanauszug. Und schon stellen sich Fragen: Wann wurde Kirchheimbolanden eigentlich seiner Stellwerke beraubt und wo befanden sich diese? Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass 1971 tatsächlich noch Zugmeldeverfahren auf der Strecke herrschte.

Eine kleine Ergänzung noch zum Gleisplan Kirchheimbolanden: Die Gleissperre an der östlichen Einfahrt gehört auf Gleis 1, nicht auf Gleis 2, da ist mir ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen und ohne diese Korrektur macht der Text keinen Sinn.

Viele Grüsse von Mark

Schöne Dokumentation! (owT) (o.w.T)

geschrieben von: haltepunkt

Datum: 07.09.11 18:17

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Re: Schöne Dokumentation! (owT)

geschrieben von: Lütgenbömmeler

Datum: 08.09.11 07:47

Hallo

also ich finde den Beitrag auch ganz große Klasse. Danke denen, die das möglich gemacht haben.

Etwas zu Dünger und Rüben

geschrieben von: D951

Datum: 08.09.11 08:37

Hallo Mark,

Herzlichen Dank und ein Dickes Kompliment für diesen Beitrag.
Ich habe mich um die gleiche Zeit wie Du mal dort umgesehen und die Stahmer-Stellwerke besichtigt,leider habe ich das kaum dokumentiert.

Bei aller Liebe zur Eisenbahn muß man den Güterverkehr aber nicht nur durch die romantische Brille sehen:Es ist wirlich viel praktischer,wenn der Lkw den Dünger in Big bags auf den Hof liefert,als wenn man das Zeug mit dem Traktor am Bahnhof abholen muß und dann vom Wagen in den Streuer laden muß und dann den Wagen peinlich sauberspritzen muß,weil man sonst beim rosten zusehen kann....
Und die Rüben werden heute auch anders geerntet,die kommen großenteils zuerst mal auf eine Miete,also spart man mit dem Lkw einmal umladen,das ist wichtig für die Qualität.

Gruß


Christian
Vielen Dank für diesen Beitrag!

Seit Juli 1997 wohne ich in Bornheim, ca. 50 m von der stillgelegten Strecke entfernt, direkt hinter dem großen Gebäude des Krughofs, wie er in Bild 1 hinter/oberhalb der 212 zu sehen ist.
Als zuspätgekommener freue ich mich umso mehr über diese Serie wie auch über den vorangegangenen Beitrag über das Alzeyer Netz.
Inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben, daß jemals wieder ein Zug die Strecke nach Wendelsheim befahren wird, obwohl dies mit Sicherheit durch viele Pendler begrüßt würde, die sich täglich per Pkw oder Bus durch Uffhofen - Flonheim in Richtung Armsheim quälen dürfen, um ihre Arbeitsplätzen in Mainz und darüber hinaus erreichen zu können...

Interessant in diesem Zusammenhang vielleicht, daß hier die Generalprobe für den Gleisumbauzug stattfand, dem die Strecke ihr Gleis auf Betonschwellen verdankt und wohl auch aufgrund dieses Umstandes bis heute nur wenige Verwerfungen aufweist. Alles ist, bis auf die Einführung nach Armsheim, noch komplett vorhanden; die Bahnübergänge wurden alle überteert. Allerdings ist natürlich alles sehr stark zugewachsen.

Ich darf noch anfügen, daß ich in meiner Anfangszeit bei der DB noch auf einem Stellwerk Dienst tat, das zum größeren Teil aus der Bauart Stahmer bestand: Dies war die Abzw. Darmstadt Nord, einst eine der größten Abzweigstellen in Deutschland. Der Stahmer-Stellwerksteil betraf die Güterzugstrecke DA-Kranichstein - Mz-Bischofsheim/DA Hbf/Da-Arheilgen, während die Personenzugstrecke DA Hbf - Aschaffenburg/DA-Ost mittel Einheitsstellwerk bedient wurde.
Ein Kuriosum, das aber meist klaglos funktionierte.

Beste Grüße aus Bornheim

Thomas Reitzel - [www.fotocommunity.de]
Hallo Thomas,

> Inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben, daß
> jemals wieder ein Zug die Strecke nach Wendelsheim
> befahren wird, obwohl dies mit Sicherheit durch
> viele Pendler begrüßt würde,

An dieser Stelle ist es vielleicht angebracht, Angelika Tröscher zu gedenken, die sich als engangierte Vorsitzende des Fördervereins Eistalbahn auch für die Reaktivierung der Strecke Armsheim - Wendelsheim. Bei einer Bürgerversammlung in Flonheim (?) vor etwa zehn Jahren (?) erlitt Sie nach einer flammenden Rede für den Erhalt der Strecke einen tödlichen Herzinfarkt.

> Interessant in diesem Zusammenhang vielleicht, daß
> hier die Generalprobe für den Gleisumbauzug
> stattfand, dem die Strecke ihr Gleis auf
> Betonschwellen verdankt

Nur nochmal, damit ich es wirklich verstanden habe: man hat, um einen neuen Gleisumbauzug zu erproben, wo er keinen Schaden anrichten kann und man Ruhe vor zu viel Bahnbetrieb hat, diese Strecke erneuert?

> Dies war die Abzw. Darmstadt
> Nord, einst eine der größten Abzweigstellen in
> Deutschland. Der Stahmer-Stellwerksteil betraf die
> Güterzugstrecke DA-Kranichstein -
> Mz-Bischofsheim/DA Hbf/Da-Arheilgen, während die
> Personenzugstrecke DA Hbf - Aschaffenburg/DA-Ost
> mittel Einheitsstellwerk bedient wurde.

Jetzt wirds ganz interessant: weißt Du etwas über die Geschichte dieser merkwürdigen Kombination? Im "Personenteil" von Darmstadt Nord dürften ursprünglich (1912) gar keine Weichen gelegen haben, eine Bk hätte da genügt. Erst als (in Folge des WK II?) die Odenwaldbahn im Abschnitt Hbf - Nord zurückgebaut wurde, wurden in Darmstadt Nord Weichen erforderlich. Ist das Einheitsstellwerk möglicherweise erst in diesem Zusammenhang entstanden?

Dank + Gruß
Volker
Nochmals hallo,

ja, natürlich weiß um den tragischen Tod dieser Dame, denn ich war an diesem Abend in Flonheim selbstverständlich anwesend und habe das Drama aus erster Hand mitbekommen. Die hat sich aber auch ereifert!

Nun, es hat alles nichts genützt, die Gemeinden haben kein Interesse bezeugt und ich darf als Außenstehender sagen, daß dies, vorsichtig ausgedrückt, in der natur des Menschenschlages hier liegt.

Du hast es im Übrigen völlig richtig verstanden - der Gleisumbauzug erlebte hier quasi seine Generalprobe, bevor er auf die Magistralen losgelassen wurde!
Und zur Stellwerkstechnik in DA Nord: Selbstverständlich hast Du recht: Die Odenwaldbahn und die Strecke nach Aschaffenburg verliefen ja früher völlig getrennt voneinander, so daß man nur von einem Haltepunkt DA Nord sprechen konnte, denn Weichenverbindungen gab es auf den Personenzuggleisen nicht, bis man auf die Idee kam, die Gleise der Odenwaldbahn erst hier aus der Strecke nach Aschaffenburg auszufädeln und damit einige Kilometer zweigleisger Strecke sparen und damit einhergehend, auch den Spurplan in Darmstadt Hbf geringfügig ändern konnte. Somit wurde das Einheitsstellwerk(Hebelbank für vier Weichen und drei Signale nebst Block) dem bereits vorhandenen Stahmer-Stellwerk hinzugefügt(besser: danebengestellt); das ansonsten äußerst primitive Stellwerksgebäude direkt unter der Straßenbrücke war dazu lang genug.
Der Dienst dort war nicht ohne - es waren sage und schreibe drei Zugmeldebücher zu führen und es konnten paralell drei Zugfahrten stattfinden. Wenn man alle mit einer Zugfahrt zusammenhängenden fahrdienstlichen Handlungen berücksichtigt, dann gab es dort zu gewissen Zeiten alle Hände voll zu tun und man mußte vor allem den Überblick behalten! Die Gefahr einer Fehlleitung eines Zuges aus Richtung DA-Kranichstein war allerdings fast ausgeschlossen, da in Richtung DA Hbf oder DA-Arheilgen die Züge ja wegen der eingleisigen Strecke angeboten werden mußten. Umgekehrt hätte man allerdings einen Zug in die gemannte Richtung aber einfach mal "gradeaus" fahren lassen können... ist aber so gut wie nie vorgekommen und wenn, dann beruhte es auf einer fehlerhaften Zugmeldung vom Fdl Kranichstein, von der man ja abhängig war, was die richtige Einstellung der Fahrstraße anging. Die Zufahrt ins Werksgeände der Fa. Merck war übrigens auch signalmäßig geregelt.

Nun, soviel noch zur Guten Nacht - bei weiteren Fragen - bittesehr!

Gruß

Tom
Kleine Berichtigung: Es konnten selbstverständlich gleichzeitig vier Zugfahrten sattfinden!

Äußerst informativer Beitrag, ...

geschrieben von: rolf koestner

Datum: 15.09.11 12:34

...der mir eine relativ unbekannte Bahnlandschaft plastisch näher bringt. Dazu schön bebildert, was will man mehr... ?


Bis neulich

Rolf Köstner

Liebe Leser und Bilderangucker, ich denke, dass ich jetzt nahezu 100 % der vor dem 30. Juni 2024 sichtbaren Bilder zu picr holen konnte. Sollte aber dennoch ein Beitrag (ab 2017) ohne Bilder sein, bitte ich um eine PN. Das dürfte dann eigentlich kein Problem sein, dass nicht kurzfristig erledigt werden könnte.



Man hat nicht richtig gelebt, wenn man nie in einem ICE gesessen hat, der in Hamm geteilt worden ist.


Vielen dank für diesen tollen sehr informativen Beitrag
Bin aus dieser Gegend,und bin so froh den Bahnhof von Kirchheimbolanden so zu sehen,schade das viele Bilder nicht mehr existieren.Leider wie heute so oft ist das nur Vergangenheit,hätte gerne hier Dienst getan!!

MfG
Dennis
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