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Alte Stellwerke in Hamburg-Altona Teil 2

geschrieben von: ayshanancy

Datum: 03.08.11 16:57

Hallo interessiert Eisenbahnfreunde,

zu Beginn des zweiten Teils der Einfachheit halber nochmal den Übersichtsplan über die Bahnanlagen von Hamburg-Altona aus dem ersten Teil und auch den Lageplan von hdk (übrigens vielen Dank), bei dem als wichtige Ergänzung die Signalstandorte eingezeichnet sind.


http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101901a.jpg


http://img600.imageshack.us/img600/9678/altona19721.jpg


Auf dem Weg zu Ap mitten im Bw stehen die beiden Stellwerke R1 und R2:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/r1r2y.jpg

Hier nun das Stellwerk Ap:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101920x.jpg

Die Stellwerkseinrichtungen auf Ap zeichnete eine bemerkenswerte Vielfalt aus. Es standen dort eine mechanische Hebelbank mit Blockwerk:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101919x.jpg

und ein elektromechanisches Hebelwerk mit Dr-Anpassungen:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101915x.jpg

Ein Teil der Weichen wurde noch mechanisch bedient. Ein anderer Teil wurde über einen Dr-Anschluß (der kleine Kasten zwischen Hebelbank und
Blockkasten) bedient, und ein dritter Teil mit den Weichenhebeln im elektromechanischen Hebelwerk. Für diese Weichen waren auf der Hebelbank die
Weichenschlösser installiert, die die Fahrstraßenabhängigkeit dieser Weichen herstellten. Dabei war die Bedienung mit 4 (!!) Schlössern pro Weiche äußerst umständlich. Zur Einbindung der Dr-Weichen in die Fahrstraßenabhängigkeit kann ja vielleicht jemand im Forum etwas sagen.
Wenn der Fahrweg eingestellt und mit dem entsprechenden Fahrstraßenhebel gesichert war, wurde die Fahrstraße mit einem Zustimmungsabgabefeld festgelegt. Die Zustimmungsabgabe kam dann als Zustimmungsempfang bei dem elektromechanischen Hebelwerk an und dann konnte dort der Fahrstraßensignalhebel umgelegt werden und das Signal kam in Fahrtstellung.Auf dem Hebelwerk oben links der Streckenblock für das Gleis nach Norden, das Überführungsgleis nach Langenfelde und das bahrenfelder Gleis nach Langenfelde.
Für die interessierten Spezialisten hier die Blockfelder und die Signalhebel aus der Nähe:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101908x.jpg

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101911x.jpg

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101912x.jpg

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101914x.jpg

Für Zugfahrten auf den Gleisen zwischen Af und Ap mussten sich die beiden Stellwerke gegenseitig zustimmen. Das erfolgte auf Af mit den grünen Zustimmungstasten. Die Zustimmung kam auf Ap in dem kleine grauen Kasten rechts neben den Spiegelfelder an und wirkte auf die Tastensperren (E40/41, La40/41) und (F110). Ap gab Zustimmung an Af mit den Zustimmungsfelder (528)

Ein Blick aus dem Fenster von Ap auf die markante Signalbrücke:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101832y.jpg

ganz links die Strecke von und nach Bahrenfelde, dann
Gleis 40, das Ferngleis nach Norden, dann
Gleis 41, das Überführungsgleis nach Langenfelde, dann rechts am Stellwerk vorbei
Gleis 12, das in das Überführungsgleis nach Langenfelde einmündet, das
Gleis 11, das Überführungsgleis von Langenfelde und
Gleis 10, das Ferngleis von Norden.
Zu Gleis 10 gehört auch das rechte Signal F auf der Signalbrücke. Alle anderen Gleise und auch das danebenstehende Signal S9 gehören bereits in den Bezirk von Ak. Die Vorsignale gehören bereits zu den Einfahrsignalen von Langenfelde.
Auf den Überführungsgleisen wurde also, wie schon im letzten Teil bemerkt wurde, links gefahren.


Dann zu Stellwerk An:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/95030724x.jpg


Die mechanische Stellwerkseinrichtung:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/95030408x.jpg


Stellwerk An war im nördlichen Bereich von Hamburg-Altona für die Einfahrsignale von Langenfelde zuständig. Dies waren die Signal Lg (Gz von Langenfelde), E (Ferngleis von Norden) und La (Überführungsgleis von Langenfelde). Außerdem bediente An noch die Ausfahrsignal aus dem Güterbahnhof nach Langenfelde.
Pz von Norden fuhren im Regelfall auf Signal E bis zum Signal F bei Ap und dann weiter über Gleis 110 zum Pbf.
Die Überführungsfahrten von Langenfelde kamen am Signal La an. An und Ap stellten dann jeder seinen Teil des Fahrweges ein. Af gab dann Zustimmung an Ap, Ap legte seine Fahrstraße fest und gab die Zustimmung an An weiter, dass dann das Signal stellen konnte. Das waren dann sehr lange Fahrstraßen direkt bis an die Einfahrsignal von Af.
Die Züge auf den Überführungsgleisen wurden sehr oft geschoben. Das war bei den lokbespannten IC/EC die Regel, Wengezüge im Fernverkehr gab es damals noch nicht. Ein Rangierer fuhr an der Spitze des geschobenen Zuges mit und stand über Funk mit dem Lokführer in Verbindung. Außerdem konnte er im Nofall mit einem Drahtzug die Druckluftbremse direkte betätigen. Höchstgeschwindigkeit für diese geschobenen Züge war 30Km/h.
Hier ein Foto eines solchen Zuges, der vor Signal La zum Stehen gekommen war. Im Hintergrund das Fahrt zeigende Signal E für einen Pz aus Norden, den die Überführungsfahrt vorlassen musste.

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/95030431x.jpg

Auch hier wieder ein paar Detailaufnahmen:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/95030409x.jpg

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/95030410x.jpg

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/95030412x.jpg


Noch der Streckenblock auf An:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/95030429x.jpg


Wie es in Langenfelde weiterging, kann man unter Stellwerke.de/Stellwerksbilder sehen. Dort ist ein Bild der Stelltafel auf Lgf eingestellt. unten links kann man dort die Gleise von und nach Hamburg-Altona erkennen.

Zu Stellwerk Ak:

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/95030716x.jpg

Die Stellwerkseinrichtung:


http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/95030702x.jpg

Ak war für die Gleise der Güterzugumfahrung zuständig. Außerdem begannen und endeten hier die Züge von und nach dem Güterbahnhof Altona. Das waren aber damals schon nicht mehr sehr viele. Außderm bestanden Fahrmöglichkeiten von und nach dem Pbf. Dabei mussten aber wieder Ap, Al und Af mitwirken.

Zum Schluß noch ein Bild des neuen elektronischen Stellwerkes Af.

http://file1.hpage.com/008885/90/bilder/94101828x.jpg

Dessen Inbetriebnahme am 15.3.1995 verlief äußerst problematisch. Nach wenigen Stunden des Betriebes schaltet sich das Stellwerk mehrmals ab. Daraufhin wurde Hamburg-Altona komplett vom Netz genommen, was erhebliche Auswirkungen auf den Fernzugverkehr in ganz Deutschland hatte. Erst nach 3 Tagen konnte der Fehler in der Software gefunden und behoben werden. Aber auch danach erreichte Hamburg-Altona nicht mehr die alte Leistungsfähigkeit und es musste mit einem Notfahrplan weitergefahren werden.

Soviel zu Hamburg-Altona.

Gruß von Kay.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2022:01:01:21:50:33.

Re: Alte Stellwerke in Hamburg-Altona Teil 2

geschrieben von: Mike

Datum: 03.08.11 17:47

Vielen Dank Kay,

für die tollen Bilder!

Da freut man sich, wenn von Dir weiteres Material hier eingestellt wird!
Weiter so!

Gruß aus Bassum
Mike

Gegen Mautflucht und Schieneninfrastrukturabbau sowie blinde Straßen-Verkehrs-Politiker.
Rettet das Sulinger Kreuz!
Informationen dazu siehe:
[www.eisenbahnkultur.de]
[www.aebb.de]
Modellbahn-Signaltechnik:
Elektronisches Stellwerk
[www.estw.eu]
MoBa mit DrS Stw:[www.dl5udo.de]

Re: Alte Stellwerke in Hamburg-Altona Teil 2

geschrieben von: ytracks

Datum: 03.08.11 18:14

ayshanancy schrieb:
>
> Dessen Inbetriebnahme am 15.3.1995 verlief äußerst
> problematisch. Nach wenigen Stunden des Betriebes
> schaltet sich das Stellwerk mehrmals ab. Daraufhin
> wurde Hamburg-Altona komplett vom Netz genommen,
> was erhebliche Auswirkungen auf den Fernzugverkehr
> in ganz Deutschland hatte. Erst nach 3 Tagen
> konnte der Fehler in der Software gefunden und
> behoben werden. Aber auch danach erreichte
> Hamburg-Altona nicht mehr die alte
> Leistungsfähigkeit und es musste mit einem
> Notfahrplan weitergefahren werden.
>
> Soviel zu Hamburg-Altona.
>
> Gruß von Kay.


War/ist das nicht der berühmte Fall mit dem Pilottest Murnau Oberammergau und dann Inbetriebnahme in Altona? Rückfall auf den Vorzustand nicht möglich/eingeplant, Notbetrieb auch nicht (mehr) möglich und Siemens hatte nichts falsch gemacht? Und das waren es erst die Anfänge der modernen Bahn AG. Heutzutage soll es ja schon ehemalige Lufthanseaten geben die vor ihren Mitarbeitern ihre (nicht vorhandenen) Bahn und Betriebskenntnis dadurch legitimieren, daß sie schon mal einen Lehrfilm der DB gesehen haben. Vielen Dank für die schönen Bilder und Erläuterungen.

Ytracks

Zusätzliche Bilder

geschrieben von: Djosh

Datum: 03.08.11 20:24

Hallo Kay,

auch der zweite Teil ist wieder höchst interessant, nachdem ich schon den ersten Teil schon mit großem Interesse verfolgt habe.
Als Ergänzung steuere ich hier noch ein paar Bilder der Stellwerke An und Ak, sowie der Signalbrücken bei:


http://www.doku-des-alltags.de/StreckenundBahnhoefe/Hamburg%20und%20Schleswig%20Holstein/Hamburg%20und%20Schleswig-Holstein%20Data/Hamburg-Altona%201.jpg

http://www.doku-des-alltags.de/StreckenundBahnhoefe/Hamburg%20und%20Schleswig%20Holstein/Hamburg%20und%20Schleswig-Holstein%20Data/Hamburg-Altona%20An.jpg

http://www.doku-des-alltags.de/StreckenundBahnhoefe/Hamburg%20und%20Schleswig%20Holstein/Hamburg%20und%20Schleswig-Holstein%20Data/401%20in%20Hamburg-Altona.jpg

http://www.doku-des-alltags.de/StreckenundBahnhoefe/Hamburg%20und%20Schleswig%20Holstein/Hamburg%20und%20Schleswig-Holstein%20Data/Hamburg-Altona%202.jpg

http://www.doku-des-alltags.de/StreckenundBahnhoefe/Hamburg%20und%20Schleswig%20Holstein/Hamburg%20und%20Schleswig-Holstein%20Data/Hamburg-Altona%20Ak.jpg


Viele Grüße,
Georg

https://doku-des-alltags.de/banner/DSObanner01.jpg

Vielen Dank für diesen spannenden Beitrag!

geschrieben von: Axel Tomforde

Datum: 03.08.11 21:37

Ich war ein paar Tage nicht hier im Forum - da werde ich jetzt mal den ersten Teil suchen.

Besten Gruß aus Hamburg
Axel

http://www.eisenbahnerinnerungen.de/index-logo-winz.jpg

Prima!

geschrieben von: hdk

Datum: 03.08.11 22:23

Moin Kay,

ich freue mich, daß Du den Beitrag so schnell hinterhergeschoben hat.
Insbesondere die Aufnahmen von Ak und An sind interessant, weil von diesen Ansichten ehrer rar sind.
Und egal wie "abgegriffen" die Gebäude zum teil wirken, eine optische Bereicherung ist das neue Stellwerk im Vergleich auch nicht.

Kurzum, danke und gerne mehr.

Gruß

Hans
außer der hier gezeigten Lösung (auch z.B. auf Lübeck Otm) kenne ich noch die Einbindung mittels Riegelhebeln
(z.B.ex. Wahn Wn und Mariagrube Mf)
Grüße
Ulrich

Re: Alte Stellwerke in Hamburg-Altona Teil 2

geschrieben von: Altona

Datum: 04.08.11 17:34

Danke Kay und HDK für diese Schätze!

Wenn jetzt noch jemand Bilder von der Anschlussbedienung in Bahrenfeld hier einstellen würde, dann wäre der Tag perfekt!

Gruß aus - na wo wohl? - Altona

Sehr schöner Beitrag

geschrieben von: GuHa

Datum: 05.08.11 15:09

Ein schöner und spannender Bericht - wie der erste, danke!

Und "chapeau!" für die Ingenieurskünste vergangener Jahrhunderte. Diese vielen Gleise und Fahrstraßen zu definieren, dass der Zugbetrieb einwandfrei und flüssig laufen kann. Beeindruckend!!

Beste Grüße
Guido
Danke für einstellen!

Hyvää Päivää

Die Signatur wurde beendet.