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 04 - Historisches Forum 

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Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Hallo liebe Eisenbahnfreunde!

Eines der schönsten Dortmunder Bahnhofsgebäude stand und steht heute immer noch im Bahnhof Dortmund-Kurl.
Eine Erinnerung an diesen Bf und an das denkmalgeschützte Gebäude soll die nun folgende Publikation sein.


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„Im Wandel der Zeit“
Vom Haltepunkt zur Ruine


Die Geschichte der Eisenbahn in Courl, so war die Schreibweise zu dieser Zeit; begann am 24. April 1847, als ein erster Eisenbahnzug durch diesen Ort fuhr.
Anfangs ein Haltepunkt an dem nur wenige Leute ein- und ausstiegen. Vorwiegend wurde hier zunächst die Post mit der Bahn befördert.
An einen Bahnhof war noch gar nicht zu denken. Die wenigen Reisenden, die von Courl aus mit dem Zug fahren wollten mussten ihre Billets
noch in der nahegelegenen Gaststätte „Zur Mühle“ erwerben. Einen richtigen Bahnhof bekam Courl erst mit der Inbetriebnahme der dort ansässigen Zeche am 01.04.1886.


Lageplan der letzten Zechengebäude – Nov. 1962
Der Bahnhof und das Zechengelände - Quelle: Google Maps
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Die Abteufarbeiten der späteren Zeche „Courl“ mit den benannten Schächten Asseln 1 und Asseln 2 begannen im Jahre 1856.
Ebenfalls befanden sich auf dem weiträumigen Gelände noch eine Kokerei und eine Brikettfabrik. Mit fortschreitender Entwicklung des Stein-kohlebergbaus
nahm Courl auch maßgeblich an der Industrialisierung des Ruhrgebietes teil, war dieser Ort doch zuvor ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt.
Das bis dahin beschauliche Örtchen mit nur wenigen Einwohnern entwickelte sich zusehends zu einer leistungsfähigen Kleinstadt.
Der Bergbau bescherte der Bevölkerung Wohlstand und sichere, wenn auch gefährliche Arbeitsplätze.

Der Bahnhof und das Zechengelände - Quelle: Google Maps
http://666kb.com/i/btme8tu8ctsatrc94.jpg

Für den aufstrebenden Bahnverkehr reichte ein Haltepunkt jetzt nicht mehr aus.
So wurde am 01.04.1886 auch das erste massive Bahnhofsgebäude an der Südseite der Gleise erbaut und befindet sich noch heute an der Strecke der
Köln-Mindener-Eisenbahn zwischen Dortmund - Kamen und Hamm/Westf.

Lageplan mit dem EG von 1886 und dem Wärterstellwerk
oberhalb der Brücke und vorne das Bahnwärterhaus – 1920
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Das EG von 1886 – Gleisseite - Quelle: Bing Maps
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Das EG von 1886 – heute Wohnhaus – 18.02.2007
http://666kb.com/i/btmebfzo6mnfm9g3s.jpg

Die Zeche mit ihren Wagenladungen an Kohle und Koks bescherten der Stadt Courl und den ansässigen Geschäften beträchtliche Einnahmen
und der Eisenbahn zugleich auch hohe Gewinne durch die Transportkosten. Schon bald war erkennbar, dass die vorhandenen Kapazitäten des
Bahnhofs nicht mehr ausreichen würden um den ansteigenden Güterverkehr problemlos zu bewältigen.
So musste eine Erweiterung der Bahnhofsanlagen erfolgen.

Es war auch die Zeit der prachtvollen Baustile und alle Städte, die mit der Eisenbahn verbundenen waren und die etwas auf sich hielten
strebten auch nach einem repräsentativen Empfangsgebäude.
Im Jahre 1904 begannen die Arbeiten zu einem neuen Bahnhofsgebäude, die jedoch immer wieder von streikenden Arbeitern unterbrochen wurden.
Die Planung zu diesem Gebäude erfolgte jedoch schon im Jahre 1888/1889 wie die nachfolgenden Entwurfszeichnung belegen.


Lageplan mit dem alten EG auf der Südseite und dem neuen EG auf der Nordseite der Gleise - 1920
http://666kb.com/i/btmeexr040py2erbc.jpg

Die Dortmunder Zeitung berichtet im Jahre 1904 dass das Neue EG aller Planungen nach ein Schmuckstück der Gemeinde Courl werden dürfte.
Dass sie mit dieser Aussage recht behalten sollten, zeigte sich vier Jahre später.
Dann war es endlich soweit und im Jahre 1908 wurde das Neue, zwei Stockwerke umfassende Empfangsgebäude des Bahnhof Courl
in km 129,3 + 87 an der Nordseite der Gleise eingeweiht.

Entwurfszeichnung – Straßenansicht - 1889
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Straßenansicht Mühlackerplatz – 18.02.2007
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Entwurfszeichnung – Gleisseite - 1889
http://666kb.com/i/btmehu1h40decm5zc.jpg

Ansicht von der Gleisseite – 18.02.2007
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Entwurfszeichnung linke Seitenansicht – 1889
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Linke Seitenansicht – 18.01.2007
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Das einst so prachtvolle Gebäude bietet einen traurigen Anblick und ist leider heutzutage ein Tummelplatz für Vandalen geworden.
Die angerichteten Schäden gehen mittlerweile in die Zehntausende.
Ein wenig mehr Respekt vor Fremden Eigentum und wir alle könnten würdevoll auf unsere Vergangenheit zurück blicken.
Was ist falsch gelaufen?


Entwurfszeichnung – rechte Seitenansicht - 1889
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Rechte Seitenansicht – 18.01.2007
http://666kb.com/i/btmelj4hs76uw3phk.jpg

Das architektonisch interessant konstruierte Bauwerk begeistert nicht allein durch seine Größe, sondern auch durch den im
linken Teil des Gebäudes integrierten Turm.


Der im Gebäude integrierte Turm - 1880 und 2007
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Das untere Sichtmauerwerk aus gebrannten Ziegeln wurde im oberen Drittel des Gebäudes verputzt und in weißer Farbe abgesetzt.

Der Eingangsbereich – 2007
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Über ein zweistufiges Podest erreicht der Reisende die zweiflügeligen Türen zum Eingangsbereich der Wartehalle.
Darüber existiert ein schmiedeeisernes großes Vordach zum Regenschutz.


Das schmiedeeiserne Vordach - 2007
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In der darüber befindlichen Glasfront war mittig der quadratischen Fenster eine schon von Weitem sichtbare Bahnhofsuhr angebracht.
Unterhalb des mittleren Spitzgiebels zierte einst das Wappen mit dem preußischen Adler das herrliche Gebäude.
Leider ist bislang nichts über das Verschwinden oder den Verbleib des Motives und der Uhr bekannt.

Darstellung des Eingangs mit Uhr und Wappen
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Im Gebäudeteil des Turmes; zwischen dem EG und der ersten Etage befindet sich ein Ornament mit dem Zeichen der Eisenbahn, dem sog. „Flügelrad“.

Der Turm neben dem Eingangsbereich - 2007
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Das Ornament mit dem Flügelrad - 2007
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Mit der Umgestaltung des Bahnhofs wurden zeitgleich auch die Stellwerke umgebaut. Mit der neu entwickelten Stw-Technik und
der Telegraphie startete in Courl ein Pilotprojekt und der Erfolg war ausschlaggebend für alle späteren Betriebsstellen der
Eisenbahn. Die in Courl verwendete Betriebstechnik galt als die Modernste ihrer Zeit.

Im Jahre 1906 erwarb das Unternehmen Deilmann & Haniel auf der Südseite des Bahnhofs ein ausgedehntes Grundstück.
Das Unternehmen führte Schachtbau- und Gesteinsarbeiten zur Erschließung von Bodenschätzen durch und war international für
den Bergbau der Zulieferer von Maschinen. Neben der Zeche war Deilmann & Haniel der zweite große Gleisanschließer.

Anno 1915 wurde die Schreibweise des Ortsnamens in „Kurl“ geändert.
1928 fand die Eingemeindung nach Dortmund statt.

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Die Änderung des Bahnhofsnamens folgte dennoch erst in den 50’er Jahren.

Die Zeche Kurl mit ihrer Kokerei war 54 Jahre im Betrieb und die Förderung der Steinkohle endete mit der Schließung am 15. Juni 1931.
Die Schächte wurden verfüllt und das Grubenfeld mit den weiterhin offenen Stollen wurde von der angrenzenden Zeche Gneisenau und der
Zeche Scharnhorst als Verbundbergwerke übernommen.

Im Zuge fortschreitender Technik konnten die mechanischen Kurler Stellwerke bereits schon 1952 außer Betrieb genommen werden.
1981 nahm die DB dann auch das letzte vor Ort besetzte DrS2-Stellwerk Dkf; das in km 130,4 neben dem Bahnübergang an der Husener Str.
gestanden hat, außer Betrieb.

Auszug aus dem Lageplan Stw Dkf - November 1962
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Die fahrdienstliche Steuerung des Bf Do-Kurl wird heutzutage vom Stellwerk Sf in Do-Scharnhorst) übernommen.

Das letzte örtlich eingesetzte Personal des Verkehrsdienstes wurde im Jahre 1968 in Kurl abgezogen.
Damit endet die eigentliche Geschichte des einst bedeutungsvollen Bahnhofs.
Gegenwärtig wird das Bahnhofsgebäude nur noch als Durchgang zu dem Bahnsteig genutzt.
Die Fahrkarten kauft der Reisende an einem Automaten. Ohne Service und ohne Beratung ist der Kunde nun auf sich allein gestellt.
Die Gleisanlagen bestehen derzeit aus zwei Bahnsteiggleisen und einem Überholgleis im östlichen Bereich hinter der Bahnhofsbrücke gelegen.


Lageplan aus dem Jahre 1983
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146 010-4 RE Durchfahrt in Richtung Kamen – 15.03.2008
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141 386-3 aus Dortmund kommend – Herbst 2002
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Direkt neben dem ersten Empfangsgebäude schlummert noch ein mittlerweile vom Strauchwerk überwuchertes, ungenutztes Gütergleis.

Das Gütergleis am alten EG – 28.12.2007
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Außer den RE-Bahnen halten hier keine Züge mehr.

RE mit der Lok 112 134 in Richtung Dortmund – 05.02.2011
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Güterzüge, IC und ICE fahren mit den für die Strecke und Züge zulässigen Höchstgeschwindigkeiten durch Kurl.

ICE auf der Durchfahrt bei km129,6 – 27.04.2008
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140 856-6 in Doppeltraktion vor einem Erzzug – 14.01.2007
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Recht häufig sind auf dieser Strecke auch die DB-Nostalgiezüge unterwegs.

103 184-8 vor dem TEE Köln - Berlin – 29.03.2008
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212 007-9 vor dem Sdz Essen - Papenburg – 15.03.2008
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Das für einen Vorstadtbahnhof aus heutiger Sicht, übergroß dimensionierte Empfangsgebäude des Bf Do-Kurl gehört neben
dem des Hp Do-Huckarde Nord zu den letzten Jugendstil Bahnhofsbauwerken aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die auf
Dortmunder Stadtgebiet heute noch erhalten sind.

Die beiden Jugendstilbauwerke der Eisenbahn in Dortmund
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Mit dem Neubau des Empfangsgebäudes Kurl wurde das epochale Backsteingebäude aus dem Jahre 1855 mit seinem Standort auf
dem Gelände des Güterbahnhofs entbehrlich und konnte ergänzend zum neuen Gebäude für weitere dienstliche Räumlichkeiten
der Eisenbahn genutzt werden.

Das alte EG an der Gleisseite
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Viele Jahre später fand der Umbau zu einem Wohnhaus für Eisenbahner statt.
Die übermalte, bzw. verwitterte Namensbezeichnung „Kurl“ an der rechten Giebelseite des Gebäudes ist noch sehr gut zu erkennen.


Der übermalte und verwitterte Schriftzug
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Noch heute ist das Bauwerk weitgehend in seiner ursprünglichen Ausführung erhalten.
Auch das baugleiche erste Empfangsgebäude des Hp Huckarde Nord wurde später zum einem Wohnhaus und befindet jetzt im Privatbesitz.
Somit sind die beiden Bauwerke zugleich auch die ältesten, noch erhaltenen Eisenbahngebäude aus der Gründungszeit der Eisenbahn in Dortmund.


Das erste EG des Hp Do-Huckarde Nord
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Direkt an der Straße Mühlackerplatz steht noch das alte Bahnwärterhaus.

Das Bahnwärterhaus mit dem Schriftzug – 18.02.2007
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Auch hier ist der antiquarische Schriftzug „Courl“ an der, den Gleisen zugewandten Giebelseite sichtbar.
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Der Besucher des Bahnhofs bekommt heute nur noch wenig in dem EG zu sehen.
Fahrkartenausgabe, Wartehalle und Gastronomie sind schon lange verschwunden.
Nur der Gang durch die Unterführung zeugt von einer Verbindung des Gebäudes zu dem Bahnsteig.

Wenige Meter weiter westlich von dem Bahnsteig entfernt befand sich bis 2003 der höhengleiche Bahnübergang Kurler Straße.


Lageplan von 1910 - Bü Kurler Straße
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Auf Grund der hohen Verkehrsdichte wurde am 24.03.2005 nach zweijähriger Bauzeit, eine Unterführung für den Straßenverkehr eröffnet.
Damit endete die Wartezeit an der „Glück-Auf-Schranke“. Da die beiden Streckengleise nach Hamm und nach Dortmund relativ weit auseinander
lagen, hätte sich damals die Möglichkeit angeboten, einen direkten Zugang von der Kurler Straße bis zum Bstg. anzulegen.
Leider ist das nicht berücksichtigt worden und somit müssen die Anwohner einen nicht gerade kurzen Umweg zu ihrem Bahnhof in Kauf nehmen.


Ausschnitt aus den RN vom 25.03.2005
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Aktuell gibt es noch einen mit Graffitis besprühten Güterschuppen und ein Lademaß, das schon lange seine Maßeinheiten verloren hat.

Güterschuppen mit der Rampe 05.02.2011
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Das Lademaß in Gleis in Gleis 107
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Im hinteren Bereich ist die Kranbahn der Firma Deilmann & Haniel zu sehen.
Die hier gebauten Maschinen werden schon lange nicht mehr auf der Schiene befördert, sondern verlassen das Werk mit dem LKW.

Die glanzvollen Jahre eines ansehnlichen Gebäudes sind im Jahre 2011 nun endgültig vorbei.
Verwahrlost, mit Graffitis besprüht, dem Vandalismus ausgesetzt, ohne Fenster, ohne Türen präsentiert sich der Bahnhof nicht
gerade einladend für eine Reise mit der Deutschen Bahn.
Eine Zumutung ist auch die unansehnliche Unterführung vom Empfangsgebäude zum Bahnsteig.

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Der Eigentümer die DB-IMM scheint auch kein berechtigtes Interesse an der Erhaltung und Vermarktung der Immobilie zu haben.
Ebenso wenig Beachtung schenkt auch DB Station&Service diesem Objekt.
Die Stadt signalisiert ebenfalls keine Absicht zur Erhaltung des Gebäudes.
Alle Versuche zur weiteren Nutzung sind bislang gescheitert.

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Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis das Mauerwerk zu bröckeln beginnt und eine Renovierung sich nicht mehr lohnt.
An den feucht gewordenen Wänden, teilweise von Moos überwachsen, blättern Farbe und Außenputz unaufhaltsam an der Fassade ab.


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Wenn das Bauwerk eines Tages nicht mehr zu retten ist und der Abrissbirne zum Opfer fällt, dann hat auch die Stadt Dortmund und
der Ortsteil Kurl eine weitere historische Sehenswürdigkeit für immer verloren.
Übrig für die Nachwelt bleibt dann nur noch das in privatem Besitz befindliche Gebäude des Hp Do-Huckarde Nord, als letztes
Sinnbild der Dortmunder Eisenbahngeschichte erhalten.

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Es reicht eben nicht immer aus, ein Bauwerk nur unter Denkmalschutz zu stellen. Dazu gehören auch die Erhaltung der Bausubstanz
und die Konservierung für die nächsten Jahrzehnte.


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Denkmalschutz Hin und Her, aber unzählige Bauten des Industriezeitalters (z. B. Kokereien, Webereien, Zechen, Hochöfen u. a.)
an vielen, nahe zusammen liegenden Orten im Ruhrgebiet zu erhalten ist schlichtweg Unsinn, wenn diese Zeitzeugnisse dann
weitgehend auch nur der Verrottung preisgegeben werden, weil es sich all zu häufig doch nur um Prestigeobjekte von Politikern handelt.

Anmerkung:
Siehe die verkommene Kokerei Hansa in Huckarde und den Malakowturm der Zeche Westhausen in Dortmund-Bodelschwingh, u. v. a.

Es lohnt sich nicht,
jeden rostigen Eimer unter Denkmalschutz zu stellen,
wenn das Geld für Renovierung und die weitere Instandsetzung fehlt.

Weniger ist manchmal Mehr!


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Bildnachweis:
© Bilder und Planunterlagen Slg. M&MZ / FhED Dortmund
© Luftbildaufnahmen Bing Maps und Google Maps

Recherchiert und zusammengestellt von den
Teilnehmern des Freundeskreises historischer
Eisenbahnen in Dortmund FhED.


1. Auflage
Dortmund, 16.05.2011

Wir hoffen mit diesem Beitrag einige interessante Details vermittelt zu haben und sind natürlich an weiteren Info zu
diesem Dortmunder Bahnhof sehr interessiert.
Mit diesem Artikel verabschieden wir uns nun in die Sommerpause und haben schon neue Projekte in Augenschein genommen.[/bgcolor][bgcolor=#]


Gruß
Der Dortmunder
Michael
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Sachliche Kritiken zum eigentlichen Thema sind ausdrücklich erwünscht.

Hui, das muss ich mir gleich noch einmal in aller Ruhe ansehen! Der Beitrag lässt ja fast nichts aus, eine schöne Darstellung von Bahnhofsgebäuden und weiterer Hochbauten. Das Wärterhaus östlich des Empfangsgebäudes ist vor ca. zwei Jahre in neue Hände gekommen und renoviert worden, es scheint erst einmal Glück gehabt zu haben. Die Prognose für meinen Gelegenheits-Einstiegsbahnhof sind angesichts des fortschreitenden Verfalls in der Tat bedenklich. Und was hatte man angesichts von 150 Jahre CME und der IBA noch Visionen für den Bahnhof - vorbei und aus dem Sinn. Nachdem das Dortmunder U fertig ist und der Phoenixsee endgültig vollgelaufen, wären doch jetzt wieder Mittel für ein Engagement der Stadt frei ,---).

Wenn man den Standort der Turmmasten vor dem Gebäude sieht, ist eventuell nach der Elektrifizierung der Gleisplan noch einmal angepasst worden: Es würde noch bequem ein weiteres Gleis zwischen Haus und Bahnsteig passen. Auf dem 83er Plan kann man gut den denkbaren Verlauf sehen. Hier hat es doch sicher einen Hausbahnsteig gegeben, aber wie lange? Und das große alte Wohnhaus an der Kurler Straße direkt neben dem aufgehobenen BÜ, war das auch ein Bahnerhaus (Foto habe ich leider nicht)? Die Zeche hätte dort relativ abseitig sicher nicht ein einzelnes Haus gebaut.

Vielen Dank für den Beitrag und die Fleißarbeit und viele Grüße
Frank
Hallo Michael,

vielen dank für euren umfangreichen Beitrag.

Das Bahnhofsgebäudesterben geht leider irgendwann final weiter. (Über den städtebaulichen Nichtentwurf des Dortmunder Hauptbahnhofs regt man sich auf, und den schönsten Bahnhof lässt man verrotten.)

Zur IBA gab es 1992 eine Projektstudie über eine Szene-Gastronomie-Konzept (etwas kleiner als Langendreer). Schließlich wollte man jeden Bahnhof an der CME aufwerten. (Am Bahnhof Mengede werden zur Zeit in 2011, die Ideen des IBA-Projeks umgesetzt!)
Die Anwohner dachten wohl nur an Autos und Lärm und an das Sacre Coeur in Husen. Die Anzahl der umliegenden Bewohner ist aber auch substantiell zu gering für eine Kneipe. Die Sanierung ist mit den zu erwartenden Auflagen von DB Netz, den Bahnsteigzugang hast du schon beschrieben, auch mit vielen Schwierigkeiten verbunden.
Das ist ein Liebhaber-Projekt für einen Jackpott-Lottogewinner.

Fotografisch war dies für mich eine Bannmeile von 500 Meter um den Bahnhof - mit einer Ausnahme - ein Bahnsteig-/Bü-Foto mit dem Gorbatschow-ICE, da die Grünen uns damals nicht in den Kurler Busch ließen.

Gruß

Ingo

Einige Ergänzungen (3 Scans)

geschrieben von: Bahnwärter

Datum: 20.05.11 17:23

Hallo Dortmunder,

danke für die geschichtliche Aufbereitung der Kurler Bahngeschichte - wieder eine große Fleißarbeit. Du hast ja allerhand an historischen Plänen zusammen getragen. Ich weiß, alte Bilder aus diesem Bahnhof sind Mangelware. Die drei, vier Bilder, die ich dort gemacht hatte, sind leider auch nicht mehr vorhanden. Eine Bfo (Entwurf/Reservestück) aus dem Jahr 1975 ist erhalten geblieben. Deckblatt und die Seiten mit den Ubergabezügen von/nach Kamen hänge ich als Scan an diesen Beitrag. Es dürfte das letzte Jahr gewesen sein, in dem die Bedienung von Kamen aus erfolgte. In der Folgezeit gab's noch für einige Jahre Übergabefahrten von/nach Dortmund Bbf/Rbf - wahlweise begleitet von Rangierpersonal Do Hbf/Do Bbf/Do-Flughafen. 67851 bis 67854 müßten die Zugnummern gewesen sein.

Ist 1952 als Jahr der Inbetriebnahme Dkf sicher? 1953 oder 1954 dachte ich, kann mich aber auch irren. Ab 24.11.1981 wurde der Bf Do-Kurl vom Stellwerk Flf Do-Flughafen (heute Sf Do-Scharnhorst) ferngesteuert. Der Relaisraum Flf mußte dafür um eine Etage aufgestockt werden.

Das Stellwerk Dkf war in einem Stellwerks-Altbau untergebracht - Relaisanlagen im Bedienungsraum! Bei jedem Tastendruck hörte man es von hinten klappern. Für die anstehende Elektrifizierung und Erneuerung der Stw-Anlagen wurde der Bahnhof nach Angabe des damaligen Vertreters des Dienststellenvorstehers der Sigm Do "amputiert". Dem Herrn muß das richtig weh getan haben, war er doch ein "Kurler Urgestein". An ein DrS2-Stw konnten zur Zeit der Projektierung nach seinen Worten nur max. 8 Weichen angeschlossen werden - die "aufgemotzte" Variante für 12 Weichen kam für Do-Kurl offensichtlich zu spät.

In der Hoffnung, daß noch einige Bilder aus dem Zeitraum vor 1981 auftauchen mögen...


kurl1.jpg


kurl2.jpg


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Es grüßt
der Bahnwärter
Lieber Dortmunder,

meine ersten Streckenaufnahmen habe ich in Kurl gemacht. Immer wollte ich auch mal den Bahnhof besuchen, lag Kurl für uns auf dem Weg in Münsterland.

Da bin ich wohl zu spät. Deshalb vielen Dank für den umfangreichen Bericht, da hast Du dem Bahnhof ein kleines Denkmal gesetzt.

Zum Thema Denkmalschutz kann ich Dir nur zustimmern. Ich habe auch schon erlebt, dass denkmalgeschützte Häuser abgerissen wurden. Die großen Industriegebäude wie Zechen und Stahlwerke gehen im Ruhrgebiet wohl aber zu recht vor, meine ich.

Gruß

Stefan
Hallo zusammen.

Ich wollte noch mein Foto vom Fahrdienstleiter-Stellwerk "Dkf" beisteuern. Es war wie weiter oben beschrieben ein DrS2-Stellwerk und wurde 1981 vom Stellwerk "Flf" in Dortmund-Flughafen ersetzt (Anbau in Siemens 60 Technik).

Viele Grüße Markus Hein
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