Vor dem Finale – Vorbereitungen zum Dampflokabschiedsfest im Bw Stolberg am 29. März und 02. April 1976 Teil 1
Nach meinen Beobachtungen hatten die Stolberger Dampfloks den Monat Februar 1976 in einer Art Dornröschenschlaf verbracht. Mir schien es damals so, als würden sie nicht mehr angeheizt werden und die letzten Wochen und Monate bis zum Ende des Winterfahrplans 1975/76 tatenlos herumstehen. Zum Bestand des Bw Stolberg zählten da noch die Loks 050 023, 050 164, 050 185, 050 622, 050 806 (z), 051 421, 051 462, 052 928 (z) und 053 031. Und als besonderes Schmankerl konnte der Dampflokfreund im Bw Stolberg die ehemalige EBV-Grubenbahnlok „Carl-Alexander 4“ begrüßen, die das Eisenbahnmuseum in Darmstadt-Kranichstein erworben hatte, um mit ihr Sonderfahrten in der Kölner Region durchzuführen.
Während das Bw Stolberg in diesen Wochen den Anschein von Winterstarre oder schleichendem Dampfloktod vermittelte, wurden aber hinter den Kulissen Pläne für ein würdiges Finale geschmiedet. Mitte März 1976 konnte man in den regionalen Tageszeitungen die ersten Ankündigungen für ein Dampflokabschiedsfest der Bundesbahndirektion Köln lesen, das im Bw Stolberg veranstaltet werden sollte.
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Nun wurde es im Bw Stolberg wieder lebhafter. Die Bw-Anlagen wurden für das Dampflokabschiedsfest verschönert. Vieles wurde neu angestrichen, für die Besucher wurden Wege instandgesetzt und teilweise auch neu angelegt, und allerorten wurde aufgeräumt und entrümpelt. Die hinter der Bekohlungsanlage aufgereihten, ausgemusterten und auf ihre Verschrottung wartenden Loks 052 916, 051 917, 052 474 und 050 788 sowie die beiden z-gestellten 052 928 und 050 806 wurden auf ein außerhalb des Bw-Geländes liegendes Gleis am Bezirk IV des Stolberger Hauptbahnhofs umgesetzt. Die Bundesbahn war emsig bemüht, sich den Besuchern in einem freundlichen Ambiente zu präsentieren. Ein Stück weit trugen diese Aktivitäten allerdings auch dazu bei, die urige Patina der Dampflokzeit aus den Bw-Anlagen zu vertreiben.
Dem fehlenden Bedarf folgend wurde Mitte März 1976 der Stolberger Dampflokbestand nochmals angepasst. Zum 15. März 1976 verfügte die DB die Ausmusterung der beiden seit dem 01. Januar 1976 z-gestellten Loks 050 806 und 052 928. Sie wurden damit zu den letzten beiden Dampfloks, die beim Bw Stolberg ausgemustert worden sind. Zum 16. März 1976 wurden außerdem die Loks 050 023, 050 185 und 051 421 aus Stolberg abgezogen und zum Bw Lehrte umbeheimatet.
Damit war der Dampflokbestand der BD Köln schließlich auf ganze 4 Lokomotiven im Bw Stolberg geschrumpft: 050 164, 050 622, 051 462 und 053 031.
Bei einem Bw-Besuch am 29. März 1976 konnte ich bereits die ersten „Gäste“ sehen.
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So war bspw. die von der DGEG für das Eisenbahnmuseum in Neustadt/W. erworbene Lok „Carl-Alexander Nr. 3“ anzutreffen, eine pfälzische T 5, die bei der Deutschen Reichsbahn einstmals die Nummer 94 002 tragen sollte.
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Auf diesem Foto findet sich ganz rechts auf dem Lokstand 16 schon die Duisburg-Wedauer 053 075. Dies hatte ich allerdings erst später bemerkt, als ich die Fotos nach der Entwicklung studierte. Am Aufnahmetag selbst war sie mir offenbar gar nicht aufgefallen, obwohl sie mir als einzige Wannentenderlok eigentlich hätte ins Auge springen müssen. Selbst wenn ich mit Film sparen musste, so hätte ich sie gewiss fotografiert
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Die ausgemusterte Stolberger Lok 050 806 hatte man zur Ersatzteilgewinnung noch einmal aus der Reihe der zur Verschrottung bestimmten Loks ausrangiert und in den Lokschuppen geholt. Am 29. März 1976 stand sie nahe der Bekohlungsanlage und wartete darauf, wieder zu ihren Schicksalsgenossen zurückgebracht zu werden.
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Mittlerweile gab es auch detailliertere Informationen zu dem bevorstehenden Großereignis, die bei mir gespannte Erwartungen schürten.
Am Vortag des Dampflokabschiedsfestes - Freitag, dem 02. April 1976 - konnte ich auf dem Heimweg von der Schule über dem Bw-Gelände schon reichlich dunkle Rauchschwaden ausmachen. Und gelegentlich gab es auch Lokpfiffe in Tonlagen, die man von den Stolberger 50ern nicht kannte. Direkt nach dem Mittagessen musste ich zum Bahnbetriebswerk, um mitzuerleben, was dort vor sich ging. Im Laufe der ersten Tageshälfte waren hier bereits die meisten der angekündigten Dampfloks eingetroffen. Fasziniert gesellte ich mich zu den schon zahlreich versammelten Eisenbahnfreunden und schaute gespannt zu, wie das Dampflokabschiedsfest vorbereitet wurde und ein Teil der Ausstellungsstücke an die Ausstellungsorte rangiert wurde. Für mich war es überwältigend, die vielen verschiedenen Lokbaureihen zu erleben, die mir bisher unbekannt oder unerreichbar waren. Das wechselhafte Aprilwetter konnte mich nicht vom Fotografieren abhalten. Wann würde es im Bw Stolberg je wieder solch eine Vielfalt geben??
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Gleich an der Straßeneinfahrt des Bahnbetriebswerks bekam ich die „Moll´sche T3“ zu sehen, die hier im Rangiereinsatz war.
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Die preußische G 8.1 gab es zwar auf meiner damaligen Modellbahnanlage als N-Spur-Modell der Firma PIKO, aber real hatte ich sie nicht mehr erlebt. Die 55 3345 der DGEG fand ich deshalb besonders interessant.
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Eine leibhaftige „01“ hatte ich bis 1976 ebenfalls noch nicht zu Gesicht bekommen. Auch wenn sie hier nicht besonders fotogen stand, so stellte ich mich zunächst einmal ehrfürchtig neben die riesigen Treibräder und nahm anschließend dieses Foto auf.
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044 508 hatte ich zwar im Mai 1975 auf einer Fahrzeugausstellung in Niedermendig schon einmal gesehen, aber bei den Loks 044 216 und 044 508 konnte ich an diesem Tag erstmals auch die Fahrgeräusche dieser Dreizylinderloks erleben.
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„Bw Rheine“ – welche Sehnsüchte verband ich in jenen jungen Jahren mit diesem Namen. Da war diese Aufschrift am Führerhaus der 042 308 ein Extra-Bild wert!
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042 308 war überdies auch die erste Lok der BR 41, die ich „in natura“ kennenlernte…
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Bei so vielen Dickschiffen konnte „sie“ bei einem jungen Dampflokfan wie mir dennoch für Verblüffung sorgen: 45 010. Ihre gewaltigen Dimensionen wollten gar nicht recht auf mein Bildformat passen.
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Eine kleine Sensation, zumindest für die Stolberger, war die Beteiligung der Werklok „St. Gobain“ der Vereinigten Glaswerke Stolberg, die seit Oktober 1974 als Denkmal auf dem Werksgelände aufgestellt worden war. Hier präsentiert sie sich stolz vor dem Stolberger Ringlokschuppen! Auf dem Nebengleis im Lokschuppen steht eine andere zeitweise als Werklok verwendete Tenderlok – nämlich die „Zuckersusi“, die nach ihren Einsätzen bei der Bayerischen Staatsbahn und in einer Zuckerfabrik als 98 727 eine Museumsbahnkarriere startete.
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Die Stolberger 50er wirkten am Vortag des Dampflokabschiedsfestes noch etwas unfertig. Frisch lackiert, aber noch ohne Lampen und Schilder, wurde hier 051 462 gedreht. Auf den offenen Lokständen präsentieren sich im Hintergrund v.l.n.r. die Loks 050 622, 56 3007, 053 031 und 24083.
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Zur Verstärkung der letzten vier Stolberger 50er hatte das Bw Duisburg-Wedau neben der Wannentender-Lok 053 075 zusätzlich noch die Loks 050 651 und 050 761 entsandt. So ergab sich dieses seltene Zusammentreffen der 050 651 mit der württembergischen Zahnradlok 97 502.
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Wer weiß, ob es jemals ein Dampflokabschiedsfest im Bw Stolberg gegeben hätte, wenn sie dem Eschweiler Bergwerksverein nicht abgekauft worden wäre? Die vom Eisenbahnmuseum in Darmstadt-Kranichstein erworbene Grubenbahnlok „Carl-Alexander 4“ verwandelte sich anlässlich des Dampflokabschiedsfestes in 56 3007 und gehörte gewiss zu den Stars der Veranstaltung. Am 02. April 1976 wurde sie intensiv ausprobiert.
Zum Abend hin hatte sich schon eine zahlreiche Fangemeinde im Bw Stolberg eingefunden. Im Vergleich zum Publikumsandrang an den eigentlichen Veranstaltungstagen war es aber immer noch überschaubar. Zwei Panoramaaufnahmen des Veranstaltungsortes mögen diesen ersten Teil meines Beitrages zu den Vorbereitungen zum Dampflokabschiedsfest im Bw Stolberg beschließen.
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In Kürze folgt der zweite Teil, bevor es anschließend – hoffentlich terminlich passend – eine Rückschau auf das 35 Jahre zurückliegende Großereignis im Bw Stolberg gibt.
Bis dahin!
Mit vielen Grüßen an die Forengemeinde
Roland Keller
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:03:28:13:42:30.