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[SE] ??? Fragen zu Hanomag-Lok ... mit Bildlink

geschrieben von: frank58

Datum: 15.11.10 23:03

Hallo HiFo-Gemeinde,

bei der Recherche zur Industriebahn der Katrinefors AB in Mariestad (Schweden) bin ich bei der Fahrzeugliste auf die Hanomag-Lok 10487/1926 gestoßen.

Hier eine Aufnahme von 1959 (bitte nach unten srollen): [www.historiskt.nu]

Die Industriebahn wurde ab 1890 in einer Spurweite von 891 mm (3 schwedische Fuß) erbaut. Lokbetrieb ab 1905. Mit der Umspurung der ehemaligen VGJ-Schmalspurstrecke Forshem-Gårdsjö im Jahr 1961 erfolgte auch die Umspurung dieser Industriebahn.

Mats Freding fügt in seinem Buch "Indusrilok i Västergötland" folgende Anmerkung zu dieser Lok ein:
Die Lok wurde bei Henschel & Sohn in Kassel unter der Fabriknummer H44035/1926 gebaut. Hanomag kaufte diese Lok und stattete sie mit eigenen Lokschildern aus. Henschel gab für diese Lok eine Spurweite von 914mm an ...

Nun meine Frage(n):
- Kaufte Hanomag eine fertige Lok, spurte sie um und versah sie dann mit neuen Fabrikschildern? Dagegen spricht die eigenartige Fabbriknummer von Henschel.
- Wurde eventuell während des Baues der Auftrag durch den Besteller storniert (u.a. Zeit der Weltwirtschaftskrise); Hanomag übernahm dann die unfertige Lok und baute sie weiter?
- Baute eventuell Henschel auf Vorrat (in Erwartung einer künftigen Auftragslage oder war es Überproduktion?) und andere Firmen übernahmen dann bei Bedarf die entsprechenden Teile (wenn ja, war das ein Einzelfall oder eventuell zu dieser Zeit die Regel).

Definitiv steht fest, dass Hanomag die Lok 1926 in einer Spurweite von 891mm lieferte.
Auf Grund ihrer Zugkraft von ca. 8t zählte sie zu den stärksten 891mm-Loks in Schweden. 1961, nach der Umspurung, fand sich wohl kein neues Betätigunsfeld für diese Lok, denn sie wurde im selben Jahr verschrottet.

Yngve Holmgren nennt in seinem Heft über die 891mm-Dampfloks in Västergötland noch folgende technische Daten zu dieser Lok:

Achsfolge D
Zylinderdurchmesser 380 mm
Kolbenhub 400 mm
Treibraddurchmesser 800 mm

Rostfläche 1,1 m²
Verdampfungsheizfläche 55 m²
Dampfdruck 13 atü

Zugkraft 7.950 kg
Dienstgewicht 28 t

Kohlenvorrat 1 t
Wasservorrat 2,9 m³

Radstand 2.950 mm
Länge über Pufferbalken 7.740 mm

Wer kann hier weiterhelfen?
Danke für Eure Mühen.

Viele Grüße
Frank

Edit: Begriff Heizfläche durch Verdampfungsheizfläche ersetzt, Korrektur Rechtschreibfehler



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:11:16:21:06:19.

Hmmm

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 16.11.10 09:35

die Lok auf dem Foto sieht mir aufgrund ihres Baustils einfach viel zu sehr nach Hanomag aus, als daß sie von Henschel gebaut sein sollte. Auch ist mir diese sehr hohe H-Nummer für Henschel gänzlich unbekannt. Wo stammt die Angabe hierzu eigentlich her?

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(
Moin Frank!

Die Henschel-Fabriknummer passt so gar nicht in das Henschel-Lieferverzeichnis, weil viel zu hoch. Ich habe mir daraufhin selbiges Verzeichnis vorgeknöpft und bin die Liste (im fraglichen Zeitraum) nach den Suchkriterien "Achsf. D" und Spurw. < als 1435mm durchgegangen. Fehlanzeige! Es wurden zwar etliche Loks dieser Art, natürlich mit einer erheblich niedrigeren Fab.-Nr. gefertigt, aber eben auch an die Besteller ausgeliefert. Eine kundenlose Bau-Nr. ist nicht darunter, weder im Schmalspur- noch im Normalspurbereich. Wenn man mal unterstellt, das der Baubeginn tatsächlich bei Henschel war, dann hat Hanomag zumindest stilistisch die Lok bis zur "Henschel-Unkenntlichkeit" verändert. Fazit: Leider habe ich keine Erkenntnisse gewinnen können, die den von den Schweden vermuteten Werdegang der Lok bekräftigen könnten...

Viel Erfolg bei Deiner Recherche wünscht Dir

Helmut

Re: [SE] ??? Fragen zu Hanomag-Lok ... mit Bildlink

geschrieben von: frank58

Datum: 16.11.10 21:41

Hallo Joachim und Helmut,

danke für Eure Antworten.

Die Aussagen bezüglich der Henschel-Werknummer stammt aus dem o.g. schwedischen Eisenbahnbuch "Industrilok i Västergötland" von Mats Freding (SJK-Småbaneavdelning, Ausgabe 1984).
Mats Freding hat sich in der schwedischen Eisenbahnliteratur vor allem durch seine Beiträge zu den schmalspurigen Industriebahnen einen Namen gemacht. Insofern halte ich seine Aussage zunächst für richtig.

Auch für mich ist hohe Henschel-Werknummer der entscheidende Knackpunkt (auf keinen Fall reiht sie sich in die Fabriknummern der Lokproduktion ein). Wenn die Aussage stimmen sollte, dass die Wurzeln der Lok bei Henschel liegen, dann könnten es eventuell nur Einzelteile oder Baugruppen sein, die von Hanomag gekauft wurden und in eigener Produktion zu einer fertigen Lok verbaut wurden.

Weitere Hinweise in der schwedischen Literatur habe ich nicht gefunden. Auch Janis Priedits hält sich hier mit Angaben in seinen Loklieferlisten (im Forum des IndustriBaneFöreningen – IBF) sehr bedeckt.

Inzwischen wurde der Beitrag im schwedischen HiFo verlinkt. Aber auch hier wissen die Eisenbahnfreunde momentan nicht weiter. Einer vermutet, dass eventuell eine 900mm-Lok genommen wurde und die Radkränze jeweils um 4,5mm abgedreht wurden. So könnten recht einfach die 891mm-Radsätze entstehen, zumal auch eine recht preiswerte Alternative.

Viele Grüße
Frank

Re: [SE] ??? Fragen zu Hanomag-Lok ... mit Bildlink

geschrieben von: Berra

Datum: 17.11.10 14:31

Hej alle !
Die Lok wurde 1926 von Hanomag geliefert, FNr 10487. Als die Fertigung von Hanomag durch Henschel übernommen wurde, inkl. Zeichnungen und Kundenstock usw, erhielt die Lok in Prospekten von Henschel das "Kennwort" H44035. "H" bedeutet "Hanomag" (es gab auch andere Kennbuchstäben, so LH bei Konstruktionen von LHW, usw), "44" war die Achsanordnung. "035" war wohl eine Art laufende Nummer, die ich nicht erklären kann. "H44035" war also nie eine Fabriknummer. In den Prospekten erhielten "richtigen" Henschel-Loks die eigentlichen Fabriknummern als "Kennziffer".
Siehe dazu "Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn und Industrie-Lokomotiven von HENSCHEL", Steiger-Verlag 1982, Bild Seite 67 oben (wobei die Spurweitenangabe falsch ist!) sowie Tafel 8 (Nr 359). In diese Tafeln sind viele Hanomag-Loks aufgenommen, so z.B. die 1'D1'-Loks der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn, Hanomag FNr 10566-10568 / 1927 als "H46023" (Tafel 9, Nr. 392, sowie Bild Seite 78) gekennzeichnet.
Grüssen aus Schweden,
Berra

Re: [SE] ??? Fragen zu Hanomag-Lok ... mit Bildlink

geschrieben von: frank58

Datum: 17.11.10 20:57

Hej Berra,
tack så mycket.

Mit Deiner plausiblen Erläuterung einschließlich der Quellenangaben hast Du aus meiner Sicht den Widerspruch mit der "Henschel-Nummer" aufklären können.
Dieser Sachverhalt, dass Henschel eine Art "Kennziffer" für die firmenfremden Lokomotiven eingeführt hat, ist für mich neu. Vielleicht kann ich mir das von Dir zitierte Buch in einer Bibliothek mal ausleihen.

Für mich war es erfreulich, dass mein Beitrag im schwedischen Järnvägshistoriskt Forum verlinkt wurde und somit eine schnelle Klarstellung ermöglichte. Danke für die Beiträge der schwedischen Eisenbahnfreunde.

hälsningar

Frank

Re: [SE] ??? Fragen zu Hanomag-Lok ... mit Bildlink

geschrieben von: Berra

Datum: 17.11.10 22:11

Hej !
Die Angabe 914 mm als Spurweite mag davon herrühren, dass es "drei Fuss" waren. Drei "alte" schwedische Fuss waren 891 mm, daher genau diese Spurweite bei vielen Schmalspurbahnen in Schweden. Aber drei englische Fuss waren 914 mm. Es scheint mir, Hanomag oder/und Henschel hat die "alten schwedische Füssen" nicht beachtet... Vielleicht war der Bestellung aus Schweden in dieser Beziehung etwas unklar..?
Ich bin froh, bei diese Frage etwas hilflich zu sein...
Hälsningar från Sverige,
Berra

Re: [SE] ??? Fragen zu Hanomag-Lok ... mit Bildlink

geschrieben von: frank58

Datum: 17.11.10 22:36

Hej Berra,

an die Maße der englischen/schwedischen "Füße" habe ich überhaupt nicht gedacht. (Aber durch solche Massverwechslung ist ja damals auch die Schmalspurbahn von Köping, KURJ, zu ihrer besonderen Spurweite von 1.093mm gekommen.)

Nun ist für mich alles klar. Danke für Deine Antworten.

Hälsningar från Tyskland
Frank