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 04 - Historische Bahn 

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El topo, der Maulwurf, das ist die internationale Meterspurlinie von Hendaye in Frankreich über den "Puente internacional" nach der spanischen Grenzstadt Irun und weiter über Renteria nach San Sebastian. Ende 1912 war die 21 km lange Linie fertiggestellt. Sie führte durch zahlreiche Tunnels, deshalb der Übername "el topo" (der Maulwurf). Die Bahngesellschaft hiess grossspurig Soc. Explotadora de Ferrocarriles y Tranvias (SEFT). Im Laufe der Jahrzehnte erfuhren die 9 Ursprungstriebwagen zahlreichen Umbauten, aber auch vorzeitige Ausmusterungen, meist in Zusammenhang mit Unfällen und Bränden. Das für Gleichstrom 550 Volt ausgelegte Rollmaterial strahlte bei der Übernahme durch die FEVE 1973 einen eher morbiden Charme aus.

Das Billard-Festival ist noch nicht ganz zu Ende: Bei meinem ersten Besuch am 24. Juni 1976 war die spannende Schmalspurbahn leider wegen Umbau geschlossen, nur auf dem Abschnitt bis Renteria wurde ein bescheidener Ersatzverkehr mit dem ausgeliehenen Billard-Triebwagen 2145 (Ferrotrade 1961) angeboten.
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Für Notfälle wurde die Draisine DN 2 vorgehalten. Sie verfügte über einige Sitzplätze von gleicher Form, wie ich sie von den Zürcher Tramwagen her kannte.
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Am 12. August 1977 hatte ich Glück. El topo war wieder in Betrieb, und zwar mit neu erstellten Hochperrons im Bahnhof der Baskischen Hauptbahn nach Bilbao. Der alte SEFT-Bahnhof Amara befand sich im Abbruch.
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Zwei alte Triebwagen mit einem oder zwei Anhängern fuhren den Stundentakt nach Handaye, ein dreiteiliger Pendelzug besorgte die Verdichtung zum Halbstundentakt bis ins 18 Fahrminuten entfernte Renteria. Triebwagen MC 1 war ein um 1963 erstellter Neubau auf der Basis eines Personenwagen-Untergestells der stillgelegten Plazaola-Bahn. Er führte die gleich alten Beiwagen RC 2 und RC 11 mit. MC 1 im Bahnhof San Sebastian, links die Lokomotiven 11 und 16 (Asea) der Bahn nach Bilbao.
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Ausfahrt des gut besetzten Triebwagens nach Hendaye.
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Die gleiche Komposition von der anderen Seite: RC 11, RC 2 und MC 1
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Halt im damals noch gut bewachten Haltepunkt Puente Internacional. Hier musste man aussteigen, wurde im Innern des Gebäude recht genau kontrolliert. Anschliessend stieg man wieder in den Zug, der inzwischen auf die andere Seite des gut sichtbaren roten Absperrgitters vorgerückt war. Fotografieren braucht an dieser Stelle einigen Mut zu jener Zeit. Die Häuser im Hintergrund liegen jenseits der Grenzbrücke, sie gehören bereits zum französischen Hendaye.
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MC 4 fuhr mit den Wagen RC 1 und RC 10 den zweiten Langstreckenkurs nach Hendaye. Hier beim Umfahren in San Sebastian.
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Man sieht dem Fahrzeug an, dass ein Teil der Plätze früher zur Polsterklasse gehörten. Die seltsame Form der Führerstände ist natürlich nicht original. Die unterschiedliche Ausführung der Blechverkleidungen lässt das Fahrzeug "handgestrickt" erscheinen.
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Zurückschieben zum Bahnsteig.
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Nebenan wartet Lok 16 mit einem durchgehenden Personenzug nach Bilbao.
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Ausfahrt MC 4, RC 1 und RC 11 nach Hendaye.
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RC 1 dürfte mit dem nicht einzeln porträtierten RC 2 übereinstimmen.
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RC 11 unterschied sich von RC 10 durch den doppelten Mitteleinstieg. Die primitiven Holzrahmen-Senkfenster bilden einen eigenartigen Kontrast zu den modernen, gummigefassten Fensterscheiben im Einstiegsbereich und an den Wagenübergängen. Der "handgestrickte" Blechaufbau wirkt irgendwie exotisch.
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Für die Verdichtung zum Halbstundentakt nach Renteria verfügte "el topo" über zwei Pendelzüge, bestehend aus Motorwagen, ein oder zwei Beiwagen und Motorwagen. Für diese Dienste standen die Mitteleinstieg-Triebwagen 30-32 zur Verfügung, welche um 1950 auf den Untergestellen von Beardmore-Dieseltriebwagen der eingestellten Plazaola-Bahn aufgebaut worden waren. Dazu kam der etwas ältere Aufbau-Tw 51. Die Beiwagen besassen die Untergestelle von Wagen der eingestellten Strassenbahn San Sebastian - Hernani.

MC 30 in San Sebastian.
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Dreiwagenzug mit MC 30 an der Spitze verlässt bei Pasaia einen der zahlreichen Tunnel, die "el topo" den Namen gegeben haben.
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MC 32 abfahrbereit in San Sebastian.
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MC 31 am Schluss des Zuges.
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Ausfahrt MC 32 nach Renteria.
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Nachschuss auf MC 31.
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MC 31 am Ende eines Zuges nach Renteria.
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MC 32 trifft in Pasaia ein.
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MC 54, einer der vier Mittelwagen.
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Die Modernisierungsarbeiten der FEVE waren schon fast abgeschlossen, die neuen Triebwagen der Serie 3500 standen im nächtlichen Probeeinsatz, da geschah das Unfassbare: Am 5. Mai 1978 schaltete jemand irrtümlich die Fahrleitung auf die neue Spannung von 1500 Volt um, und sämtliche alten 550-Volt-Fahrzeuge gaben auf der Stelle den Geist auf!

Nur eine Woche später kam ich nach San Sebastian und fand im Bahnhof den bereits ausgeschlachteten Triebwagen MC 2, bereit für den Transport zum Schrotthändler. Er glich äusserlich MC 4.
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Auf der Weiterfahrt mit der baskischen Bahn Richtung Bilbao bot sich mir auf dem zweiten Bahnhof Añorga ein dramatisches Bild: Fast das gesamte ausser Gefecht gesetzte Rollmaterial von "el topo" harrte hier seines unausweichlichen Schicksals! Ich versuchte, nachträglich die jeweils nächsten Fahrzeuge zu identifizieren. Zum Glück befanden sich bisher nicht fotografierte Wagen darunter.

Links angeschnitten RC 3, dann MC 30
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MC 1, dahinter RC 1 und 3
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MC 31, dahinter MC 1
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Links angeschnitten RC 52, dann MC 32 und MC 31
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Links MC 51, hinten MC 31
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Links angeschnitten RC 53, in Bildmitte der Einzelgänger MC 51
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In Durango, schon in der Nähe von Bilbao, traf ich dann noch MC 5, der noch die SEFT-Farben trug. Er hatte schon vor der Verstaatlichung 1973 den Dienst quittiert.
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Ein Blick auf die Dienstfahrzeuge sowie auf die neuen Triebwagenzüge folgt im 2. Teil.

Weitere Berichte über Bahnen in Spanien
[www.drehscheibe-foren.de]



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:10:14:10:15:05.
Hallo Werner - Ein "Tsunami" von herrliche Bilder und interessante Berichten aus Spanien - vielen vielen Dank.
mfg
Paul
Hallo Werner,

Dein Bericht zeigt es: diese heute sehr effiziente und zeitgemäße Vorortbahn, die dem Eisenbahnfreund freilich kaum noch etwas Interessantes zu bieten hat, war auch einmal ein an Kuriositäten reiches Reiseziel. Man sieht mal wieder, wie sehr doch in den letzten Jahren des Franco-Regimes die Investitionen in die Infrastruktur vernachlässigt wurden; zugleich konnten sich aber aufgrund dieser Rückständigkeit Bahnen in die Moderne retten, die in Frankreich oder Deutschland schon lange verschwunden gewesen wären. Heute kommt dies den Anwohnern zugute.

Eine kleine Anmerkung: der Zwischenwagen MC 11 kommt lt. Text in beiden Zugskompositionen für den durchgehenden Verkehr nach Hendaye vor; in einem der beiden Züge muss aber wohl der MC 10 gelaufen sein.

Ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung!

Viele Grüße, Peter
......Die Modernisierungsarbeiten der FEVE waren schon fast abgeschlossen, die neuen Triebwagen der Serie 3500 standen im nächtlichen Probeeinsatz, da geschah das Unfassbare: Am 5. Mai 1978 schaltete jemand irrtümlich die Fahrleitung auf die neue Spannung von 1500 Volt um, und sämtliche alten 550-Volt-Fahrzeuge gaben auf der Stelle den Geist auf!

hallo Herr Hardmeier,

das würde doch heißen, daß sämtliche alten Fahrzeuge zu diesem Zeitpunkt die Stromabnehmer oben hatten - wenn dem so war, kann das doch nur eine abgekartete Sache gewesen sein; im Normalfall hätte es doch nur die Fahrzeuge erwischt die gerade in Betrieb waren und dann müßten ja eigentlich noch genügend Reserven vorhanden gewesen sein um den Betrieb nach Wiederumschaltung weiter zu führen;

RCH
@RCH: Da liefere ich doch gerne eine kleine Aufzählung vom Frühling 1978 nach, die vielleicht auch für andere von Interesse ist.

Triebwagen-Bestand:
MC 1: fast täglich im Einsatz
MC 2: schon 1977 abgestellt, als Ersatzteilspender ausgeschlachtet
MC 3: am 5. Februar 1977 im Tunnel Herrera - Molinao mit Lok 102 zusammengestossen, nicht mehr repariert
MC 4: fast täglich im Einsatz
MC 5: schon 1976 in Durango abgestellt, ausgeschlachtet
MC 6 und MC 7: vor 1976 abgebrochen
MC 30-32 und MC 51: zwei davon als Wendezug im Einsatz, die beiden anderen bildeten die technische und betriebliche Reserve.
Lok 101: seit 1976 im 1500 Volt-Bereich des Bahnhofes San Sebastian abgestellt
Lok 102: am 5. Februar 1977 im Tunnel Herrera - Molinao mit MC 3 zusammengestossen, nicht mehr repariert

Bedarf:
Normalerweise waren damals 4 Tw in 3 Diensten eingeteilt, nämlich zwei einzeln fahrende Tw (meist MC 1 und MC 4) sowie ein Wendezug mit je einem Mitteleinstieg-Tw hinten und vorn.

Betriebliche Einschränkung:
Die Mitteleinstieg-Beiwagen passten nur zu den Mitteleinstieg-Triebwagen, die Endeinstieg-Beiwagen konnten nur mit den Endeinstieg-Triebwagen sowie mit den beiden Loks.

Fazit:
Am 5. Mai 1978 haben also 4 von nur noch 6 betriebstüchtigen 550-Volt-Triebwagen eine tödliche Überdosis Spannung erhalten. Mit den zwei übrig gebliebenen konnte nicht einmal ein Notbetrieb aufgezogen werden. Die Reaktivierung von Lok 101 hätte die Lage nur unwesentlich verbessert.

kein Kommentar:
Ob die notfallmässige Inbetriebnahme der schönen 1500 Volt-Züge nun ein Meisterwerk der Improvisation oder das Resultat eines abgekarteten Spiels war, das steht mir nicht an zu kommentieren... Wäre noch interessant, was unsere spanischen Freunde dazu zu sagen hätten.

Gruss aus Rümlang

Werner Hardmeier



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:01:07:14:21:16.
Irgendwie ist mir der Beitrag "durchgegangen", ich bin erst jetzt darauf gestoßen.

Schöne Impressionen aus einer Ecke Spaniens, die ich überhaupt nicht kenne. Und den "Gleislatscher" finde ich einfach göttlich!