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 04 - Historische Bahn 

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Kassel – Eschwege 1985

geschrieben von: UvW

Datum: 25.09.10 17:54

Guten Tag,
ich möchte das Jahr 2010 nicht verstreichen lassen, ohne selbst an das Ende des Personenverkehrs auf der Strecke Kassel – Eschwege vor 25 Jahren zu erinnern. Gleichzeitig endete damit im Abschnitt Walburg – Waldkappel der Gesamtverkehr.

Im Frühjahr 1985 versuchte ich bei mehreren Besuchen noch einige Bilder von dieser Strecke zu machen, leider ergaben sich alle Gelegenheiten bei schlechtem Wetter; die Fahrten wurden meist mit dem Zug unternommen.

Häufig waren wir auf Familienausflügen in Waldkappel. Dabei entstanden die folgenden Aufnahmen am 8.4.1985. Zugkreuzung im Bahnhof Waldkappel. Aus Kassel ist 216 221 gekommen, den Zug aus Eschwege nach Kassel bespannt die blau-beige 216 211.


http://abload.de/img/kb01909kopieyaprw.jpg


Ausfahrt in Richtung Kassel



http://abload.de/img/kb01910kopiepwrjb.jpg


Auffällig für die Endzeit dieser Strecke: meist reichte eine Personenwagen (Bn oder Byl), dafür war der Güterteil mit MDyg oder gedeckten Güterwagen oft in der Mehrzahl.

Der Bahnhof Waldkappel ist als Keilbahnhof angelegt worden. Bis zur Stilllegung der Strecke Richtung Spangenberg 1974 fuhren daher die Züge der Kanonenbahn auf der anderen Bahnhofsseite ab. 1985 sah es hier so aus, dass die meisten Gleise noch lagen, aber mit abgestellten Güterwagen belegt waren.



http://abload.de/img/kb01912kopied2qgc.jpg



http://abload.de/img/kb01913kopiez8qtj.jpg



Die Gleise in Richtung Spangenberg waren 1985 längst herausgerissen. Die Kanonenbahn musste in Waldkappel mit mehreren Brücken das Tal überqueren. Diese standen mindestens 1985 noch:



http://abload.de/img/kb01916kopiezgocd.jpg



http://abload.de/img/kb01918kopiep9oxq.jpg



Auffällig am Bahnhof Waldkappel war, dass dieser ein relativ neues Bahnhofsgebäude (und Lichtsignale) aufwies.



http://img801.imageshack.us/img801/8171/kb01914kopie.jpg



Grund dafür: der Bahnhof Waldkappel wurde am 31.3.1945 bei der Explosion eines Munitionszugs vollständig zerstört. Dabei gab es wenige Tage vor Kriegsende 17 Tote. Den vor der Einfahrt wegen der Tieffliegerangriffe wartenden Räumzügen der Eisenbahnämter aus Kassel war damit die Weiterfahrt nach Osten versperrt. Diese hatten bereits am Vortag Kassel verlassen und waren durch für die Weiterfahrt notwendige Aufräumarbeiten im Bahnhof Papierfabrik und in Walburg aufgehalten worden. Am 4. April besetzten die Amerikaner Kassel.

Zurück zum Jahr 1985. Hier noch einige weitere Bilder von anderen Bahnhöfen, zunächst aus Kassel-Bettenhausen am 9.4.1985


http://abload.de/img/kb01926kopiej2ot3.jpg



Walburg


http://abload.de/img/kb01969kopies9pud.jpg



und Helsa am gleichen Tag



http://abload.de/img/kb01974kopiejzrve.jpg



http://abload.de/img/kb01977kopiehtrwn.jpg


Ob es sich rechts um einen früheren Köf-Schuppen handelt?

Ich würde mich sehr freuen, wenn weitere Forumsteilnehmer Ihre Bilder aus dieser Gegend zeigen würden; sehr gerne auch von der Kanonenbahn und von den in Walburg abzweigenden Strecken Richtung Großalmerode, denen ich gelegentlich einen eigenen Beitrag widmen möchte.


Gruß
UvW

Edit 13.6.2015: Bilder neu eingestellt



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:06:13:20:34:21.

Re: Kassel – Eschwege 1985

geschrieben von: Michael Fischbach

Datum: 25.09.10 18:46

Sehr interessant, vielen Dank.
Der Bahnhof Waldkappel war deutlich in Richtung Malsfeld und Treysa ausgerichtet (Kanonenbahn), während die Gleisanlagen in Walburg auf Großalmerode ausgerichtet waren, wie auf Deinen Bildern zu sehen. Das lässt schließen, dass die Strecke zwischen diesen Bahnhöfen quasi ein Lückenschluss war, oder ?

Re: Kassel – Eschwege 1985

geschrieben von: Volker Blees

Datum: 25.09.10 23:07

Hallo Michael,

> Sehr interessant, vielen Dank.

Dem schließe ich mich an!

> Der Bahnhof Waldkappel war deutlich in Richtung
> Malsfeld und Treysa ausgerichtet (Kanonenbahn),
> während die Gleisanlagen in Walburg auf
> Großalmerode ausgerichtet waren, wie auf Deinen
> Bildern zu sehen. Das lässt schließen, dass die
> Strecke zwischen diesen Bahnhöfen quasi ein
> Lückenschluss war, oder ?

Nein, die 'Kanonenbahn' Treysa - Malsfeld - Waldkappel - Niederhone (= Eschwege West) und die Strecke KS-Bettenhausen - Walburg - Waldkappel wurden 1879 eröffnet. Waldkappel ist als Keilbahnhof angelegt, wobei die Kanonenbahnseite "stärker" wirkt, weil dort die Güterverkehrsanlagen angelegt waren. Beide Strecken wurden übrigens als Hauptbahnen trassiert, gebaut und betrieben.

Die Nebenbahn Walburg - Epterode - Großalmerode folgte zur Erschließung der Braunkohlereviere im Meißnergebiet bereits 1883/84. In Walburg entstand so ein kleiner Eisenbahnknoten mit Lokschuppen und Eselsrücken. Eine Ausrichtung der Gleisanlagen auf Großlmerode ist m.E. nicht erkennbar.

Grüße
Volker

Re: Kassel – Eschwege 1985

geschrieben von: timmsiegel

Datum: 25.09.10 23:15

Hallo Michael

Das ist so nicht richtig. Die Kanonenbahn Malsfeld - Waldkappel - Niederhone(Eschwege West) wurde am 15 Mai 1879 eröffnet, das "Botenlieschen", also die Strecke Ks-Bettenhausen - Walburg - Waldkappel kurz darauf am 01.12.1879. Da lagen noch keine Gleise nach Grossalmerode, obwohl man dort schon lange am Bahnanschluss interessiert war, versprachen dort doch die Tonindustrie und der Braunkohlenbergbau entsprechendes Transportaufkommen.
5 Jahre später dann,am 01.02.1884 eröffnete man die Strecke Walburg - Velmeden - Epterode - Grossalmerode(West), an welcher die wichtigsten Verlader angesiedelt waren.
Erst am 15.12.1915 eröffnete man dann die Gelstertalbahn, (Walburg) - Velmeden - Grossalmerode(Ost) - Eichenberg. Somit war Walburg - Waldkappel kein Lückenschluss. Die Ausrichtung der Walburger Gleisanlagen hatte auch topographische Gründe, denn der Bhf Walburg ist zu nicht unerheblichen Teilen aufgeschüttet.
Somit mussten der "Rangierbahnhof" mit Ablaufberg und die Lokstation am nördlichen Bahnhofsrand errichtet werden, da es auf der südlichen Seite bergab ging und da auch der Ort liegt. Das passte natürlich insofern, da die Masse des Güterverkehrs hier über Epterode hereinkam und somit die Relation Kassel - Waldkappel - Eschwege nicht gekreuzt werden brauchte.
Die Güterzüge von Grossalmerode konnten getrennt von der Waldkappeler Bahn einfahren und behandelt werden. Eine Ausfahrt Ri. Kassel erfolgte dann aus separaten Gleisen für den Gv am westlichen Bahnhofskopf beim Stw. Ww.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:09:25:23:21:05.

Re: Kassel – Eschwege 1985

geschrieben von: RSH

Datum: 26.09.10 11:22

Hallo UvW,
danke für diesen schönen Beitrag von der Strecke Kassel- Eschwege, die ich noch aus eigener Anschauung zur Genüge kenne- wurde ja bis 1973 auch noch mit BR 050-053 und dreiachsigen Umbauwagen befahren ! Leider habe ich aus der frühreren Zeit noch keine Bilder, nur wenige, als die Strecke zwischen Ks-Bettenhausen und Walburg nur noch im Güterverkehr befahren wurde- aber auch das ist ja leider schon Geschichte, da bei Walburg keine Braunkohle mehr gefördert wird, der Bundeswehr-Standort Hess- Lichtenau aufgegeben wurde und und und...
Gruß
RSH

Frage zum letzten Bild

geschrieben von: Ihrefeld

Datum: 26.09.10 14:01

Hallo UvW!

Ein sehr schöner Bilderbogen einer mir leider unbekannten Strecke!

Eine Frage: Wo ist das letzte Bild aufgenommen worden?

Vielen Dank und Grüße!

Joachim

Re: Frage zum letzten Bild

geschrieben von: UvW

Datum: 26.09.10 18:42

Danke für die freundliche Resonanz.
Auch das letzte Bild ist in Helsa entstanden. Zu den Eröffnungsdaten und der Entstehungsgeschichte ist ja bereits viel geschrieben worden.
Gruß
UvW

Vielen Dank! (o.w.T)

geschrieben von: Ihrefeld

Datum: 26.09.10 22:14

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Re: Kassel – Eschwege 1985

geschrieben von: Waldkappler

Datum: 27.09.10 09:48

Hallo,
sehr schöne Bilder von meiner Haus und Hof Strecke!
Bei dem Botenlieschen handelt es sich aber nicht um die CWE Cassel-Waldkappler-Eisenbahn, sondern um die Nebenbahn von Schwebda über Wanfried nach Treffurt, welche längst abgebaut ist..

Freundliche Grüße vom Waldkappler