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 04 - Historisches Forum 

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Hier zunächst der Verweis auf die vorangegangenen Teile dieser Reihe:

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 251/171 der DR – Teil 1

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 251/171 der DR – Teil 2

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR'n E 211 und 251/171 der DR – Teil 3


Nachdem wir uns in den ersten drei Teilen mit der Geschichte des 50 Hz-Betriebes bei den deutschen Eisenbahnen im allgemeinen und speziell mit der Entwicklung der 50 Hz Lokomotiven bei der DR befasst haben, widmen wir uns heute der einzigen mit 25kV/50 Hz elektrifizierten Strecke (sieht man mal von dem Versuchsabschnitt bei Wustermark ab) in der DDR, der Strecke von Blankenburg nach Königshütte (- Tanne).



Wer an Eisenbahnen im Harz denkt, denkt in der Regel zunächst erst einmal an die dampfbetriebenen Schmalspurbahnen im nördlichsten Mittelgebirge dieses Landes. Aber es gibt eine weitere, normalspurige Bahn, die mit einigen Besonderheiten aufwarten kann: Die Rübelandbahn.

Diese wurde am 15 Oktober 1885 zwischen Blankenburg/Harz und Tanne durch die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahngesellschaft (HBE) als gemischte Adhäsions- und Zahnradbahn in Betrieb genommen. Sie diente hauptsächlich dem Abtransport wichtiger Bodenschätze aus dem Harz, hauptsächlich Eisenerze und Kalk. Damals war es noch nicht möglich, derart steile Strecken mit Dampflokomotiven im Reibungsbetrieb zu befahren, so dass man die Steilstreckenabschnitte mit dem Zahnstangensystem nach Roman Abt ausrüstete, welches sich bewährte und von hier aus seinen Siegeszug durch die Welt der Eisenbahn begann.

Nach dem ersten Weltkrieg konnte ab 1920 durch Einsatz von vier 1' E 1' - Dampflokomotiven der „Tierklasse“ (namentlich Mammut, Wisent, Büffel und Elch) auf den umständlichen und zeitraubenden Zahnradbetrieb verzichtet werden. Gleichzeitig begann man mit Überlegungen die Strecke zu verlegen, um so auf allzu steile Abschnitte und auch die Spitzkehre in Michaelstein verzichten zu können. Dazu sollte die Rübelandbahn zunächst der Strecke nach Thale folgend in östlicher Richtung um Blankenburg herum geführt werden, um dann über Wienrode in Hüttenrode wieder auf die alte Trasse zu stoßen. Um 1930 herum begann man dann aber zunächst den Abschnitt Hüttenrode – Rübeland teilweise neu zu trassieren, um so die in Lastrichtung liegende 1 : 16,6 Steigung von Rübeland nach Hüttenrode zu entschärfen. Dazu wurden der Krumme Grube-Tunnel und der Nebelsholz-Tunnel mit dem dazwischen liegenden Krocksteinviadukt errichtet, über den ab dem 12. Februar 1931 die Züge rollten. Das Projekt der Neutrassierung zwischen Blankenburg und Hüttenrode kam wegen fehlenden Geldes zu HBE-Zeiten (und auch später) nicht mehr zur Ausführung. Die Lokomotiven der Tierklasse veranlassten übrigens die DRG dazu, die schweren Tenderloks der Baureihe 95 bei Borsig in Auftrag zu geben und so den Zahnradbetrieb auf Suhl – Schleusingen und Ilmenau – Rennsteig – Schleusingen, auch durch Einsatz der BR 94.5-17, zu beenden.

Wer genau hinschaut kann auch heute noch Reste der alten Trasse, sowie Relikte wie den Bismarck-Tunnel, oder Teile der Anlagen des alten Bf Rübeland entdecken.

Der elektrische Inselbetrieb wurde jedoch erst etwa 35 Jahre später, am 10. Dezember 1965, aufgenommen. 1958 hatte die DDR beschlossen, eine leistungsfähige Chemieindustrie aufzubauen (Chemieprogramm), wofür große Mengen Kalkstein, insbesondere aus dem Harz, benötigt wurden. Mit der bisherigen Betriebsführung im Rübeland war das nicht zu bewerkstelligen und man entschloss sich, den 23,5 Kilometer langen Abschnitt Blankenburg – Königshütte, zu „rekonstruieren“ und dabei auch eine Elektrifizierung mit 25 kV/50 Hz vorzunehmen. So konnte die Energie dem Landesnetz entnommen werden, zumal die Strecke abseits des seinerzeit elektrisch betriebenen Bahnnetzes lag. Auch dem elektrischen Betrieb war eine Trassenverbesserung vorausgegangen. Da der Querschnitt des Bielsteintunnels zwischen Michaelstein und Braunesumpf einen Fahrdraht nicht zuließ, wurde die Strecke kurzerhand durch einen Einschnitt um den Berg herum verlegt.

Probleme mit Kriechströmen, die zu unkontrolliertem Auslösen von Sprengungen im Gebiet um das Erzbergwerk Braunesumpf und in den Kalkbrüchen um Rübeland führten, machten den vorrübergehenden Einsatz von Diesellokomotiven notwendig, bevor am 01. August 1966 endlich der volle elektrische Betrieb mit den neuen Lokomotiven der Baureihe E 251 aufgenommen werden konnte.

Für den Abschnitt Königshütte – Tanne, wo Anschluss an die Harzquerbahn (bis 1945 auch an die Südharzeisenbahn) bestand, bedeutete die Elektrifizierung der Rübelandbahn das „Aus“, zumal seinerzeit wohl Planungen einer Talsperre an der Warmen Bode bestanden, die die Verlegung der Straße von Tanne nach Königshütte auf den Bahndamm notwendig gemacht hätten. Die oft zitierte Grenznähe dürfte nur am Rande ausschlaggebend für die Aufgabe dieses Abschnitts gewesen sein, führte doch die Harzquerbahn nur wenige Kilometer weiter entlang des Grenzzaunes mitten durch das Sperrgebiet. Eher dürfte die fehlende Wirtschaftlichkeit der Elektrifizierungsmßnahme ein weiterer Grund gewesen sein. Auch die Stichstrecke von Elbingerode nach Drei Annen Hohne, wo Anschluss an die Harzquer- und Brockenbahn bestand, wurde Mitte der sechziger Jahre (die Angaben schwanken zwischen 1963 und 1965) aufgegeben.

Mit der Elektrifizierung kamen die fünfzehn bei LEW gebauten Lokomotiven der Baureihe E 251 (später 251, seit 1992 Baureihe 171) auf der Strecke zum Einsatz.


Im Bildteil konzentrieren wir uns heute auf das Bw Blankenburg, der Heimat der auf der Rübelandbahn eingesetzten Lokomotiven.


Am Vormittag des 14. Mai 1996 warteten gleich fünf Loks der Baureihe 171 auf ihre nächsten Einsätze. Links die 171 005, in der Mitte die 171 014 und 013, sowie rechts die 171 001 zusammen mit der 171 011:
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Neben dem Lokschuppen die 171 011/171 001, rechts die 171 013/171 014 und vor dem Schuppen ein Akku-Schleppfahrzeug (ASF):
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Die selben Fahrzeuge sind auch auf den nächsten Bildern zu sehen, so dass ich mir weitere Anmerkungen sparen kann:
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Als Ersatzteilspender diente die 171 007
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In der Folgezeit „erröteten“ die ersten Loks. So fotografierte am 07. August 1998 W. Ballon (†) die 171 004 und 171 014 im „DB Cargo-Look“:
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Doch nicht nur die Loks der Rübelandbahn waren im Bw Blankenburg anzutreffen. Für den Verkehr mit dem Stahlwerk in Ilsenburg war eine zeitlang die Oberhausener 232 800 in Blankenburg zu Gast. Diese entstand 1997 durch Umbau der 232 237. Sie erhielt neben einem neuen 4000 PS starken Motor vom Typ 2-5D49M, leistungsstärkere ED 133-Fahrmotoren, einen elektronischen und radargestützten Gleit- und Schleuderschutz, sowie eine 100 km/h-Übersetzung, wodurch die Anfahr- und Dauerzugkraft auf 450 bzw. 290 kN und die Leistung am Radumfang auf 3250 PS stieg. Sie kam meines Wissens zumindest im Planbetrieb nicht auf die Rübelandbahn. Am 04. April 2002 konnte ich die Lok im Bw Blankenburg antreffen:
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1999 entstanden dann 5 Loks der 1. Umbauserie der Baureihe 241, deren Prototyp die 232 800 faktisch war. Es waren die 241 008, 338, 353, 449 und 697. Diese erhielten zusätzlich, bis auf die 241 008, die niederländische Zugsicherung ATB um nach Holland fahren zu können, und wurden in der Folge vor bis zu 3800 t schweren Güterzügen von Oberhausen mit Zügen nach Amsterdam und Rotterdam eingesetzt. Anfang 2002 erwog man die Ablösung der 50 Hz-Elloks der Reihe 171 durch die Baureihe 241. Dazu weilten einige dieser Lokomotiven ebenfalls beim Bw Blankenburg. Am 04. April 2002 konnte ich die 241 008 und eine weitere 241 unbekannter Nummer im Bw Blankenburg ablichten:
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Als Wendelok des Bw Halberstadt war die DR 202 297 am 20. März 1993 im Bw Blankenburg/Harz anzutreffen, als D. Schröder (†) auf den Auslöser drückte:
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In der nächsten Folge machen wir uns auf den Weg von Blankenburg/Harz nach Königshütte. Ich hoffe, dass ihr mich dabei auch wieder recht zahlreich begleiten werdet.




Hier noch einmal der Verweis auf die ersten Folgen dieser Serie:

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die Mehrsystemlokomotiven der DB (Prolog m5B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 182 und 183 (m15B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 181.0-1 (m25B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 184.0-1 (m38B)

Ehrangs „stille Reserve“ (m6B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 181.2 – Teil 1 (m22B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 181.2 – Teil 2 (m18B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 181.2 – Teil 3 (m18B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 181.2 – Teil 4 (m17B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 181.2 – Schluss (m18B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 230 der DR und 372 CSD – Teil 1 (m16B)

„Strömchen, wechsle Dich...“ - Die BR 230/180 der DR und 372 ÇSD – Teil 2 (m17B)




Bis neulich – natürlich im HiFo

Rolf Köstner



Quellen:

Rossberg, Ralf Roman: „Der elektrische Zugbetrieb bei der Deutschen Reichsbahn“, Oldenbourg Verlag, München 1980

Müller, Siegfried Dr.-Ing., Seifarth, Horstmar Dipl.-Ing.: „Der 50 Hz-Betrieb bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR“ in EK-Aspekte 10, Freiburg 1998

Weise, Hans-Joachim: „Dreifachjubiläum der Rübelandbahn“ in EK 08/96, Freiburg 1996

[www.harz-bahnen.de]


Natürlich habt ihr recht. Aber meine Meinung gefällt mir besser.

We don't wanna put in!

Ich wurde positiv auf DSO und HiFo getestet!

"Wir danken Ihnen für Ihre Fahrt mit start*"




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:12:26:21:07:48.

Abgeschaltet beendet löschen(owt)

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 12.06.10 11:43

Abgeschaltet beendet löschen(owt)



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:12:28:15:37:59.
moin, moin,

danke, danke und nochmals danke.

es gab zeiten das sind wir (ein eisenbahnverein) jedes pfingsten, anfang der 1970ziger
in den harz gefahren.
harzquerbahn und rübelandbahn waren jährliche pflicht.
da waren die elloks noch DR grün.
nochmals D A N K E für die beiträge.

grüße aus dem süden
siegfried
Hallo,

vielen Dabnk für diesen gut recherchierten und schön bebilderten Beitrag.

Gruß Michael

Moin Rolf,

ich freue mich über die schönen Bilder der 171! Diese Lok habe ich nicht im Einsatz kennengelernt. Interessant scheinen mir die Eigentumsmerkmale zu sein. Während man an 171 001 mit DB AG - Signet noch "Deutsche Reichsbahn" lesen kann, hat man offensichtlich bei 171 011 aus "Deutsche Reichsbahn" "Deutsche Bahn" gemacht. Die anderen im Altlack tragen gar keinen Schriftzug mehr.

Eine alte Bekannte ist 232 800; diese Lok war zwischenzeitlich mal in Oberhausen-Osterfeld stationiert gewesen und mir daher im Mai und August 1999 vor die Flinte gekommen.

Danke für diesen Beitrag,

Martin
Hallo ,

Danke für die schönen Bilder einer Wirklich schönen E-Lok.
Schade das die restlichen Loks in Zwickau ? auch wenn im Schuppen abgestellt Rost ansetzen . Ebenso 171 001 / 002 beide in grün in Blankenburg .
Eine Lok ist ja schon im Ausland und wartet auf einen Einsatz ???????
Gruß
Thomas
Wie immer, ein Klasse Beitrag von Rolf Köstner.

In Blankenburg standen, wie angemerkt, die 171 001 und 171 002, leider draußen, somit nicht geschützt :

http://img194.imageshack.us/img194/5240/p3241538.jpg

http://img710.imageshack.us/img710/3772/p3241540.jpg

http://img706.imageshack.us/img706/7034/p3241541.jpg

und der Gesamtverkehr sieht nun so aus :

http://img189.imageshack.us/img189/2227/p3241543.jpg

http://img15.imageshack.us/img15/3991/p3241546.jpg

( alle Bilder 03/2010 )



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:06:14:16:16:12.