Hallo!
Heute komme ich sozusagen zu meinen Wurzeln zurück:
Am 20. März 1993 haben meine Frau und ich an unserer ersten Foto-Sonderfahrt „Mit dem ETA ins Münsterland“ teilgenommen, Veranstalter war die Arbeitsgemeinschaft Schienenverkehr Münsterland e.V. (ASM). Für meine Frau war danach ihre „Fotofahrt-Karriere“ abrupt beendet, bei mir sah und sieht das natürlich etwas anders aus…
An vielen Foto- und Sonderfahrten habe ich bis heute teilgenommen und sie haben mir ausnahmslos viel Spaß gemacht. Aber dennoch ist diese Sonderfahrt vom 20. März 1993 für mich bis heute unübertroffen geblieben, denn sie war einfach nur genial! Mit der zweiteiligen ETA-Garnitur 515 636 (rot) und 515 548 (blaubeige) ging es von Wanne-Eickel über Recklinghausen Ost, Dorsten, Coesfeld, Ahaus auf die Ahaus-Alstätter-Eisenbahn (AAE)! Von Alstätte verlief der Rückweg dann über Coesfeld, Dülmen, Lünen und Recklinghausen Ost.
Zunächst möchte ich Euch unsere Fahrkarten sowie drei Auszüge aus der Fahrplananordnung Nr. 6980 der BD Essen zeigen, die Euch die organisatorische und zuglauftechnische Abwicklung dieser Sonderfahrt verdeutlichen:
Damit dürfte übrigens auch wohl zum ersten und letzten Mal ein ETA 515 auf der AAE bzw. AEE gewesen sein oder kann mir hier einer das Gegenteil beweisen? Die Wette würde ich natürlich nur zu gerne verlieren, aber dafür müsste ich dann Beweisbilder sehen. Freuen würde ich mich aber auch über Bilder weiterer Sonderfahrt-Teilnehmer, es waren ja einige an Bord.
Das Interesse an dieser Sonderfahrt war nämlich damals bereits sehr groß, und so starteten wir frühmorgens in ausverkauftem Zustand in Wanne-Eickel. Trotz der Fahrgastmenge gab es eine Vielzahl schöner und gut organisierter Fotohalte, aber für die hervorragende Organisation ihrer Sonderfahrten ist die ASM bis heute bekannt. In bleibender Erinnerung wird mir in diesem Zusammenhang die Flüstertüte bleiben, deren Anwendung mich an alte Bundeswehrzeiten erinnerte. Aber anders war das bei solch einer Fotografenmeute einfach nicht machbar, sonst hätte man den Leuten nicht eine solche Anzahl an hochkarätigen Fotohalten bieten können. Meine Frau quittierte das Ganze nur mit einem grinsenden Kopfschütteln. Aber von dieser Seite konnte ich auch keine Unterstützung erwarten und so ist es zur oben beschriebenen Aufgabenverteilung gekommen, die sich sehr bewährt hat!
Meine Fotos habe ich seinerzeit noch mit einer einfachen Sucherkamera gefertigt, so dass die Qualität der Scans von den Negativen sicher nicht der Hammer sind. Ich hoffe aber trotzdem, dass Euch der Dokumentationswert der Bilder ein wenig für die verbesserungswürdige Qualität der Bilder entschädigt, zumal ich mir bei der Bildbearbeitung durchaus Mühe gegeben habe.
So, nun wollen wir aber bildmäßig loslegen:
Bild 1:
DZt 19200 im durchgeschalteten Betriebsbahnhof Heubach an der Strecke Dorsten-Coesfeld. Der Betriebsbahnhof wurde nur wenige Monate nach unserer Sonderfahrt im Juli 1993 aufgelassen und zurückgebaut. Das Stellwerksgebäude „Hf“ wurde abgerissen.
Von Coesfeld bis Ahaus firmierte der Zug dann unter der Bezeichnung DZt 19201.
Bilder 2+3:
Den nächsten Fotohalt gab es am Posten 56 im Legdener Beikelort. Noch stand hier das Einfahrvorsignal des Bahnhofs Legden, welches im Rahmen der Umwandlung des Bahnhofs Legden in eine Blockstelle im Sommer 1993 überflüssig wurde. Das Gebäude hat seine Funktion mit der Auflassung des Postens im Oktober 2005 verloren und gammelt nun vor sich hin. Was war das für ein schöner Posten!
Bilder 4-6:
Dann haben wir Ahaus erreicht, hier musste von Gleis 2 auf Gleis 1 umgesetzt werden, um auf die AAE-Strecke gelangen zu können. Das Ahauser Empfangsgebäude ist im April 1999 der Abrissbirne zum Opfer gefallen, um der städtischen Jugendkneipe „Logo“ Platz zu machen. Beim nördlichen Bahnhofskopf hat sich vielleicht auf den ersten, oberflächlichen Blick nicht soviel getan, aber wer genauer hinsieht erkennt eine Menge Unterschiede zum heutigen Zustand: Wegfall der Verbindungen zu den Gleisen 4 und 5 mit dem Anschluss Sandkuhle, Abzweig des Anschlussgleises zum Brennelemente-Zwischenlager heute aus Gleis 2 und Abbau der AAE-Strecke samt Anschlussweiche.
Bild 7:
Ankunft in Alstätte am Bahnsteig. Tja, hier sind die letzte beiden Züge (u.a. ASM-Sonderfahrt mit PEG-Talent) am 24. März 2007 abgefahren und die Gleisanlagen sind zwischenzeitlich abgebaut worden. Die ältere Dame auf dem Bahnsteig hatte uns übrigens im Zug erzählt, dass sie mit ihrem Mann, einem ehemaligen Bundesbahner, an dieser Sonderfahrt kurzentschlossen teilgenommen habe. Das nette und überaus gesprächige Ruhrpottduo wollte halt nur einen kleinen Tagesausflug machen und hatte überhaupt keine Ahnung, was eine Fotofahrt ist. Und so stieg die Dame in Alstätte genau in dem Moment aus, als alle zum Fotoschuss bereit standen. Mir gefiel diese Bereicherung des Motives schon damals ausgesprochen gut, andere Fahrtteilnehmer sahen das aber ganz anders und bekundeten das auch entsprechend. Gut, dass die Dame schwerhörig war!
Bild 8:
Dann zog die Akkugarnitur bis zur AAE-Lok Alstätte I (ex-Edewecht) vor. Die Lok hat es nach einem kurzen Aufenthalt in Haaksbergen/Niederlande nach meinem Kenntnisstand zur Hochwaldbahn in den Hunsrück verschlagen.
Bilder 9+10:
Wenig später wurde der ehemalige Zoll- und Lokschuppen passiert. Das Gebäude und der rote 515 636 harmonieren gut miteinander, oder? Der kurzzeitig reaktivierte Lokschuppen wurde im April 1996 abgerissen, an der Stelle entstand dann die AAE-Werkstatt, die seit der Streckenstilllegung nur noch per Lkw bedient werden kann.
Dann haben wir Alstätte verlassen und ab Ahaus ging es für uns als DZt 19202 wieder bis Coesfeld zurück.
Bild 11:
An der Stadtgrenze zwischen Ahaus und Legden wurde am Posten 57 der nächste Fotohalt eingelegt. Mein Fotostandpunkt befindet sich leider anfängerhaft auf den Gleisen, aber zur Dokumentation der Örtlichkeit sind die Bilder trotzdem brauchbar. Der Posten wurde im September 2005 aufgelassen, das Gebäude wenig später Anfang November abgerissen.
Bilder 12+13:
Der Posten 56 war auch auf der Rückfahrt ein begehrtes Fotomotiv, zumal nun der rote 515 636 den Zug anführte.
Bilder 14-16:
Dann erreichten wir den Bahnhof Legden, wo uns der lokbespannte N 7630 mit 212 214 überholte. Heute sind hier weder Überholungen noch Kreuzungen möglich und im Rahmen der Aufschaltung auf das EStw Coesfeld wird Legden im Herbst 2010 auch seine Funktion als Blockstelle verlieren. Das schöne Empfangsgebäude befindet sich bereits seit einigen Jahren in Privatbesitz, noch ist allerdings im Erdgeschoss das Fahrdienstleiterstellwerk eingerichtet.
Bilder 17+18:
Auf dem Weg nach Holtwick wurde in der Legdener Bauernschaft Isingort am Posten 54 ein weiterer Fotohalt eingelegt, dessen Nahschranke nur einen privaten Übergang eines benachbarten Landwirtes zu seiner Wiese sicherte. Auch hier ist zwischenzeitlich alles Geschichte: Das Einfahrvorsignal von Legden gibt es nicht mehr, der Bahnübergang wurde automatisiert, das Postengebäude abgerissen und selbst die Gleise bei der Umbauaktion im Sommer 1993 ausgetauscht.
Bilder 19+20:
In Holtwick kreuzten wir dann mit N 7619, der aus einer 624-Garnitur bestand. Holtwick ist seit Sommer 1993 nur noch Haltepunkt, wobei die Gebäudehülle des ehemaligen Empfangsgebäudes bzw. des Stellwerks „Hf“ nach einer Übergangszeit als Posten 50 (Auflassung 14.08.2006) bis heute funktionslos überlebt hat.
Bild 21:
Nun kommen wir endlich zu einem Posten, wo heute noch kurbelt wird: Posten 48 zwischen Holtwick und Coesfeld bei der Siedlung Höven in der Coesfelder Bauernschaft Brink.
Bild 22:
Ankunft im Bahnhof Coesfeld auf Gleis 8, welches ebenfalls heute nicht mehr existiert.
Von Coesfeld sind wir dann bei der Rückfahrt über Dülmen als DZt 19203 bis Lünen Süd gefahren.
Bild 23:
Somit konnten wir auch einen Fotohalt in Lette einlegen, dessen Bahnhof seinen Bahnhofsstatus im Jahre 1990 verloren hat. Im ehemaligen Empfangsgebäude ist seit 1994 ein niedliches und sehenswertes Eisenbahnmuseum untergebracht, welches jeden ersten Sonntag im Monat von 15.00 – 18.00 Uhr geöffnet hat.
Bild 24:
Dieses Bild ist eigentlich nicht nur hinsichtlich meines Fotostandpunktes indiskutabel, aber so viele Bilder sieht man ja von der Blockstelle Ondrup nicht und Personenzughalte gab es nach 1983 hier auch nicht mehr planmäßig. Aus diesem Grund habe ich dieses Bild zu Dokumentationszwecken in den Beitrag eingebaut.
Bild 25:
Ankunft in Lüdinghausen mit dem Wärterstellwerk „Ln“ am nördlichen Bahnhofskopf im Hintergrund
Bild 26:
Das letzte Bild, was ich zeigen möchte, habe ich bei der Ausfahrt aus Bork gemacht.
So, das waren meine Bilder aus dem westlichen Münsterland von unserer damaligen ASM-Sonderfahrt. Wie hörte ich kürzlich noch: „Eine unvergessliche Fahrt!“ Ach, wie gerne würde ich diese Fahrt morgen wiederholen…
Wer noch die nostalgischen Überbleibsel auf dem nördlichen Abschnitt der Westmünsterlandbahn (KBS 412, ex-KBS 289) zwischen Gronau und Coesfeld fotografieren möchte, sollte den Ausflug nicht auf die lange Bank schieben. Für die 46. KW 2010 ist die Aufschaltung dieses Abschnittes einschließlich des Bahnhofs Coesfeld und ggf. des neuen „Hauptbahnhofs“ Lutum auf das EStw Coesfeld vorgesehen und die vorherigen Bauarbeiten tragen schließlich auch nicht gerade zur Verschönerung der Fotomotive bei. Hinsichtlich der Fahrzeugvielfalt muss ich allerdings leider die Fotofreunde enttäuschen, denn auf der Westmünsterlandbahn wird der planmäßige Personenverkehr ausschließlich mit PEG-Talenten der Baureihe 643 abgewickelt. Öffentlicher Güterverkehr existiert seit der Stilllegung der AAE zwischen Gronau und Coesfeld nicht mehr.
Folgende „seilzugmechanischen Höhepunkte“ bestehen noch im Abschnitt zwischen Gronau und Coesfeld und laden zu einer baldigen fotografischen Umsetzung ein:
• Bahnhof Epe mit den Stellwerken En und Ef (ehemaliges, zurückgebautes EG)
• Posten 64 an der B 474 zwischen Ahaus und Epe
• Posten 61 nördlich von Ahaus
• Bahnhof Ahaus mit Stellwerk Af und Zwergformsignal
• Blockstelle Legden mit hübschem Stellwerk im ehemaligen EG
• Posten 48 zwischen Holtwick und Coesfeld in der Bauernschaft Brink
• Bahnhof Coesfeld mit den Stellwerken Cmf und Cn und den Talenten der PEG, DB (Coesfeld-Münster) und NWB (Coesfeld-Dorsten)
Im weiteren Verlauf der Westmünsterlandbahn Richtung Dortmund werden Formsignale noch in den mechanischen Stellwerken in Lüdinghausen und Bork gestellt.
Darüber hinaus bietet sich bei einem Besuch der Coesfelder Region ein Besuch des bereits oben erwähnten Eisenbahnmuseums Lette (www.bahnhof-lette.de) im gleichnamigen Coesfelder Stadtteil und des Postens 33 im nördlichen Coesfelder Stadtgebiet an. Beim Posten 33 handelt es sich um den letzten Posten an der Baumbergebahn, weitere Formsignalmotive sind an dieser Strecke in Billerbeck und Havixbeck zu finden. An der Strecke Richtung Dorsten gibt es nur noch den Kreuzungsbahnhof in Maria-Veen, der aber auch formsignalmäßig gesichert wird.
Viele Grüße aus dem Münsterland!
Wilhelm
PS: Edit hat einen fehlenden Fahrplanauszug ergänzt!
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:02:27:20:33:55.