DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historische Bahn 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Die in der nordspanischen Region Asturien gelegene Langreo-Bahn übte in den 70er-Jahren eine grosse Faszination auf Eisenbahnfans aus. Als einzige "normale" Eisenbahn Spaniens war die Strecke Gijon - Pola de Laviana in Normalspur ausgeführt. Die Kohlenwagen und die noch vorhandenen herkömmlichen Personenwagen waren von urtümlicher Bauart, die Dieselloks und -triebwagen sowie die modernen Talgo-Gliederzüge von wirklich abenteuerlicher Herkunft. Anm.: Auf diese Geschichten gehe ich dann in den nächsten Folgen ein.

Die erste Teilstrecke der Langreo-Bahn wurde schon 1852 eröffnet. "El Ferrocarril de Langreo" verband die Kohleförderungsgebiete in den östlichen
Tälern Asturiens mit der Stadt Gijon und ab 1907 über eine Zweiglinie mit dem Tiefseehafen El Musel. Ausser der für Spanien exotischen Spurweite besass sie als weitere Besonderheit die Seilzugebene von San Pedro nach La Florida, welche erst 1963 durch einen doppelspurigen Tunnel mit 4 km Länge und 16 Promille Steigung ersetzt wurde.

Als die Bahn 1972 finanziell am Ende war, entbrannte ein für unsere Begriffe kurioser Streit, ob die normalspurige Langreo-Bahn nun von der breitspurigen Staatsbahn Renfe oder der für die Schmalspurbahnen zuständigen Feve übernommen werden sollte. Die Feve siegte, unsere Normalspur (in Spanien "ancho UIC" genannt) galt 1972 demnach als "schmale" Spurweite. Seither ist diese Ansicht gründlich revidiert worden, wie die vielen spanischen Neubaustrecken für den Hochgeschwindigkeitsverkehr beweisen.

1983 wurden die Normalspurgleise der Langreo-Bahn herausgerissen, seit 1984 wird die Linie in Meterspur betrieben, 1991 wurde die Stammlinie zwischen
Gijon und Pola de Laviana sogar elektrifiziert. Sowohl der Personen- wie der Güterverkehr haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen.

Vom Dampfbetrieb habe ich schon beim ersten Besuch im Juni 1976 nichts mehr mitbekommen. Da und dort stand eine der ursprünglich 12 Dreikupplerlok von Haine-St-Pierre (Nummern 21-32, geliefert 1906-1914) in gutem Zustand abgestellt, leider schlecht zu fotografieren. In Noreña fand ich Lok 31.
http://666kb.com/i/csmpvh0808i1tgeub.jpg

Ihr Fabrikschild war mir ein eigenes Bild wert.
http://666kb.com/i/csmpw1ipwayub43z7.jpg

Die letztgebaute Nummer 32 (HSP 1236, 1914) stand in Gijon.
http://666kb.com/i/csmpwdoofiwt3ggtf.jpg

Die Aufschrift auf der anderen Seite von Lok 32 irritierte mich damals sehr. Unter dem Titel "Ferrocarril 5 Villas" (Bahn der fünf Städte) gab es offenbar ein Projekt für eine meterspurige Küstenbahn von Gijon über Villaviciosa nach Ribadesella. Die Dampflok sollte wohl dafür werben.
http://666kb.com/i/csmpwmn0dj9yn5stf.jpg

Nur von weitem erblickte ich eine amerikanische Dreikuppler-Tenderlok in Betrieb auf einem unbekannten Anschlussgleis. Leider habe ich dazu keine Angaben. Sie gehörte wohl einer Kohlenmine, nicht der Langreo-Bahn. Vielleicht war sie sogar breitspurig.
http://666kb.com/i/csmpwzz60w0cexzj7.jpg

Auf dem Gelände des heutigen Museumsbergwerks in San Martin del Rey stand ich eine erst vor kurzem abgestellte schmalspurige Werkbahn-Dampflokomotive der Hunosa.
http://666kb.com/i/csmpxeiz8bd7mgkyr.jpg

Aus der Frühzeit der Eisenbahn waren zwar keine Loks, dafür noch Personenwagen in verschiedener Ausführung erhalten geblieben. Wie gerne hätte ich die aus zweiachsigen Abteilwagen bestehende Reservekomposition im Einsatz gesehen! Sie stand 1975 mit glänzenden Bandagen im Bahnhof Gijon auf Abruf bereit, doch meine Hoffnungen auf einen baldigen erneuten Einsatz wurden vom Jefe de estacion nur mit einem überzeugten und auch etwas barschen "nunca mas" (nie mehr) beendet. Der geschlossene Güterwagen F16 war bergseitig als Schutzwagen eingereiht.
http://666kb.com/i/csmpykro7dero79k3.jpg

Am meerseitgen Ende der sehenswerten Garnitur stand der Gepäckwagen HC2.
http://666kb.com/i/csmpzepvjbr1rj57n.jpg

Diese Fahrzeuge waren mir ein paar Typenbilder wert. Die ältesten Wagen gehen auf das Baujahr 1880 zurück, die jüngsten mit den längeren Wagenkasten auf das Jahr 1925. Man beachte, dass bis zuletzt drei Wagenklassen vorhanden waren. Dass noch in der Feve-Zeit (ab 1972) unterschiedliche Billette verkauft wurden, kann ich allerdings nicht glauben. In den regulär eingesetzten Talgo-Gliederzügen und Mack-Triebwagen gab es jedenfalls nur eine Wagenklasse.

Wagen H16, 5 Coupés der 3. Klasse, mit Bremserhaus
http://666kb.com/i/csmpzqvzlagw6mcrn.jpg

Wagen H51, je 2 Coupés der 1. und der 2. Klasse, konzentrisch um den in Wagenmitte vorhandenen Abort angeordnet
http://666kb.com/i/csmq02i85v6f8cj6r.jpg

Wagen H48, ursprünglich 6 Coupés der 3. Klasse, eines davon nachträglich zum Abort umgebaut
http://666kb.com/i/csmq0ampv3d07dnoj.jpg

Wagen H33, gleicher Grundriss wie H48
http://666kb.com/i/csmq0iw4fzim39lib.jpg

Wagen H36, 5 Coupés der 3. Klasse, mit Bremserhaus
http://666kb.com/i/csmq0tykya900vs4j.jpg

Wagen H47, je 2 Coupés der 1. und der 2. Klasse, konzentrisch angeordnet
http://666kb.com/i/csmq12o7cj2pbuqeb.jpg

http://666kb.com/i/csmq19t2fz2xdeqsj.jpg

Wagen F13, Gepäckwagen
http://666kb.com/i/csmq1mag6gak9q42r.jpg

Ein Hauch von Modernisierung: Grosse Plexiglasflächen ersetzen je zwei nebeneinanderliegende schmale Festfenster.
http://666kb.com/i/csmq219im038x0vfn.jpg



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:10:13:20:37:01.
Herrlich, Werner, diese alten Abteilwagen, und dann auch noch mit hochgesetztem Bremserhaus!

Das wäre was für heutige Museumszüge!

Danke fürs Einstellen,

Martin
Hallo Werner,
danke für's Zeigen dieser mir fremden Eisenbahn-Welt!
Mit der europäischen Normalspur stimmte wohl nur die Spurweite überein, nicht aber der Pufferabstand?
Sind das auf dem letzten Bild wirklich Glasscheiben oder Plexiglas? Die Reflexionen irritieren mich.
Viele Grüße
Stefan

Stefan Motz schrieb:
-------------------------------------------------------
...
> Mit der europäischen Normalspur stimmte wohl nur
> die Spurweite überein, nicht aber der
> Pufferabstand?
> Sind das auf dem letzten Bild wirklich
> Glasscheiben oder Plexiglas? Die Reflexionen
> irritieren mich.

Hallo Stefan

Ich glaube, auch die Pufferhöhe ist nicht UIC-Standard. Bei der Inbetriebnahme der Langreo-Bahn 1852 war eben noch vieles offen: In Baden fuhr man noch auf Breitspur, und in Württemberg kuppelte man mit Flacheisen, Puffer gab's gar keine.

Leider kann ich jetzt nicht mehr hingehen und die Beschaffenheit der Fenster-"Gläser" prüfen, aber mit Plexiglas liegst du wohl richtig. ;-))

Gruss

Werner



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:02:18:22:44:12.
..... könnte sehr wohl diese sein:

[www.gwrarchive.org] .

Sehr spannende Bahn, diese Langreo!

Übrigens habe ich hier [www.drehscheibe-foren.de] (Bild 6) ein bisschen über Hohenzollern-Loks bei der F.C. Langreo hingekritzelt.

Vielen Dank für diese schöne Reportage!

Beste Grüsse
Niels



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:02:19:19:15:24.
...habe ich auch hier gefunden. Sie sei noch bis zum Ende der Langreo-Normalspur gefahren und damit eine der letzten Dampflokomotiven. Spaniens im regulären Einsatz gewesen:
[www.narrow-gauge.co.uk]

Damit ist auch geklärt, dass sie der Langreo-Schmalspur angehörte.

Die Schmalspurlok (Bild 6) ist hier noch aktiv zu sehen:
[www.narrow-gauge.co.uk]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:02:21:14:23:42.

... und die Schmalspurlok (Bild 6)

geschrieben von: Niels Munch

Datum: 22.02.10 16:16

..... Borsig 8978/1914, ist auch noch erhalten: [www.locomotoravapor.com] .

MfG Niels