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Wasserfassen während der Fahrt

geschrieben von: Roststab

Datum: 22.10.09 18:00

Das Wasserfassen während der Fahrt war eine Technik die es in Deutschland wohl nicht gegeben hat. Wenn doch, so hat man sie schon sehr früh aufgegeben. Mir ist zumindest nichts darüber geläufig. In GB war dies Verfahren sehr verbreitet. Daß es so etwas auch in Frankreich gab, ist mir nicht bekannt gewesen. Wer sich für diesae Technik interessiert schau doch mal in diesen Vidoelink:

Ausschnitt aus "Bestie Mensch"

Zum Wasserlassen während der Fahrt

geschrieben von: vauhundert

Datum: 22.10.09 18:22

gab es ja just am Montag auf unserer Fahrt im nicht existenten Bielefeld eine unfreiwillig komische Beschwerde.

Aber, mein lieber Roststab, vielleicht solltest Du einmal in meine Bücher schauen. . . ;-)

In "Fundstücke" habe just zu diesem Thema Wasserfassen etwas geschrieben.

Bücher schreiben kann Spaß machen. Ganz im Gegensatz zu Eurer Meinung beim Griechen am Montag Abend;-)

Leider bin ich Augenblicklich etwas in Eile und kann Dir daher nicht die anderen Dinge kopieren.

Grundsätzlich sei nur erwähnt das die Erfindung von einem gewissen John Ramsbottom ab 1857 entwickelt wurde.
Ein Name der Dir vermutlich mit SICHERHEIT bekannt sein dürfte.

Eigentlich wollte ich hier mal einen eingehenden Beitrag einstellen, da ich das ganze Material gar nicht im Buch einbringen konnte.

Beste Grüße aus dem Bergischen

Edith: Außerdem hat das Hifo dazu auch schon gesprochen. HugH!

[www.vauhundert.de]
Preiswerte Dienstleistungen im Bereich spurgebundener Flurfördermittel aller Art und feinster Güte.
"Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen werden."(Peter Ustinov)____ P.S.: Ich kann ihm trotzdem nicht glauben;-)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:10:22:18:31:05.

Re: Wasserfassen während der Fahrt

geschrieben von: A. Hartmann

Datum: 22.10.09 18:24

Hallo Roststab,
leider haben die Deutschen viele sinnvolle,arbeitserleichternde Maßnahmen im Dampfbetrieb nicht umgesetzt. Sei es aus Überheblichkeit oder Ignoranz; ein gutes Beispiel geben da Garbe und Wagner ab! U. a. unglaubliche Sturköpfe!!**

Wagner hat sich zum Beispiel in einer Sitzung gegen eine zweite Wassereinfüllöffnung am alten T30/T32 ausgesprochen, obwohl die Lokführer jahrelang eine zweite Öffnung als Arbeitserleichterung im Ausschuss forderten.

Grüße Axel Hartmann

** man könnte hierüber seitenlang schreiben!
Hallo allerseits,

das Wasserfassen während der Fahrt ist in einem anderen Spielfilm in der Außen-Sicht zu sehen, nämlich in "Murder, She Said" (GB 1961, deutscher Verleih-Titel "16 Uhr 50 ab Paddington"). Gedreht wurden diese Aufnahmen auf der GWR-Strecke Paddington - Birmingham bei Aynho (Northamptonshire). Eine ausführliche Analyse der Bahnszenen in diesem Film ist zu lesen bei "Eisenbahn im Film - Rail Movies":

[www.eisenbahn-im-film.de]

Und ein Film-Protokoll der ersten Film-Phase von "Bestie Mensch" gibt es bei EiF hier:

[www.eisenbahn-im-film.de]

Es grüßt
Joachim Biemann

Re: Beispiel aus Amerika

geschrieben von: ytracks

Datum: 22.10.09 20:32

[www.rr-fallenflags.org] Die Wasserrinne ist in der Mitte der Gleise angeordnet. Und hier mit anderer Lok noch mal in Farbe http://www.rr-fallenflags.org/nyc/nyc-s6xxxalr.jpg

Gruß,

Ytracks



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:10:22:21:05:06.

Re Wasserrinnen in Deutschland

geschrieben von: Rally01

Datum: 22.10.09 21:31

Hallo Zusammen,

natürlich wurden viele gute Sachen im Eisenbahnbetrieb von irgendwelchen Sturköpfen vehindert. Aber auch die Fachwelt aus Deutschland schaute schon früh über den Zaun.
Es gab Excursionen nach Amerika,wie Arnold Müll ja schon in Karl Ernst Maedel`s Buch über die Baureihe S 10.1 geschrieben hatte.
Und auch nach Frankreich und England wurde in regelmäßigen Abständen geblickt. Ich denke da nur an die Stoker Feuerung.
Außerdem waren die deutschen Lokfabriken im Export gut aufgestellt, sodaß man wußte, was es sonst noch so gibt.Siehe Beispiel Kondenslokomotiven von Henschel für Argentinien(1929) und Irak (1939).
.
Der Grund, das es in Deutschland keine Wasserrinnen gab,hat vielleicht ganz andere Gründe:

1. Der Abstand von Wasserstationen ist sehr dicht gewesen: Auf Hauptbahnen etwa 15 bis 30km und auf Nebenbahnen oft noch weniger.

2.Die Wasserkanälen im Gleis waren so zwischen 11 und 22 km lang. Dazu mußte das Gleis nahezu in der Ebene liegen, keine Weichen,Brücken, Bahnsteige und Bahnübergänge haben.Das gab es in Deutschland viel zu selten.

3.Dazu mußten die Tender mit einem "Rüssel" ausgestattet werden, um das Wasser aufzunehmen.Das lohnt sich nur, wenn es genügend Einsatzorte gibt... siehe 1.

Das Wasser wurde nur durch "Fliehkraft" aufgenommen, also brauchte es auch eine gewisse "Grundgeschwindigkeit",dafür egneten sich nur Personenzüge. Die Güterzüge mußten sowieso an den Wasserkran.

Rally wünscht einen schönen Abend
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
In eigener Sache:

Ich komme derzeit nicht dazu alle PN zeitnah zu beantworten. Immer wieder bekomme ich Anfragen, ob ich nicht alte Beiträge neu bebildern kann. Wenn es in mein Konzept passt gerne. Aber inzwischen habe ich mich dazu entschlossen, alte Beiträge nur noch in Verbindung mit neuen Beiträgen zu reaktivieren, sofern ein Zusammenhang besteht. Leider ist ein anderes Vorgehen aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Hin und wieder Ausnahmen bestätigen eher die Regel.

Re: Re Wasserrinnen in Deutschland

geschrieben von: 52 2006

Datum: 22.10.09 23:20

Rally01 schrieb:
-------------------------------------------------------

> Außerdem waren die deutschen Lokfabriken im Export
> gut aufgestellt, sodaß man wußte, was es sonst
> noch so gibt.Siehe Beispiel Kondenslokomotiven von
> Henschel für Argentinien(1929) und Irak (1939).

Die Kondenslokomotiven für Argentinien erreichten das Land 1931 (erste Lok) und weitere Loks einer anderen Baureihe wurden erst 1937 dorthin geliefert. Der Umbau der irakischen Lok erfolgte 1938. Man muss allerdings sagen, dass Henschel gegenüber den ausländischen Lokfabriken im Vorteil war, denn Henschel hat diese Technik entwickelt und in sehr vielen Ländern patentiert, so dass die Bauart mit der aktiven Kühlung und der Saugzugturbine nicht einfach so nachgebaut werden durfte, ohne Lizenzen an Henschel zu bezahlen, deswegen hat das auch kein anderer Hersteller nachgebaut. Außer die Russen, die sich um Patente, Lizenzen und Urheberrecht keinen Kopf gemacht haben.

> .
> Der Grund, das es in Deutschland keine
> Wasserrinnen gab,hat vielleicht ganz andere
> Gründe:
>
> 1. Der Abstand von Wasserstationen ist sehr dicht
> gewesen: Auf Hauptbahnen etwa 15 bis 30km und
> auf Nebenbahnen oft noch weniger.

Das sehe ich nicht unbedingt als Grund, denn die deutschen Wasserstationen bedeuteten ja, dass der Zug angehalten werden muss, und warten musste, bis der Tender wieder voll ist. Je nach Station musste sogar die Lok auch erst noch abkuppeln und zum Wasserkran hin rangieren, oder es fand ein Loktausch statt. Bei der Wasserrinne braucht der Zug nicht angehalten zu werden.

>
> 2.Die Wasserkanälen im Gleis waren so zwischen 11
> und 22 km lang. Dazu mußte das Gleis nahezu in der
> Ebene liegen, keine Weichen,Brücken, Bahnsteige
> und Bahnübergänge haben.Das gab es in Deutschland
> viel zu selten.

Sicher, dass die so lang waren? So wie ich das gelesen habe, waren die ein paar hundert Meter lang.

>
> 3.Dazu mußten die Tender mit einem "Rüssel"
> ausgestattet werden, um das Wasser aufzunehmen.Das
> lohnt sich nur, wenn es genügend Einsatzorte
> gibt... siehe 1.

Henne-Ei-Problem

>
> Das Wasser wurde nur durch "Fliehkraft"
> aufgenommen, also brauchte es auch eine gewisse
> "Grundgeschwindigkeit",dafür egneten sich nur
> Personenzüge. Die Güterzüge mußten sowieso an den
> Wasserkran.

Nennen wir die Kraft eher "Massenträgheitskraft", dann kommt es hin. Aber ein Güterzug mit 80 km/h müsste das auch schon schaffen.

>
> Rally wünscht einen schönen Abend

kondensierte Grüße, Stefan

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=190387
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Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Wer sich über Signaturen aufregt, hat sonst nix zu sagen.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:10:22:23:23:22.

Noch ein Grund

geschrieben von: ehemaliger Teilnehmer

Datum: 23.10.09 00:28

..weshalb es das in Deutschland nicht gab.
Für günstige Streckenverhältnisse wurden bei Schnellzugloks ca. 300 km als Reichweite angegeben.
Es brauchten somit keine aufwendigen Anlagen da sein wenn der nächste Wasserkran in der entsprechenden Reichweite lag und ohnehin angehalten wurde.
Mit der entsprechenden Schüttleistung (Für Hauptgleise min. 10 m3/min) konnte der Tender auch in einer kurzen Zeit gefüllt werden.An Hauptgleisen standen deshalb auch Gelenkwasserkräne um das Wassernehmen einfacher und auch schneller zu gestalten.

Gruß Thomas

Und ein Grund ...

geschrieben von: Palatino

Datum: 23.10.09 07:26

... weshalb das Wasserfassen während der Fahrt gerade in Großbritannien praktiziert wurde:

Die Insel ist im Verhältnis zu ihrer Breite sehr lang. Deshalb waren einige Strecken z.B. von London nach Edinborough oder Glasgow so lang, dass man mit dem Wasserkasteninhalt eines Tenders ohne Halt das Ziel nie erreicht hätte. Die Bahnen London & North Eastern Railway (LNER) und London Midland & Scottish Railway (LMS) wollten aber zwecks Fahrzeitverkürzung Züge anbieten, die die Strecke ohne jeglichen Zwischenhalt bewältigen. Und das ging halt nur, indem unterwegs Wasser gefasst wurde.

Einige Tender der LNER-Dampfloks hatten auch einen Seitengang und einen Übergang zum 1. Wagen, über den während der Fahrt das Lokpersonal ausgtauscht werden konnte. So konnten schon in den 30er jahren Reisezeiten erreicht werden, die von den elektrischen Zügen der heutigen Zeit kaum unterboten werden.

Nahverkehrs- und Güterzüge haben m.W. die "troughs" (Tröge) nicht genutzt, die Tender der Baureihen für diese Züge waren auch nicht für das Wasserfassen während der Fahrt ausgerüstet.

Grüße aus der Pfalz
Hubert

Re: Re Wasserrinnen in Deutschland

geschrieben von: mb

Datum: 23.10.09 13:20

Rally01 schrieb:
-------------------------------------------------------
> 2.Die Wasserkanälen im Gleis waren so zwischen 11
> und 22 km lang.

Die durchschnittliche Länge der 'track pans' in den USA
betrug 1500 feet, also ca. 500m. Die längsten track pans
hatten eine Länge von knapp unter 2700 feet.
Zu Trögen in England und Frankreich habe ich keine Zahlen,
aber die waren auch ganz sicher nur einige 100m lang.


Rally01 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Das Wasser wurde nur durch "Fliehkraft"
> aufgenommen, also brauchte es auch eine gewisse
> "Grundgeschwindigkeit",dafür egneten sich nur
> Personenzüge.

Das Wasser wurde durch den Staudruck in den Tender gepresst.
Und auch Güterzüge sind durchaus schnell genug dafür. Ganz
im Gegenteil: Die Personenzüge mussten ihr Tempo reduzieren,
damit die Tender nicht überlastet wurde.

Re: Noch ein Grund

geschrieben von: mb

Datum: 23.10.09 13:28

210 schrieb:
-------------------------------------------------------
> ..weshalb es das in Deutschland nicht gab.
> Für günstige Streckenverhältnisse wurden bei
> Schnellzugloks ca. 300 km als Reichweite
> angegeben.
> Es brauchten somit keine aufwendigen Anlagen da
> sein wenn der nächste Wasserkran in der
> entsprechenden Reichweite lag und ohnehin
> angehalten wurde
.

Das war wohl der Hauptgrund, dass es in Deutschland
so etwas nicht gab:
Es gab einfach keinen Bedarf, denn so lange Durchläufe
ohne Zwischenhalt gab es hier einfach nicht.
Die Neigung, ausländische Erfahrungen zu ignorieren,
spielt in diesem Fall wohl keine Rolle.

Re: Und ein Grund ...

geschrieben von: tbk

Datum: 23.10.09 14:10

Palatino schrieb:
-------------------------------------------------------
> ... weshalb das Wasserfassen während der Fahrt
> gerade in Großbritannien praktiziert wurde:

Stellt sich nur noch die frage, wozu überhaupt tröge bauen, wo es doch in Großbritannien bekanntlich ohnehin ständig regnet. Ein nach oben offener tender hätte also genügt .... ;)
Hallo liebe Hiforisti,

ich glaube, wir sollten - bevor wir einfach das Verhalten von R.Garbe oder anderen so einfach als "Ignoranz" oder "Überheblichkeit" abtun - erst einmal schauen, wer diese Personen (Persönlichkeiten) waren, woher sie stammten und wie sie in die Position kamen, die sie dann als Entscheidungsträger inne hatten?

Robert Garbe hat sich - soweit ich weiß - von ganz unten durcharbeiten müssen und - im Gegensatz zu manchen anderen Führungskräften - auch gewusst, wie an der "Basis" gearbeitet wurde. Und ich bin davon überzeugt, dass manche Bw-Werkstatt heilfroh war, dass Garbe auf einen möglichst einfachen Aufbau der Lok hingewirkt hat. Andererseits erklärt sein Werdegang aber auch, dass er nach Erreichen der Maschinentechnischen Spitze nicht mehr davon lassen konnte, seine Überzeugungen - teilweise ohne Rücksicht auf Verluste - durchzudrücken. Gerade wegen dieser Durchsetzungskraft war er doch in dieses Amt gekommen.

Zu der Frage der in Deutschland nicht verwirklichten Einrichtungen zum Wassernehmen während der Fahrt:

Wir sollten einige Dinge in der Diskussion speziell beim Vergleich mit ausländischen Bahnen - und das gilt im Rückblick wie in der Vorschau (!) - nicht vergessen zu berücksichtigen:

- in erster Linie die Verkehrsgeographie - das beinhaltet die topographischen Gegebenheiten wie auch die Siedlungsverteilung.
In Deutschland gibt es bis heute im Bahnverkehr kaum reine Start-Ziel-Verbindungen über wirklich lange Distanzen - auf langen Strecken ist immer irgendwo ein Mittel- oder Oberzentrum vorhanden, welches in diese Verbindung mit eingebunden ist (und im Fernverkehr einen Halt erfordert, der dann auch für's Wassernehmen genutzt werden kann).

- als Zweites die Struktur des Eisenbahn-Netzes und der Verkehrsunternehmen, wo es in Deutschland meines Wissens (mit Ausnahme des Abschnitts zwischen Ludwigshafen/Heidelberg und Basel) keine parallel geführten Fern-Strecken verschiedener Gesellschaften gab (und somit keine / kaum Fahrplan-Konkurrenz)

- als Drittes die Art der Finanzierung der Infrastruktur, die ab etwa 1870 nahezu ausschließlich staatlich war und damit aus dem Finanzministerium (Ministerium für entliche Arbeiten?) gesteuert wurde. Und zur Zeit der DRG herrschte - außer vielleicht zwischen 1926 und 1929 - eher die absolute Knappheit in der Kasse, durch die die DRG noch nicht einmal die beabsichtigte Ertüchtigung der Hauptstrecken auf 20t Radsatzlast (geschweige denn so teure "Spielzeuge" wie die Wasser-Kanäle von je mindestens 500 m Länge) hat finanzieren können.

Es kann also wohl auch festgehalten werden, dass in Deutschland eigentlich die Voraussetzungen nicht gegeben waren, die die Einführung des Wassernehmens während der Fahrt begünstigt hätten (diskutiert wurde dies sicher, vgl. nur die Zeichnung der 2'B 2'n3v-Schnellfahrlok von Kuhn-Wittfeld). Daher können - ganz besonders mit den Bahnen in den USA - keine (vernünftigen) Vergleiche gezogen werden.

Sicher ist die Kritik (im Nachhinein) berechtigt, dass auf viele Hinweise aus dem Betrieb nicht eingegangen wurde, weil die Einhaltung von Prinzipien wichtiger erschien ...


Soweit mein Beitrag zu dem Thema.

Gruß vom
Preußen-Klaus
Moin!

Danke Klaus fuer diese sehr sachliche Darstellung!

Es ist immer schoen, wenn man mal die Perspektive wechselt...

Schoen aufgezeigt, dass das, was beim Einen richtig ist, beim Anderen noch lange nicht sinnvoll sein muss.

Mit bestem Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.
(Merke: Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer)

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind: Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen - und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Seit einiger Zeit biete ich sogar (gegen einen kleinen Obolus) auch Patenschaften fuer meine Fehler an.
Ich habe irgendwo irgendwann einmal gelesen, dass diese Einrichtungen bei uns nicht verwendet wurden, da bei unserem Klima die Gefahr der Vereisung besteht.
Ja, diese Gefahr der Vereisung der Tröge besteht, allerdings in Frankreich und Großbrittannien nicht?

kondensierte Grüße, Stefan

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Re: Re Wasserrinnen in Deutschland

geschrieben von: Juniatha

Datum: 23.10.09 21:42

>> Die Wasserkanälen im Gleis waren so zwischen 11 und 22 km lang <<

Vorschlag: wie wäre es (gewesen) die Wassertröge einfach durchgehend zu legen -
so wie bei den elektrifizierten Strecken der Fahrdraht auch durchgehend hängt?
Dann könnte alles mit Tenderloks gefahren werden ...
Achso: auf Strecken Abschnitten in Gefälle / Steigung natürlich mit Staustufen - *g* - an denen der Schöpf-Rüssel kurz geschnupft - äh - gelupft wird ...
Nun-ja, wollen wir es nicht verschniefen - pardon - vertiefen ...

In GB immerhin erlaubten die Wassertröge auch bei formidablen Pacifics wie den Duchess Coronation der LMS mit einem Dreichs-Tender auszukommen.

= J =
-photo deleted -
= J =

Jean Blanchy (rechts) und die 232.E.722 die er als Machine titulaire hatte seit sie nach dem Umbau das Atelier
von Tours verlassen hatte bis zum Löschen des letzten Feuers -
Photo Maurice Maillet, Vapeur - Hommes et Machines



La Bête Humaine, eine Verfilmung des Romans von Emile Zola – eigentlich nur bedingt ein ‚Eisenbahn-Film’ da es in der Geschichte im Grunde um etwas anderes geht: die Abgründe der Bestie Mensch …
Ein heikles Thema – Frauen schweigen dazu aus persönlichen verständlichen Gründen viel zu oft. Ich halte das für verkehrt und sehe darin eine unangebrachte Selbstbeschränkung die uns nicht voran bringt. Da das Thema nun einmal mit diesem Film immanent im Raum steht, möchte ich aus meiner Sicht ein paar Anmerkungen dazu machen – vielleicht hilft es ein wenig mehr gegenseitiges Verständnis zu wecken. Ehrlich gesagt, ich bewundere Frauen die sich mit diesen Themenkreisen beruflich-sachlich befassen – wie die Gerichts-Psychiaterin Heidi Kastner die den Fall Josef Fritzl untersucht hat oder meine Freundin FA, die sich mit diesen Dingen aus juristischer Sicht befassen will. Ich könnte das nicht! Ich möchte aber betonen, ich anerkenne auch diejenigen Männer, die sich in kritischen Situationen von eskalierender Gewalt selbstlos eingesetzt haben - leider in Fällen wie dem von der Münchner S-Bahn wohl überall bekannt gewordenen auch mit tragischen, schlimmsten Folgen für sich selbst! Der Fall hat mich sehr traurig gemacht.
Aber ich möchte meine Leser nicht gleich zu Beginn abschrecken, daher zum Film:

Als ich den Film 'La Bête Humaine' das erste Mal sah, war ich noch zu jung und zu unbedarft um zu verstehen um was es eigentlich ging und das war wohl gut so: ich sah es als eine Art ‚Krimi’ mit irgendeinem merkwürdigen Geheimnis: am Ende war die Frau tot, der Mann richtete sich selbst – warum? keine Ahnung, damals wollte ich es garnicht wissen. Mich hatte seinerzeit am meisten beeindruckt – einige Grundkenntnisse zu Dampflokomotiven hatte ich schon – der weiche, ruhige Lauf der Vier-Zylinder-Verbund Maschine im weiten Bogen, entlang der Bahnsteigkante und in einer anderen Einstellung bei der Fahrt auf den Tunnel zu. Die Führerstands-Ausstattung fand ich äußerst primitiv, in der Hinsicht lagen meine Vorstellungen noch weit oberhalb der Realität. Als ich viel später das erste Mal im Zug hinter einer Dampflok fuhr (die Lok-Nr ist mir soeben entfallen) war ich entsetzt über den stoßenden, rauhen Lauf; alle meinten das sei normal aber ich konnte es nicht glauben! An diesem Tage markierte ich mir im Geiste die Zwillings-Bauweise mit drei dicken roten Fragezeichen von denen zwei bis heute nicht so recht verschwinden wollen.

Jean Gabin wirkt als Mécanicien überzeugend; die Szene Wasserfassen zeigt einen erstaunlich simplen, schwergängigen, handbetätigten Mechanismus, bei dem mangelnde Reaktion am Ende der Wasser-Rinne böse Folgen haben muß. Die Fahrt-Szenen sind in der berühmt-berüchtigten you-tube Qualität nicht sonderlich gut zu beobachten - im Kino waren sie eindrucksvoller.

Doch als ich vor zwei Jahren den Film wieder gesehen hatte, lag mein Augenmerk auf etwas anderem:
Zwar bot die Szene in voller Fahrt Blick entlang dem Umlauf nach vorn wieder ein ‚Ah!’-Erlebnis – doch beeindruckender, nein: beklemmender fand ich die Handlung in der Wohnung am Bahnhof: die Stimmung ist zuerst angenehm vertraut, die Frau sucht seine Nähe, doch er fühlt sich hin und her gerissen; dann schließlich küssen sie sich, er streichelt sie zärtlich: seine schweren, rauhen Hände – wieder stimmig der Lokführer der täglich mit der großen Maschine umgeht – tasten vorsichtig sanfte Berührungen. Dann wendet er sich abrupt von ihr ab, sie ist verwirrt, weiß sie doch nichts davon welch gefährliches Ringen in seinem Kopf vorgeht. Wieder Nähe, wieder liebevolle Berührungen. Doch plötzlich schlägt sein Ausdruck um, in seinem Gesicht zuckt etwas anderes auf: kalte Brutalität! Die zärtliche Berührung am Hals wandelt sich zum schraubstock-festen Griff!
Durch Abgleich mit Berichten von Tatabläufen und von psychologischen Untersuchungen ist heute erkennbar: sehr stimmig gespielt ---- woher hatte Jean Gabin das damals? wie hatte er sich hinein versetzen können in dieses finstere Verlangen um es so gut nachzuspielen? Damit möchte ich wohlgemerkt keinerlei Unterstellung andeuten, doch der Gedanke kam mir beim Ansehen unwillkürlich.
Ob allerdings in dieser Situation einem Lokomotiv-Pfiff tatsächlich solche eine heilsame Wirkung innewohnen könnte? Ich weiß es nicht.

Unrealistisch scheint zunächst die Reaktion der Frau. Nach ersten Schrecken: kein Ärger, keine Abscheu sondern: besorgtes Mitleid – mit ihm! Sicher wird sich mancher männliche Zuschauer gefragt haben: können Frauen wirklich so ‚bescheuert’ sein?
Ja und nein!
Die Frage geht am Kern vorbei. Es zeigt sich da ein fundamentaler Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Psyche: wo der Mann bei Gefahr zu allererst sich selbst zu sichern sucht, da denkt die Frau noch an den Partner und ist bereit ihre eigenen Bedürfnisse zurück zu stellen (gut, ja: gibt's auch anders-herum, klar). Durch die damalige konservative Gesellschafts-Norm gefördert und übersteigert wurde diese Bereitschaft zur selbstaufopfernden Hingabe als typisch weibliche Tugend (‚ist für die Familie da’), aber auch als Schwäche angesehen (‚kann nicht auf eigenen Beinen im Leben stehen’) und diente übrigens mittelbar als Begründung Frauen von vielen Berufen auszuschließen in denen Verantwortung zu tragen war (eigentlich unlogisch, denn selbst in der traditionellen Familie trugen sie doch immer Verantwortung: für die Kinder, für die Ernährung z B). Weil wir diese Mächte die da in ihm wirken nicht nachvollziehen (können), erscheint uns der Mann mit seinen inneren Problemen statt gefährlich eher hilfs- und schutzbedürftig wie ein Kind – ein fataler Irrtum!

Heute, bei den allmählich beinahe täglich wie Bleistaub auf uns niederrieselnden Meldungen grausamer Sexual-Delikte – vergewaltigt und mit Eisenstange verprügelt, mit mehrfachem Schädelbruch und vielfachen Halswirbel- Rippen- und Becken-Frakturen im Krankenhaus gestorben – mit 33 Messerstichen im Kornfeld abgeschlachtet und angezündet, Mädchen überlebt knapp – eingesperrt und stundenlang vergewaltigt – vergewaltigt und getötet – ritueller Sexual-Mord – monatelang als Sklavin eingesperrt – jahrelang als Sklavin eingesperrt – Tochter jahrelang eingesperrt und mißbraucht – mit der jahrelang eingesperrten und mißbrauchten Tochter Kinder gezeugt – .. noch mehr Kinder gezeugt – etc etc etc, sollte es kaum noch eine Frau geben bei der in einer Situation wie im Film gezeigt nicht der innere Alarm schrillen würde – und doch!

Rückblende: Klassen-Kameradinnen mit 15 .. 17; mehr als einmal hatte ich es kommen sehen und eine betreffende gewarnt – aber sie ging doch weiter mit einem Typen der sie anfangs aufmerksam umworben hatte, dann immer mehr zum Tyrannen geworden war; wie oft glaubte ein Mädchen ‚ihn’ ändern zu können wenn sie nur in ihrer Liebe fest zu ihm fest stünde! Bis sie eines Tages nach einem extremen Gewalt-Excess als Elends-Bündel zu mir kam und mich anflehte ihr aus der Beziehung zu dem gewalttätigen Typen wieder heraus zu helfen – und ich einfach helfen mußte und dadurch in den Konflikt mit hinein gezogen wurde! Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber meist waren wir Mädchen auf uns allein gestellt: helft euch selbst – sonst hilft euch niemand!
Doch das waren – sind! – keineswegs Fälle von Triebtätern, das war / ist Ausdruck einer ganz alltäglichen Brutalität gegenüber Frauen die sich in den letzten Jahren eher mehr auszubreiten scheint, eine Brutalität die für uns Frauen entfremdend wirkt, von Jungs bzw Männern im Allgemeinen jedoch mit achselzuckender Gleichgültigkeit beiseite gelegt zu werden scheint: ‚Ich mach’s nicht, also was geht’s mich an?’
Statistisch sind heute mehr als 10 % aller Frauen in Deutschland Opfer sexuell motivierter Gewalt geworden!

Über die Zeit habe ich so manchen meiner Korrespondenten in einer E-Mail mit meinen Gedanken und Fragen zu einem aktuellen Fall oder zum Grundsätzlichen ‚belästigt’ – selten kam dazu eine Antwort, oft kam überhaupt garnichts mehr; einige wenige schrieben eine kurze, seltsam teilnahmslos anmutende Bemerkung dazu, nur drei oder vier Leute schrieben konkretere Antworten aus denen ich positiv etwas entnehmen konnte.
Ich könnte noch viel zu diesem Thema schreiben weil ich durch FA und durch aktuelle Medien-Berichte immer wieder darauf gestoßen werde und es mir dann wieder im Kopf umgeht. Hier nur soviel: was im innersten Kern ist es, weshalb manche Männer zu extremer Gewaltanwendung neigen und was ist es was diese Männer dazu treibt Frauen zu schlagen, oft ihre Freundin, die ihnen Vertrauen entgegen gebracht hat? was empfinden sie dabei? denken Männer überhaupt darüber nach warum sie es tun und was sie damit bei den Frauen anrichten? ist es die absolute Macht über einen anderen Menschen woran sie sich hoch ziehen? und warum müssen sie diese Macht zerstörerisch ausüben?
Das würde ich wirklich gerne wissen um es wenigstens rein ‚funktionell’ begreifen zu können, wenn auch nicht zu verstehen. Aber wenigstens könnte frau dann zwischen dem einen und dem anderen besser differenzieren – nein?

Zurück zum Film.
Die spätere Kill-Szene ist mit künstlerisch-filmischen Mitteln nur angedeutet – wie das in diesen Filmen üblich war, auch in den ‚Film Noir’ die ihre Spannung nicht durch ‚draufhalten’ mit der Kamera auf nackte Brutalität (für mich ein Zeichen zunehmender Desensibilisierung und Primitivität) sondern durch facettenreiche Charaktere, raffinierte Plots erreichten.
Das ‚danach’ ----- ist es ‚gut gespielt’? Er ist niedergeschlagen, vielleicht sogar desorientiert, hat große Mühe sich auf seine Berufspflichten zu besinnen, wirkt deprimiert – vielleicht ist es fast zu philosophisch gespielt: er hat verloren (gegen seine Finstermacht) und dadurch hat auch das Leben seinen Sinn verloren ..

Häufig steht in heutigen Berichten über ähnliche Morde, der Täter ging unmittelbar danach sogar unter Menschen; ahnungslose Zeugen sagen dann später aus „er wirkte völlig ‚normal’ und unauffällig“ – was einerseits erschreckend klingt, anderseits garnicht einmal so abwegig ist: er hat seinem übermächtigen Verlangen nachgegeben, den Gewalt-Rausch ausgelebt und dürfte danach erst einmal Ruhe davor gehabt haben, dürfte also einen relativ ‚entspannten’ Moment erlebt haben? – zumindest wenn er nicht über seine Tat reflektiert hat und nach Fall-Berichten scheinen die Täter genau das zu vermeiden, oder es fehlt ihnen einfach etwas was uns erst zu sozialen Wesen werden läßt, das jedoch nach neuesten Erkenntnissen der Verhaltensforschung auch höher entwickelte Tiere kennen: Mitleid!
Häufig heißt es: „der Täter zeigt keinerlei Reue, keinerlei Mitleids-Regung ..“

Wer als Getriebener allerdings tief in sich spürt etwas ist fundamental falsch gelaufen, abgrundtief und irreversibel falsch, der muß wohl unausweichlich in größte seelische Bedrängnis geraten und so ist der Schluß des Films wieder eindrucksvoll gespielt: das tiefe Selbstzerwürfnis in dem er noch routinemäßig sein Berufshandwerk beginnt, dann seinen Seelendruck seinem langjährigem Kompagnon anvertrauen muß, der ihn kennt und der schon geahnt hatte daß etwas passiert ist – dann aber wird die Ausweglosigkeit, die Schuld ihm mehr und mehr bewußt und er faßt einen letzten wilden Entschluß: sein Leben zu beenden.
Hätte er als Lokführer dabei nicht an den Zug denken müssen?
Nach regulären Kriterien selbstverständlich und er wird am Beginn des Films durchaus als zuverlässiger, verantwortungsbewußter Mann dargestellt – doch in dieser Situation den radikalst-möglichen letzten Schritt zu tun und alles zu beenden, da sind all das keine Kriterien mehr, da hat nichts von dieser Welt noch Bedeutung. Niemand fällt es leicht sich selbst um zu bringen – es braucht all die restliche Energie, Entschlußkraft und Tatkraft und so scheint mir die leicht verrückt wirkende Szene gut vorstellbar, als er ohne Vorwarnung mit wildem Blick ruft „Ich bring mich um!“ – nur noch eines im Sinn: „Es gibt keine Lösung, keinen Ausweg mehr! mach es, du mußt es tun! tu es jetzt! denk nicht mehr nach, zieh es durch! spring!“ und sofort in den Tender steigt, den Kohlenberg hinauf und ohne zu zögern über den Rand springt.


= J =

Erfreulicher sind sicher die französischen Szenen -> hier <-



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:11:09:16:55:34.
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