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Warum keine Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Womenzel2005

Datum: 16.10.09 17:31

Sehe gerade die "MDR-Bahnzeit". Darin geht es u.a. um die Doppelstockzüge. Es wird erwähnt das die Doppelstockzüge von der Bundesbahn abgelehnt wurden. Nur fand ich in dem Beitrag keine richtige Antwort warum das so war?

---------------------------------------------------
"Verspätung ist ja auch das Kerngeschäft der Bahn"
Urban Priol
FDP = Fahr doch Porsche!

Re: Warum keine Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: ytracks

Datum: 16.10.09 18:25

Das warum ist einfach, die DB Oberen wollten es nicht, peng aus basta! Es mag viele bürokratische Ausreden gegeben haben, aber so ist es. Zwei der Gründe dafür mögen sein, daß es so etwas zum einen in der DDR (original Sprachgebrauch eher: SBZ) gab, zum anderen in Frankreich. Die historisch interessierten werden vielleicht noch Wissen, daß Adenauer!! nicht wollte das nach Paris mit französischer (und auch bewährter!!!) Technik gefahren wird, sondern stattdessen die E320 auf die Räder gestellt wurde.
Die selben Gründe sind sogar in Zeiten der Börsenbahn dafür verantwortlich, daß wir mit den "Achsen des (der, Meinung des Verfassers) Bösen" und nicht mit TGV oder Shinkansen Hochgeschwindigkeit fahren.

Gruß,
Ytracks

Re: Warum keine Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Südbahn

Datum: 16.10.09 18:35

Die Doppelstockwagen waren im Obergeschoß durch das Lichtraumprofil eingeschränkt und niedrig und entsprachen nicht dem gewünschtem Komfort, so daß man es bei den Probewagen beließ. Die heutigen Doppelstockwagen sind, zwangsläufig, immer noch so, aber heute gelten anscheinend andere Kriterien.

Thomas

Es gab Doppelstockwagen bei der DB

geschrieben von: DiH

Datum: 16.10.09 18:38

Hallo,

die Bundesbahn hatte Doppelstockwagen, zugegeben in Serie wurden sie nicht gebaut. Hier ein Webefilm aus den 1950er Jahren: [www.youtube.com]


Dirk

Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Pleus Dieter

Datum: 16.10.09 19:04

Ich möchte den Versuch einer seriösen, sachlich geprägten Antwort unternehmen.

In dem Buch "40 Jahre DB" aus dem Darmstädter Hestra-Verlag, erschienen 1989 vor den "Ereignissen", ist zu diesem Thema ausgeführt, dass man sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht zum Bau von solchen Wagen entschliessen konnte. Die Kosten der bis dahin für die DB und die Produzenten ausserhalb der DDR verfügbaren Konstruktionen waren zu hoch und rechneten sich gegenüber den Bn-Typen (vulgo "Silberlinge") nicht. Man muss ja auch immer die Rechte aus den Patenten und Gebrauchsmustern berücksichtigen, die wegen des deutlichen Entwicklungsvorsprungs nun einmal bevorzugt nicht im Westen lagen. Ich kann mir vorstellen, dass der Devisenbedarf der DDR Industrie gewiss nicht zu brüderlichen Lizenzgebühren verhalf.

Meine Interpretation der Geschichte dieser Fahrzeuge ist, dass mit der Bildung eines einheitlichen deutschen Staates und vielleicht auch mit der Fusion der DR und der DB wohl wenigstens ein Teil dieser Schutzrechte zugänglich wurde. Allerdings ist mir nicht bekannt, ob die Deutsche Reichsbahn der DDR eigene Rechte besass. Es kann auch sein, dass wegen des neu entstandenen einheitlichen Marktes diese Wagen jetzt rentabel wurden, weil sie eben im neu entstandenen Inland verfügbar waren.

Ich hoffe, etwas geholfen zu haben.

Re: Es gab Doppelstockwagen bei der DB

geschrieben von: Regio ZuB

Datum: 16.10.09 19:15

Moin zusammen,

nicht zu vergessen die LBE-Wagen, die sich z.T. ins EDV-Zeitalter retten konnten, sowie die TEE-Kanzelwagen.

Mein alter Herr erzählte mir einst, daß die alten LBE-Dostos sowie die damals neuen sehr störanfällig waren und deswegen keine Serienproduktion eingeleitet wurde. Andererseits dürften einigen von Euch noch die Sandwiches auf der Münchener S4 mit 2x 120 und niederländischen Dostos (Hersteller Talbot in Aachen, heute Bombardier) Ende der 80er bekannt sein. Das widerspricht jedenfalls der Annahme, daß "man" in Deutschland Dosto-feindlich war.

Der Werbefilm hat Kultcharakter und erinnert an manche Vorkriegswerbung (ohne politische Wertung)

Gute Fahrt
Holger

Re: Lichtraumprofil

geschrieben von: ICE

Datum: 16.10.09 19:16

Die neueren Wagen von Bombardier überschreiten im Obergeschoß das normale G2-Profil, so dass man im Sitzen etwas mehr Platz hat. Man kann das gut an den gewölbten Scheiben sehen, die älteren DR-Fahrzeuge haben ebene Fenster und bleiben noch im Profil, man sitzt dort etwas unbequemer.

Schönes Wochenende

ICE (Helmut)

Heutige Wagen entstammen der Schweiz

geschrieben von: Carsten Hölscher

Datum: 16.10.09 20:27

Die heute aktuellen Dostos sind keine Nachfolgekonstriktionen der DR, sondern stammen aus der Schweiz.
Daher dürfte die Zusammenführung der beiden deutschen Staatsbahnen bezüglich der Rechtslage keine so große Rolle gespielt haben.

Die DR-Dostos mit Knick im Dach sind fahrkomfortmäßig das Schlimmste, was ich bisher auf deutschen Gleisen erlebt habe und wenn man nicht so ganz klein ist, dann sind auch moderne Dostos recht eng, vom fehlenden Gepäckraum ganz zu schweigen.
Das Laufverhalten ist natürlich spitze und auch die Akustik ist recht gut, daher vermutlich auch die recht große Beliebtheit der Wagen - aber das hat ja nicht so viel mit der Anzahl der Stockwerke zu tun.

Carsten



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:10:16:20:27:55.

Re: Warum keine Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Wahldresdner

Datum: 16.10.09 20:42

ytracks schrieb:
-------------------------------------------------------
> Das warum ist einfach, die DB Oberen wollten es nicht, peng aus basta! Es mag viele bürokratische
> Ausreden gegeben haben, aber so ist es. Zwei der Gründe dafür mögen sein, daß es so etwas zum einen
> in der DDR (original Sprachgebrauch eher: SBZ) gab, zum anderen in Frankreich.

Verschwörungstheorien sind was feines... Die DB hat durchaus Doppelstockwagen erprobt, sie hatte ja zudem die ex-LBE-Wagen für Hamburg-Lübeck geerbt. Wenn man sie nicht gewollt hätte, hätte man auch auf Probewagen verzichtet. Die DB-Dostos waren aber weniger komfortabel als die neuen 26,4m-Wagen und für den avisierten Einsatz in Eilzügen nahm man dann lieber die 26,4m-Mitteleinstiegswagen. Die "Zone" war jedenfalls nicht der Grund, auch nicht der Blick nach Frankreich (den man damals eisenbahntechnisch eh kaum tätigte).

> Die historisch interessierten werden vielleicht noch Wissen, daß Adenauer!! nicht wollte das nach Paris mit
> französischer (und auch bewährter!!!) Technik gefahren wird, sondern stattdessen die E320 auf
> die Räder gestellt wurde.

Das ist mit Verlaub Unfug. Die SNCF hat erst Ende der 50er ihre ersten 2- und Mehrsystemloks entwickelt, zeitgleich mit der DB. Da war noch nichts bewährt, als die E 320 entstand.

Viele Grüße,
Wahldresdner

--
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

Re: Warum keine Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: tbk

Datum: 16.10.09 20:58

Wahldresdner schrieb:
-------------------------------------------------------

> Das ist mit Verlaub Unfug. Die SNCF hat erst Ende
> der 50er ihre ersten 2- und Mehrsystemloks
> entwickelt, zeitgleich mit der DB. Da war noch
> nichts bewährt, als die E 320 entstand.

SBB RAe: 1961
SNCF 40100: 1964
SNCB 16: 1966
DB 184: 1967

Angesichts der damaligen komplexität der materie kann das noch als "fast gleichzeitig" gelten.
Ganz allgemein begann die mehrsystemtechnik erst in den 1960er jahren, wenn es auch schon in den 1950ern erste versuche gab.

Zu den doppelstockwagen - welche nicht ausgelaufenen patente gab es denn? Und inwiefern wären die eigenen wagen von 1950 nicht daruntergefallen?

Wie auch immer - doppelstockwagen waren etwas ganz seltenes und exotisches für die einwohner im DB-land. Ich erinnere mich noch, wie ich meine ersten doppelstockwagen in Frankreich sah und unbedingt mal mitfahren wollte, und wie schnell sie dann später zum alltag geworden sind .....

Re: Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Südbahn

Datum: 16.10.09 21:22

Pleus Dieter schrieb:
-------------------------------------------------------
> Ich möchte den Versuch einer seriösen, sachlich
> geprägten Antwort unternehmen.
>
> In dem Buch "40 Jahre DB" aus dem Darmstädter
> Hestra-Verlag, erschienen 1989 vor den
> "Ereignissen", ist zu diesem Thema ausgeführt,
> dass man sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht
> zum Bau von solchen Wagen entschliessen konnte.

Die Wagen waren durchaus wirtschaftlich, so gibt A.Mielich in einem Beitrag, erschienen im Jahrbuch des Eisenbahnwesens 1950, an, daß das Gewicht der dreiteiligen Doppelstockeinheit zwischen und 90 und 100t liegen (die Wagen waren gerade im Bau) und etwa 300 Plätze haben würde. Ein vergleichsweiser Zug, gebildet aus einstöckigen Wagen leichter Bauart hätte ein Gewicht von 200 bis 210t. Für ein FD-Zugpaar Hamburg München hätte sich eine jährliche Kohleersparnis von etwa 1800t ergeben.

> Die Kosten der bis dahin für die DB und die
> Produzenten ausserhalb der DDR verfügbaren
> Konstruktionen waren zu hoch und rechneten sich

Haben diese Kosten überhaupt interessiert, sind für Lizenzen und Patente zwischen Ost und West Gelder geflossen? Konstrukteure und Facharbeiter, die Doppelstockwagen gebaut haben gab es auch im Westen. LHB war am Bau der Doppelstockwagen für die Lübeck-Büchener-Eisenbahn beteiligt, und Mitarbeiter dieser Firma kamen nach dem Krieg in Salzgitter zusammen um dort ein neues Werk aufzubauen. Nun hat LHB die neuen Doppelstockwagen nicht gebaut, aber das Wissen war auch im Westen vorhanden.

> gegenüber den Bn-Typen (vulgo "Silberlinge")
> nicht. Man muss ja auch immer die Rechte aus den

An Silberlinge war wohl beim Bau der Doppelstockprobewagen noch nicht zu denken, also konnte man sie nicht miteinander vergleichen.

> Patenten und Gebrauchsmustern berücksichtigen, die
> wegen des deutlichen Entwicklungsvorsprungs nun
> einmal bevorzugt nicht im Westen lagen. Ich kann
> mir vorstellen, dass der Devisenbedarf der DDR
> Industrie gewiss nicht zu brüderlichen
> Lizenzgebühren verhalf.
>
> Meine Interpretation der Geschichte dieser
> Fahrzeuge ist, dass mit der Bildung eines
> einheitlichen deutschen Staates und vielleicht
> auch mit der Fusion der DR und der DB wohl
> wenigstens ein Teil dieser Schutzrechte zugänglich
> wurde. Allerdings ist mir nicht bekannt, ob die
> Deutsche Reichsbahn der DDR eigene Rechte besass.
> Es kann auch sein, dass wegen des neu entstandenen
> einheitlichen Marktes diese Wagen jetzt rentabel
> wurden, weil sie eben im neu entstandenen Inland
> verfügbar waren.
>
> Ich hoffe, etwas geholfen zu haben.


Thomas

Re: Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Fdlmich

Datum: 16.10.09 21:54

Zitat:
Allerdings ist mir nicht bekannt, ob die Deutsche Reichsbahn der DDR eigene Rechte besass.

Meines Wissen besaß die Deutsche Reichsbahn nie die Rechte (falls es so etwas überhaubt gab) an den Doppelstockwagen, denn diese Wagen wurden vom VEB Waggonbau Görlitz (früher WUMAG, heute Bombardier) entwickelt und gebaut.
Entwickelt wurden sie erstmal für die LBE und im laufe der Jahre immer weiter verbessert und dem Stand der heutigen Zeit angepasst.
Übrigens der letzte verbliebene LBE-Doppelstockzug fuhr jetzt als Sonderzug anläßlich der 160-Jahr-Feier nach Görlitz. Leider war ich an dem Tag nicht arbeiten und hatte auch sonst keine Zeit, sonst hätte ich von diesem Nostalgiegefährt gerne mal ein Foto gemacht.

MfG Micha !!!

Re: Es gab Doppelstockwagen bei der DB

geschrieben von: Ulf Kutzner

Datum: 16.10.09 22:05

Auch moin,

Regio ZuB schrieb:
-------------------------------------------------------
> Andererseits
> dürften einigen von Euch noch die Sandwiches auf
> der Münchener S4 mit 2x 120 und niederländischen
> Dostos (Hersteller Talbot in Aachen, heute
> Bombardier) Ende der 80er bekannt sein. Das
> widerspricht jedenfalls der Annahme, daß "man" in
> Deutschland Dosto-feindlich war.

Auf der S-Bahn-Stammstrecke mit viel Platz, aber wenig Türen, herumzufahren, war aber auch nicht der Weisheit letzter Schluß. Doppelstockwagen eigen sich eher für Berufsverkehrsstrecken mit ordentlicher Standzeit am Großstadtbahnhof. Hmm, wird es in S21 leider nicht geben.

Gruß, ULF

Wirtschaftlicher Einsatz im Fernverkehr?

geschrieben von: Ulf Kutzner

Datum: 16.10.09 22:10

Südbahn schrieb:

> Die Wagen waren durchaus wirtschaftlich, so gibt
> A.Mielich in einem Beitrag, erschienen im Jahrbuch
> des Eisenbahnwesens 1950, an, daß das Gewicht der
> dreiteiligen Doppelstockeinheit zwischen und 90
> und 100t liegen (die Wagen waren gerade im Bau)
> und etwa 300 Plätze haben würde. Ein
> vergleichsweiser Zug, gebildet aus einstöckigen
> Wagen leichter Bauart hätte ein Gewicht von 200
> bis 210t. Für ein FD-Zugpaar Hamburg München hätte
> sich eine jährliche Kohleersparnis von etwa 1800t
> ergeben.

Hmm, Weitstreckenzüge sind wegen des mitgeführten Reisegepäcks auch nicht gerade prädestiniert für den Dostoeinsatz. Und nein, die TGV Duplex erreichen kaum die Reisedauern wie ein Dampfzug Hamburg - München.

Gruß, ULF

Re: Wirtschaftlicher Einsatz im Fernverkehr?

geschrieben von: Südbahn

Datum: 16.10.09 22:41

Hallo Ulf,

es handelt sich auch nur um eine Berechnung zur Wirtschaftlichkeit der Doppelstockwagen. Wenn ich die Wirtschaftlichkeit noch nicht vorhandener Fahrzeuge berechnen will, muß ich erst einmal Annahmen treffen oder gehe von den Planungen aus. So hat A.Mielich eben ein FD-Zugpaar zwischen Hamburg und München für die Berechnung genommen. Die Wagen wurden anfangs im Eilzugdienst zwischen Dortmund und Frankfurt eingesetzt, E713/714 und E719/720. Das ist auch nicht gerade um die Ecke und die Geschwindigkeiten Anfang der 50er Jahre kann man sicherlich nicht mit den heutigen gleichsetzen. Es waren halt andere Zeiten.

Gruß Thomas

Re: Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: RS-3

Datum: 16.10.09 22:41

Hmm, wenn ich mich richtig erinnere, basierten die Dosto Prototypen West und die Dostos Ost auf Projekten aus den späten 30igern/40igern Jahren der DRG, die iherseits von den LBE Wagen beeinflußt waren.
Die West Dosto-Prototypen haben sich nicht bewährt (im Fernverkehr zu wenig Komfort, im Berufsverkehr Probleme Fahrgastfluß wegen enger Türen, Treppen?!?)
Die DB Dostos waren aber ein wichtiger Schritt in der Evolution zu den 26,4m -Wagen.

Hoffe, ich erinnere mich richtig
Stephan



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:10:16:22:43:17.

Re: Warum keine Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Lazimpat

Datum: 17.10.09 11:22

Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass die alten LBE-Dostos Eiskammern unter dem Dach hatten, damit der Reisekomfort im Obergeschoss auch im Sommer noch erträglich war.
Vielleicht war der DB dieser Aufwand zu groß und die Wagen galten deswegen im "Vor-Klimaanlagen-Zeitalter" als zu unkomfortabel.

Christoph

Re: Warum keine Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Günther Haupt

Datum: 17.10.09 18:43

Da ist die Antwort! Ich habe als Schüler in den Sommerferien in einem solchen Dosto der LBE gesessen. Am frühen Morgen war das ein ganz tolles Erlebnis. Aber bei der Rückfahrt sind wir damals ganz schnell nach unten gewechselt, denn oben war es ein Super-Treibhaus! Die sonst übliche Art der "Klimaregulierung" klappte nämlich nicht, da sich oben KEIN Fenster öffnen ließ! Die Problematik gibt es auch heute noch, wenn die Klimaanlage ausfällt. (Sonderzug vom 1. Ökumenischen Kirchtag in Berlin nach Köln; verlängerter Aufenthalt in Magdeburg wegen zahlreicher Ohnmachtsfälle aufgrund ausgefallener Klimaanlagen [Plural]) Das ist ein ganz einfacher Grund für die Ablehnung. Erst durch die hohen Geschwindigkeiten der Fernzüge war die DB gezwungen, Klimaanlagen einzubauen (Ältere Dame zum Zugbegleiter:"Stellen sie das Ding ab, es zieht!") und mit dieser Technik waren dann auch Dostos im Massenverkehr möglich. MfG GünTHer

Re: Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Wahldresdner

Datum: 17.10.09 20:34

Südbahn schrieb:
-------------------------------------------------------
> Pleus Dieter schrieb:
> --------------------------------------------------
> -----
> > Ich möchte den Versuch einer seriösen, sachlich geprägten Antwort unternehmen.
> >
> > In dem Buch "40 Jahre DB" aus dem Darmstädter Hestra-Verlag, erschienen 1989 vor den
> > "Ereignissen", ist zu diesem Thema ausgeführt, dass man sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht
> > zum Bau von solchen Wagen entschliessen konnte.
>
> Die Wagen waren durchaus wirtschaftlich, so gibt A.Mielich in einem Beitrag, erschienen im Jahrbuch
> des Eisenbahnwesens 1950, an, daß das Gewicht der dreiteiligen Doppelstockeinheit zwischen und 90
> und 100t liegen (die Wagen waren gerade im Bau) und etwa 300 Plätze haben würde. Ein
> vergleichsweiser Zug, gebildet aus einstöckigen Wagen leichter Bauart hätte ein Gewicht von 200
> bis 210t. Für ein FD-Zugpaar Hamburg München hätte sich eine jährliche Kohleersparnis von etwa 1800t ergeben.

Das mag zwar wirtschaftlich gewesen sein, komfortabel war es nicht. Die DB spürte schon in den 50ern die Konkurrenz des Pkw. Im Vergleich mit den seit Beginn der 50er neubeschafften 26,4-m-Wagen der DB sind die Dosto-Garnituren der DR recht unkomfortabel. Für attraktiven Fernverkehr sind sie eigentlich nicht geeignet gewesen, auch wenn die DR sie jahrzehntelang im D-Zugdienst verwendet hat. Bei der DB hätte man damit Fahrgäste regelrecht vertrieben. Dort ging der Trend daher eher zu noch weniger Plätzen pro Wagenfläche. Man sehe ich nur die damals ersten Rheingold- bzw. TEE-Wagen und ihr üppiges Platzangebot an...

Im Nahverkehr wiederum gab es im Westen ebenfalls die Abwanderung zum Pkw. So konzentrierte Berufsverkehrsströme wie bspw. von Halle-Neustadt nach Buna bzw. Leuna, wo tausende Leute in kurzer Zeit zwischen zwei Punkten zu befördern waren, die gab es nicht. Und auch zwischen Städten wie Augsburg und München waren damals im Westen wesentlich weniger Leute als heute per Bahn unterwegs. Von daher war Ende der 50er im Westen die vorherrschende Ansicht, dass Dosto-Züge einfach nicht nötig sind. Punkte, die heute eine Rolle spielen (Kürzere Bahnsteiglängen, Platzausnutzung, letztlich auch die Sicherung von Arbeitsplätzen in Görlitz) spielten damals keine große Rolle.

> > Die Kosten der bis dahin für die DB und die Produzenten ausserhalb der DDR verfügbaren
> > Konstruktionen waren zu hoch und rechneten sich
>
> Haben diese Kosten überhaupt interessiert, sind für Lizenzen und Patente zwischen Ost und West
> Gelder geflossen? Konstrukteure und Facharbeiter, die Doppelstockwagen gebaut haben gab es auch im
> Westen. LHB war am Bau der Doppelstockwagen für die Lübeck-Büchener-Eisenbahn beteiligt, und
> Mitarbeiter dieser Firma kamen nach dem Krieg in Salzgitter zusammen um dort ein neues Werk
> aufzubauen. Nun hat LHB die neuen Doppelstockwagen nicht gebaut, aber das Wissen war auch im Westen vorhanden.

Eben. Patentstreitigkeiten wären kein Hinderungsgrund gewesen. Es gab in Westeuropa bekanntlich durchaus schon vor 1989 Doppelstockwagen.

> > gegenüber den Bn-Typen (vulgo "Silberlinge") nicht. Man muss ja auch immer die Rechte aus den
>
> An Silberlinge war wohl beim Bau der Doppelstockprobewagen noch nicht zu denken, also
> konnte man sie nicht miteinander vergleichen.

Der Vergleichsmaßstab waren die den Silberlingen nicht unähnlichen 26,4-m-Eilzugwagen (yl-Wagen), die ab 1951 beschafft wurden.

> > Patenten und Gebrauchsmustern berücksichtigen, die wegen des deutlichen Entwicklungsvorsprungs nun
> > einmal bevorzugt nicht im Westen lagen. Ich kann mir vorstellen, dass der Devisenbedarf der DDR
> > Industrie gewiss nicht zu brüderlichen Lizenzgebühren verhalf.
> >
> > Meine Interpretation der Geschichte dieser Fahrzeuge ist, dass mit der Bildung eines
> > einheitlichen deutschen Staates und vielleicht auch mit der Fusion der DR und der DB wohl
> > wenigstens ein Teil dieser Schutzrechte zugänglich wurde. Allerdings ist mir nicht bekannt, ob die
> > Deutsche Reichsbahn der DDR eigene Rechte besass. Es kann auch sein, dass wegen des neu entstandenen
> > einheitlichen Marktes diese Wagen jetzt rentabel wurden, weil sie eben im neu entstandenen Inland
> > verfügbar waren.

Da es bereits vor 1989 Dostos im Westen gab, ist das nicht zutreffend. Die ersten, 1992 beschafften Dostos der Bundesbahn basieren nicht auf den Görlitzer Konstruktionen, sondern auf den niederländischen und schweizerischen Wagen, die ab Mitte der 80er gebaut wurden.

Viele Grüße,
Wahldresdner

--
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

Re: Doppelstockwagen bei der DB?

geschrieben von: Südbahn

Datum: 18.10.09 09:54

Die Bundesbahn mußte ihren abgewirtschafteten und z.T. überalterten Wagenpark nach dem Krieg erneuern und ein Punkt bei den Neukonstruktionen war auch die Reduzierung des Platzgewichtes, also wirtschaftliche Gründe. Die Bauart der Doppelstockwagen war, verglichen mit den einstöckigen Neubauwagen, eine weitere Reduzierung des Platzgewichtes. Der Komfort wurde nicht außer acht gelassen, so schreibt A.Mielich: "Für eine gute Isolation der Dach- und Wandflächen ist gesorgt, das Dach ist gegen Sonneneinstrahlung außerdem noch mit einem Tropendach versehen. Die Fenster können auch im Oberdeck zu Lüftungszwecken geöffnet werden; außerdem sorgt eine größere Anzahl statischer Lüfter für die Abführung verbrauchter Luft. Der dritte Wagen erhält im Oberdeck einen Mitropa-Speiseraum mit 32 Plätzen und ein Büfett." Wenn es uns diese Zeilen heute fremd wirken und der Komfort schlicht, der Krieg war erst ein paar Jahre vorher zu Ende gegangen und vieles lag noch in Trümmern. Es handelte sich eben um Probefahrzeuge, deren Praxistauglichkeit sich erst im Betrieb herausstellte. So war es dann auch, die Fahrzeuge wurden in anderen Diensten eingesetzt und nicht weitergebaut.

Ergänzend möchte ich noch bemerken, daß die Doppelstockwagen der DR in Interzonenzügen eingesetzt wurden, so sind in diesemBeitrag Doppelstockwagen im Jahr 1956 in Hamm zu sehen, es handelt sich um dem D1018 von Magdeburg nach Köln.

Thomas