Vor 25 Jahren stand der Personenverkehr auf der Strecke Rheine – Coesfeld, dem nördlichen Abschnitt der damaligen Kursbuchstrecke 284 vor dem aus. Zum Winterfahrplan 1984/85, am 29.09.1984 genau genommen, sollte der Personenverkehr endgültig eingestellt werden.
Einen kleinen, kompakten Abriss zur Geschichte dieses als Hauptbahn ausgeführten und betriebenen Abschnitts hatte ich bereits im Teil 1 niedergeschrieben. Auf eine Wiederholung möchte ich daher hier verzichten.
Damals war die Einstellung des Personenverkehrs zwar ein nicht gerade ermutigender Gedanke, eine Umgestaltung zum Radweg erschien jedoch undenkbar. Immerhin war seinerzeit auch die nördliche Fortsetzung von Rheine nach Quakenbrück, die bereits Ende Mai 1969 den Personenverkehr verlor, noch durchgehend befahrbar und betriebsbereit. Und dass, obwohl auch hier kein durchgehender Güterverkehr statt fand und der nördlich von Spelle bescheidene Ortsgüterverkehr auch nicht die Befahrung der Gesamtstrecke erforderte. Über diese Verbindung hielt die NATO ihre schützende Hand (?), sie blieb aus „übergeordneten Gründen“ erhalten. Genau diese „übergeordneten Gründe“ verboten auch die Gesamtstilllegung der Verbindung Rheine-Coesfeld. Sie war als Nachschub- und Umgehungslinie fest eingeplant. Diese an sich beunruhigende Tatsache wirkte in Anbetracht des nahen Ende des Personenverkehrs zunächst beruhigend.
Der Güterverkehr war zuletzt unbedeutend, sieht man vom Stückgutaufkommen in Horstmar einmal ab, wo eine Strumpffabrik bis zur generellen Einstellung des Stückgutverkehrs auf der Schiene für ein beachtliches Aufkommen sorgte. (Warum ich diese Übergabe nie „bearbeitet“ habe ist mir heute unerklärlich. Wohl weil es mit dem Personenverkehr noch „Besseres“ gab?)
Der Abschnitt von St. Arnold bis nach Horstmar war in den letzten Jahren des Personenverkehrs ohne planmäßigen Güterverkehr. In St. Arnold wurde zwar noch ein Gleisanschluß zu einem Kühlhaus errichtet, insgesamt dürfte aber nur sehr selten einen Übergabe den Bahnhof von Rheine aus erreicht haben.
Nach der Einstellung des Personenverkehrs waren die Schranken- und Signalanlagen zunächst noch vollständig vorhanden, ebenso die technischen Sicherungen an den Bahnübergängen. Erst später wurden diese entfernt, und die Bahnübergänge durch die Übersicht, akustische Signale oder Posten gesichert. Pfeiftafeln, wie sie heute noch an dem Radweg als „historische Relikte“ zu finden sind, hatte es zu Hauptbahnzeiten dort nie gegeben.
Das glücklicherweise gerade rechtzeitige Ende des kalten Kriegs führte nicht nur zum Verlust altgepflegter Feindbilder und der östlichen Frontlinie, sondern sozusagen als "Kolateralwirkung", auch zur Änderung der Strategien. Die Nachschubwege im Hinterland einer Front werden nicht mehr benötigt, wenn es eben diese Front nicht mehr gibt.
Das machte auch diese Bahn entbehrlich. Die Stilllegung erfolgte ziemlich geräuschlos, es fuhr ja praktisch nichts mehr. Die Bahn wuchs zu, an einigen wenigen Stellen wurden die Gleise entfernt. Vor einigen Jahren errichtete man auf der Rheiner Einfahrt des Bahnhofs Burgsteinfurt dann ein Geschäftshaus, die Gleisanlagen auf der Rheiner Seite wichen einem hübschen Parkplatz, nur das Bahnsteigdach erinnert noch an die alte Gleislage und gibt einen Anhaltspunkt. Vor Horstmar durchschnitt ein Straßenneubau den Bahndamm.
In rund vier Wochen, heute vor 25 Jahren, gab es die letzten Gelegenheiten, Reisezüge zwischen Rheine und Coesfeld zu fotografieren oder eben in diesen mitzufahren. Sozusagen als kleine Erinnerung daran sei der folgende, kleine Bilderbogen gedacht.
Viel Spaß möchte ich nicht wünschen, hoffe aber die Bilder wecken die eine oder andere Erinnerung...
Bild 1) Coesfeld, 11.08.1983: rechts 624 645-8 nach Münster, links 515 544-5 nach Rheine:
Bild 2) 624 645-8 fährt im Hintergrund nach Münster aus, 515 544-5 wird mich in Kürze nach Burgsteinfurt bringen:
Bild 3) 624 675-6 zwischen Lutum und Coesfeld (Rheiner Gleis) 23.04.1984:
Bild 4) 624 668-0 passierte soeben Lutum in Richtung Rheine, 23.04.1984, (Nur für Insider: Ich war nicht alleine, ich glaube, das war die Tour mit dem „Zwischenfall“ an der Eisdiele in Coesfeld ;-)):
Bild 5) Zwischen Lutum und Darfeld, auch am 23.04.1984, 515 558-5:
Bild 6) Aus Darfeld habe ich leider nicht sonderlich viele Aufnahmen, daher muss ich hier auf das schon einmal gezeigte Bild zurückgreifen: 624 612-8 fährt Anfang 1983 aus Richtung Coesfeld ein:
Bild 7) Darfeld, die andere Seite, unbek. VT, 27.04.1984:
Bild 8) bei Horstmar, unmittelbar an der Coesfelder Ausfahrt, liegt ein beeindruckender Einschnitt, den 624 640 hier jetzt am 27.04.1984 in Richtung Coesfeld verlässt:
Bild 9) Die andere Seite dieses Einschnitts, gleicher Tag, 624 503-8:
Bild 10) noch einmal (dann ist auch genug), 624 650-8
Bild 11) Ein nicht einwandfrei identifizierbarer 634 erreicht in Kürze aus Burgsteinfurt kommend Horstmar (27.04.1984):
Bild 12) Kurz vor Burgsteinfurt, am Veltruper Kirchweg, 515 519-7 am 24.04.1984:
Bild 13) Ein nicht genau identifizierbarer 624er (624 674-8 (?) nach Bahn-Regional 4-83 möglich, Dank an Rolf und Clemens) überquert kurz vor Burgsteinfurt die ehemalige KBS 285, August 1984:
Bild 14) 515 541-1 nähert sich am 18.04.1984 aus Richtung Rheine kommend dem Bf Burgsteinfurt:
Bild 15) 624 675-5 am Einfahrvorsignal des Bf Burgsteinfurt, aus Richtung Rheine kommend (22.04.1984):
Bild 16) 624 667-2 auf dem Weg nach Rheine im ehemaligen Bbf Hollich, :
Bild 17) Hier fährt 624 671-4 aus dem Bahnhof St. Arnold in Richtung Burgsteinfurt aus, aufgenommen am 14.02.1984:
Bild 18) St. Arnold, das Wärterstellwerk Aw mit 515 541-1 aufgenommen im Sommer 1984:
Bild 19) 624 508-8 fährt in St. Arnold in Richtung Burgsteinfurt aus. Aufgenommen vom Treppenaufgang des Stellwerks Aw aus, wenn ich mich richtig erinnere. Hinter dem Triebwagen lagen die Gleise des Lokfriedhofs. Von diesem Gleis waren zum Zeitpunkt der Aufnahme (August 1984) nur die ordentlich gestapelten Stahlschwellen übrig. (Das Bild hatte ich hier schon mal gezeigt)
Bild 20) 515 659-1 in der „motivlosen“ Fläche zwischen Hauenhorst und St. Arnold, Juli 1984:
Bild 21) 624 662-3 fährt in den Bahnhof Hauenhorst ein, 13.04.1984:
Bild 22) 624 638-3 fährt in Hauenhorst ab, der Zugführer beobachtet noch den Zug (und den Fotografen), bevor er wieder im Gepäckraum verschwindet. 13.04.1984:
Bild 23) Sonntags gab es zuletzt ein leider nur umlaufbedingtes „Sixpack“. Dieser beeindruckende Reisezug fährt am 12.08.1984 gegen 14.40 Uhr in den Bf Hauenhorst ein (624 625-0):
Bild 24) Einfahrt Hauenhorst aus Richtung Rheine mit 624 639-1, im August 1984:
Bild 25) Zwischen Rheine und Hauenhorst, im Hintergrund die Anlagen des Bw Rheine (aufgenommen im August 1984, noch einmal 624 639-1:
Ich habe versucht, mit den mir zur Verfügung stehenden Aufnahmen eine kleine Erinnerung an diese, heute zum Radweg degenerierende Strecke zu geben, hoffentlich, ist dieses halbwegs gelungen. Dabei ist mir bewusst, dass es zahlreiche weitere Strecken gab, zum Teil landschaftlich erheblich spannender, denen es ähnlich erging oder deren Spuren heute völlig aus der Landschaft getilgt sind. Aber vielleicht kann ja nicht nur die „Münsterlandfraktion“ damit etwas anfangen.
Bis auf die zwei erwähnten Ausnahmen sollten alle übrigen Aufnahmen HiFo-frisch sein. Falls nicht, bitte ich hierfür um Nachsicht und ggf. eine kleine Nachricht. Ersatz kann und möchte ich in diesem Zusammenhang nicht versprechen, da meine Bestände zu diesem Thema hier bereits arg strapaziert wurden (da kann also von mir soviel nicht mehr kommen).
Berichte über die aktuellen Entwicklungen dieser Bahn findet man nicht nur hier auf DSO, sondern z.B. auch auf: [
www.muensterlandradweg.de] . Hoffen wir, dass zahlreiche Radfahrer die Abgeschiedenheit und Ruhe zwischen Rheine und Coesfeld ohne Platten oder sonstige Betriebsstörungen genießen werden.
Schönes Wochenende, tolle Fahrradtouren und bis dann,
Jürgen
Reich es noch nicht? Dann sei auf folgende Altlasten verwiesen:
Links:
Teil 1:
[
www.drehscheibe-foren.de]
Ohne Nummer (Teil 1b):
[
www.drehscheibe-foren.de]
Teil 2:
[
www.drehscheibe-foren.de]
„Altlasten“:
Bbf Veltrup:
[
www.drehscheibe-foren.de]
Burgsteinfurt:
[
www.drehscheibe-foren.de]
[
www.drehscheibe-foren.de]
Hier noch eine Auswahl sehr interessanter Beiträge von den Kollegen:
Von Rolf Köstner:
[
www.drehscheibe-foren.de]
[
www.drehscheibe-foren.de]
Von Hartmut Riedemann:
[
www.drehscheibe-foren.de]
Von Rein van Putten:
[
www.drehscheibe-foren.de]
Was aktuelles von Anschlussbahn:
[
www.drehscheibe-foren.de]
Von Dampfhappi:
[
www.drehscheibe-foren.de]
und von Ludger k:
[
www.drehscheibe-foren.de]
[
www.drehscheibe-foren.de]
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(Noch ein Hinweis: Ich habe das jetzt n-mal gelesen und finde den Text inwischen ziemlich langweilig. Daher gilt:
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