DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historische Bahn 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.




„O schaurig ist's übers Moor zu gehen...“ - Torfbahn Schwegermoor 1978



...wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt! –
O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!
...


„Der Knabe im Moor“




Wie in dem Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff trefflich beschrieben, wohnt den Mooren etwas unheimlich-mysteriöses inne, um das man lieber eine Bogen machen möchte. Andererseits übt eben dieses unheimlich-mysteriöse gerade auf Jugendliche auch einen gewissen Reiz aus. Einer kleinen Gruppe innerhalb dieser Spezies fasziniert dabei insbesondere die Beförderung des gestochenen Torfs mittels kleiner zweiachsiger Gefährte, die auf seltsam geformten Bändern aus Metall ihren Weg durch diese unwirtliche Gegend finden.

Und so machten sich vier solcher Jugendlicher in den Herbstferien 1978 an einem grauen Novembertag auf, dem von Osnabrück aus nächstgelegenen größeren Moor, dem Schwegermoor zwischen Bohmte und Hunteburg gelegen, einen Besuch abzustatten. In diesem Jahr lagen die Herbstferien extrem spät und dauerten vom 28. Oktober bis zum 06. November des genannten Jahres, so dass wirklich schon die Novembernebel über dem Land waberten. Erst 2014 wird es wieder so späte Herbstferien in Niedersachsen geben.

Daher verbrachten wir den Vormittag zunächst bei der Wittlager Kreisbahn (WKB) in Bohmte. Die dazu gehörigen Bilder hatte ich HIER schon einmal gezeigt. Gegen Mittag war es dann allerdings soweit. Entlang der Straße nach Damme folgten wir der WKB-Strecke zum Schwegermoor. 1914 hatte die WKB das Teilstück Bohmte-Schwegermoor-Damme in Betrieb genommen, welches wegen des Torftransportes für die Schweger Moorzentrale eine besondere Bedeutung hatte. Die Schweger Moorzentrale im Dammer Moor galt als das größte Torfwerk der Region. Dort wurde in jener Zeit sogar ein torfbefeuertes Kraftwerk erbaut und betrieben. Der Bau der Strecke durch das Moor gestaltete sich als sehr aufwendig, da die Trasse aufgrund des instabilen Unterbaues auf einem einen Meter hohen Damm errichtet werden musste. 1961 stellte die WKB zunächst den Personenverkehr zwischen dem Schwegermoor und Damme ein, 1963 dann auch den Güterverkehr. Anschließend wurde der Streckenabschnitt abgebaut. Am 28. Mai 1965 endete dann der Personenverkehr zwischen Schwegermoor und Hunteburg, und mit dem 24. September 1971 der gesamte Restpersonenverkehr der WKB zwischen Hunteburg und Holzhausen-Heddinghausen, an der Strecke (Bremen -) Bassum – Bünde (- Bielefeld), gelegen. In Schwegermoor befand sich ein Anschluss an das Torfwerk, sowie ein Ladegleis mit einer Torfverladeeinrichtung.

Nachdem wir in Schwegermoor angekommen waren, machten wir uns auf den Weg ins Moor. Zunächst versuchten wir, mit dem Käfer eines der Mitstreiter weiter ins Moor vorzudringen, was uns auch gelang.

Bild 1: An einem verlassenen Gebäude mitten im Moor (was mag dieser „Turm“ wohl für eine Aufgabe
gehabt haben ?) entstanden die ersten Fotos, allerdings noch ohne Torfbahnfahrzeuge:

http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6364393665306534.jpg

Bild 2: Im Vordergrund eine Schleppweiche:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3336653161623238.jpg

Bild 3:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3963616631306537.jpg

Bild 4: Dazu einige Detailfotos:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3132623635646438.jpg

Bild 5:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3263326334393633.jpg

Bild 6: Irgendwo in der Nähe fanden wir diese zum Einbau (?) vorgesehenen Weichen vor, dazu eine neben den
Gleisen abgelegte Lore, wie eine auf dem Rücken liegende Schildkröte, mit allen Vieren gen Himmel:

http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6230366436316662.jpg

Bild 7: Hier warten Torfsoden auf den Abtransport:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3334373239633564.jpg


Bei den Norddeutschen Mooren handelt es sich in der Regel um Hochmoore. Moore sind nasse Lebensräume. Der ständige Wasserüberschuss aus Niederschlägen oder Mineralbodenwasser bedingt einen Sauerstoffmangel und führt zu einem unvollständigen Abbau der Pflanzenreste, die als Torf abgelagert werden. Dadurch wächst die Oberfläche von lebenden Mooren in die Höhe. In den Mooren herrscht, im Gegensatz zu den Sümpfen eine permanente Wassersättigung. Während gelegentliches Austrocknen in Sümpfen zu einem vollständigen Abbau der organischen Substanz zu Humus zur Folge hat, ist in den Mooren durch die permanente Wassersättigung dieser Abbau gehemmt, so dass Torf entstehen kann.

Hochmoore sind ausschließlich regenwasserernährt (ombrotroph) und damit sauer und sehr nährstoffarm (oligotroph). Sie verfügen über nur geringe Gehalte an Stickstoff und anderen Nährstoffen zeichnen sich durch hohen Kohlenstoffgehalt aus. Die pH-Werte liegen zwischen 3 und 4,8. Die typische Pflanzenwelt besteht aus fast geschlossenen Torfmoosrasen. Diese nährstoffarmen Standorte findet man großflächig in allen Hochmooren. Häufig geht dem Hochmoor eine vorherige Niedermoorphase voraus. Ihre extreme Nährstoffarmut, der niedrige pH-Wert und die permanente Wassersättigung der Hochmoorlebensräume bedingen eine hochspezialisierte einzigartige Flora und Fauna mit einer Vielzahl gefährdeter Arten.

Torf ist einorganisches Sediment, welches in Mooren entsteht. Er bildet sich aus der Ansammlung nicht oder nur unvollständig zersetzter pflanzlicher Substanz und stellt die erste Vorstufe der Kohlebildung (Inkohlung) dar. Im getrockneten Zustand ist Torf brennbar und wurde bis in die Anfänge des vorigen Jahrhunderts in einigen Gegenden sogar zur Feuerung von Vollbahn-Dampflokomotiven genutzt.

Bild 8: Eine Torflore lud zur sportlichen Betätigung ein:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6564353331383866.jpg

Bild 9: Endlich kam eines der sehnlichst erwarteten Objekte daher. Lok 11 (Schöma 850/1945, B-gm, Gas GF2M11, 54 PS, 3,5 to - neu an Deutsche Torfgesellschaft mbH,
Berlin für Torfwerk Schwegermoor "11", laut Typenschild Typ TG (Quelle: Bahn-Express)) mit einem beladenen Zug auf dem Weg zum Torfwerk:

http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6566393630386231.jpg

Bild 10: Vorbei an dem geheimnisvollen Gebäude
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6235343966626266.jpg

Bild 11:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3165343661613934.jpg

Bild 12: Aufmerksam beobachtet der Lokführer den Zug, damit ihm auch keine Lore verloren geht:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3537333861383132.jpg

Bild 13: Kurzer Zwischenhalt auf dem Weg zum Torfwerk:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3035613263346233.jpg

Bild 14:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3361666538336637.jpg

Bild 15:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6137343262623232.jpg

Bild 16: Das Torfwerk ist erreicht:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3037383738633932.jpg

Bild 17: Nachdem die Lok 11 den Zug abgestellt hat, fährt sie zurück ins Moor:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3730333832303133.jpg

Bild 18: Nebenbei entdecken wir im Gebüsch diese fahrbare Kreissäge:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6134646262613835.jpg

Bild 19: Die von Lok 11 abgestellten Wagen warten nun darauf ins Werk gebracht zu werden:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6135346463613030.jpg

Links im Bild sind die Andreaskreuze des Bahnüberwegs über die Strecke Bohmte – Schwegermoor zu erkennen.

Bild 20: Das Torfwerk Schwegermoor zeugt von einer beachtlichen Größe:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3065373763373734.jpg


Noch 1994 wurden in Schwegermoor täglich 10 Waggons mit Torf beladen. Erst mit der Gründung der Bahntrans wurde das Stückgut per LKW abtransportiert. Die Bahnstrecke wurde erst im Jahre 2004 stillgelegt, aber vorerst noch nicht entwidmet.

Bild 21: Zurück im Moor trafen wir auf diese unbekannte Lokomotive:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6430373832613432.jpg

Bild 22:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3333303933363662.jpg

Bild 23: Gerade ist der letzte Wagen beladen worden:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/6238383934303164.jpg

Bild 24: Allerdings war der Zug verlassen und es schien auch so, als würde sich die nächste Zeit nichts tun. Daher schauten wir uns weiter um, und trafen dabei auf Lok 10
(Schöma 809/1944, B-gm, Gas GF2M115, 25 PS, 2,75 to - neu an Deutsche Torfgesellschaft mbH, Berlin für Dr. Hamers, Hannoversche Kolonisationsgesellschaft, Schweger-
moor/19xx Torfwerk Schwegermoor "10" (Quelle: Bahn-Express)) mit einem Personentransportwagen für die Gleisbaurotte:

http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3164303936323539.jpg

Bild 25:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3561393565633032.jpg

Bild 26:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3761643365626362.jpg

Bild 27: Gleisverlegen leicht gemacht:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/137108/3663393466353962.jpg


Nun stand der Weg nach Hause an. Aber klarer Fall von Denkste! Obwohl der Weg recht solide aussah, hatten sich in den vergangenen Stunden, die Hinterräder des VW-Käfers ein Stück in den weichen und feuchten Moorboden gedrückt. Der Anfahrversuch scheiterte, die Antriebsräder der Hinterachse arbeiteten sich nur noch weiter in den Boden. Auch der Versuch mit vier Mann den Wagen im wahrsten Sinne des Wortes wegzuwuppen scheiterte. Und das mitten im Schwegermoor, fernab jeglicher Behausung. Die Rotte war mit dem Züglein bereits gen Feierabend entschwunden. Da war guter Rat teuer.

In der Nähe war aber glücklicherweise ein Bauer mit seinem Traktor auf dem Felde unterwegs. Ihn baten wir darum, uns aus unserer misslichen Lage zu befreien, was er nach einigem Zögern auch tat. Nachdem er uns aus der „Suhle“ gezogen hatte, verlangte er 5,- DM. Da diese aber unser Spritgeld für die Heimfahrt waren, mussten wir sein Anliegen höflich, aber bestimmt, ablehnen. Danach wird er wohl nur noch gegen Vorkasse behilflich geworden sein.

Bleibt noch anzumerken, dass wir nur wenige Tage später mit dem Käfer im Gross Heseper Moor im Emsland bei Einbruch der Dunkelheit festsaßen. Und wieder kein Mensch weit und breit. Zwar hatten wir uns diesmal nicht festgefahren, sondern wollte der Wagen - ohne Vorwarnung - partout nicht mehr anspringen. Auch mehrfache Anschubversuche blieben erfolglos. Allerdings gab es links und rechts der „Straße“ im Gefälle liegende Zu- und Abfahrten in die Abbaufelder, so dass es uns schließlich in einem verzweifelten letzten Versuch gelang, den Motor ans Laufen zu bekommen, worauf hin wir die Nacht nicht im Niemandsland westlich der niederländischen Grenze verbringen mussten.

Hatte ich oben den Beitrag mit dem Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff begonnen, so möchte ich ihn einfach mit einem profaneren Vers aus einem frühen Stück von Mike Krüger („Mike, das Messer“) beschließen, der eigentlich alles in wenigen Worten zusammenfasst:


"...doch will man durchs Moor (Anm.: auf dem Pferd), muss man sich konzentriern!"

Ob mit Pferd oder Käfer ist dabei „schnurzegal“...


Bis(s) neulich – natürlich im HiFo

Rolf Köstner




Rolfs Z(S)eitensprung: Die Jagd auf Bruno Fabeyer


Eigentlich wollte ich diesen Z(S)eitensprung schon zum 40-jährigen Jahrestag bringen, habe es 2006 aber versäumt, ihn an einen Beitrag anzuhängen. Also zum 45-jährigen 2011 – dachte ich mir.
Weil es aber jetzt gerade von der Lokalität her so gut passt, habe ich mich entschlossen, ihn hier anzuhängen.

Die älteren unter uns werden sich sicherlich noch erinnern, war es doch 1966 einer der spektakulärsten Kriminalfälle, die das Land nach dem Kriege in Aufregung versetzten. Ich war damals gerade knapp acht Jahre alt. Da ich um die Zeit begann, regelmäßig und intensiv die Tageszeitung zu studieren (damals noch das Osnabrücker Tageblatt, der Vorläufer der Neuen Osnabrücker Zeitung), erinnere ich mich noch genau, wie ich mir überlegte, was zu machen sei, wenn Bruno Fabeyer nachts in unserer Wohnung auftauchen sollte...


Hunteburg-Meyerhöfen am 24. Februar 1966: Gegen 19 Uhr erschießt der flüchtige Verbrecher Bruno Fabeyer den Polizeiobermeister Heinrich Brüggemann aus Hunteburg mit drei Schüssen aus seiner langläufigen 6,35-mm-Pistole.

Bruno Fabeyer, eine Legende, ein Stück Polizeigeschichte. Geboren 1926 in Hamburg, wächst er in sozial schwierigen Verhältnissen auf. Sein Vater erhängt sich im Gefängnis, der Bruder wird wegen Fahnenflucht hingerichtet, die Mutter ist eher „schlichten Gemüts“. So ist es nicht verwunderlich, dass Bruno Fabeyer eine kriminelle Laufbahn einschlägt. Fürsorge, Gefängnis, Zuchthaus...

Zuletzt erhält er als gefährlicher Gewohnheitsverbrecher eine langjährige Zuchthausstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Am 1. August 1965 jedoch wird er bedingt aus der Sicherungsverwahrung entlassen. Noch ehe sich ein Bewährungshelfer seiner annehmen kann, ist Bruno Fabeyer wieder untergetaucht.

Drei Monate später beginnt in und um Osnabrück eine magische Einbruchserie. Der Täter steigt nachts in Schlafzimmer, wobei er sich um die Schlafenden nicht groß kümmert. Am 29. Dezember 1965 dringt er in Gretesch bei Osnabrück (heute zu Osnabrück gehörend) in das Haus des Postbeamten Alois Broxtermann ein. Als dieser erwacht und sich dem Einbrecher in den Weg stellt, schießt ihn Fabeyer mit der Waffe nieder. Broxtermann überlebt, hat aber sein Leben lang unter den Folgen zu leiden. So wird Fabeyer zu einem der meistgesuchten Verbrecher dieser Tage.

Am 24. Februar 1966 glaubt die Wirtin der Gaststätte Heemann in Hunteburg-Meyerhöfen in einem Gast den gesuchten Verbrecher zu erkennen. Als der Bundesbahnbeamte Herbert Schubert den Schankraum betritt, äußert die Wirtin diesem gegenüber den Verdacht. Dieser beratschlagt sich mit einem weiteren Gast vor dem Gasthaus, mit der Folge, dass der Bundesbahnbeamte den Polizeiobermeister Brüggemann aufsucht und zusammen mit diesem zum Gasthaus zurückkehrt. Fabeyer hat Lunte gerochen und befindet sich bereits wieder auf der Flucht, jedoch gefolgt von einem Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr. Das Blaulicht weist Brüggemann und Schubert den Weg und schon bald erreichen sie Bruno Fabeyer, der versucht mit dem Fahrrad zu entkommen. Die beiden überholen den Flüchtigen und durch die geöffnete Fensterscheibe ruft Brüggemann ihm zu: „Anhalten, Polizei!“

Daraufhin wirft Fabeyer das Fahrrad zu Boden und versucht fussläufig über eine Weide in der Dunkelheit zu entkommen. Brüggemann verlässt den PKW und nimmt die Verfolgung Fabeyers auf, während Schubert mit dem PKW die Fahrt entlang der Weide fortsetzt. Die Schüsse werden vom Geräusch des PKW übertönt, Schubert sieht aber, wie der Polizeiobermeister zusammensackt.
Fabeyer kann in der Dunkelheit entkommen lässt aber Fahrrad und Mantel am Tatort zurück Eine Großfahndung wird ausgelöst, wobei Fabeyer in den folgenden Tagen gleich mehrfach gesehen wird, jedoch immer im letzten Moment seinen Verfolgern entkommen kann.

Mit dem Feuerwehrfahrzeug versuchen die Tatzeugen den noch lebenden Brüggemann ins Krankenhaus nach Ostercappeln zu bringen, dieser stirbt jedoch, kaum das der Wagen Bohmte verlassen hat. Fassungslosigkeit macht sich unter der Hunteburger Bevölkerung breit. Eine Region trauert.

Es beginnt eine Jagd, die Niedersachsens damaliger Innenminister Otto Bennemann als die „langwierigste, teuerste und aufwendigste seit Kriegsende" bezeichnet. In der Folge bricht Fabeyer wieder in einige Häuser ein, wobei er sich mit Kleidungsstücken und Lebensmitteln versorgt. Auch ein Damenfahrrad kommt so in seinen Besitz. Er wird am 26. Februar 1966, zwei Tage nach der Tat an einem Bahnübergang in Stemshorn , südlich von Lemförde an der „Rollbahn“ gelegen, erkannt. Offenbar hat er ein Lager im Bereich der Venner Egge eingerichtet. Am selben Tag werden auf einem Gehöft in Hüde am Dümmer Lebensmittel gestohlen. Die Ermittler rechnen diesen Diebstahl Fabeyer zu. Am darauffolgenden Tag wird er im Kreis Melle in eine Schiesserei mit der Polizei verwickelt, kann jedoch erneut entkommen. Auch in den folgenden Tagen schlüpft er immer wieder um Haaresbreite durch das engmaschig geknüpfte Netz.

Am Montag, 28. Februar, findet in Hunteburg die Trauerfeier für Polizeiobermeister Heinrich Brüggemann statt. Die Bevölkerung sowie viele Gäste aus Polizei, Justiz, Politik und Gesellschaft nehmen Abschied. Nach dem feierlichen Requiem in der katholischen Kirche wird der Leichnam nach Bad Salzschlirf in Hessen überführt, wo er in der Heimat seiner Frau die letzte Ruhe findet.

Die von der Polizei ergriffenen Maßnahmen haben keinen Erfolg. Fabeyer ist auf das Medikament Nervogastrol angewiesen. Alle Apotheken werden informiert; eine Apothekerin in Hengen will ihn erkannt haben, aber dort ist er nach eigener Aussage nie gewesen. Fabeyer wechselt einfach den Hersteller.

Was die Polizei findet, sind Fabeyers recht komfortabel angelegte Waldlager. Verstecke, in denen Süßigkeiten, Konservendosen und Likörflaschen von seinen bevorzugten Lebensmitteln zeugen, und in deren Nähe er mit der Waffe Zielübungen veranstaltet. Sein Fortbewegungsmittel ist das besagte Damenfahrrad, das er blitzschnell fallen lässt, wenn er gestellt wird. Und so ergibt sich ein Bild von Fabeyer als das eines Vagabunden. Aber durch die zahlreichen Einbrüche ist er inzwischen finanziell unabhängig und steigt vom Fahrrad auf die Bahn um. Im guten Zwirn steigt er gelassen und unerkannt auf dem Osnabrücker Hbf aus dem Zug. Später können ihm 155 Einbrüche, u.a. in Osnabrück, Northeim und Frankfurt/M., nachgewiesen werden. Auch gelingt es ihm, sich zeitweise nach Österreich und Jugoslawien abzusetzen.

Die Suche nach dem Polizistenmörder von Hunteburg scheint wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Aber auf den Tag genau ein Jahr nach den Todesschüssen auf Heinrich Brüggemann, am 24. Februar 1967, erkennt eine Kassenfrau in einem Kaufhaus in Kassel den Gesuchten. Zwei Polizisten fassen ihn, als er sich auf der Kaufhaustoilette die Hände wäscht. Obwohl er eine Waffe ähnlich der, mit der er den Polizeiobermeister Brüggemann erschoss, im Schulterhalfter unter seinem Jackett trägt, lässt er sich widerstandslos festnehmen. Er wird im Zuchthaus in Celle inhaftiert. Am 16. November 1967 begann der Prozess am Osnabrücker Landgericht...

Der seinerzeit meistgesuchte Mann Deutschlands stirbt am 8. Februar 1999 in einem Altenheim in Bad Orb (Spessart).


Quellen:
Neue Osnabrücker Zeitung online: „Vor 40 Jahren zitterte eine ganze Region vor Fabeyer“
Die Zeit online: 03.11. 1967, Albert Strotmann, „Die endlose Jagd auf Bruno Fabeyer“



Hier die Links zu weiteren - zum Teil überarbeiteten) Feldbahnbeiträgen:

Brennend heißer Wüstensand... Eine Feldbahn im Westfälischen (Teil 1 - m3B)

Brennend heißer Wüstensand... Eine Feldbahn im Westfälischen (Teil 2 - m18B)

Brennend heißer Wüstensand... Eine Feldbahn im Westfälischen (Teil 3 - m15B)

Feldbahn der Ziegelei Idunahall in Schermbeck (m12B)

Feldbahn-Gütertriebwagen der Ziegelei Olfry, Vechta (m4B)

Die Vinter Torfindustrie (m4B)






3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:08:26:12:37:20.
Hallo!
Noch schauriger ist es aber jetzt dort auf die Straße zu gehen, wenn einem ein Feldbahnnachfolger begegnethttp://www.bilder-space.de/thumb/23.08q0oixx8xsRSH8DZ.jpg
Zum Vergrößern, bitte anklicken.
Ich hoffe,es geht mal durch, wenn nicht, löschen Bitte!
Schönen Sonntag noch
Manfred



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:08:23:14:46:20.

Danke für diesen schönen Beitrag, Rolf

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 23.08.09 14:58

die S/W Bilder tragen natürlich nur besonders zur schaurig-schönen Stimmung bei

RUHRKOHLE - Sichere Energie
Hallo Rolf,

interessanter Beitrag von Dir, wie man´s gewohnt ist, diesmal zusätzlich auch mit einem nicht bahnbezogenem Geschichtsrückblick. ;-)

Frage zu den Torfbahnen: Gibt es in Niedersachsen noch Torfbahnen, die in Betrieb sind? Bin erst kürzlich auf das Thema gestoßen, als ich in einem Bahnatlas gestöbert habe, dort sind noch einige im Städtedreieck Osnabrück - Minden - Bremen eingetragen.

Die Osterfelder Ostereier grüßen freundlichst

STIMMUNG !!!

geschrieben von: dampfhappi

Datum: 23.08.09 17:02

Sehr schön, die alten Schömas im Herbst zu sehen. Schwegermoor gehört für mich leider zu den vielen Unterlassungssünden (d.h. nicht besuchten Betrieben). Schön auch, dass Du Grundsätzliches zum Thema "Torfabbau" schreibst, dann kann ich demnächst verweisen ;-)

Zum Thema "noch in Betrieb befindliche Torfbahnen" empfehle ich das bei dem Verlag, dem wir dieses wunderschöne Forum zu verdanken haben, unlängst erschienene Werk "Torfbahnen in Deutschland", das einen guten Überblick über das gibt, was noch in Betrieb sein dürfte ...

Für mich einer der ganz großen Beiträge hier im Forum!

geschrieben von: S&B

Datum: 23.08.09 20:37

Diese Bilder strahlen eine unheimliche Stimmung aus, der Text tut ein übriges, einschließlich des Krimis um den Mörder Bruno Fabeyer.
Allerdings hätte ich wohl den Lokführer nach der Bedeutung des einsamen Hauses befragt :-)
Begeisterte Grüße
Ulrich
Hallo Rolf,
obwohl Torfbahnen normalerweise nicht so sehr mein Ding sind, hast du es geschafft, mich mit einem meiner Lieblingsgedichte zu ködern und jetzt habe ich den Beitrag schon mehrmals rauf und runter gescrollt, weil ich von der Stimmung so fasziniert bin. Auch die interessanten Informationen und deine lesenswerten Erlebnisschilderungen haben mich gefesselt. Jetzt wäre ich so weit, mit auf Entdeckungsreise zu gehen, aber nun ist es zu spät. Vielen Dank für den herrlichen Beitrag und schöne Grüße vom
dampfgerd

ein toller Beitrag!

geschrieben von: ludger K

Datum: 23.08.09 22:37

Hallo Rolf!

Allerbesten Dank für die textliche und fotografische Aufbereitung dieses Beitrags. Übrigens war das genau am 31.10.1978, wie ein Foto eines Deiner Kollegen (er heißt genauso wie der neue BE-Direktor) zeigt.

Viele Grüße
Ludger
http://img22.imageshack.us/img22/4683/eb300.jpg

Heutige Situation (ganz kurz)

geschrieben von: GöttingenForst

Datum: 24.08.09 09:47

Hallo Rolf,

mal wieder gaaaanz großes Kino!

1999 konnte ich noch Torfverladung auf die VLO in Schwegermoor fotografieren, seit dem technischen K.O. der Strecke Bohmte-Bruchheide - Schwegermoor wird der Torf mit LKW nach Bohmte Ost gefahren und dort verladen.

Die Schweger Torfbahn müsste noch immer brav ihren Dienst verrichten - nun allerdings südwestlich der Schweger Moorzentrale (Bereich Venner Moor / Campemoor). Interessant fand ich immer wieder den BÜ mit Eigenbau-Lichtsignalanlage über die L96 zwischen Venne und Vörden.

Das "geheimnisvolle Haus" kenne ich übrigens auch aus eigener Ansicht! In dem Bereich wir das Moor nun erfreulicher teilweise wiedervernässt, wenn ich das recht in Erinnerung habe.

Übrigens werden dort heute keine wertvollen "lebenden" Moore mehr abgetorft, sondern der Torf, der sich noch unter den (Mais-) Äckern befindet.

Ich hoffe, meine Informationen sind noch aktuell...

Viele Grüße

Andreas
Moin Rolf,
ja, ja: Mike Krüger hat immer den richtigen Spruch ("Und hört man meinen Namen, wirds still in jedem Ort!"). Vielleicht war ja auch Bodo mit dem Bagger im Moor ("... und der baggert noch!")? Hat mich beinahe vom Sessel gehauen, Dein Beitrag. Und köstlich die Anekdote mit dem liegengebliebenen Käfer (ich hatte damals auch so ein Gefährt, das man auf den Namen "Stoßgebet" hätte taufen sollen... :-).
Danke fürs Zeigen und die köstliche textliche Aufarbeitung. Auch wenn ich nicht gerade ein Fan von Feldbahnen bin, dieser Bericht hat es mir doch angetan. Weiter so!

Klasse Rolf!

Ein Beitrag bei dem man auch über andere Dinge ausser Eisenbahn was lernen kann! Bei Dunkelheit wären sicherlich auch einige Stellen für einen Edgar Wallace-Film geeignet gewesen!:))
Vielen Dank für diesen Bericht!

Gruß Andreas

Das ist ja wie ein Ü Ei, drei Dinge auf einmal ;-))

geschrieben von: Vau60

Datum: 24.08.09 16:33

Hallo Rolf,

obwohl auch bei mir Torfbahnen nicht unbedingt im Mittelpunkt des Interesses stehen, Dein Beitrag ist wirklich eine Wucht.


Danke dafür, Gruß Michael

Großartig, Rolf !

geschrieben von: Reinhard Gumbert

Datum: 26.08.09 15:12

Mir geht’s wie schon einigen meiner Vorredner: Das Thema „Torfbahnen“ liegt zwar nicht so zentral in meinem Interessenbereich – doch Dein sehr stimmungsvoller Beitrag hat mich gefesselt und nicht mehr losgelassen. Und den „Krimi“ am Schluß habe ich geradezu „verschlungen“... Der Name Fabeyer kommt mir aus meiner Heimat Frankfurt nicht unbekannt vor, meine ich jedenfalls. Ganz sicher hat er 1966/67 auch bei uns auf den Lokalseiten der „Frankfurter Rundschau“ Spalten gefüllt!

Anerkennung für diesen schönen, meisterhaft geschriebenen und Bild-gestalteten Beitrag voller Stimmungen und Spannung, Rolf!


Schöne Grüße aus Aachen –
Reinhard Gumbert
Hallo Osterfelder,
hier findet Ihr ein paar Bahnen, die noch fahren (siehe Legende auf der Übersichtskarte, grün=Betrieb beim letzten Besuch):

http://www.futurb.de/feldbahn/banner2-Feldbahnen_in_NordD.jpg

Viel Spaß! Gruß aus Berlin
Christian
Rolf, und Dir vielen Dank für den tollen Beitrag! Als ich an meinem ersten Auto (Opel Kadett C Kombi) mal zum Basteln drunter lag, fand ich auch massenweise Torf im vorderen Querholm vorm Getriebe...
Am 31.8.2009 war ich im Schwegermoor, wo leider schon Betriebsschluss war, aber ein paar Bilder konnte ich machen, und auch die alte Schöma von Deinen Bildern stand noch dort, wenn auch auf einem abgetrennten Altgleis.
Ein Klick aufs Bild öffnet die Fotoseite:

http://www.futurb.de/feldbahn/schwegermoor7.jpg

Viel Spaß und schönen Sonntag!
Hallo Rolf,

da geht einem Feldbahnbetreiber - wie so oft bei Deinen Beiträgen - wieder einmal das Herz auf!

Tolle Stimmung und Bericht. Die Plazierung Deiner ©-Zeile auf Bild 20 hat mich außerdem zum Schmunzeln gebracht.

Viele Grüße
Thomas