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Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988) NEU!

geschrieben von: Rolf_311

Datum: 22.06.09 16:03

Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988) überarbeitet

Ich hatte hier kürzlich bereits Innenansichten des Leipziger Hauptbahnhof gezeigt.
[www.drehscheibe-foren.de]

Die "Foren-Buschtrommel" meint nun, Leipzig wäre in Kürze noch mal Thema. Da bietet sich doch (ungeplant und zwischendurch) ein Blick auf die andere, die Straßenseite des Hauptbahnhof an.

Zur Vorgeschichte:
Das Wetter war irgendwann mal wieder so viel "wenigversprechend", dass wir uns anguckten und wortlos Einigkeit darüber bestand, die übliche Jagd auf das Drölfundsiebenzigste 50.35-Foto durch ein Alternativ-Programm zu ersetzen.

So habe ich in Leipzig ein paar Bilder aus den Straßenschluchten der Stadt und von der Straßenbahn machen können. – Bei weitem keine vollständige Dokumentation!
Im nachhinein sehr ärgerlich, dass wir nicht viel mehr fotografiert haben.
Doch es war alles so "normal", seit Jahrzehnten fast unverändert. Wie sollte man ahnen, dass nur ein Jahr später stürmische Veränderungen einsetzen würden...

Die fotografische Reise mit der Straßenbahn beginnt am Hauptbahnhof und führt in die südliche Vorstadt Richtung Connewitz.
Das legendäre Nachtlokal des "Schorschel" habe ich leider nie live erlebt. Inzwischen isses wohl nicht mehr. Vielleicht erzählt hier ja jemand was? Nicht nur zur Messe sollt dort manches "angebahnt" worden sein. – Und die "Firma" Horch + Guck war immer mit dem Ohr dicht dran.
Die Rückfahrt in die Innenstadt erfolgt dann über die Arthur-Hoffmann-Straße.

Meine Ortskenntnis in Leipzig ist leider nicht so gut. Das gesehene liegt ja auch schon fast ein viertel Jahrhundert zurück. Andreas aus Leipzig hat mir bei den Bildbeschreibungen und Straßennamen sehr geholfen. Speziellen Dank dafür!

Alle Fotos: © Rolf Ebberg

Also bitte einsteigen...

Ich will hier aber nicht zum Schwarzfahren animieren.
http://w311.info/userpix/3_img487a_1.jpg
Wir starten deshalb mit zwei Schnibbeln der alten Sammelfahrscheine von damals. Die grobfaserige Papierqualität wird kaum nochmals 25 Jahre überdauern...
Der Fahrpreis betrug 1.00 Mark für 6 Fahrten, das sind 16,6666 Pfennig für ein Kärtchen. Ich frage erst gar nicht nach dem Tarif von heute...

http://img3.imagebanana.com/img/6vdf4ilv/img162a.jpg
Bild 1 Leipzig Hauptbahnhof.
Damals noch nicht als Edel-Einkaufszentrum mit eigenem Gleisanschluss verfremdet, sondern ganz und gar Bahnhof. – Und was für einer...
Vor dem mächtigen Bahnhof die Autos und der Straßenverkehr jener Zeit.

http://img3.imagebanana.com/img/y8zyti3/img171b.jpg

Bild 2 Blick vom "Blauen Wunder" (Fußgängerbrücke) auf den Haltepunkt Friedrich-Engels-Platz in Richtung Reformierte Kirche und Tröndlinring zum Hauptbahnhof

Andreas schreibt zu den elektrotechnischen Dingen:
Die Leipziger Tatra-Straßenbahn gehörte lange zum Stadtbild. Die Züge fuhren mit zwei Triebwagen und einem Hänger.
Nur der Stromabnehmer des 1. Wagens holte die Leistung aus der Oberleitung (in Dresden jeder Triebwagen getrennt). Der 2. Wagen wurde vom 1. gesteuert. Jeder Triebwagen zog max. 400 A bei 600 V=! Das sind 240 kW! Oder entsprechend 182 PS! Dabei wurde die 4.+ 5. Fahrstufe ausgebaut, damit mindestens 3 Wagenzüge pro Umspannwerk fahren konnten. Die Tatra's wurden auf der Linie 17 und 27 ab 1972 erstmalig eingesetzt. Beim Anfahren glühte die Oberleitung mit 135 mm² leicht...

Mein Eindruck:
Die Tatra-Züge waren zwar solide gebaut, aber sehr schwer und eigentlich übermotorisiert. Vor allem fehlte den Zügen eine Fahrsteuerung, mit der die Anfahrt-Zugkraft bei Beschleunigung den Reibungsverhältnissen der Schienen angepasst werden konnte. So war typisch, dass die Tatra-Triebzüge beim Anfahren gnadenlos schleuderten. – Ergebnis: Span-abhebende Fortbewegungsmethode, ohne Rücksicht auf die Lebensdauer des Materials, vor allem der Gleise...

http://img3.imagebanana.com/img/7njyjo2/img172.jpg
Bild 3 Blick vom "Blauen Wunder" in die Dr.-Kurt-Fischer-Strasse (heute Pfaffendorfer Strasse) in Richtung Zoo / Kongresshalle.
Im Vordergrund das Restaurant "Gastmahl des Meeres" (Fischgaststätte), zu der die sozialistische Wartegemeinschaft Einlass begehrt.

http://img3.imagebanana.com/img/1fakv9r/img168.jpg
Bild 4 Besonderheit in Leipzig war der Gütertransport per Straßenbahn. Hier begegnet uns eine solche Güterbahn für Materialtransporte zwischen den Betrieben in der Friedrich-Ebert-Strasse in Richtung Westplatz. Der Kuppelbau im Hintergrund ist das ehemalige Reichsgericht, dass heute das Bundesverwaltungsgericht beherbergt. Ob deren Akten per Bahn angeliefert werden?

http://img3.imagebanana.com/img/dz278oe3/img173b.jpg
Bild 4a (ergänzt) Nochmal Güterbahn, vermutlich im weiteren Verlauf der Karl-Liebknecht-Straße.
Den Arbeitswagen dahinter hab ich leider nicht.

http://img3.imagebanana.com/img/oa76jha/img178.jpg
Bild 5 Karl-Liebknecht-Str. / Ecke Hohe Straße.
Linie 11 nach Markkleeberg-Ost.

Die Karl-Liebknecht-Straße wird bei den Leipzigern wegen ihrer häufigen politisch bedingten Umbenennungen ironisch auch als "Adolf-Süd-Knecht-Straße" bezeichnet. Heute harmloser Scherz, war es zuweilen besser, nur hinter vorgehaltener Hand zu scherzen...

http://w311.info/userpix/3_Toreinfahrten_1.jpg

Bild 6 Seitenblicke
Spannend der Blick in die alten Toreinfahrten. Viele der Häuser hatten interessante Hinterhöfe.
Zur Wiedergabe der damaligen Atmosphäre gehört auch der Blick auf kleine Läden, den Gemüsestand oder den baulichen Zustand vieler Häuser.

http://img3.imagebanana.com/img/8muym91q/img175.jpg
http://img3.imagebanana.com/img/jns2cquf/img176.jpg

Bilder 7 + 8 Linie 28 nach Wahren an der Haltestelle in Richtung Petersteinweg in der Karl-Liebknecht-Strasse. Die Bahn hält genau vor dem Straßenbahnhochhaus. - Die Verwaltung der LeipzigVerkehrsBetriebe.

Natürlich darf das rote Spruchband nicht fehlen. Aufschrift:
Alles zum Wohle des Volkes, alles für den Frieden. – Vorwärts, dem XI Parteitag der SED entgegen.

http://img3.imagebanana.com/img/e3gskgsr/img182.jpg

Bild 9 An der Kreuzung ist die Karl-Liebknecht-Strasse / Paul-Gruner-Strasse nochmal ein Blick zurück auf das Imposante Haus der Verkehrsbetriebe.

http://img3.imagebanana.com/img/7cvmbte2/img137b.jpg
Bild 10 An der Haltestelle Karl-Liebknecht-Str. / Arndtstrasse
Linie 28 schaukelt nach Wahren...

http://img3.imagebanana.com/img/i5fyliyr/img139b.jpg
Bild 11 An der Haltestelle Karl-Liebknecht-Str. / Arndtstrasse.
Rechts im Hintergrund die Kochstrasse. Ganz rechts im Bild eine öffentliche Toilette, die manchmal recht verschrobene Gestalten sah...

http://img3.imagebanana.com/img/0i6z3021/img174b.jpg
Bild 12 Kreuzung Karl-Liebknecht-Strasse / Alfred-Kästner-Strasse in Richtung Innenstadt
Geht man die Strasse nach rechts, dann käme man in die Strafvollzugsanstalt. - Ein berüchtigter Ort, der auch Hinrichtungsstätte gewesen ist.

http://img3.imagebanana.com/img/37rogoq/img140.jpg
http://img3.imagebanana.com/img/3ftlzlk9/img141.jpg
Bild 13 + 14 Zwei Bilder von der Karl-Liebknecht-Straße Stadtauswärts zum Ortsteil Connewitz an der Kreuzung Kurt-Eisner-Strasse

http://img3.imagebanana.com/img/zc5bu2gn/img181.jpg

Bild 15 Die Brikett für den nächsten Winter wurden auch schon geliefert.
LKW S4000 in der Simildenstrasse / Stadtteil Connewitz
Bevor jedoch abgeladen wurde, mal erst einen Schluck aus der Pulle. – Verständlich, bei dem Job...

http://img3.imagebanana.com/img/q1r75zzm/img161b.jpg
Bild 16 Das Forsthaus Raschwitz im Leipziger Süden gehört bereits zu Markkleeberg. Auf diese Feinheiten wird in der Kreisstadt viel Wert gelegt!
Die Straßenbahn kommt vom Ortsteil Connewitz und fährt nach Markkleeberg Mitte.

http://img3.imagebanana.com/img/5gqqrxd/img169b.jpg
Bild 16a (ergänzt) Gleich in der Nähe des Forsthaus Raschwitz (hoffentlich erinnere ich richtig) begegnete uns nochmals Leipzigs Güterbahn.

http://w311.info/userpix/3_img163a_799_1.jpg

Bild 17 In der Grünanlage hatten sich die alten Männer lebhaft was zu erzählen.
Typisch für die DDR: Der Dederon-Beutel.

http://img3.imagebanana.com/img/vhv9gda/img170.jpg
Bild 18 Kreuzung Arthur-Hoffmann-Strasse / Kurt-Eisener-Strasse
Linie 16 nach Lößnig.
Mit dem Volkspolizisten, der auf dem Fahrrad sitzend mitten in der Kreuzung ein Schwätzchen hält, hat die Szenerie beinahe dörflichen Charakter.

http://w311.info/userpix/3_img166_799_1.jpg

Bild 19 Arthur-Hoffmann-Strasse / Schenkendorfstrasse.
Die HO-Gaststätte an der Ecke Schenkendorfstraße hat sackweise Kartoffeln geliefert bekommen. Die Wartezeit auf die Straßenbahn wird damit deutlich bequemer und gleich für einen Flirt genutzt.

http://img3.imagebanana.com/img/0jzevnyg/img164.jpg
Bild 20 Wenige Minuten später wird der Kartoffel-Sitzplatz wieder frei.
Arthur-Hoffmann-Strasse in Nähe des Bayrischen Bahnhofes - hier Stadt auswärts.

http://w311.info/userpix/3_img165_799_1.jpg

Bild 21 Telefonhäuschen an der gleichen Straßenecke.

Zu dem Schaltkasten daneben weiß Andreas zu erzählen:
Das Teil neben dem Telefonhaus ist ein "KV" - Kabelverzweiger, stammt noch aus Zeiten der Reichspost, später dann Deutsche Post oder auch "Graue Post".
Die Deutsche Post der DDR war in 3 Bereiche gegliedert :
- gelbe Post für Pakete und Briefe,
- graue Post für Fernmeldeanlagen und Trägerfrequenz und Kabelverbindungen von Ort zu Ort
- blaue Post für Rundfunk und Fernsehen.
Weiterhin zählte das "Rundfunk - Fernseh - Zentralaboratorium" (RFZ) in Dresden dazu, welches die Posttechnik entwickelte.
Der Weg vom Telefonamt, wo die Technik steht, zum Bürger (Teilnehmerendeinrichtung), wurde über solche Verteiler geführt.
Im Telefonamt stand der Hauptverteiler (HV). Auf der waagerechten Seite lagen die Telefonnummern und gegenüber auf der senkrechten Seite die Kabel zu den Kabelverzweigern (KV) in den Strassen. Von dort ging ein Kabel in den Hof zum EV - Endverzweiger und dann in die Wohnungen. Im HV und KV wurde mit 2 adrigem Schaltdraht weitere Wege geschaffen oder die Rufnummer weiter geleitet zum nächsten KV.
Zu diesen KV's hatten nur besondere Leute zugang und einen Spezialschlüssel.
Manchmal fand ich auch 2 Dräht übereinanderliegend, mit roten Isolierschlauch versehen - dann die Finger weg !
Die Kabel waren Bleikabel und die Adern hatten Papierisolation. Damit Fehler bemerkt werden, wurden die Kabel mit trockener Luft auf 1 at gehalten und bei Luftverlust rückte der Kabelmesstrupp aus und anschliessend der Bautrupp und flickte.
Der Kabelweg wurde in handgeschriebene Karteikarten eingetragen !
Jeder Telefonnummer hatte eine eigene Karte...


Da kann man fast von "Dampf-Telefon" sprechen!


Edit: Straßen-Name, Tippfehler, Bilder überarbeitet und ergänzt (außer Off-Topic-Bilder)

Sorry:
Von mir kommen keine Beiträge und Bilder für die DSO-Foren, bis die Umleitungen rückstandsfrei weg sind!




3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:12:28:10:56:58.

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: ehemaliger Teilnehmer

Datum: 22.06.09 16:14

Hallo Rolf,

danke für diesen sehr sehenswerten Bericht. Er zeigt den Osten kurz vor der Wende wie es besser gar nicht geht.
Der einzige Wermutstropfen ist die Tatsache daß du durch etwas zu hohe Kompression eine Treppenbildung in den Bildern hast. Aber das kann schon fast vernachlässigt werden. Denn etwa ein Jahr später ging es auch in Leipzig hoch her und vieles nicht mehr vorher im Osten Deutschlands.



Gruß


Eric

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: MD 612

Datum: 22.06.09 16:28

Leipzig wie es lacht und lebt.... Einfach herrlich, wenn man die Originalmotive genauso selbst noch täglich live erlebt hat. Man hört gleich wieder das Quietschen des Gotha-Zuges am "Forsthaus Raschwitz"

Kleine Korrektur: Bei Bild 12 hast Du ein "e" zuviel im Straßennamen, der Herr hieß Alfred Kästner.

Aber sonst einfach klasse.

Gruß Peter

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen.
Walt Whitman (1819-1892), amerikanischer Dichter

Bei den beiden älteren Herren

geschrieben von: MichaelM

Datum: 22.06.09 17:07

mußte ich spontan an Egon Olsen denken ... ;-)))))

Ansonsten, Klasse gemacht !!!


MM

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: ICE1-Fan

Datum: 22.06.09 17:07

Sehr schöne Bilder, aus einem untergehenden Staat.
Kurz nach der Wende war es allerdings auch nicht gleich besser: [www.youtube.com]

Harald

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: Rolf_311

Datum: 22.06.09 17:21

"Ruhrpottfahrer"
...durch etwas zu hohe Kompression eine Treppenbildung in den Bildern

Ja, richtig! – Asche auf mein Haupt!

Der Artikel war so ähnlich bereits veröffentlicht. – Zu einer Zeit als man mit Web-Space und Bandbreite noch sehr sparsam + pingelig war.
Ich habe nun die vorhandenen Dateien von unserem Foren-Server genutzt. Rechtmäßig, aber mit den Mängeln.
Die Bilder müssten mal neu hochgeladen werden. – Schaffe ich die Woche aber nicht...
Sorry.


"MD 612"
..."e" zuviel im Straßennamen

Herzlichen Dank für die Korrektur.
Ich vermute, dass es sich um diesen Herrn handelt:
Alfred Kästner (1882–1945), Kommunist und Widerstandskämpfer
Es ist auch noch jemand mit AE-Schreibweise vermerkt:
Alfred Kaestner (1901–1971), deutscher Zoologe, Hochschullehrer und Autor

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: ehemaliger Teilnehmer

Datum: 22.06.09 17:29

Kein Thema, wenn du das wirklich nochmal schaffst die Bilder in besserer Qualität zur Verfügung zu stellen wäre das natürlich optimal. Aber Eile mit Weile :)


Gruß

Eric

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: MD 612

Datum: 22.06.09 17:33

Rolf_311 schrieb:
-------------------------------------------------------

> Ich vermute, dass es sich um diesen Herrn handelt:
>
> Alfred Kästner (1882–1945), Kommunist und
> Widerstandskämpfer
> Es ist auch noch jemand mit AE-Schreibweise
> vermerkt:
> Alfred Kaestner (1901–1971), deutscher Zoologe,
> Hochschullehrer und Autor

Es wird wohl der erstere sein, zumindest wurde er auch auf dem Straßenschild mit "ä" geschrieben. Zumal die Straße schon in den Sechzigern so hieß..

Gruß Peter

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen.
Walt Whitman (1819-1892), amerikanischer Dichter
Lieber Rolf,

ich würde an Deiner Stelle die Aufnahmen dem Stadtarchiv Leipzig anbieten. Das sind wahrhaft wertvolle Dokumente.

Viele Grüße,

Jürgen

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: ehemaliger Teilnehmer

Datum: 22.06.09 18:49

Wunderbare Impressionen aus dem "real vegitierenden Sozialismus", besonders die Off-Topic-Bilder mit den Ladenfronten und "Statler und Waldorf im Park" geben der Bilderserie noch den nötigen "Klacks Sahne". Heißt der eine Laden wirklich "Laufmasche...???" Was gabs da wohl zu kaufen, hoffentlich keine Strumpfhosen...

Nützt leider eh nix: Eisenbahnfreunde FÜR die Jagsttalbahn - [www.jagsttalbahner.de]

Wenn das hier schon das Leben ist, was machen dann die Toten?
Wer kennt sich hier aus, wer hilft mir hier raus - aus der Verschwörung der @#$%&??? (HRK)

[www.lokschuppen-online.de]

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: MD 612

Datum: 22.06.09 19:03

enniwann schrieb:
-------------------------------------------------------
> Heißt der eine Laden
> wirklich "Laufmasche...???" Was gabs da wohl zu
> kaufen, hoffentlich keine Strumpfhosen...

Nicht alles wurde in der verblichenen Republik gleich weggeworfen, was nur einen kleinen Schaden hatte. Vieles wurde repariert, auch weil eine Neuanschaffung oft teuer war. Das war auch ein kleiner unbewusster Beitrag zum Umweltschutz, auch wenn die Führung davon in ihren Großbetrieben nichts wissen wollte. Und so konnten die Schöpfungen des schönen Geschlechtes bei einem kleineren Defekt ihrer Nylonstrumpfhosen eben jenen Laden aufsuchen, wo geschickte Hände mit einer kleinen Maschine die edlen Beinkleider wieder in Ordnung brachten.

Oder das ganze in Kurzfassung: Dort wurden Laufmaschen reprassiert.

Gruß Peter

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen.
Walt Whitman (1819-1892), amerikanischer Dichter

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: Rolf_311

Datum: 22.06.09 19:03

"enniwann"
Heißt der eine Laden wirklich "Laufmasche...???" Was gabs da wohl zu kaufen, hoffentlich keine Strumpfhosen...

Vermutlich gab es da nix zu kaufen.
Die haben wohl als Dienstleistung Damenstrümpfe repariert und Laufmaschen aufgenommen.
Sowas gab es in den 50er / 60er Jahren auch im Westen!

Jedenfalls nix für ungeduldige Männerhände!

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: barnie

Datum: 22.06.09 19:04

Alter Schwede, was für ein herrlicher Bilderbogen!

Als Quasi-Leipziger kennt man jede Stelle, die abgelichtet wurde. Kein Vergleich zu dem heutigen Zustand - viel mehr Autos auf den Straßen, viel weniger Bäume in der "Karli" (Karl-Liebknecht-Straße) aber auch viel mehr hergerichtete Gebäude. Wunderbare Dokumente! Vielen Dank!

Freundschaft!
F.O.

P.S.: Ich unterstelle mal 240kW, dass es ca. 327 PS sein dürften...

Der Link zu meinen Bilderbeiträgen der letzten Monate bei DSO sowie neu mit VIDEOS:
KLICK MICH:
http://barnie.pytalhost.de/Bild_verlinkt.jpg

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: Rolf_311

Datum: 22.06.09 19:17

"Rache-Jürgen"
...Aufnahmen dem Stadtarchiv Leipzig anbieten.

Die haben das bestimmt viel besser als ich!
Schließlich konnten sich Fotografen aus der Stadt das Wetter besser aussuchen, als flüchtig dahergelaufene Wessis.
Es gab ja auch Lokal-Zeitungen, also auch professionelle Foto-Reporter, etc...
Vermutlich haben sogar die Leipziger Verkehrsbetriebe ein eigenes Archiv.

*blonk*

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 22.06.09 19:44

was für ein Bilderbogen - fantastisch!

OT: Laufmachen aufnehmen war auch bis weit in 70er bei uns im Ruhrpott üblich. In der Regel hing irgendwo ein Pappschild mit dem geschwungenen roten Schriftzug Laufmaschen-Dienst im Schaufenster oder an der Ladentür. Für eine recht geringe Gebühr wurde das Malheur dann gerichtet...temporas mutantur. Heute wissen die jungen Damen ja noch nicht mal, was ein Nylonstrumpf ist!

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:06:22:19:45:13.

Re: *blonk*

geschrieben von: 01 1066

Datum: 22.06.09 20:16

Zitat:
Joachim Leitsch schrieb:
-------------------------------------------------------

OT: Laufmaschen aufnehmen war auch bis weit in 70er bei uns im Ruhrpott üblich. ... tempora mutantur. Heute wissen die jungen Damen ja noch nicht mal, was ein Nylonstrumpf ist!


OT: sie wissen es schon, aber sie schmeißen ihn weg, wenn er eine Laufmasche hat... -:)





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:12:02:14:33:51.

eigentlich wollte ich den Beitrag nicht anklicken...

geschrieben von: Ossi

Datum: 22.06.09 21:14

...weil mich Straßenbahn nur am Rand interessiert.
Aber 1988 war das ausschlaggebende Element in der Überschrift.
Gut, dass ich geklickt habe.
So etwas wollte ich "später einmal" fotografieren, habe es leider gelassen / nicht mehr geschafft.

Danke fürs Zeigen!

Grüße aus Ostfriesland
Helmut

Re: Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)

geschrieben von: Ronny Quaß

Datum: 22.06.09 21:32

Herrlich dieser Beitrag! Bleibt nur noch zu sagen, daß auf den Außenbahnen noch "griene Schnipsel" zusätzlich zu entwerten waren oder man nahm gleich einen "braunen"!

Viele Grüße und Dank!

Ronny Quaß, der sich noch gern erinnert...

Vielen Dank Rolf

geschrieben von: E 44 051

Datum: 22.06.09 22:30

Hallo Rolf,

danke für diese spannenden Impressionen aus einer untergegangenen Zeit. Obwohl nur etwa 20 Jahre vergangen sind, kann man es kaum noch glauben.

Rolf_311 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Straßenbahn-Impressionen aus Leipzig (1988)
>
> Die "Foren-Buschtrommel" meint nun, Leipzig wäre
> in Kürze noch mal Thema.

*gespannt guck*

> Der Fahrpreis betrug 1.00 Mark für 6 Fahrten, das
> sind 16,6666 Pfennig für ein Kärtchen. Ich frage
> erst gar nicht nach dem Tarif von heute...

Sind schlappe 2,00 Euro für eine Fahrt... Das lässt sich natürlich nicht vergleichen, und der Preis ist für heutige Verhältnisse wohl akzeptabel. Der Kurzstreckentarif treibt mir allerdings die Zornesröte ins Gesicht...

Nebenbei: Zur alljährigen Preiserhöhung am 1. August, werden in Leipzig "nur" die Stammkunden abgezockt. Die Einzelfahrkarte bleibt konstant im Preis.

> Bild 2 Blick vom "Blauen Wunder"
> (Fußgängerbrücke) auf den Haltepunkt
> Friedrich-Engels-Platz in Richtung Reformierte
> Kirche und Tröndlingring zum Hauptbahnhof

Ich kauf Dir ein "g" ab: "Tröndlinring" ;-)
>
> Andreas schreibt zu den elektrotechnischen Dingen:
>
> Die Leipziger Tatra-Straßenbahn gehörte lange zum
> Stadtbild. Die Züge fuhren mit zwei Triebwagen und
> einem Hänger.
> Nur der Stromabnehmer des 1. Wagens holte die
> Leistung aus der Oberleitung (in Dresden jeder
> Triebwagen getrennt). Der 2. Wagen wurde vom 1.
> gesteuert. Jeder Triebwagen zog max. 400 A bei 600
> V=! Das sind 240 kW! Oder entsprechend 182 PS!
> Dabei wurde die 4.+ 5. Fahrstufe ausgebaut, damit
> mindestens 3 Wagenzüge pro Umspannwerk fahren
> konnten. Die Tatra's wurden auf der Linie 17 und
> 27 ab 1972 erstmalig eingesetzt. Beim Anfahren
> glühte die Oberleitung mit 135 mm² leicht...

Als alter (ab 1968) und jetzt wieder Schönefelder, kann ich bestätigen, dass wir damals mächtig stolz waren, dass auf "unserer" 17 und 27 die neuen Tatras zum Einsatz kamen, auch wenn dafür auf der (auch noch verkehrenden) Linie 19 ältestes Material zum Einsatz kam, inklusive Mitteleinstiegswagen mit unverglastem Perron. (Natürlich gab es auch noch die 22, aber die bediente eine völlig andere Relation, damals auch mit alten Tw des Typs Pullman, später Gotha-Gelenk-Tw)

Die vorgenommenen Leistungsbegrenzungen bei den Tatras konnten indes nicht immer verhindern, dass hin und wieder beim Anfahren der Hauptschalter rausflog. Kunststück: Auf dem Schönefelder Ast fuhren immerhin vier Linien im dichten Takt (z.T. verstärkt durch E-Linien), Heute gibt es dort eine Linie im 10-Minuten-Takt...

> Im Vordergrund das Restaurant "Gastmahl des
> Meeres" (Fischgaststätte), zu der die
> sozialistische Wartegemeinschaft Einlass begehrt.

Ein zeitgeschichtliches Dokument für die Ewigkeit ;-)

> Bild 4 Besonderheit in Leipzig war der
> Gütertransport per Straßenbahn. Hier begegnet uns
> eine solche Güterbahn für Materialtransporte
> zwischen den Betrieben in der
> Friedrich-Ebert-Strasse in Richtung Westplatz.

Die Güterstraßenbahn wäre in der Tat mal ein spannendes Betätigungsfeld für Hobby-Historiker. Dass dies nicht so absurd ist, zeigt ja die Versorgung der gläsernen Fabrik in Dresden per Straßenbahn, auch wenn dies "nur" eine Punkt-zu-Punkt-Logistik ist, und nicht ein Linienbetrieb.

> Spannend der Blick in die alten Toreinfahrten.
> Viele der Häuser hatten interessante Hinterhöfe.
> Zur Wiedergabe der damaligen Atmosphäre gehört
> auch der Blick auf kleine Läden, den Gemüsestand
> oder den baulichen Zustand vieler Häuser.

Wunderbar eingefangen. Ich hatte übrigens anlässlich eines Besuches in Prag 2002 dort regelrecht dejavue-Erlebnisse, weil man diese Ursprünglichkeit noch erleben konnte.

> nochmal ein Blick zurück auf das Imposante Haus
> der Verkehrsbetriebe.

Die Kuppel ist inzwischen liebevoll restauriert worden und auch innerlich sehr sehenswert. Wer mal Gelegenheit zum Verweilen dort hat: Auch der Blick auf die Stadt ist von dort imposant und bietet völlig neue Blickwinkel, besonders abends.

> Bild 13 + 14 Zwei Bilder von der
> Karl-Liebknecht-Straße Stadtauswärts zum Ortsteil
> Connewitz an der Kreuzung Kurt-Eisener-Strasse

Ich kaufe ein "e": Kurt-Eisner-Straße (der Herr war übrigens kurzzeitig sogar bayrischer Ministerpräsident)

> Bild 16 Das Forsthaus Raschwitz im Leipziger
> Süden gehört bereits zu Markkleeberg. Auf diese
> Feinheiten wird in der Kreisstadt viel Wert
> gelegt!

Jaja, das feine Markkleeberg (Wer kann sich schon mit einem Bundespräsidenten schmücken? ;-))... Das klamme Leipzig war schon immer auf dieses Örtchen scharf. Kreisstadt (im eigentlichen Sinne) war Markkleeberg übrigens nie, selbst zu Zeiten des Kreises "Leipziger Land" wurde die Musik in Borna gespielt.

Nochmal herzlichen Dank für die vielen, mit feinem Gespür eingefangenen, Alltagssituationen, die einen Einbick in die damalige Lebenssituation gewähren. Kaum zu glauben, dass diese Bilder gerade mal gut 20 Jahre alt sind.

Und damit komme ich zurück zum Anfang des Beitrages und harre gespannt der Dinge, die noch kommen.

Freundliche Grüße aus Leipzig von
Ralf

Ein ausgezeichneter Beitrag !

geschrieben von: Rübezahl

Datum: 23.06.09 02:53

Glückwunsch zu dieser außerordentlich guten Fotoreihe !

Herrlich sind auch die Aufnahmen der kleinen Lädchen, die zu Friedenszeiten noch Kundschaft fanden.

Äußerlichkeiten wie den Bauzustand mancher Gebäude als Maßstab für die Überlegenheit eines politischen Systems zu sehen (s. weiter oben) halte ich für sehr kühn und überheblich. Ein Kubaner würde über eine Fotoreihe aus der freien Marktwirtschaft Haiti ähnliche Schlüße ziehen.

Was einfach begeistert, ist die gut eingefangene Atmosphäre des DDR-Alltags. Man hat soetwas einfach viel zu wenig fotografiert !

Nebenbei, Wartegemeinschaften gibt es heute immer noch, etwa bei den Arges, "Gastmahl" der "Tafeln" und DB-"Reisezentren", aber, welch Fortschritt, es gibt harte Stühle und Nummern, die man ziehen darf. "Sie werden platziert" heute ...

Gruß

Rübezahl

und mehr von diesen Fotos !
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