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Achtungspfiff: Wie lange gab es ihn und warum?

geschrieben von: Alibizugpaar

Datum: 11.11.08 21:09

Hallöle!

Habe ein Video mit historischen Dampf-Aufnahmen geschaut. Da gab es Situationen, in denen die Dampflok zur Abfahrt des Zuges am Bahnsteig einen kurzen Achtungspfiff gab. Ich dachte das wäre das Zeichen für alle Reisenden die Türen geschlossen zu halten bzw. von der Bahnsteigkante zurückzutreten. In einem anderen Fällen fehlte dieser Pfiff aber zur Abfahrt.

Auf freier Strecke, nachdem der Zug vor einem Halt zeigenden Signal zu stehen gekommen war und jetzt weiterfahren durfte, gab es ihn ebenfalls. Als Bestätigung für das Stellwerk/den Streckenposten? Gaben auch Dieselloks diesen Pfiff?

War der kurze Pfiff also Vorschrift und wozu/für wen diente er? Ab wann wurde darauf verzichtet und warum?

Gruß, Olaf

Re: Achtungspfiff: Wie lange gab es ihn und warum?

geschrieben von: stefan p.

Datum: 11.11.08 21:28

Hallo Olaf,

der Achtungspfiff der Lok ist ein Signal nach Signalbuch und heißt dort Zp 1. Er wird gegeben, wenn eine Pfeiftafel an der Strecke steht. Er wurde auch gegeben, wenn ein Zug in einen Tunnel einfuhr. Er wird von der Lok aus auch gegeben, wenn Personen am oder im Gleis gewarnt werden müssen. Er dient, wenn er von der abfahrenden Lok gegeben wird, nicht der Reisendenwarnung im Zug, dazu gibt der Zugführer den Achtungspfiff (auch Zp 1!), bevor die Türen geschlossen werden bzw. bevor der Abfahrauftrag gegeben wird. Zurück zur Lok: Der Achtungspfiff wird vom Lokpersonal auch als Bestätigung gegeben, wenn Aufträge oder Nachrichten aufgenommen wurden (bspw. der Abfahrauftrag vom Zugführer, das Signal Fahrzeit kürzen oder Fahrzeit verlängern, das Signal feste Bremse oder eine Info über Abstand zu einem anderen Zug oder Kreuzung mit einem anderen Zug vom Stellwerk. Somit ist er Quittungs-Pfiff zu verstehen. Auf freier Strecke wurde er bei Halt an einem Halt zeigenden Signal gegeben, um das Zugpersonal über die Weiterfahrt zu unterrichten, damit diese nicht im Schotter oder am Fernsprecher stehen blieben. Letzteres ist heute seltener, da die Türen verschlossen bleiben und die Zugführer auf freier Strecke nicht mehr aussteigen.

Der Pfiff ist heute noch im Signalbuch enthalten. Nur wird er heute nicht vor Tunnel gegeben. Durch das veränderte Abfertigungsverfahren am Bahnsteig wird er auch nicht mehr als Bestätigungspfiff nach Abfahrauftrag gegeben. Man kann aber noch beobachten, dass manche Triebfahrzeugführer den Arm als Bestätigung nach Aufnahme des Abfahrsignals aus dem Fenster rausstrecken. Da es auch immer weniger Stellwerke gibt und die Kommunikation Stellwerk - Zug mittlerweile dank Zugfunk direkt funktioniert, ist auch der Bestätigungspfiff zum Stellwerk sehr selten geworden.

Alles geklärt?

Gruß,
Stefan

Re: Achtungspfiff: Wie lange gab es ihn und warum?

geschrieben von: Diesellok-Tf

Datum: 11.11.08 21:55

Auf manchen NE-Bahnen, z.B. der HzL ist es auf deren Stammnetz heute immer noch Vorschrift, dass die Tf vor Einfahrt in einen Tunnel einen Achtungspfiff abgeben, da dort noch Streckenläufer unterwegs sind. Der Pfiff dient zur Warnung derselbigen. Eine besondere P-Tafel o.ä. ist dort nicht aufgestellt.

Mfg Diesellok-Tf

Re: Achtungspfiff: Wie lange gab es ihn und warum?

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 12.11.08 02:56

Werter Stefan! Das hast Du sehr poulär und verständlich erklärt.
Dazu noch einige Bemerkungen: Das Zp 1 gilt auch zur Verständigung von Zug- und Vorspannlok untereinander, wenn keine andere Verständigungsmöglichkeit besteht. Als Bestätigung für die Aufnahme des Abfahrauftrags des Zf war es zumindest bei der DB nicht üblich. Der Lokf. bestätigt nämlich den Abfahrauftrag einfach dadurch, daß er den Zug in Bewegung setzt. Das Erheben der Hand kenne ich nur von Lokpersonal der ehem. DR. Auch wurde das Achtungsignal nicht bei jedem Signalhalt gegeben, wenn man den Grund des Haltens (er)kannte. Besonders in Wohngebieten ging man lieber an den F-Kasten, um Anwohnerbeschwerden zu entgehen. Allerdings galt auch hier häufig: Die Pfeife ist manchmal das beste Telefon". Ärger kann ein Zp 1 auch bringen, wenn dadurch scheu gewordene Gäule Schaden anrichten. Anfang der 80er-Jahre ist das Geben des Zp 1 bei Tunneleinfahrten bei der DB entfallen. Ein kluger Techniker hat einmal ausgerechnet, wieviel DM die DB täglich bundesweit durch diesen gesparten, 3 Sek. langen Luftverlust aus 8-10 bar HLB-Druck heraus spart. Gruß Fritzle.
Bin ich vorgestern bei der Suche nach etwas anderem in einem EK drauf gestoßen. So ein Zufall!


Bis neulich

Rolf Köstner



Edith meinte, es sei der 01. September 1988 gewesen.

Jetzt singt sie auch noch! [youtu.be]

Kohleausstieg schon 2030! Dann fangt man beizeiten an, eure Dampfloks auf Solarstrom umzurüsten zum Betrieb des Dampfentwicklers Seuthe No.4711




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:11:12:14:16:24.

Re: Achtungspfiff: Wie lange gab es ihn und warum?

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 12.11.08 14:50

stefan p. schrieb:
-------------------------------------------------------

> der Achtungspfiff der Lok ist ein Signal nach
> Signalbuch und heißt dort Zp 1.
> Er wird gegeben,
> wenn eine Pfeiftafel an der Strecke steht.

Nicht ganz. Die Pfeiftafel bedeutet: Etwa 3 Sekunden pfeifen. Zp1 bedeutet: Ein mäßig langer Pfiff.

Re: Achtungspfiff: Wie lange gab es ihn und warum?

geschrieben von: Bahn-Stephan

Datum: 12.11.08 17:28

Hallöchen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

So verschieden waren die beiden Eisenbahnverwaltungen.
Bei der DR gab's den Achtungspfiff( außer an P-Tafeln) auch
vor der Anfahrt von Zügen ohne Zub,
bei Einfahrt in Tunnels(in welchen eine vollständige Verdunkelung eintritt),
vor dem Befahren von Drehscheiben und Schuppen,
Personen warnen,
Bestätigung von Zp9a, Zp10, Zp11
beim Annähern an Halt-Hauptsignale und So5
und beim Nachschieben.

Grüße
Bahn-Stephan

Re: Achtungspfiff: Wie lange gab es ihn und warum?

geschrieben von: Alibizugpaar

Datum: 15.11.08 04:46

Jou Stefan,

so ein wenig kann ich die Sache jetzt besser einschätzen. Du schreibst "damit der Schaffner nicht im Schotter am Fernsprecher stehen bleibt". Ich dachte immer der Lokführer geht zum "F-Kasten", aber das war früher wohl mal anders. Heute läuft ja alles über Zugbahnfunk und Dienst-Handy. Und die Handbestätigung Lokführer>Zugchef gibt´s ja nur noch selten, heute läuft der Zub zum gelben Kasten, schlüsselt den grünen Kranz und spurtet zurück in den Wagen, Tür geht zu und ab.

Ich erinnere mich noch an meine Sommertouren in den 80er jahren am Rhein entlang, da haben die Lok´s an den Tunnelportalen immer noch schön gepfiffen. Und dann war´s auf einmal vorbei.

Naja, ich dachte der Pfiff zur Abfahrt wäre besonders den Dampfloks vorbehalten (eben aus irgend einem mir nicht bekannten Grund). Denn Dampfloks höre ich auf alten Videos zur Abfahrt immer pfeifen, Dieselloks aus der ungefähr gleichen Zeit aber nicht: Schaffner pfeift, Lokführer hebt die Hand und los geht´s - kein Pfiff.

Danke Euch für die Erklärungen!

Gruß, Olaf

Re: Achtungspfiff: Wie lange gab es ihn und warum?

geschrieben von: stefan p.

Datum: 15.11.08 10:45

Hallo Olaf,

Alibizugpaar schrieb:
------------------------------------------------------
> Du schreibst "damit der Schaffner
> nicht im Schotter am Fernsprecher stehen bleibt".
> Ich dachte immer der Lokführer geht zum
> "F-Kasten", aber das war früher wohl mal anders.

Da habe ich mich etwas missdeutlich ausgedrückt! Der Schaffner geht natürlich nicht zum F-Kasten, sondern der Zugführer. Und der war damals fast immer ein Zugbegleiter und nicht der Triebfahrzeugführer (Ausnahme der sogenannte Nullmannzug - ein Zug, in dem kein Zugbegleiter mitfuhr und der Triebfahrzeugführer die Zugführeraufgaben wahrnahm). Erst in der Neuzeit sind Reisezüge, besonders im Nahverkehr, üblich, bei denen der Triebfahrzeugführer die Zugführeraufgaben wahrnimmt und der Zugbegleiter im Zug "nur" noch die Kundenbetreuung übernimmt und ggf. bei der Aufsicht am Zug mithilft. Diesen Kundenbetreuer im Nahverkehr (KiN) erkennt man auch daran, dass er dem Triebfahrzeugführer mit einer orangenen Tafel den Zug fertigmeldet. Er gibt also keinen Abfahrauftrag mit grün-weißer Scheibe, sondern eben nur eine Fertigmeldung... Aber ich schweife ab! Wenden wir uns wieder dem damaligen zu! Warum geht also der Zugführer und nicht der Triebfahrzeugführer zum F-Kasten? Nun, fahrdienstliche Weisungen in schriftlicher Form, auch schriftliche Befehle genannt, richtete der Fahrdienstleiter grundsätzlich an den Zugführer, welcher diesen an den Triebfahrzeugführer weitergab.

Ich hoffe, so ist es besser verständlich...!

Gruß,
Stefan