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 04 - Historisches Forum 

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Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Hallo Leude,

Heute mal was ganz anderes. Da der 1978er Aufschrieb für die nächsten paar Wochen fast nur Einträge wie Haltern, Recklinghausen, Wanne oder Bismarck enthält und ich Euch (oder zumindest die meisten von Euch) nicht alle 14 Tage mit überwiegend identischen Aufnahmen von eben dort langweilen möchte, geht es auf der Zeitschiene jetzt einfach 10 Jahre weiter nach vorne. Wenn wochenaktuell nichts passendes Altes vorliegt, werd' ich in nächster Zeit Restdampf aus Anatolien dazwischen schieben. 141R und der Katholische waren (zusammen mit Karabük und dem Rächer) Anfang der 80er schon zweimal in der Türkei und hatten beeindruckende Aufnahmen von dort mitgebracht. Mir war der Aufwand für solche Touren aber zu groß, schließlich dampfte es jenseits der Demarkationslinie ja auch noch recht heftig, knapp 600 Kilometer Anreise erschienen mir genug. 1988 war es dann aber soweit. Die Überredungskunst der religiösen Verschiebeeinrichtung und das Normalspur-Dampfende bei der DR hatten gewirkt, die Herren Karabük und Hubertus S. komplettierten zeitweilig die Reisetruppe. All zuviel Dampf hatten wir zwar nicht mehr zu erwarten, das Burdur Netz, etwas Dampf rund um Afyon/Usak sowie die verstärkten Nohab G8² er in Eregli waren aber Ansporn genug.

Da ich unbedingt einmal über den berühmten Autoput (1988 wenigstens noch ansatzweise zweispuriges Schnellstraßenabenteuer versprechend) fahren wollte und mir kurz zuvor das für eine Türkeitour passende Reisegefährt zugelegt hatte, entschieden wir uns gegen Flieger/Mietwagen. Zu Zweit wurde die abenteuerliche, dreitägige Fahrt Richtung Türkei gestartet. Nach zwei Übernachtungen in Franken und Jugoslawien fing das Abenteuer aber erst in Bulgarien so richtig an. Weil die zahlreichen türkischen Gastarbeiter auf dem Weg in die Sommerferien meinten, die Strecke ohne richtige Übernachtung mit zwei drei Stunden Augenpflege im Auto quasi in einer Hitze durchziehen zu können, kamen sie spätestens in den endlosen Weiten Bulgariens an ihren toten Punkt. Alle paar Kilometer lagen Autowracks in den verschiedenen Stadien von Kaltverformung wie malerisch drapiert am Straßenrand herum, erschreckend das. Wie so eine Verschrotung vonstatten geht, konnte auch beobachtet werden. Da war ein Opel Rekord D mit Miltenberger Kennzeichen der uns ein paar Mal überholte, kurz darauf wieder am Straßenrand stand (wie heißt eigentlich “Papa, halt an, ich muss mal“ auf Türkisch??) um anschließend wieder mit “leicht“ überhöhter Geschwindigkeit an uns vorbei zu rauschen. Plötzlich tauchte er wieder auf, diesmal final geparkt am linken Straßenrand im Motorvorbau eines schwarzen 50er Jahre Automobils. Da es aber bei (wenn auch enormen) Blechschaden geblieben war, ist dieser Frontalzusammenstoß für die Insassen noch glimpflich abgelaufen. Die Bulgaren übergaben anscheinend solche Autowracks an die Türkei, in der Grenzstation bei Edirne konnten wir einen riesigen Autofriedhof bewundern. So wie die meisten der Schrotthaufen aussahen, ging es nicht immer nur mit Blechschaden ab, *schüttel*.

Na ja, wir waren heil durchgekommen und freuten uns nun auf Dampf. Damit Ihr so ungefähr nachvollziehen könnt, wo wir uns herumgetrieben haben zuerst einmal zwei Kartenscans. Auf der in Ost- West Richtung arg gestauchten linken Karte rot eingerahmt das Gebiet, welches die Streckenkarte rechts daneben zeigt. Dort sind die Bahnhofsnamen rot umrandet, die in den Berichten auftauchen werden. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an Helmut, der mir Streckenkarte und Fabriknummern zur Verfügung gestellt hat, sowie an Bastian, der Reiseerinnerungen und Links zu weiteren Fabriknummern beisteuerte, HiFo ist schon klasse!!

http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/Karte1.jpg http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/Karte2.jpg




Bild 1)
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Last Stop Europe. In Eceabat angekommen, setzten wir mit solch einer Fähre nach Kleinasien über. Die Dardanellen sind ja nicht sonderlich breit, schon Xerxes und Alexander der Große haben (wenn auch in unterschiedlichen Himmelsrichtungen) irgendwo dort rübergemacht. Die weltberühmten Sinterterrassen, Heinrich Schliemanns Troja, uninteressant für uns Kulturbanausen, König Dampf rief halt ziemlich laut. Obwohl hier immer noch alles voll von früherer, längst vergangener Hochkultur trieft, kaum in Canakkale angekommen ging es schnell schnell über Izmir nach Usak weiter. Auf dem Weg dorthin hofften wir auf die erste Begegnung mit dem König, schließlich sollte es auf der Strecke Alasehir- Usak noch dampfen


Bild 2 und 3)
http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/002.jpg

Dem war aber nicht so. In Usak angekommen konnten nur lange Reihen von augenscheinlich betriebsfähigen, aber leider kalten 56.5ern angetroffen werden. Lediglich die 55 013 (Nohab 1791/1928) war unter Dampf und im Bahnhofsverschub tätig. Da wir am nächsten Morgen in Afyon fotografieren wollten, wurde nicht nach dem Grund der Dampfabstinenz geforscht, es ging notgedrungen zügigst, teilweise im Blindflug über die Buckelpisten weiter gen Osten, 20.Juli 1988

http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/003.jpg


Bild 4 und 5)
http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/004.jpg

Entweder aus World Steam oder dem Continental Railway Journal war uns bekannt, dass einmal die Woche jeweils donnerstags ein dampfbespannter Güterzug von Afyon nach Kütahya verkehren soll. Also frühmorgens zum Bahnhof und siehe da, 56 517 (MBA 13319/1943, ex. DRB 52 4856) stand schon vor ihrem Zug. Schnell raus an den Ortsrand von Afyon und schon kam Zug 261 vorbei gepoltert

http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/005.jpg


Bild 6 und 7)
http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/006.jpg

Auch wenn es dort manchmal wie auf dem Mond aussieht, die Gegend scheint sehr fruchtbar zu sein

http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/007.jpg


Bild 8)
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Eine recht gut ausgebaute Straße mit wenig Verkehr drauf ermöglichte ein zügiges Verfolgen des Dampfers. Das Lokpersonal war mittlerweile auf unser Treiben aufmerksam geworden und der kleine drahtige Linksaußen richtete die Feuerbeschickung nach dem lindgrünen Taunus am Wegesrand aus. Hier hat er die Schaufel noch etwas zu früh fliegen lassen


Bild 9 bis 13)
http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/009.jpg

Mit ein wenig Übung klappte es dann aber immer besser mit dem Qualm an passender Stelle

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Der Aufschrieb nennt Namen wie Maden Suju, Ihsaniye oder Döger, nur welches Bild jetzt wo entstanden ist….

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Bild 14)
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Kurz vor Alayunt war aber erstmal Schluss mit der lang gezogen Steigung, der aus Fels modellierte Löwenkopf wurde schon mit geschlossenem Regler passiert


Bild 15)
http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/015.jpg
Eigentlich sind wir davon ausgegangen, den Zug nicht mehr zu sehen. Nach dem Spritfassen in der hypermodernen Tanke (wenn man den V6 trat durften es auch schon mal 11- 12 l/100 km sein) fuhren wir dann doch noch zum Bahnhof und siehe da, "unsere" 56 517 stand vor einer ellenlangen Wagenschlange


Bild 16)
http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/016.jpg
Lokführer und später dann auch der Heizer machten es sich im Schatten neben der Lok bequem. Martin hatte zuuufällig ein paar 520er Bilder der GySEV in seiner Kameratasche und bedankte sich artig beim Personal für das gebotene Spektakel. Anschließend wurden wir dann noch zu einem in der Feuerbüchse gekochten Tee eingeladen und plötzlich stand eine Diesellok neben der 56er


Bild 17)
http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/017.jpg
Da der neu bespannte Zug wohl doch zu schwer für die Dampflok war, legte die DE 24 353 vor. Falls mein arg verstaubtes Schulenglisch noch halbwegs funktioniert und ich >>diese Seite<< richtig übersetze, basieren die doch sehr amerikanisch aussehenden 2400 PS Loks anscheinend auf einem französischen Entwurf. Wenn Ihr die Seite aufgemacht haben solltet scrollt doch mal runter und klickt auf den Sound, da geht so richtig die Post ab


Bild 18)
http://www.michael-vau60.de/2008/200807/20080711/018.jpg
Kurz vor Kütahya gelang noch ein letztes Foto. Auch wenn die Strecke eigentlich die langweiligste der Tour war, zufrieden mit dem ersten Highlight ging es zurück nach Afyon


Bild 19)
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Und wie am Morgen schon, kaum am Bahnhof angekommen verließ ein Dampfer denselben. Die 57 001 (Krupp 1265/1933) machte sich als Lz Richtung Dinar auf, also genau in unsere Richtung. Die Strecke verläuft leider meistens oben am Hang ca. einen Kilometer neben der Straße her, Autoverfolger haben deshalb keine Chance auf schöne Aufnahmen



So, das war es für Heute, schönes Wochenende und Gruß aus Essen


Das DSO Inhaltsverzeichnis von Vau60, klicke >>hier<< für Beiträge aus Nordrhein Westfalen, und >>hier << für den Rest der Welt

http://www.michael-vau60.de/signatur/dla.jpg
[www.dampflokomotivarchiv.de]




7-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:12:20:14:18:32.

Re: (Rest) Dampf unterm Halbmond, Teil 1 (m16B)

geschrieben von: Helmut Philipp

Datum: 11.07.08 15:55

Moin aus dem Norden!

Was Du mit Deinen 3 Achsen ;-)) allein schon bei der Anreise erlebt hast, war für die damalige Zeit absolut typisch. Doch nun zum eigentlichen Thema: Du legst mit diesem Beitrag eine Vorgabe hin, die meine absolute Bewunderung hervorruft. Da kommt ob der fotografischen Qualität sowie der lebendig geschilderten Berichterstattung massiv Freude auf. Deinen Beitrag habe ich förmlich verschlungen und warte voller Appetit auf Nachschub aus dem Hause V60... Vielen Dank für diese schöne Einleitung!

Grüsse aus dem Norden nach Essen

Helmut
Das ist wirklich eine Überraschung am Freitagabend, cok tesekür!

Jürgün

Re: cisim geldi

geschrieben von: Mistral

Datum: 11.07.08 16:55

Hallo V60,

die Gegend da sieht heute noch so aus, die meisten Dampfer haben sich nach Camlik aufgemacht und warten dort auf Allahs Erlösung. Die "Schweineschnäuzchen" wie die DE 24 von Tülomsas (Eskisehir) genannt werden (klar, mit französischer Technik unterm Kleid), haben fast den Gesamtverkehr übernommen.

Und wenn die Kinder mal "müssen" heisst das hier "anne cisim geldi" (wobei das c und s türkische Sonderzeichen sind, die bei mir nicht funktionieren) oder, wenn´s etwas Größeres ist, "kakam geldi", wobei der "baba" meistens außen vor bleibt.

Vielen Dank für die Bilder und Gruß aus Istanbul
Mistral

Re: cisim geldi

geschrieben von: Otwf (K)

Datum: 11.07.08 17:25

Darf ich aushelfen?



Ş ş Ç ç Ğ ğ ı ĺ

Ş ş Ç ç Ğ ğ ı ĺ

Schitt, außer dem Ç geht es nicht



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:07:11:17:27:10.

Re: cisim geldi

geschrieben von: Vau60

Datum: 11.07.08 18:09

Tach Mistral,

mit der Beantwortung dieser nicht ernst gemeinten Frage hab' ich nu wirklich nicht gerechnet.


Pass schön auf Dich auf, da könnten turbulente Zeiten auf Dich zukommen, Gruß nach Südosten

Sehr schön!!

geschrieben von: 141R

Datum: 11.07.08 19:25

Hallo Michael,

eine ganz feine Reportage hast Du da zusammengestellt. Damals schien mir die Reise nach den Erzählungen nur ein müder Nachklapp nach unseren Reisen in 1983 und '84 zu sein - aber nun, die ganz toll aufbereiteten (Ton-)Fotos betrachtet, darf man doch mit den Ergebnissen ganz zufrieden sein. Ich freu' mich schon auf die Fortsetzung.

Es ist auch gut zu hören, dass es auch noch Gegenden gibt, die nach 20 Jahren nicht völlig zugewachsen sind.

Übrigens: Sonderzeichen in die Texte habe ich bis jetzt immer bekommen, in dem ich den Text mit word erstellt und dann alles hier in die Eingabemaske kopiert habe. So hat man die ganzen Sonderzeichen des word zur Verfügung. Nach Ausprobieren mit dem früher genannten Testwort muss ich leider zugeben, dass sich "S" mit dem Komma drunter sich auch mit diesem Trick sträubt.

Viele Grüße,
Matthias

http://abload.de/img/tenkleinwcouk.jpg

Re: Sehr schön!

geschrieben von: Mikado-Freund

Datum: 11.07.08 20:49

Dem „sehr schön“ stimme ich zu.


Die Übersetzung für´s "Müssen" müssen hat mich daneben allerdings auch ein wenig amüsiert: große Geschäfte scheinen wohl international ähnlich zu klingen ;-)

(Ich hör´ja schon auf)


Daß innerhalb der aktuellen Phorensoftware nahezu keine Sonderzeichen darstellbar sind, bedauere ich hier auch etwas.

Zu HiFo-Urzeiten konnte man sogar einen Pfeil noch oben oder nach unten in seinen Text einbauen, wodurch manchmalige Text-zu-Foto-Zuordnungs-Schwierigkeiten („Welches Foto beschreibt der Schreiber? Das überm Text? Oder doch das unterm Text?“) von vorn herein ausgeschlossen werden konnten.

Versucht man das heute …:    

:-(






Danke http://img207.imageshack.us/img207/7119/dbv60gq5.gif fürs Aufbereiten und Zeigen,


mfG



Walter



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:07:11:20:50:56.
Super Beitrag, Michael, vielen Dank.
Der Lokeinsatz und die Umgebung haben große Ähnlichkeit mit der GySEV.

Viele Grüße

Michael Fischbach


Augenweiden-Bilder!

geschrieben von: Donni

Datum: 11.07.08 21:38

Hallo Vau60,
erneut zeigst Du einen wunderbaren Beitrag, eine weitere Facette Deines Schaffens: schöne Zugaufnahmen im milden Licht tiefstehender Sonne. Habe alles schon ein paar mal runter- und raufgerollt: große Klasse!
Vielen Dank & Gruß
Donni
... auch wenn Du mir 20 Bilder aus Haltern, WAN oder RE aus gleicher Perspektive zeigen wirst, für mich immer wieder schön, das weißt Du ja.

Aber was Du hier zeigst (inkl. Ford Taunus am Bü) ist erst recht alles andere als langweilig, sondern ein Einbklick in ein fernes Land, in das es nicht jeden ziehen mag oder gezogen hat. Starke und eindrucksvolle Bilder und ein ebenso starker Text. Natürlich interessiert mich das Autoput-Gefährt. :-) Passender ging es wirklich nicht. Wäre ich anno 1988 den Autoput gefahren, hätte ich Wochen gebraucht, denn jedes Wrack hätte fotographiert werden müssen.

Zurück zur Bahn, freue mich tierisch auf Teil 2 - aber nur die Ruhe dabei.

Gruß aus dem Münsterland
Andreas





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:07:12:09:23:41.

Alayunt heute...(m2B)

geschrieben von: Karabük

Datum: 12.07.08 12:13

Hi Michael,

da bin ich ja gespannt was noch kommt! a gibt es verfängliche Badeszenen, schwitz....!

Und Alayunt hat sich nicht so arg verändert, beide Bilder sind von August 2007...


http://www.ifv.uni-karlsruhe.de/~chlond/TCDD2007/IMGP4682bear_Alayunt_klein.jpg

http://www.ifv.uni-karlsruhe.de/~chlond/TCDD2007/IMGP4715bear_Alayunt_klein.jpg

Grüße
Bastian C. Karabük