Wie schon im
ersten Beitrag erwähnt, unternahm HS exakt 2 Wochen später, am 08.10.60, erneut eine Tour nach Erkrath. Ich denke, es lag weniger daran, dass er mit den Aufnahmen vom ersten Ausflug unzufrieden gewesen wäre. Wahrscheinlich war es eher so, dass er jetzt "Blut geleckt" hatte – jedenfalls erging es mir selber so in vielen vergleichbaren Fällen.
Dieses Mal ging es direkt an die Strecke, und zwar wieder an die aus dem ersten Beitrag bekannte Stelle etwas unterhalb von Hochdahl. Als Erstes kommt die Aachener
38 3149. Bei dem Zug könnte es sich um E 347 Aachen – Hagen handeln, der von 85 007 nachgeschoben wird.
Bild 14
Der nächste Zug müsste dann E 533 sein, bespannt mit
01 055 vom Bw Hagen Eck. Der Zug ist wirklich nicht von schlechten Eltern. Und was für eine herrliche Wagengarnitur - allein fünf Schürzen-Eilzugwagen hinten den beiden Packwagen. Und erneut gibt der "Bulle aus dem Schwarzwald", 85 007, Schubunterstützung.
Bild 15
Da ist er wieder, der "Turbo-Güterzug", bespannt mit vier Fünfachsern, die alle vier ihr Bestes geben. Was muss das für ein akustisches Erlebnis gewesen sein – sicherlich ein Ohrenschmaus erster Güte! Beim Betrachten des Bildes hört man sie förmlich im Schritt-Tempo die Rampe hinauf stampfen.
Hinter der (temporären) Vorspannlok
85 007 ist dieses Mal die Derendorfer
50 302 als Zuglok mit von der Partie …
Bild 16
… während hinten die beiden Vohwinkler Maschinen
94 1646 und
44 1190 kräftig nachschieben.
Bild 17
Und gleich danach noch eine prächtige Zugaufnahme von der Steilrampe, bei der die P8 ausnahmsweise einmal zeigt, dass auch sie kräftig Dampf machen kann. Die führende Lok ist
38 3383 vom Bw Düsseldorf Hbf, während der schiebende Jumbo wohl 44 1190 ist. Bei dem Zug müsste es sich um E 4717 handeln.
Bild 18
Nachdem die Strecke erfolgreich "abgehandelt" war, ging’s noch einmal runter nach Erkrath in den Bahnhof. Gerade verlässt die Langerfelder
38 3409 mit einem Personenzug (2328?) nach Wuppertal den Bahnhof, während auf dem Nebengleis
94 1646 aus Hochdahl von einem Schiebe-Einsatz zurückkehrt.
Bild 19
Zum Abschluss gibt’s dann noch ein paar Standbilder vom Schwarzwaldbullen
85 007:
Zunächst in nahezu klassischer Bellingrodt-Perspektive mit dem Stellwerk Erkrath im Hintergrund.
Bild 20
Sodann etwas spitzer von vorn, so dass auch die alte preußische Kollegin
94 1646 ins Bild kommt.
Bild 21
Wenn man sich dass letzte Bild ganz genau ansieht, entdeckt man ein interessantes Detail: Nämlich ein Drahtseil, das vom Führerhaus über den Wasserkasten am Kessel entlang zu Pufferbohle reicht, wo eine spezielle Schiebekupplung aufgehängt ist. Dazu hatte user mhk im Anschluss an den Ursprungsbeitrag eine Textpassage aus der Zeitschrift Modellbahnen-Welt zitiert, die die ich hier noch einmal wiederholen möchte:
... Auf dem stark ansteigenden Abschnitt zwischen Erkrath und Hochdahl bekam der aus einer 38er ... und etwa 6 B4ywe-Wagen bestehende Eilzug eine 44er als Schiebelok zugeteilt. Die Schiebelok wurde fest, jedoch ohne Druckluft, durch Haken an den letzten Wagen gekuppelt. Bei näherem Hinschauen bemerkte ich ein Stahlseil, das zwischen Kessel und rechtem Windleitblech zum Führerstand führte. Andererseits führte das Seil zu dem als eine Art Klammer ausgebildeten Kupplungshaken. Nachdem nun die Steigung bewältigt war, bewegte sich plötzlich der Seilzug in Richtung Führerstand, und die Kupplung löste sich vom letzten Wagen. Die Lok gab dann ein Pfeifsignal und blieb auf dem gerade durchfahrenen Bahnhof zurück. ....
Genau solch eine Vorrichtung besitzt auch
85 007. In der Verkleinerung ist dieses Stahlseil nur schwer zu erkennen, so dass ich es auf dem folgenden Bild einmal mit einer weißen Linie markiert habe:
Bis zur Pufferbohle scheint das Seil nur provisorisch über diverse Armaturen und Halter geführt zu sein. Erst auf der Pufferbohle gibt es über dem rechten Puffer einen speziellen Halter, der in einer vergrößerten Detailansicht von der Pufferbohle besser zu erkennen ist.
Jetzt sieht man auch die spezielle Schiebekupplung, die im Einsatzfall wohl mit einer der beiden großen Laschen in den Zughaken der 85er und mit dem zangenartigen Teil in den Haken des nachzuschiebenden Zuges gehängt wird. Durch Ziehen am Seil (was ganz schön Kraft erfordert haben muss) kann diese "Zange" geöffnet werden, um die Verbindung zu lösen.
Damit geht die Tour vom 08.10.60 zu Ende. Doch gerade, als HS auf dem Bahnsteig steht, um die Heimreise anzutreten, setzt sich der "Schwarzwald-Bulle"
85 007 erneut hinter einen Güterzug im Nachbargleis, um ihn über den Berg zu bringen. Das führt dann noch zu folgendem Abschiedsfoto:
Bild 22
Die weitere Einsatzgeschichte der Baureihe 85 beim Bw Vohwinkel zeigt, dass HS gut daran tat, sich schnell und intensiv um das Thema zu kümmern. Denn die Versetzung der 85 007 ins Rheinland währte nur knapp ein Jahr vom 26.6.1960 bis 13.6.1961. Danach war die Herrlichkeit auch schon wieder vorbei; vielleicht ein Grund dafür, dass bisher nur vergleichsweise wenige Aufnahmen aus ihrer Vohwinkler Zeit aufgetaucht sind.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zu den Zugnummern: Ein freundlicher Hobbykollege hat mir ein Kursbuch vom Sommer 1960 ausgeliehen. Unter Berücksichtigung einer realistischen Anreisezeit habe ich versucht, die Zugnummern zu recherchieren, wohl wissend, dass zwischen beiden Touren Fahrplanwechsel war und der 08.10.60 bereits in den Winterabschnitt fällt. Trotzdem, für die zweite Fahrt passt es besser als für die erste. Im ersten Beitrag sind die Zugnummern inzwischen nachgetragen. Also: Feuer frei für die Fahrplanexperten! Ich bedanke mich im Voraus für weitere Aufklärung und/oder Bestätigung.
Schönen Tag noch,
Ulrich B.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:02:27:08:39:53.