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Rund um Jerxheim Teil 8 (16 Bilder)

geschrieben von: Philosoph

Datum: 18.05.08 14:18

Ab diesem Teil wollen wir uns mit dem Streckenabschnitt Jerxheim – Oschersleben beschäftigen. Zunächst ein wenig Geschichte:

Die Bahnstrecke Oschersleben–Jerxheim war eine 24 Kilometer lange Hauptbahn im Grenzgebiet der heutigen Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Die am 10. Juli 1843 von der Herzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn eröffnete Linie war Teil der ersten Verbindung zwischen Braunschweig und Magdeburg und damit, nach Fertigstellung der Anschlusstrecken, vom Ruhrgebiet und Hannover nach Berlin. Nach Eröffnung der Berlin-Lehrter Eisenbahn 1871 und der direkten Bahnstrecke Braunschweig–Magdeburg (über Helmstedt) 1872 diente sie überwiegend dem Güterverkehr.
Nach der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen wurde der Abschnitt zwischen Jerxheim und Gunsleben unterbrochen, der letzte planmäßige Zug fuhr am 30. Juni 1945. Der Betrieb zwischen Oschersleben und Gunsleben blieb mit vier bis sechs Nahverkehrszügen pro Tag und Richtung erhalten. Am 30. Mai 1992 wurde auch dieser Abschnitt „aus technischen Gründen“ gesperrt, noch 1993 wurden Busse als Schienenersatzverkehr angeboten. Eine Reparatur erfolgte nicht mehr.
Quelle Wikipedia

Die beiden folgenden Fahrpläne verdeutlichen sehr gut, dass die zweigleisige Hauptstrecke im Personenverkehr nach 1872 nur noch eine untergeordnete Rolle spielte. Immerhin nutzte 1927 noch ein D-Zug mit dem interessanten Laufweg Dresden – Bentheim die Strecke.

http://img91.imageshack.us/img91/2005/fplaa1mikestelzig1928bz6.bmp
Fahrplan 1928 – Mike Stelzig

Gegenüber dem Fahrplan von 1927 hat sich 19944/45 nicht viel verändert. Die Fahrzeiten haben sich allerdings erheblich verkürzt. Für den Abschnitt Jerxheim – Oschersleben sollt dies der letzte Fahrplan gewesen sein.

http://img91.imageshack.us/img91/5158/dr206d194445fa6.jpg
Fahrplan 1944/45 – Martin Ritzau

Im heutigen Teil wollen wir uns mit dem als ersten stillgelegten Abschnitt zwischen Jerxheim und Gunsleben beschäftigen. Für mich persönlich der interessanteste Abschnitt, weil es noch viele Kleinigkeiten zu entdecken gibt. Zunächst eine Streckenkarte zu diesem Abschnitt:

http://img140.imageshack.us/img140/8215/chronikstreckenkarteeq2.jpg
Quelle: Friedrich Brandes, Braunschweig, Chronik des Bahnhofs Jerxheim, Februar 1972

Die folgenden Fotostandpunkte können anhand der Karte gut nachvollzogen werden.

Der Streckenabschnitt Jerxheim – Oschersleben wurde überigens zunächst eingleisig in Betrieb genommen aber bereits zweigleisig geplant. Das zweite Gleis konnte bereits am 22.11.1853 in Betrieb genommen werden. Beginnen wir unsere Reise am ehemaligen Posten 28. Der Fotograph steht auf dem ehemaligen Bahnübergang, Blickrichtung Jerxheim. Der Posten 28 stand links neben der Strecke.

http://img522.imageshack.us/img522/3068/bearbeitet092gd6.jpg
Bahnübergang Posten 28 2008
Ab dem Kilometer 45 verläuft ein Wirtschaftsweg auf dem ehemaligen Bahndamm bis Gunsleben.

http://img221.imageshack.us/img221/8872/bearbeitet094pa7.jpg
Kilometer 45

Kommen wir nun zur ehemaligen Blockstelle Pabstorf. Das Bild zeigt den ehemaligen Bahnübergang an der Blockstelle. Das Gebäude stand rechts neben dem Fotographen.

http://img140.imageshack.us/img140/7708/bearbeitet095xj5.jpg
Bahnübergang Block Pabstorf 2008

Zu welchem Zeitpunkt die Blockstelle eingerichtet wurde ist mir leider nicht bekannt. Der Block Pabstorf wurde im Mai 1967 abgebrochen. Nachstehend eine historische Zeichnung.

http://img156.imageshack.us/img156/1604/bkpabstdorfkb8.jpg
Quelle: Friedrich Brandes, Braunschweig, Chronik des Bahnhofs Jerxheim, Februar 1972

Nachstehend ein Bild vom Block Pabstorf mit dem Schienenzeppelin von Franz
Krukenberg. Ohne die interessante aber erfolglose Geschichte dieses Fahrzeugs aufzuarbeiten, sei der Hinweis gestattet, dass dieses Bild während einer Erprobungsfahrt am 26.06.1931 von Berlin über Magdeburg – Jerxheim – Börssum – Salzgitter nach Hagen am frühen Morgen so gegen 08.00 Uhr aufgenommen wurde.

http://img187.imageshack.us/img187/1522/jerxheimbhfbkpabstorfscid4.jpg
Sammlung Heinz-Jürgen Weist

Ein weiteres Bild zeigt die Durchfahrt in Jerxheim. Im Hintergrund die Güterschuppen an der östlichen Ausfahrt sowie rechts die Ausfahrtsignalgruppe Richtung Oschersleben. Kann jemand etwas zu dem links erkennbaren Personenwagen beitragen? Würde mich sehr freuen.

http://img135.imageshack.us/img135/5168/jerxheimbhfdurchfahrtscir8.jpg
Sammlung Heinz-Jürgen Weist

Kommen wir nun zur ehemaligen Zonengrenze, die sich am Posten 29 befand.

http://img156.imageshack.us/img156/3892/bearbeitet096xk7.jpg
Brücke über die Aue und ehemalige Zonengrenze 2008

Der historische Vergleich zeigt, dass das Gleisstück am linken Brückenrand noch original ist.

http://img150.imageshack.us/img150/4709/chronik10lw7.jpg
Quelle: Friedrich Brandes, Braunschweig, Chronik des Bahnhofs Jerxheim, Februar 1972

Nach der Stillegung am 01.07.1945 wurde die Strecke bis zur Grenze noch zum Abstellen von Schadwagen genutzt. 1948/49 schließlich wurden die Gleise, Signale und der Oberbau zwischen Jerxheim und der Grenze abgebaut.

http://img156.imageshack.us/img156/1914/bearbeitet098vb2.jpg
Brücke über die Aue und ehemalige Zonengrenze 2008

Im Gebüsch noch gut erkennbar der ehemalige Posten 29.

http://img156.imageshack.us/img156/3223/bearbeitet099wl2.jpg
Posten 29 2008

Vom Posten 29 ist es nun auch nicht mehr weit bis zum Bahnhof Gunsleben. Bereits nach einem kurzen Fußmarsch wird das ehemalige Stellwerk erreicht.

http://img150.imageshack.us/img150/8086/bearbeitet104db5.jpg
Stellwerk Gunsleben 2008

Obwohl dieses Stellwerk bereits ab dem 01.07.1945 außer Betrieb gewesen sein dürfte, ist es noch heute vorhanden.

http://img140.imageshack.us/img140/2117/bearbeitet105zj2.jpg
Innenraum Stellwerk Gunsleben 2008

Von hier hat man einen schönen Überblick über die Strecke bis zum Bahnhof Gunsleben.

http://img91.imageshack.us/img91/1566/bearbeitet106tg3.jpg
Blick aus Stellwerk Richtung Gunsleben 2008

Mit dem Bahnhof Gunsleben wollen wir uns dann im nächsten Teil beschäftigen.

Auch wenn es in diesem Teil kaum Züge zu sehen gab hoffe ich, dass für denen einen oder anderen unsere historische Reise zwischen Jerxheim und Gunsleben interessant war. Als Entschädigung gibt es nun in den nächsten 4 Teilen bis Oschersleben auch reichlich DR-Dampfbilder zu bewundern.

Carsten



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:05:18:21:58:16.

Re: Rund um Jerxheim Teil 8 (16 Bilder)

geschrieben von: Wahldresdner

Datum: 18.05.08 15:53

Kleine Ergänzung: Im Fahrplan Sommer 1934 gab es immerhin noch zwei D-Zugpaare über diese Strecke, allerdings nicht in der damaligen KBS 184a (Oschersleben - Jerxheim - Braunschweig), sondern in der KBS 184 Magdeburg - Eilsleben - Jerxheim - Börßum - Seesen verzeichnet. Nur anhand der durchgezogenen bzw. gewellten Linien ist der Fahrtweg über Oschersleben nachvollziehbar. Es handelte sich um D 91/92 Berlin Potsdamer Bf - Magdeburg - Göttingen (- Basel), einen Nachtzug mit Schlafwagen, sowie um die Saisonzüge D 177/178 Berlin P. - Magdeburg - Börßum - Kassel - Bad Wildungen (nur bis 15.IX., mit Speisewagen). Auf der eigentlichen KBS 184a waren im bewussten Abschnitt sechs Personenzüge verzeichnet, davon einer nur an Werktagen.

Viele Grüße,
Wahldresdner

--
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

? H.B. 28a

geschrieben von: Volker Blees

Datum: 18.05.08 16:56

Hallo Carsten,

eine Frage gibt mir Gelegenheit zu einem Generaldank an Dich für diese Serie.

http://img140.imageshack.us/img140/8215/chronikstreckenkarteeq2.jpg

Was mag denn die Abkürzung H.B. bedeuten? Der Sache nach handelt es sich um ein Bahnwärterhaus ohne BÜ.

> Im Gebüsch noch gut erkennbar der ehemalige Posten
> 29.

Erstaunlich, dass sich eine Ruine so lange hält. In _dem_ Zustand findet das Teil aber keine Aufnahme in meine Listen ;-)

Grüße
Volker
aber vorab hochinteresannt finde ich, daß man auf dem verlinkten Sat-Bild noch sehr gut den Trassenverlauf (die Ausfädelung) über den jetzigen Acker oder jetzige Wiese ausmachen kann. [maps.google.de]

Nicht minder interessant ist es für mich, in welch hoher Auflösung dieses Gebiet zur Verfügung steht!

Es lassen sich dadurch sehr schöne Vergleichsansichten zu Deinen Fotos herstellen, so z.B. von der Aue-Überquerung: [maps.google.de]


Ansonsten möchte ich mich unbedingt den Worten meiner Vorschreiber anschließen: eine tolle Serie!







mfG

Walter



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:05:18:18:03:33.

Kleine Ergänzung meinerseits (5 Bilder)

geschrieben von: Dampflokfreund

Datum: 18.05.08 18:42

Hallo Eisenbahnfreunde,

hier eine kleine Ergänzung zu diesem interessantem Beitrag. Am 30.5.1992 war ich für die Abschiedsfahrt vor Ort und dabei entstanden die folgenden Aufnahmen. 204 774 zog den Vormittagszug. Dann bin ich mit meinem Motorrad auf der alten Trasse in den "Westen" gefahren. Besonders hat mich die Durchfahrt durch den ehemaligen Todesstreifen kalt schauern lassen. Der Bahnhof Jerxheim war ja noch riesig vorhanden, obwohl nur ein Gleis ganz ausßen lag. Dann ging es zurück nach Oschersleben und um 14 Uhr kam dann 50 3708 mit dem Nachmittagszug.

204 774 hat Gunsleben erreicht
http://people.freenet.de/steffen-tautz/jerxheim01.jpg

Blick auf den Zaum vom ehemaligen Todesstreifen
http://people.freenet.de/steffen-tautz/jerxheim02.jpg

Bahnhof Jerxheim
http://people.freenet.de/steffen-tautz/jerxheim03.jpg
http://people.freenet.de/steffen-tautz/jerxheim04.jpg

Abschiedsfahrt mit 50 3708 in Gunsleben
http://people.freenet.de/steffen-tautz/jerxheim05.jpg

Ich freue mich auf die Fortsetzung Carsten

Grüße aus Jena
Steffen
http://www.fotogalerieseiten.de/banner.jpg

Kommt natürlich noch, allerdings

geschrieben von: Philosoph

Datum: 18.05.08 18:51

erst als allerletzte Strecke, da es auch die zuletzt gebaute Strecke ist.

Direkt an der Ausfädelung grenzt ein Acker. An dessen Ende ist allerdings eine Brücke über einen Graben und ab dort der Verlauf wieder gut sichtbar.

Carsten

Evtl. recht einfach!

geschrieben von: Philosoph

Datum: 18.05.08 18:55

Darüber habe ich auch schon nachgedacht und wollte die Frage auch schon stellen. Bin aber zu dem Schluß gekommen, dass Herr Brandes in der Zeichnung einfach die Buchstaben vertauscht hat, und es stattdessen B.H. für Bahnwärterhaus heißen muss. Vielleicht zu einfach? Das Haus steht überigens nicht mehr.

Carsten

Re: Evtl. recht einfach! - Leider wohl doch nicht

geschrieben von: Mikado-Freund

Datum: 18.05.08 19:17

Ich habe vorhin nach einer Kartenansicht im Netz herumgewühlt und bin dabei auf [geogreif.uni-greifswald.de]* gestoßen.

Sofern mich meine Augen nicht betrügen, steht da wiederum überall „B.W.“ (= Bahnwärterhaus?) bei den Postenstellen geschrieben.


*Edit: Meßtischblatt inzwischen leider nicht mehr erreichbar :-(




mfG


Walter



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:02:10:14:34:56.

Bin noch nicht überzeugt!

geschrieben von: Philosoph

Datum: 18.05.08 19:41

Erst mal danke für den Link. Ist eine tolle Karte.

BW steht allerdings überall dort wo ein Posten war. Damit ist diese Abkürzung zumindest wohl nicht die offizielle. Das hier gemeinte Haus ist beispielsweise nicht verzeichnet.

Außerdem wissen wir nicht, welche Vorlage Herr Brandes genutzt hat. Möglicherweise gar keine.

Zugegebenermaßen würde ich auf meine Lösung allerdings auch keine Wetten abschließen.


Carsten

Re: Rund um Jerxheim Teil 8 (16 Bilder)

geschrieben von: Philosoph

Datum: 18.05.08 19:43

Danke für die Info. Diese beiden Züge verkehrten zumindest auch noch im Sommerfahrplan 1935. Dazu werde ich auch noch etwas zeigen. Allerdings bin ich in der Tat davon ausgegangen, dass die Züge über Eilsleben verkehrten. Beide Züge hielten überigens in Börssum.


Carsten