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Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Expeditionen ins Kohlenrevier

Ein paar erläuternde Worte vorweg......

Als ich in der zweiten Hälfte der 70er Jahre begann, das Aachener Bergbaurevier - das sog.
"Wurmrevier" - zu entdecken, waren Alsdorf und Siersdorf die letzten Stätten des aktiven
Steinkohlebergbaus. Alsdorf mit dem Verbundbergwerk Anna, seiner Kokerei und dem
weitläufigen Grubenbahnhof war der weithin sichtbare Mittelpunkt dieses Bergbaureviers.
Neben dem pulsierenden "Heute" gab es beinahe allgegenwärtig auch Relikte aus der
Bergbau-Vergangenheit. Aufgegebene Bergwerksanlagen in verschiedenen Stadien des Verfalls,
abgesperrte und der Bergaufsicht unterliegende Haldengelände und nutzlos gewordene
Bahnstrecken weckten meine Wissbegierde und wollten aus einem Mix von eisenbahn- und
bergbaugeschichtlichem sowie heimatkundlichen Interesse heraus entdeckt werden.

Unter Expedition werden landläufig Reisen in entlegenem, schwierigem und weglosem Gelände,
zumeist als eine Entdeckungs- oder Forschungsreise, verstanden. Und nicht selten führen
Expeditionen auch zu legendären Orten. Genau das gab es abseits der Gruben "Anna" und "Emil
Mayrisch" fast in jeder Bergbaustadt des Wurmreviers zu erkunden. So manche Fototour nach
Alsdorf wurde durch einen Abstecher zu solchen Zielen gewürzt.


Ich lade ein, in loser Folge in diese vergessenen, wenig bekannten Welten einzusteigen und
virtuell noch einmal das Flair der vergehenden Ära des Steinkohlebergbaus in der Aachener
Region mitzuerleben. Zwar geht es häufig entlang von Schienensträngen, mitunter richtet
sich der Blick aber auch auf die Umgebung, aus der die Fahrgäste herkamen oder wo die
abzufahrenden Güter erzeugt worden sind. Folglich ist der Eisenbahngehalt solcher Beiträge
deutlich geringer als in HiFo-Beiträgen üblich. Wegen des historischen Charakters und weil
es um eine Region geht, die hier schon häufig Gegenstand von interessanten Beiträgen war,
will ich die "Expeditionen ins Kohlenrevier" in loser Folge in das historische Forum
einstellen. Zudem gab es Vieles davon so oder ähnlich in anderen Steinkohleregionen
ebenfalls zu sehen. Insoweit greift das Thema vielleicht auch über den regionalen Rahmen
hinaus. Im Jahre 2008 ist diese gezeigte Bergbauwelt schon Vergangenheit geworden, oftmals
ist sie rückstandslos beseitigt und an ihre Stelle ist Neues getreten, das in die Zukunft
weist.

Sollten die "Expeditionen ins Kohlenrevier" wegen des evtl. zu geringen "Bahngehaltes" im
historischen Eisenbahnforum nicht gewünscht sein, bitte ich um offene Worte.


Die erste Expedition führt von Alsdorf nach Merkstein zum Gelände der ehemaligen Grube
"Adolf", auf der die Kohleförderung schon 1972 eingestellt worden ist. Wir schreiben den 17.
April 1989. Auch auf der Grube "Anna" in Alsdorf hat der Eschweiler Bergwerksverein (EBV)
die Kohleförderung eingestellt, seit es eine untertägige Kohletransportverbindung zum
Förderschacht der Grube "Emil Mayrisch" gibt. Entlang der stillgelegten EBV-Grubenbahn führt
der Weg westwärts. Etwa in Höhe des Buschhofes geht der Blick in Richtung Merkstein.

http://img215.imageshack.us/img215/8413/11119890417grubeadolfey1.jpg


Während sich im Hintergrund die beiden Fördertürme und die Halde der Grube "Adolf" über
Merkstein erheben, markiert die Mastenreihe im Vordergrund den Verlauf der
"Carl-Alexander-Bahn". Dies war die EBV-Grubenbahn vom Merksteiner "Nordsternbahnhof" nach
Baesweiler zur dortigen Grube "Carl-Alexander", die 1975 ihre Förderung einstellte. Die
Bergbaustadt Baesweiler hatte übrigens nie einen unmittelbaren Anschluss an das Streckennetz
der DB. Im Jahre 1989 ist die "Carl-Alexander-Bahn" bereits abgebaut, die Trasse der
ehemaligen Grubenbahn kann man im Gelände aber noch gut erkennen.
Im ihrem weiteren Verlauf überquert die EBV-Grubenbahn von Alsdorf nach Merkstein die
"Carl-Alexander-Bahn" auf dieser Brücke.

http://img181.imageshack.us/img181/1723/22219890417merksteinebvok5.jpg


Obwohl das rostige Gleis hier noch liegt, ist es durch Bergschäden unpassierbar geworden.

http://img201.imageshack.us/img201/1606/31219890417merksteinadoew2.jpg


Der Grubenbahntrasse folgend gelangt man nach Merkstein zur Streiffelder Straße und zur Floesser Straße. In der hiesigen Bergarbeitersiedlung gibt es blühende Bäume - aber der Blütezeit der benachbarten Grube ist verblasst.

http://img180.imageshack.us/img180/9649/41519890417merksteinadogr4.jpg


Das von Alsdorf kommende Grubenbahngleis endet vor dem Zechentor, der einstige
Übergabebahnhof ist abgebaut und von der Natur zurückerobert.

http://img180.imageshack.us/img180/4165/51419890417merksteinadorl4.jpg


http://img208.imageshack.us/img208/1356/61819890417merksteinadovm2.jpg


http://img248.imageshack.us/img248/2059/71619890417merksteinadoiy5.jpg


http://img260.imageshack.us/img260/3615/82019890417merksteinadotv5.jpg


Beim Blick auf das Grubengelände öffnet sich eine schwarze Brachfläche, auf der die Natur
langsam wieder die Oberhand gewinnt. Wo sich einstmals die Gleisanlagen der Grube Adolf befanden, haben sich kleine Seen gebildet.

http://img181.imageshack.us/img181/4952/9119890417grubeadolfjz7.jpg


http://img181.imageshack.us/img181/2918/11719890417grubeadolfvm0.jpg


Das Wechselspiel von Sonne und Wolken verleiht dem verlassenen Grubengelände mitunter eine bedrohliche Stimmung. Dennoch strahlen auch die letzten Anlagen der ehemaligen Grube Adolf in dieser wilden Landschaft noch eine gewisse Würde und Schönheit aus........

http://img248.imageshack.us/img248/1936/102best19890417grubeadonc8.jpg


http://img177.imageshack.us/img177/6553/12519890417grubeadolfvf5.jpg


Der über das einsame Grubengelände streifende stetige Wind will es nicht recht zulassen, eine Spiegelung zu fotografieren. Am Ende bleibt es bei diesem Kompromiss....

http://img155.imageshack.us/img155/1897/13319890417grubeadolfod3.jpg


http://img87.imageshack.us/img87/8708/15419890417grubeadolfuk6.jpg


Beim Erkunden des Grubengeländes steht man irgendwann vor dem verschlossenen ehemaligen
Haupteingang. Generationen von Bergleuten passierten jahrzehntelang diese Stelle. Heute herrscht hier Stille. Das verlassene Betriebsgelände läßt sich 1989 nur über Trampelpfade durch dichtes Gebüsch betreten.

http://img141.imageshack.us/img141/1771/17919890417grubeadolfeijw7.jpg


Noch reckt sich der Förderturm kühn in den Himmel.

http://img237.imageshack.us/img237/5935/181019890417grubeadolfla2.jpg


Die "Adolf"-Schächte sind 1989 weiterhin zur Bewetterung des untertägigen Grubengebäudes
notwendig. Die beiden Lüfter neben den Fördertürmen künden von ihrer wichtigen Funktion.

http://img139.imageshack.us/img139/1713/14819890417grubeadolfoy3.jpg


Mehr als diese skurrilen Reste der einstigen stolzen Grube gibt es hier nicht mehr zu sehen. Beim Verlassen des Areals bietet sich dann noch dieser Anblick:

http://img74.imageshack.us/img74/5189/161719890417grubeadolfqh3.jpg


Ein letzter trauriger Gruß ......

http://img215.imageshack.us/img215/2836/19619890417grubeadolfdf0.jpg


Zum Abschluss ein Rückblick in West-Ost-Richtung auf das Adolf-Gelände, aufgenommen irgendwo zwischen Merkstein und der nördlichen Nachbar-Bergbaustadt Übach-Palenberg.

http://img148.imageshack.us/img148/4015/201319890417merksteingrqe7.jpg


Falls weiteres Interesse an diesem Konzept besteht, führt die nächste Expedition in die
Gipfelregion des Kohlenreviers ;-)


allen Expeditionsteilnehmern
aus der Tiefen der Vergangenheit
ein herzliches "Glückauf"

Roland Keller

[www.eisenbahn-stolberg.de]

http://img116.imageshack.us/img116/6122/signkleincr5.jpg http://img178.imageshack.us/img178/2033/logo2kleinve1.jpg http://img253.imageshack.us/img253/2018/dlalogo3kleinrn6.jpg

Bahnbetriebswerk Stolberg --- vergangen, aber nicht vergessen....
... da mein Schwerpunkt auf Werkbahnen liegt und damit nahezu zwangsläufig ein erhebliches Interesse an den Stätten eben dieser Werkbahnen liegt - auch wenn von den Bahnen fast nichts mehr zu sehen ist.

Mal sehen, was die anderen sagen.

Beste Grüße

PWP

http://malte-werning.de/sign/ldb.jpg mit u. a. http://inselbahn.de/imgs/banner/dk.jpg http://inselbahn.de/imgs/banner/inselbahn.jpg http://inselbahn.de/imgs/banner/lak.jpg http://inselbahn.de/imgs/banner/rangierdiesel.jpg http://malte-werning.de/sign/nfz.jpg http://malte-werning.de/sign/dla.jpg

*sabber* *röchel* *blonk*

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 22.04.08 20:14

....meine Herztropfen, ganz schnell, sonst passiert ein Unglück! (Ich schick schon mal nen Kesselwagen prophylaktisch zu Guido R. .... ;))

Sollten die "Expeditionen ins Kohlenrevier" wegen des evtl. zu geringen "Bahngehaltes" im
historischen Eisenbahnforum nicht gewünscht sein, bitte ich um offene Worte.


Ganz offene Worte:
Mehr, mehr, mehr!!!!

Ich bin gespannt, was noch kommen mag und Danke für's Zeigen....

Re: Expeditionen ins Kohlenrevier (Bahngehalt unter 100%)

geschrieben von: pedro

Datum: 22.04.08 20:19

Hallo,

sehr interessant diese alten Ansichten.

Vielleicht noch der Hinweis, dass es in Hückelhoven und Aldenhoven durchaus sehenswerte kleine Bergbaumuseen gibt.

Ebenfalls in Alsdorf, welches aber derzeit eine Großbaustelle ist.

MFG
Hallo zusammen,

habe mit dem Aachener revier relativ wenig am Hut, ABER schaue mir immer gerne aufgegebene Industrieanlagen und stillgelegte Eisenbahnstrecken wegen ihres eigenartig melancholisch-morbiden Charakters an.

Darum: Schöne Bilder - immer gern gesehen!

Viele Grüße von Jan Olaf

Joachim, danke für die Herztropfen,...

geschrieben von: Guido Rademacher

Datum: 22.04.08 21:27

denn diesen Beitrag hat Roland ohne vorherige Ankündigung ins HiFo gesetzt.

Das grenzt schon an "vorsätzliche gesundheitliche Gefährdung von ortsbekannten HiFo-Teilnehmern"! ;-)

Aber Roland, nachdem ich mich nun wieder in Ruhe an den PC setzen kann, möchte ich Dir sagen, dass ich mich riesig auf die angekündigte "lose Folge" zu diesem Thema freue. Der erste Bericht war schon jetzt unter dem Prädikat "besonders wertvoll" zu führen.
Du siehst mich begeistert.

Beste Grüße

Guido

PS @ Roland: Was wird aus dem Treffen (in Stolberg?) ?

http://www.guidorademacher.de/Banner.jpg

Re: Expeditionen ins Kohlenrevier (Bahngehalt unter 100%)

geschrieben von: IC125

Datum: 22.04.08 21:36

Ich bin zwar 1981 als jähriger nach Eschweiler gezogen, habe aber vor diesen Reportagen nicht wirklich gewusst was mir entgangen ist.

ob wir mehr wollen ????
Ich sehe es so: das Vorenthalten solcher historischen Dokumente entspricht dem Tatbestand der seelischen Grausamkeit.
;-)

Gruß
jan

Aachener Revier

geschrieben von: Wilhelm Hesse

Datum: 22.04.08 22:39

Ja,

bitte mehr davon.

Als "ausgewandertes" Kind dieser Gegend berühren mich die Bilder doch sehr stark, obwohl ich ja in nun schon 45jähriger Aufenthaltszeit in meiner neuen Heimat Bonn auch stark verwurzelt bin.
Aber da sind nun mal die Kindheitserinnerungen an die "Kumpel" in der Familie, an die alles überragende und beherrschende Rolle der "Kull" im täglichen Leben und nicht zuletzt an das Bild der Landschaft - überall rundherum Halden, Fördertürme, rauchende Schlote ....
Oft bin ich mit meinem Vater auf der damals noch hochaufragenden Halde der aufgelassenen Grube Nordstern gewesen, ein wirklich guter Aussichtspunkt. Und dann die Versuche, all die Gruben richtig zu benennen. Markant der Turm von Gouley in Würselen, Laurweg in Kohlscheid war etwas schwerer auszumachen, die Domaniale in Kirchrath wieder besser zu sehen. Im Wurmtal dann der gut im Wald versteckte Förderturm vom Beerenbosch in Haanrade, in Eygelshoven Laura auf dem Berg und Julia im Tal. Dann Adolf direkt im nahen Streiffeld, etwas weiter Carolus Magnus in Übach-Palenberg, mit Glück konnte man erahnen, wo Sophia Jacoba in Hückelhoven lag. Klar zu sehen, weil relativ nahe, Carl Alexander in Baesweiler. Weiter entfernt, aber noch gut auszumachen Emil Mayrisch in Siersdorf. Aber dann die volle Portion, die Anna Betriebe. Vorne Wilhelmschacht, dahinter die Kokerei und der Hauptschacht. Nur nach Mariadorf, da war der Blick von Nordstern aus durch einige Aufschüttungen nahe der Teerverwertung verstellt.
Für mich war das damals Heimatkunde vom Feinsten, ich konnte nicht genug bekommen von diesem Blick.
Also, bitte weiter ....

Gruß aus Bonn

Wilhelm Hesse
Danke für diese tollen Bilder. Besonders die von den Fördertürmen so in der Leere haben mich angesprochen. Sowas eignet sich doch wirklich zum nachbau als Modell. Da braucht man auch nicht das ganze Umfeld und epochenmäßig geht was wohl auch in 3-4 wenn auch nicht im gleichen Umfang wie in neuerer Zeit, oder?

Gruß, Peter

-|----|- Peter D. Verheyen
-|----|- verheyen@philobiblon.com
-|----|- [www.philobiblon.com]
-|----|- [papphausen.blogspot.com]
-|----|- [www.youtube.com]
Hallo Roland,

das ist ja eine interessante Reise in die Vergangenheit! Die Alsdorfer Bahn ist in Merkstein westlich der Aachener Straße heute kaum mehr auszumachen; ein Bild bei Google-Maps findet sich hier.

Auch ich freue mich auf die Fortsetzung!

Martin
Hallo Roland,

vielen Dank für deinen interessanten Bericht! Meinetwegen dürfen noch weitere Expeditionen folgen, sehr gerne sogar. Ich erlaube mir mal einen kurzen geschichtlichen Abriß zur Grube Adolf beizusteuern: [www.gessen.de]

Schönen Abend noch!

Reiner