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 04 - Historisches Forum 

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Es ist kaum zu übersehen: Eslarn ist unversehens „in“, und das abenteuerliche Umsetz-Manöver ebenso! Es fand schließlich in allen Berichten dieser Tage aus der Region Erwähnung – staunend oder amüsiert, je nachdem.

Also, nun musste es sein: Noch bevor Teil 2 meines Bild-Berichts über den 17.02.1973 fertiggestellt ist – vorgesehen ist er ja für übermorgen, Sonntag Abend, ich muß mich sputen! – habe ich erneut den Riemen auf den Scanner geworfen und diese kleine Bildfolge über das bemerkenswerte Eslarner Umsetz-Manöver ins elektronische Medium übersetzt:

Am 25.05.1973 kommt 064 295 mit dem schon bekannten Mittagspersonenzug N 3817 aus Weiden und hat gleich das Ende der Welt – pardon: der Strecke – in Eslarn erreicht. Kurz vor Eslarn rollt die Fuhre das Gefälle in den Bahnhof hinunter:

(1)
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/37/607837/6337343238636263.jpg


Die wenigen ländlichen Fahrgäste sind im Endbahnhof Eslarn ausgestiegen, nun muß zunächst Wasser genommen werden. Dabei beginnt schon die Improvisation: Der Wasserschlauch am Hydranten, links im Bild, ist zu kurz! Deshalb muß eben das hoheitliche Sperr-Schild überfahren werden:

(2)
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/37/607837/3635393165613137.jpg



Lokomotiv-Durst gelöscht, und zurück an den Zug. Der Aufbau der Eslarner Zelt-Kirmes, rechts, wird nicht gestört. Wie sonst auch entert der Zugführer den letzten Wagen des Personenzuges und postiert sich an der Handbremse. Handzeichen – und Eslarn erwacht: Der Weidener Bubikopf ballert los!

(3)
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/37/607837/6537383339643234.jpg



… mit Schwung durch den Landbahnhof …

(4)
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/37/607837/3065613164363634.jpg



… der Heizer steht schon sprungbereit in der Tür …

(5)
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/37/607837/3461393937323836.jpg


Vor der Weiche zum Lokschuppen wird hart gebremst und vom Wagenbark abgesetzt. Der Heizer springt ab, schmeißt die Weiche `rum. Vorziehen an den Lokschuppen, „in Deckung“. Die B3y-Garnitur poltert derweil mit dem Zugführer „am Steuer“ geradeaus am Lokschuppen vorbei hinaus auf die Strecke und rollt in der handfesten Steigung sachte aus, wo sie der Zugführer vorm Zurückrollen mit der Handbremse „festhält“.

Unten am Lokschuppen wirft inzwischen der Heizer die Weiche zurück. Handzeichen hinauf zum Wagenpark – und der Zugführer löst die Handbremse, um am Lokschuppen vorbei zurück in den Bahnhof zu rollen:

(6)
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/37/607837/3036343037343239.jpg


(Aufnahme vom 02.01.1973 mit 064 415 rechts)

Zufrieden klettert der Heizer wieder auf die Lok zurück, vielleicht um sein Vesper zu holen:

(7)
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/37/607837/6333623839333937.jpg



Ob da nicht doch einmal ein allzu zögerlicher Zugführer-Kollege „auf dem Bock“ war und die Garnitur mit nicht ganz gelöster Handbremse versehentlich schon auf der Weiche zum Stehen brachte…?

… oder umgekehrt: ein unaufmerksamer Zugführer-Kollege, der’s einfach laufen ließ…? Auffällig jedenfalls ist, was Rein van Putten am anderen Ende des Bahnhofs, direkt hinter dem End-Prellbock der Strecke, am 29.03.1973 dokumentiert hat (sein Bericht hier: [drehscheibe-online.ist-im-web.de] ):

(8)
http://farm3.static.flickr.com/2113/2418014399_50e89f789a_o.jpg


Wer hat hier das nagelneue Scheunentor bezahlt? Die Bundesbahn etwa??


Schmunzelnde Grüße aus… - ja, leider nicht mehr aus Eslarn! Und allen ein schönes Wochenende in, um oder außerhalb der nördlichen Oberpfalz -
Reinhard Gumbert

Das hat uns gerade noch gefehlt!

geschrieben von: Bernhard Terjung

Datum: 18.04.08 23:50

Vielen Dank, Reinhard für die bildliche Dokumentation des legendären "Englischen Rangierens" (von anderen auch "Russisch" genannt), das du wohl auf den letzten Drücker noch im Bild festgehalten hast; denn kurz danach war Fahrplanwechsel und aus war's mit der Herrlichkeit. Ganz nebenbei hast du uns übrigens einen kompletten Gleisplan des Bf. Eslarn beschert.

Schön, dass man die "295" noch eimnmal mit alten Lampem auf die Reise geschickt hatte, obwohl die irgendwie mit der EDV-Nummer komisch aussahen.

Ein gutes Nächtle wünscht aus Köln

Bernhard



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:04:19:10:28:28.
Hallo Reinhard,
genial einfache Sache, diese Rangiererei. Die Österreicher und Tschechen haben so etwas allenthalben praktiziert und von Eslarn waren diese Länder nicht weit weg http://qopt.phys.msu.su/pasha/smiles/smiles1/xyxthumbs.gif

Viele Grüße

Michael Fischbach


...auch Gefrees

geschrieben von: Köpperner

Datum: 19.04.08 00:11

"Rangieren mit Schwerkraft" gab es auch in Gefrees: Eine 260 schob einen Bi (mit Kohleofen und Kamin) zurück auf die Strecke nach Falls (KBS 419k), den Rest erledigte die Schwerkraft. So gesehen im August 1972.

Re: Wochenhit Eslarn

geschrieben von: stettiner

Datum: 19.04.08 00:34

Hallo!

WUnderbare Impressionen, fast wie aus einer anderen Welt. Vielen Dank fürs Präsentieren.

PS: Und nebenbei fiel mir auf, dass die Schneeräumer die knuffige 64 optisch kolossal aufwerten ;-)

Gruß
stettiner

Zu hart!

geschrieben von: Rolf Schulze

Datum: 19.04.08 00:46

Hallo Reinhard,

eine unglaubliche Bilderserie! Einfach fantastisch, Du (und Rein van Putten natürlich auch) hier zu Eslarn alles zutage fördert!
064 295 ist auffallend "aufgebrezelt", war da in diesen Tagen im Mai '73 eine Sonderfahrt oder ein anderer Anlass?

Und wieder stelle ich schmerzlich fest, daß Gorbatschow recht hatte ("Wer zu spät kommt ...") - nur gut 2 Monate, aber das tut erst richtig weh, aber zum Fahrplanwechsel am 2. 6. 73 war eben auch hier Schluß. Telaviv, oder wie der Franzose sagt ... ;-)

Viele Grüße
Rolf

Eslarn heute (mB)

geschrieben von: Schwandorfer

Datum: 19.04.08 01:24

Ok, das Bild ist auch schon wieder zwei Jahre alt, aber wen es interessiert:

http://home.arcor.de/schwandorfer/nebenbahn.jpg

Die Form des "Schwerkraftrangierens" wird hier in der Gegend übrigens allgemein als "Roussen" bezeichnet. Ob das im etwa 60km entfernten Eslarn auch so war, ist mir aber nicht bekannt. ;-)

Viele Grüße

Tobias


http://www.vt610.de/banner/bahnbilder-nordbayern.jpg

Re: ...auch Gefrees

geschrieben von: Roger

Datum: 19.04.08 01:32

hallo Köpperner,

da kann aber etwas nicht ganz stimmen, auf einer Gefällestrecke kommt der Wagen nicht per Schwerkraft wieder zurück!
Er wurde wohl ehr in das Umfahrgleis geschubst, ohne mit der Lok dorthin zu folgen sondern direkt zu umfahren.
(Streckenprofil siehe [lokalbahn-reminiszenzen.de])

meint
Roger
Hallo Reinhard,

sehr schön, diese Dienstvorschrift würde ich gerne kennen!

Gruß, Thomas

10 Jahre später war das alles schon langweilig.

geschrieben von: Hilfszug

Datum: 19.04.08 08:50

zumindest im Vergleich zu den von Dir so lebhaft geschilderten Umständen. Heute, in einer Zeit wo man alles versucht juristisch sicher in Vorschriften und Verwaltungsakten zu kleiden und vor Schadenersatzklagen geschützt abzuwickeln, wird man praktisch immer unflexibler, nicht nur "die Bahn" wirkt (und ist) diesbezüglich klinisch und starr.

Damals legte man noch Wert auf Ausbildung, Motivation und das Ganze lebte von der Eigenverantwortung des Personals, einem Begriff der heute nur noch den Inhalt "selber zahlen" verkörpert.

Super Bericht, danke dafür, es ist eine unbezahlbare Impression aus einer vorglobalisierten Zeit!

Glück auf!
Hilfszug

Nichts ist so beständig wie die Änderung.






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:04:19:17:17:44.
Phantastisch - das ungewöhnliche Eslarner Umsetzmanöver in Bildern! Vielen Dank für´s Zeigen!
Wie gerne hätte ich dieses Kuriosum selbst erlebt, aber zu dieser Zeit habe ich mich eher
für Bauklötzchen interessiert... ;-)

Freue mich schon auf weitere Berichte von Weiden - Eslarn!

Grüße,
Joachim
...auch in Wasserburg Stadt wurde vor allem der Güterverkehr so abgewickelt..., bestand ja keine Umfahrmöglichkeit

Was uns eint,...

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 19.04.08 14:23

...ist erstmal die Freude über diesen Beitrag! Zum anderen ist es die Erkenntnis, daß sowohl die damalige Deutsche Reichsbahn (bin selbst "gelernter" Reichsbahner) als auch die damalige Deutsche Bundesbahn eben noch "richtige Eisenbahn" waren. Erfindungsreichtum, Improvisationstalent, eine gewisse Gemütlichkeit oder auch Gelassenheit, das zeichnete die Kollegen hüben wie drüben aus. Allerdings wurde uns genau diese Gemeinsamkeit hüben wie drüben tunlichst verschwiegen. Deshalb sind es genau diese Beiträge, die zusammenwachsen lassen, was zusammengehört! Meine Hochachtung und Verbundenheit dem Schreiber und allen Eisenbahnerkollegen.

http://www.holgerkames.de/Bilder/CIMG2207.jpg
"Ein' feste Burg... "




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:04:19:15:31:51.

Toller Erlebnisbericht

geschrieben von: Gerd Tierbach

Datum: 19.04.08 19:43

Hallo Reinhard,

ein toller Erlebnisbericht mit den entsprechenden Fotos garniert. Schön das so etwas auch mal festgehalten wurde.


Beste Grüße

Gerd

gt

Weitere Beiträge mit historischen Bildern von mir, findet ihr HIER . (Z. Z. nicht gepflegt)

Eine Übersicht weiterer Inhaltsverzeichnisse mit historischem Bezug: [www.drehscheibe-foren.de]

Neue wie auch ältere Bilder von mir findet ihr auch im Siegerlandforum: [siegerland-forum.forumprofi.de]

Soweit nicht anders erwähnt gilt für alle gezeigten Bilder Copyright: Gerd Tierbach
Alle gezeigten Bilder sind urheberechtlich geschützt und dürfen ohne Genehmigung nicht weiterverwendet werden.
Auch die Stubaitalbahn in Innsbruck hat bis Mitte der 70er Jahre am Stubaitalbahnhof in Innsbruck so umgesetzt.

Das ist echt der Hit...

geschrieben von: Djosh

Datum: 22.04.08 14:55

Ich kann mich gar nicht sattsehen, an der Eslarn-Serie :-)

https://doku-des-alltags.de/banner/DSObanner01.jpg

Rangieren per Schwerkraft gabs auch bei der Bergischen Kleinbahn in Essen Werden bis zur Stilllegung.

Re: Wochenhit Eslarn: Link repariert

geschrieben von: Rein van Putten

Datum: 25.11.10 15:00

Der Link in Reinhards schöner Beitrag ist repariert worden: [www.drehscheibe-foren.de]
und das hier (nicht mehr) angezeigtes Bild(8) findet sich unter foto(4).

Gruss, Rein



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:11:27:18:59:49.
Diese Art des Umsetzens wirkt aktuell gerade wegen Bauarbeiten bei der Rügenschen Bäderbahn im Bahnhof Barth praktiziert.

Gruß Michael

Hallo Rein,

schönen Dank für das Reparieren des Links und den Hinweis auf Foto 4.



Gruß

Walter
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