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 04 - Historisches Forum 

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Hallo zusammen,
vor etwas mehr als zwei-einhalb Jahren hatte „bengt“ einen Beitrag über den Einsatz des „Wagen für Bremsversuche Berlin 700556“ im Jahr 1920 in Schweden eingestellt.
Damals waren sich die Diskussionsteilnehmer, wenn auch mit einer zweifelnden Stimme, darüber einig, dass dieser Messwagen aus einem Schlafwagen umgebaut worden war. Grundlage des Ergebnisses war der Artikel „Messwagen in Preußen, Bayern und Baden“ von Dr. Walter Haberling im EK 2/1989.

Kurz der damalige falsche Lebenslauf:
Baujahr: 1887
Hersteller: Breslau
Wagennummer: 014 WL 4
Umbau 1896: 51 Bln Ministerialwagen 4
19xx uz: 3979
Umbau 1915: 8952 Versuch 4
1923 uz: 700556 Bln
Ausgemustert: unbekannt
Dr. Albert Mühl gab im folgenden Heft einige Ergänzungen zu diesem Artikel, erwähnte den 8952 jedoch nicht.

In der Diskussion bezweifelte „Schotteramsel“ jedoch die Richtigkeit dieser Angaben: „Breslau hat nur 1886 und 1888, nicht jedoch 1887 WL gefertigt.“ Damit hatte sie richtig „gepiepst“, denn im Lok-Magazin Heft 173 (März/April 1992) berichtete Dr. Albert Mühl über den ersten preußischen Speisewagen: „Im Jahr 1887 hatte die KED Erfurt einen „Restaurations- und Küchenwagen“ in Dienst gestellt. Dieser ist bisher in der Literatur noch mit keinem Wort erwähnt worden. Es handelt sich um den vierachsigen Restaurationswagen „Erfurt 17“, der 1887 von der „Breslauer Actiengesellschaft für Eisenbahnwagenbau“ in Breslau für 28 000 Mark als der erste bahneigene Vollspeisewagen gebaut worden ist. ... Den Speisewagen „Erfurt 17“ baute die Hauptwerkstätte Potsdam 1896 in den Ministerialwagen „Berlin 51“ für den Minister der öffentlichen Arbeiten um. Ein nochmaliger Umbau erfolgte 1915 als Versuchswagen „Berlin 3979“ (zuletzt Messwagen 8952 Bln).“
In seinem Buch „Speisewagen in Deutschland“, EK-Verlag 1994, widmet Albert Mühl dem Wagen und den „Gespannen“ aus dreiachsigem Speise- und zweiachsigem Küchenwagen die Seiten 20 bis 22.
Aus einer Bildunterschrift auf Seite 21 erfahren wir dann noch: „Messwagen 2 für Bremsversuche des Versuchsamtes Grunewald der DRG „Berlin 700 556“ ex Ministerialwagen Bln 51.“
Somit ergibt sich für den 700556 Bln folgender Lebenslauf:

Baujahr: 1887
Hersteller: Breslau
Wagennummer: 017 Erf WR 4
Umbau 1896: 51 Bln Ministerialwagen 51
Umbau 1915: 3979 Versuch 4
1915 uz: 8952 Versuch 4
1923 uz: 700556 Bln
Ausgemustert: unbekannt

Nach Haberling hat der Umbau des Wagens 32.000 Mk gekostet, sage und schreibe 4.000 Mk mehr als der Neubau! Und das im sparsamen Preußen.
Schaut man sich die Bilder an, kam der Umbau einem Neubau gleich: Zwischen Untergestell und Dach wurde der Wagenkasten neu aufgebaut. Während der Speisewagen acht eckige Doppelfenster besaß, erhielt der Ministerialwagen sechs Doppelfenster und an vorletzter/zweiter Stelle ein ganzes Fenster, alle eckig; also nur noch sieben Fensteröffnungen.
Bei dem im Jahr 1915 durchgeführten Umbau zum Versuchswagen verlor der Wagen vier seiner sechs eckigen Doppelfenster, diese wurden in normale Fenster mit oben gerundeten Fensterecken, wie auch die Doppelfenster, umgebaut und alle Scheiben oben mit einem Lüftungsschieber versehen; am Oberlicht wurden Luftsauger angebracht.
Auf den Fotos in bengt’s Beitrag
[drehscheibe-online.ist-im-web.de]
ist im vorletzten Fenster, einem Doppelfenster, zu erkennen, dass die hintere Scheibe geschlossen (ganz weiß), die davor ein bisschen geöffnet ist (oben schwarz, dann weiß). Des weiteren ist die Wagennummer in Wagenmitte oberhalb des Fensters angebracht, bei dem 700 556 Bln jedoch seitlich neben dem Mittelfenster. Der Wagen war 1920 in Schweden also noch „Preuße“.

Zur Wagennummer 51 gibt es noch eine Anmerkung zu machen, denn nach Paul Dost: „Der rote Teppich“, Franckh 1965, wurde im Jahr 1900 bei L.H.W., also in Breslau, ein sechsachsiger Hofsalonwagen 51 für den Einzeldienst, grün lackiert mit normalen Übergängen gebaut. Das kollidiert natürlich mit den bisherigen Erkenntnissen, aber vielleicht war der Dost’sche 51 gar nicht in Berlin ...

Zum Schluss gibt es eine kurze Ergänzung zu den genannten EK-Artikeln unter Hinzuziehung des Buches „Schlafwagen in Deutschland“ von Albert Mühl, EK-Verlag1996. Es ergibt sich folgendes, lückenhaftes Bild über die Versuchswagen der KED Berlin:
1874 (Thielemann & Eggena) 91 Dienst i
1905 (Brsl) 93 Dienst 5
1911 Umbau WL 022 (vdZyp 1888) in 94 Dienst 4
1911 Umnummerierung dieser drei auf 3981 bis 3983; der 92 ist offensichtlich schon ausgemustert worden.
1911 Umbau Bln 55 Sal 3 (Pflug 1863) in 3984 Dienst 3
1915 drei Umbauten WL 012 (Brsl 1886) in 3978 Dienst 4,
Bln 51 (Brsl 1887, ex Erf 17) in 3979 Dienst 4ü und
Bln 57 Sal 3i (Brsl 1873) in 3980 Dienst 3i.
1915 Umnummerierung der Wagen 3978 bis 3984 in 8951 bis 8957 und
1915 Umbau Esn 2 Sal 3i (Brsl 1884) in 8958 Dienst 3i.
1916 Umbau Stn 6 Sal 3i (Brsl 1868) in 8959 Dienst 3i.
1919 Umbau WL 0197 (Brsl 1909) in 8960 Gießereiversuchswagen 6ü
Dann ein Lücke bis:
1922 Umbau WL 0136 (Brsl 1905) in 8966 Gießereiversuchswagen 2 6ü

Reichsbahnnummern erhielten:
8951 als xxxxxx Berlin Wärmemesswagen (Wagenheizung) – erst in den 30er Jahren ausgemustert,
8952 als 700556 Berlin Messwagen für Bremsversuche und
8955 als 700551 Berlin Lokomotiv-Versuchswagen 1.
8960 – 8966 müssten/sollten auch noch eine Reichsbahnnummer erhalten haben, da sie noch „ganz neu“ waren. Für diese Wagen habe ich jedoch keine Reichsbahnnummer gefunden, vielleicht kann jemand aus der HiFo-Gemeinde diese oder eine andere Lücke schließen.

Da wir gerade durch die Länderbahnzeit sausen und der württembergische Versuchswagen in dem EK-Artikel sehr stiefmütterlich behandelt worden ist, kann der geneigte Sucher fündig werden in: Rudolf Röder „Die Baureihe 59“ EK-Verlag 2007, Seite 94f.
Zu den badischen Wagen ist in Jens Freese „Die Reisezugwagen der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen“, EK-Verlag 2001, auf den Seiten 67 und 68 noch ein bisschen was zu finden.
Den Bayern kann ich leider nichts Neues bringen.

Der Lokomotiv-Versuchswagen 700551 Berlin wurde auch schon mal im Hifo gezeigt:
[drehscheibe-online.ist-im-web.de]

Das war’s von mir zu dem Thema der Länderbahn-Versuchswagen, jetzt seit Ihr dran.

Schönen Abend wünscht
Ulrich

Danke !!!! Tolle Ableitung !!!! (o.w.T)

geschrieben von: Rudi W

Datum: 09.04.08 22:43

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Berlin 51

geschrieben von: Jens N.

Datum: 10.04.08 12:21

Hallo Ulrich,

den scheinbaren Widerspruch bei der Wagennummer "Berlin 51" kann ich aufklären:

Der von Dost erwähnte sechsachsige Hofsalonwagen wurde im Jahr 1900 unter der Nummer "Berlin 19" in Dienst gestellt. Das Fahrzeug war als Reserve-Hofwagen bzw. für den Einzeldienst vorgesehen, weswegen er abweichend zu den anderen Hofwagen einen grünen Außenanstrich erhielt (wie auch der 1905 gelieferte Kronprinzenwagen).
1911 änderte man die Wagennummer in "Berlin 50" (befand sich damit nicht mehr im Nummernkreis der Hofwagen), fünf Jahre später wurde daraus dann "Berlin 51" in Zweitbelegung.

Weiterer Lebensweg des Sechsachsers in Kurzform:
1923: Bln 10 012, 1930: 10 346 Bln, ab Mitte der 30er Jahre wieder in Regierungsdiensten

Da der aus dem Speisewagen hervorgegangene Ministerialwagen bereits 1914/15 zum Meßwagen hergerichtet wurde, widersprechen sich die beiden (identischen) Nummern nicht.

Viele Grüße
Jens



Edit: Rechtschreibung korrigiert



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:04:10:12:23:44.

Re: Berlin 51

geschrieben von: KLB 334

Datum: 10.04.08 16:26

Hallo Jens,

vielen Dank für die Aufklärung!

Dann hat Dost den "Bln 51" also mit der Nr. von 1915 zusammen mit "Bln 19" - also mit seiner eigenen Ursprungsnummer - (und ein gleichartiger "Bln 20") für das Beschaffungsjahr/Baujahr 1900 angegeben. So kam er dann auf drei Wagen, wobei es nur zwei waren. Nicht verwechseln: Dem Kronprinzenwagen gibt er als erste Nr: "Bln 23".

Ja, der kaiserliche Hofzug, hat bei seiner Auflösung der VersA Grunewald gute Basisfahrzeuge geliefert. Die Umbauten liegen nach meinen Unterlagen aber in der Reichsbahnzeit ab 1923.

Viele Grüße

Ulrich