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Hallo liebe Dampflok-Fans,

ich möchte heute einmal eine Frage (Doppelfrage) aufwerfen, die wohl nur die Experten beantworten können.

Auf die Idee zu dieser Frage haben mich zwei Bild-Unterschriften auf der Home-Page der DLR (www.dlr.de unter Portal - Historical Images - Untersuchungen an Zügen) gebracht. Hier wird u.a. ein Modell-Bildpaar vorgestellt, das Untersuchungen zur Frage der Wirkung von Windleitblechen (1.Foto des Modells ohne Windleitbleche - 2.Foto des Modells mit Windleitblechen [www.dlr.de] im Windkanal zeigt. In der Bildunterschrift wird von "Betz-Blechen" gesprochen. Ein zweites Bild zeigt die Lok 39 102 mit einem Messwagen und mit einer, an der Rauchkammer angebrachten Konstruktion für Strömungsmessungen. Auch in dieser Bildunterschrift - in der die Lok fälschlich als P8 bezeichnet wird - ist wiederum von Betz-Blechen die Rede.

Soviel ich in Kürze aus dem Internet ermitteln konnte, geht die Bezeichnung wohl auf Albert Betz (1885 - 1968) zurück, der bereits ab 1911 bei der Aerodynamischen Versuchsanstalt in Göttingen tätig war, deren Leiter er in den Jahren von 1936 bis 1956 war.

Es stellen sich für mich nun die Fragen:
1.) von wem stammt letztlich die Idee, mit rechts und links neben der Rauchkammer montierten Blechen, den zur Verbesserung der Sicht durch Verdrängen des Rauchs erforderlichen Staudruck am Langkessel und vor dem Führerhaus zu erzeugen?
2.) ab wann wurden die Windleitbleche, die bei der Deutschen Reichsbahn mit der P10 erstmals in großem Umfang montiert wurden und später zum Markenzeichen der Einheits(schlepptender)lok wurden, mit dem Namen Richard Paul Wagner in Verbindung gebracht?

Als Folge daraus ergibt sich für mich auch die folgende Frage:
1.) wer hatte die Idee (als sich der strenge Materialsparkurs Gerhard Degenkolb (1892 - 1954) offenbar in dieser Frage als Fehler herausgestellt hatte), es mit einer neuen, materialsparenden Version von Windleitblechen zu versuchen?
Soweit ich weiß, gab es ja wohl auch "Feld"-Versuche der Eisenbahner, mit hölzernen Gestellen die Funktion von Windleitblechen zu erzeugen. Gab es auch wieder Versuche im Windkanal, um die optimale Form und Größe zu ermitteln?
2.) seit wann wurden diese Spar-Bleche mit dem Namen von Friedrich Witte in Verbindung gebracht? Hatte er dadurch seine Finger im Spiel, weil er als Lokbaudezernent diese Windleitblechform zur Grundbauart für die neuen Einheitslok ab 1950 erklärte?

Wer kann mich und alle anderen Interessierten aufgleisen?

Preußen-Klaus

Versuch einer Antwort

geschrieben von: Rolf Schulze

Datum: 30.03.08 00:11

Hallo Klaus,

also, wenn ich das richtig in Erinnerung habe (etwas nachgelesen habe ich auch gerade noch), dann war es so, daß Betz der Mann war, der Anfang der Zwanziger die Windkanal-Versuche machte. Der Bezug zu Wagner - vermute ich - ist wohl der, daß durch Wagner, oder unter seiner Regie - die endgültige Form der Bleche entstand, die die neuen Einheitslokomotiven bekamen. Die Form der Windleitbleche der Länderbahnloks wich ja davon ab und orientiert sich eher an der Formgebung, die Betz im Windkanal erprobte (z.B. BR'n 17.10, 38.10, 39, oder auch 18.3, 18.4, 19), werden gemeinhin auch nicht als 'Wagner-Bleche' bezeichnet.

Degenkolb hat mit Windleitblechen eigentlich nichts zu tun, allenfalls insoweit, als er die Entfeinerung der Kriegsloks forderte - und bekam - der ja die Windleitbleche zunächst zum Opfer fielen. Der Entwickler der Witte-Bleche ist schon Witte, allerdings bereits im 2. Weltkrieg, als er noch nicht Lokbaudezernent war. Ich meine, es war schlicht so, daß ihm die Aufgabe übertragen wurde, eine Lösung zu finden. Und, ja, Windkanalversuche gab es dazu, an der TH Hannover unter Leitung von Prof. Mölbert.

Das Problem mit dem Dampf entsteht durch Unterdruck, der rund um den Kessel entsteht, wenn die Luftströmung an der Lokfront seitlich weggedrückt wird, dann füllt der Dampf den Bereich des Unterdrucks aus, wird also abwärts gezogen und verwirbelt. Durch die Windleitbleche wird der Unterdruck seitlich des Kessels soweit verringert, daß der Abdampf nicht abwärts gezogen wird. In den zwanziger Jahren glaubte man, die Schürze und die heruntergezogenen Bleche würden die Wirkung verbessern, aber sie erhöhten nur den Luftwiderstand und das Gewicht. Während 2 Witte-Bleche ca. 200 kg wiegen, wiegen 2 Wagner Bleche ca. 1000 kg und die zugehörige Schürze ca. 800 kg. Die Witte-Bleche bringen aber nicht nur eine Gewichtsersparnis, sie sind auch aerodynamisch optimaler für Ihren Zweck. Sie müssen übrigens nicht gewölbt sein, und abgerundete Ecken sind auch nicht nötig.

Du kannst auch mal die Suchfunktion bemühen, ich meine, wir hätten das Thema hier schon einmal diskutiert.

Gruß Rolf

Re: Versuch einer Antwort

geschrieben von: Mikado-Freund

Datum: 30.03.08 00:17

»Witte Windleitbleche – eine Quelle (Link zu einem 2MB-pdf)« von „Peter-HH“ vom 20.10.2006.

Die ursprüngliche - und auch in obigem Link angesprochene Diskussion wird wohl dieser Foreneintrag: »url=http://drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,3112735,3112735#msg-3112735]Wittebleche[/url]« vom 17.10.2006 geween sein, in dem der User „ackipe“ nach dem genauen Einsatzdatum der sogenannten Witte-Windleitbleche fragt.




Gruß

Walter

mit freundlichem Gruß

Walter

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