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Güterzüge auf der Vennbahn-Zweigstrecke von Stolberg-Hammer nach Walheim



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Rangierdienst vor der Kulisse der Stolberger Burg - ein Klassiker unter Eisenbahnfotos aus Stolberg. Hier ist es 290 372, die im September 1985 im Bahnhof Stolberg-Hammer rangiert und dabei den Bahnübergang der Aachener Straße überquert.


Am Anfang des 19. Jahrhunderts war das rheinische Stolberg ein für die damalige Zeit stattlicher Industriestandort. Mehrere Steinkohlebergwerke, Erzgruben, Textilindustrie, Glashütten und eine Anzahl von Kupfer, Messing und Zink verarbeitenden Betrieben prägten das Stolberger Tal und die Anhöhen. Die am 6. September 1841 als eine der ersten deutschen Eisenbahnen eröffnete Strecke von (Köln-) Lövenich nach Aachen verlief dennoch nördlich an der Stadt vorbei. Die 1841 von der Rheinischen Eisenbahn in der Gegend des heutigen Stolberger Hauptbahnhofes und nahe der damaligen Steinkohlegrube "Propstei" angelegte Bahnstation namens Stolberg lag kurioserweise auf dem Gebiet der Stadt Eschweiler und war etwa drei Kilometer vom Stolberger Ortskern entfernt. Der Weg dorthin verlief zudem im Bereich „Atsch“ auch über Gebiet der Gemeinde Eilendorf. Noch bevor Stolberg im Jahre 1856 Stadtrechte erhielt, hatte es aber immerhin schon einen Bahnhof! Die durch die abseitige Lage geschaffene und für die wachsende Stolberger Industrie unbefriedigende Situation führte im Dezember 1867 zur Eröffnung einer rd. 1,4 km langen Anschlussbahn zur Spiegelmanufaktur, einer der größten Stolberger Glashütten. Bereits 1881, noch vor dem Bau der Vennbahn von Aachen über St. Vith nach Prüm und Luxemburg, hatte sich daraus eine schon zweigleisig ausgebaute Strecke von etwa 3,8 km Länge zum Endbahnhof Stolberg-Hammer entwickelt. An dieser Strecke gab es zudem noch den Bahnhof Stolberg-Mühle.

Als am 15. Mai 1882 das Gesetz zum Bau der Vennbahn beschlossen wurde, sah dieses folgerichtig auch den Lückenschluss zwischen dem Bahnhof Stolberg-Hammer und dem Bahnhof Walheim vor. Tatsächlich trafen sich die Trassen der am 30. Juni 1885 eröffneten Vennbahn und der bis Dezember 1889 hinzugebauten, rd. 7,5 km langen Stolberger Zweigstrecke bei der kleinen Ortschaft Hahn. Die Bahnlinie von Stolberg-Hammer nach Walheim erschloss umfangreiche, nicht nur für die Stolberger Industrie interessante Kalkvorkommen und bot eine bequeme Abkürzung auf dem Weg von der Eifel zum Rhein. Schon zwischen 1907 und 1909 wurde der zweigleisige Ausbau dieser Zweigstrecke fertiggestellt, während die Verbindung von Hahn nach Aachen-Rothe Erde stets eingleisig geblieben ist.


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290 249 läuft am 12. September 1986 vom Stolberger Hauptbahnhof kommend mit einem Schotterzug in den Bahnhof Stolberg-Hammer ein.


Der am Rand der Stolberger Altstadt gelegene Bahnhof Stolberg-Hammer (der heute in "Stolberg-Altstadt" umbenannt ist) bot/bietet dem Fotografen bessere Motive als der Stolberger Hauptbahnhof, wenngleich der Eisenbahnbetrieb im Hauptbahnhof abwechslungsreicher ist und Stolberg-Hammer im Jahre 1979 sein Bahnhofsgebäude verloren hat.

Südlich des Bf. Stolberg-Hammer erstreckt sich ein Industriegebiet, in dem in den 1980er Jahren eine Bleihütte und ein Bahnschotter-Recyclingbetrieb für umfangreiches Frachtaufkommen sorgten.


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Am 18. November 1984 fährt ein Skl von Walheim kommend in den Bahnhof Stolberg Hammer ein. Links befindet sich das Anschlußgleis zu der links am Bildrand sichtbaren Firma Prym und zur Stolberger Bleihütte. In der Böschung rechts des Streckengleises gab es in vergangenen Zeiten, als auf der Aachener Straßenbahn Güterverkehr betrieben wurde, einmal ein Sturzgerüst zur Verladung von Schüttgütern.


Hier ist die Umgebung stark von der Stolberger Industrie und verschiedenen Steinbrüchen geprägt. Die Steinbrüche dienten der Gewinnung von Kalkstein, der von mehreren Kalkwerken verarbeitet wurde. Auf Stolberger Gebiet wurde 1975 als Letztes das Kalkwerk "Rüst" geschlossen. An seinem Platz richtet sich ein Recyclingbetrieb für Bahnschotter ein, der in den 80er Jahren mit Ganzzügen bedient wurde und das Bild des Güterverkehrs im Bereich Stolberg-Hammer prägte.


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290 390 am 19. September 1989 auf dem Viadukt Rüst, südlich des Bahnhofes Stolberg-Hammer.


An diesem Viadukt kann man ebenso wie am bekannteren Falkenbachviadukt die Entwicklung dieses Vennbahnabschnittes gut studieren: die eingleisige Entstehung, den nachträglichen Bau des zweiten Streckengleises, die heftigen Zerstörungen im Verlauf des Zweiten Weltkrieges, den mühsamen Wiederaufbau und das Zurückbleiben von Investitionen wegen der rückläufigen Verkehrsentwicklung.

http://img245.imageshack.us/img245/1324/519890919stolbergviadukwz4.jpg


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Die heute vorhandene Behelfskonstruktion wurde von der DB im Oktober 1956 errichtet, nachdem Pioniere des US-Army den von deutschen Truppen im September 1944 gesprengten Viadukt mit einer ähnlichen, teilweise aus Holz bestehenden Konstruktion für amerikanische Militär- und Nachschubtransport befahrbar gemacht hatten.


Die nächsten drei Fotos vom 02. Mai 1990 zeigen 290 259 zwischen dem Viadukt Rüst und dem ehemaligen Gleisanschluss des Kalkwerkes Rüst bei der Bedienung des Bahnschotter-Recyclingbetriebes:

http://img167.imageshack.us/img167/3379/719900502stolbergamviadzy7.jpg


http://img176.imageshack.us/img176/4981/819900502stolbergwabsrrit9.jpg


http://img242.imageshack.us/img242/6350/919900502stolbergwabsrriq3.jpg


An den zuvor erwähnten Falkenbachviadukt zwischen dem Bahnhof Breinig und nahe der Streckenverzweigung bei Hahn habe ich am Vormittag des 16. April 1982 den von Walheim kommenden Güterzug mit 215 017 fotografiert.

http://img252.imageshack.us/img252/1963/16041982falkenbachviaduxl7.jpg


Der Bahnhof Walheim zeigte sich in den 80er Jahren zwar noch mit umfangreichen Gleisanlagen. Gleichwohl gab es nur ein unregelmäßiges Frachtaufkommen. Zumeist wurde Holz verladen. Am 21. Mai 1982 habe ich am dortigen Fahrdienstleiterstellwerk "Wf" 215 027 beim Rangieren abgelichtet.

http://img408.imageshack.us/img408/318/1019820521bfwalheim2150bl2.jpg


http://img262.imageshack.us/img262/5977/1119820521bfwalheim2150cj7.jpg


Von Walheim aus fuhr sie an diesem Tag weiter nach Raeren, um von dort einige Frachten des kleinen Grenzverkehrs zu holen. Bei der Rückkehr nach Walheim hat sie zwei Mähdrescher und einen G-Wagen am Haken.

http://img179.imageshack.us/img179/7047/1219820521bfwalheim2150lr3.jpg


Zwei Fotos des Walheimer Fahrdienstleiterstellwerk (Bauart Jüdel) und der Gleisanlagen am Westkopf des Walheimer Bahnhofes im Zustand vom 17. September 1983 bilden den Abschluss dieses Beitrages über den Güterverkehr auf der Vennbahn-Zweigstrecke von Stolberg-Hammer nach Walheim in den 80er Jahren:

http://img508.imageshack.us/img508/1964/1319830917bfwalheimstwwjz0.jpg


http://img179.imageshack.us/img179/3328/1419830917bfwalheimgleizz4.jpg



Mit vielen Grüßen aus dem Grenzland an die HiFo-Gemeinde

Roland Keller

[www.eisenbahn-stolberg.de]

http://img116.imageshack.us/img116/6122/signkleincr5.jpg http://img178.imageshack.us/img178/2033/logo2kleinve1.jpg http://img253.imageshack.us/img253/2018/dlalogo3kleinrn6.jpg

Bahnbetriebswerk Stolberg --- vergangen, aber nicht vergessen....
Zu Dampfzeiten habe ich die Strecke (knapp) verpaßt, aber Du machst ja richtig Lust zu einem aktuellen Ausflug, wenn Aachen-West-Montzen seinen Reiz verloren haben wird.

Mit Dank,

Jürgen
Ein sehr interessanter und detailliert beschriebener Beitrag eines zu Unrecht selten fotografierten Streckenabschnittes.
Gerade hier fällt der gelungene Abriss geschichtlicher Entwicklung neben den dazugehörigen Fotos besonders angenehm auf.
Weiter so !

Gruss, M´s Heizer

Beste Grüße, Michael :-) https://abload.de/img/mk201402sr40g127satt1guj69.jpg ... und immer schön die Kurbel fest im Griff !
Sehr interessant ist das wieder. Vielen Dank, Roland.
Ich bedaure fast, dass diese Bahn nie in meinem Fokus lag.

Viele Grüße

Michael Fischbach


Allein schon das herrliche Licht Deiner Bilder sind ein probates Mittel gegen die Winterdepression bei dem Wetter der letzten Tage hier!

Bild Anschluß "Zur Mühlen" (Rüst): Ist Dir bei der im Vordergrund zu sehenden Weiche die Schwellenlage aufgefallen? (Ich meine damals, beim Fotografieren) Das schien mal eine DKW zum 2. Gleis (war demnach links des vorhandenen Gleises) gewesen zu sein.
Letztes Bild: Auch das abrupt endende Gleis der DKW sieht nach ehemaliger Fortsetzung des 2. Gleises aus- aber so ungesichert noch nach all den Jahren der (wieder) Eingleisigkeit?

Danke für den interessanten Beitrag und Grüße

Ulrich



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:01:20:19:28:55.
Hallo Roland, hallo Ulrich,

beinahe wäre mir dieser wunderbare Beitrag durchgegangen. Sehr schöne Bilder. Erst im Sommer diesen Jahres bin ich mal wieder den Viadukt Rüst hochgeklettert. Allerdings, auf dem Werksgelände war ich noch nie. Kann man da einfach so rein?

Zur Walheimer DKW kann ich Ulrich nur recht geben. Dort ging es ursprünglich zweigleisig weiter. Ulrich, es stimmt, lang, lang ist´s her!

Beste Grüße

Guido

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