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Hallo allerseits,

hier kommt die vor etlichen Jahren im HiFo angekündigte Dokumentation zum Bahnhof Weilheim/Teck.

Dieser württembergische Landbahnhof mag für andere seiner Art als Beispiel gelten, er taugt aber auch als Modellbahn-Vorbild.


Der folgende Text und die historischen Abbildungen entstammen dieser Quelle:

Hochbauten der Bahnhöfe. Von Eisenbahnbauinspektor C. Schwab, Vorstand der Kgl. E. Hochbausektion Stuttgart II.
Band I. Empfangsgebäude. Nebengebäude. Güterschuppen. Lokomotivschuppen.
Leipzig (G. J. Göschen'sche Verlagshandlung) 1911.


Dabei habe ich den Text unverändert übernommen, die Abbildungen sind meist an der Stelle eingefügt, an der sie im Original stehen. Manchmal sind sie jedoch geringfügig verschoben, um auf dem Monitor eine besser lesbare Darstellung zu erzielen.

Zu danken habe ich Eberhard Weilke, der mir für diesen Beitrag seine Fotos vom November 2004 zur Verfügung stellte. Ihr findet seine Bilder im Anschluss an die historische Abteilung.

Es grüßt
Joachim Biemann




[Seiten 27 - 31:]

Empfangsgebäude: Beispiele

In Fig. 15-20 ist das Empfangsgebäude Weilheim-Teck der im September 1908 eröffneten Nebenbahn Kirchheim-Weilheim dargestellt. Weilheim ist zunächst Endstation, aber als Durchgangsstation unter Berücksichtigung der späteren Fortsetzung der Bahn nach Boll-Göppingen angelegt worden und besitzt entsprechend dem Bedürfnis einer Zugbildungsstation außer dem Empfangsgebäude mit Güterschuppen noch ein größeres Nebengebäude mit Aufenthalts- und Übernachträumen für das Zug- und Lokomotivpersonal und einen Lokomotivschuppen mit Wasserstation.


Fig. 15:

http://img50.imageshack.us/img50/2068/fig15ye4.jpg


Nach dem Stadtbauplan erhält der Bahnhofvorplatz eine Breite von 20 m; das dem Empfangsgebäude zunächst gelegene Gütergleis hat von diesem einen Abstand von 6,5 m. Die Entfernung des Personenzuggleises von ersterem beträgt 5,5 m. Das Nebengebäude liegt vom Empfangsgebäude 20 m entfernt, bahnseitig in der Flucht des letzteren.

In dem 2 1/2stockigen Empfangsgebäude von 14,6 x 8,6 m Grundfläche sind im Erdgeschoß um die mit einem Windfang versehene Vorhalle gruppiert und von dieser zugänglich das geräumige Dienstzimmer, 2 Warteräume und das Treppenhaus zu den Wohnungen; an das Dienstzimmer angebaut ist ein Güterschuppen von 6,6 x 17,0 m Grundfläche, und an die Warteräume angebaut eine Sommerhalle von 5,1 x 7,0 m Grundfläche.


Fig. 16:

http://img50.imageshack.us/img50/7205/fig16ct1.jpg


Der kleinere Warteraum kann bei Bedarf in Wegfall kommen und mit der Vorhalle den Durchgang zum Bahnsteig bilden. Der Postdienst ist in einem benachbarten, am Bahnhofvorplatz gelegenen Miethaus untergebracht.


Fig. 17:

http://img239.imageshack.us/img239/2667/fig17tk2.jpg


Im Obergeschoß befindet sich eine vierzimmrige Wohnung mit geräumigem Vorplatz für den Bahnhofvorstand, im Dachgeschoß eine Kammer für diesen sowie eine zweizimmrige Wärterwohnung mit geräumigem Vorplatz und Kammer.


Fig. 18:

http://img512.imageshack.us/img512/1791/fig18tb6.jpg


Die Architektur ist der Landschaft angepaßt. Empfangsgebäude und Halle sind massiver Putzbau unter sparsamer Verwendung von Werksteinen aus den dortigen Brüchen für den Sockel und die Fenster- und Türeinfassungen des Erdgeschosses; der Schuppen ist Fachwerksbau mit Holztäfelung, dessen Anstrich und der der Schlagläden des Empfangsgebäudes zu den Putzflächen gut abgestimmt ist. Sämtliche Dachflächen, auch die des Güterschuppen- und des Sommerhallen-Anbaus sind mit naturfarbigen Biberschwänzen eingedeckt.


http://img159.imageshack.us/img159/5234/fig19oy0.jpg


http://img208.imageshack.us/img208/1641/fig20yd7.jpg


[Seiten 37 - 39:]


Nebengebäude: Beispiele


Als ausführliches Beispiel eines Nebengebäudes sei im Anschluß an das Beispiel für ein Empfangsgebäude (Fig. 15-20) das Nebengebäude Weilheim/Teck (Fig. 29 bis 33) wiedergegeben. Seine Lage zum Empfangsgebäude wie zur Gleis- und Bahnsteiganlage ist in Fig. 15 veranschaulicht.


Fig. 29:

http://img513.imageshack.us/img513/3871/fig29ox6.jpg


Die langgestreckte eingeschossige Anlage enthält zwei äußere und einen mittleren Querbau; letzterer ist massiv ausgeführt und enthält einen Lampenraum mit anschließendem Ölmagazin und eine Waschküche. Im Ölmagazin sind zwei Stränge Eisenbahnschienen als Faßlager in 1 m Höhe über dem Fußboden eingebaut; der Transport auf die Lager erfolgt durch die Fensterladenöffnung mittels Ladebäumen. Das Fachwerk der übrigen Gebäudeteile ist im Äußeren mit Brettern und Deckleisten verschalt und bei Gelassen, die Aufenthalts- und Übernachtungszwecken dienen, wie die Scheidewände mit Backstein ausgemauert. Sämtliche Fußböden sind ebenerdig angelegt und zwar diejenigen der Aborte, Öl- und Lampenmagazine und der Waschküche als Zementböden mit Zementglattstrich, diejenigen der Aufenthalts- und Übernachtungsräume in Holzzement erstellt; Holzlegen und Karrenraum haben bloße Kiesschüttung. Das Dach ist mit Biberschwänzen in Naturfarbe eingedeckt wie das des benachbarten Empfangsgebäudes; Sockel, Fenstereinfassungen und Dachgesims sind in Werkstein erstellt.


http://img176.imageshack.us/img176/3914/fig3031fp7.jpg


http://img513.imageshack.us/img513/8517/fig32wh0.jpg


http://img127.imageshack.us/img127/6431/fig33nu0.jpg



[S. 59:]

Güterschuppen: Beispiele


Fig. 46:

http://img131.imageshack.us/img131/9707/fig46xv3.jpg


Als ausführliches Beispiel eines Güterschuppens als Anbau an ein Empfangsgebäude sei an die Anlage Weilheim a. Teck (Fig. 15-20) erinnert. Der in Holz konstruierte Schuppen hat eine Grundfläche von 7 x 17 m und eine Dachausladung von 3 m zu beiden Seiten. Das Firstoberlicht hat eine Grundfläche von 2,0 x 6,5 m. Der Querschnitt des Schuppens ist in Fig. 46 dargestellt.


[S. 107 - 113:]

Lokomotivschuppen: Beispiele


Zeichnerisch eingehender behandelt sei noch der Lokomotivschuppen mit Wasserstation Weilheim a. d. Teck (Fig. 88-91) als Ergänzung zu den in den Abschnitten Empfangsgebäude (Fig. 15-29), Nebengebäude (Fig. 29 bis 33) und Güterschuppen (Fig. 46) näher beschriebenen Hochbauten dieses Bahnhofs. Der Schuppen ist einständig, 22 m lang und 6,8 m breit in Holzfachwerk erstellt und mit steilem Ziegeldach überdeckt. Diese Dachform wurde lediglich mit Rücksicht auf das landschaftliche Bild gewählt und steht im Einklang zu den übrigen dortigen Bahnhofshochbauten. Nach Lageplan (Fig. 87) ist auf eine spätere Erbreiterung des Schuppens zur Aufnahme eines zweiten Standes mit Drehscheibenanschluß Bedacht genommen. Besonders erwähnt sei die Wasserstation, die in einem turmartigen Anbau untergebracht ist.


Fig.87:

http://img127.imageshack.us/img127/2101/fig87dc6.jpg


Da eine Ortswasserleitung nicht besteht, mußte für die Bahnhofsanlage eine besondere Wasserversorgung ausgeführt werden. Dieselbe besteht aus einem Ventilpumpbrunnen zwischen Verwaltungs- und Nebengebäude und einer Brunnenanlage beim Lokomotivschuppen mit anschließender Kranenleitung für die Lokomotivspeisung außerhalb des Schuppens. Von dem im lichten 1 m weiten, kreisrunden, 10 m tiefen Schacht, dessen Wandungen aus 1 m hohen Monierringen bestehen, wird mittels Dampfejektors, einer hochsaugenden Dampfstrahlpumpe für eine stündliche Leistung von 6 cbm, welche an die Lokomotive im Schuppen mittels Schlauches jeweilig angeschlossen wird, das Wasser in den 9 m über Schuppenfußboden liegenden Rohwasserbehälter von 14 cbm Fassung gefördert und von hier nach Durchlaufung des Wasserreinigers nach dem Kalk-Soda-Verfahren von stündlicher Leistung von 2 1/2 cbm in den 4,5 m tiefer gelegenen Reinwasserbehälter von 14 cbm Fassung übergeleitet, an welchen die Verteilungsleitung angeschlossen ist. Die Kosten belaufen sich für den Schuppen mit Anbau auf 19 350 M, für Blitzableiter, Ausstattung, Brunnenschacht und Wasserabzugsdohlen auf 2250 M, für den maschinellen Teil, bestehend aus Dampfejektor, Wasserreiniger und allen Rohrleitungen im Gebäude bis zum Brunnenschacht, jedoch ohne die beiden Wasserbehälter von je 14 cbm Fassung, auf 5650 M.


Fig. 88:

http://img124.imageshack.us/img124/9827/fig88qx8.jpg


Fig. 89:

http://img230.imageshack.us/img230/4195/fig89ji6.jpg


Fig. 90:

http://img113.imageshack.us/img113/848/fig90fg6.jpg


Fig. 91:

http://img231.imageshack.us/img231/1627/fig91ov6.jpg









Hier folgen die Fotos von Eberhard Weilke, die er im November 2004 vom früheren Bahnhof Weilheil/Teck und dessen Umfeld aufnahm:



http://img231.imageshack.us/img231/3036/weilheimbahnhofstrasseeol4.jpg



http://img217.imageshack.us/img217/2259/weilheimbahnhofstrassepal3.jpg



http://img248.imageshack.us/img248/3127/weilheimbahnhofstrassesje0.jpg



http://img510.imageshack.us/img510/7392/weilheimegbw9.jpg



http://img510.imageshack.us/img510/7061/weilheimeggeschichteaw4.jpg



http://img230.imageshack.us/img230/4305/weilheimeggleisseitezl1.jpg



http://img127.imageshack.us/img127/166/weilheimgleisvorfeldif4.jpg



http://img216.imageshack.us/img216/6901/weilheimgleisvorfeldeinba2.jpg
Hallo, schade dass die aktuellen Fotos unkommentiert sind. Es wäre schön, du würdest beschreiben, was hier genau zu sehen ist, zum Beispiel ehemaliger Gleisverlauf, einstiger Gebäudezweck, bei dem rosanen ehemaligen Bahnhofsgebäude wo die Gleisseite war, wo die Anbauten waren, usw. Ein nicht ortskundiger Betrachter kann ohne diese Kommentare die Fotos nicht/kaum zuordnen. Die Kommentare würden deinen Einst/Jetzt-Vergleich deutlich aufwerten.

kondensierte Grüße, Stefan

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=190387
Kondenslok.de (temporär offline) + Industrial Railways of Indonesia SIG (fc)
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Wer sich über Signaturen aufregt, hat sonst nix zu sagen.

Hui...

geschrieben von: ikonengold.de

Datum: 17.12.07 09:13

...da ist die Geschichte ja! ;-) Manches dauert halt länger....

Ich versuche das mal zu kommentieren. Ist zwar jetzt auch schon drei Jahre her, dass ich dort war.... ;-))))

http://img231.imageshack.us/img231/3036/weilheimbahnhofstrasseeol4.jpg

Wie der Bildlink schon sagt, Bahnhofsstraße ich Richtung Stadt, Empfangsgebäude links.


http://img217.imageshack.us/img217/2259/weilheimbahnhofstrassepal3.jpg

Bahnhofstraße von der Stadt aus gesehen, links das ehemalige Postamt. Rechts würde man das Gleisfeld und den Prellbock sehen, wenn es Gleisfeld und Prellbock noch gäbe.

http://img248.imageshack.us/img248/3127/weilheimbahnhofstrassesje0.jpg

Das ist jetzt die Bahnhofsstraße in Richtung Stadt gesehen auf Höhe der Freiladegleise, hinter mir der Lokschuppen. Links im Bild ein Rekognostizierungsfahrzeug der ikonengold-Redaktion

http://img510.imageshack.us/img510/7392/weilheimegbw9.jpg

Bahnhofsgebäude Straßenseite

http://img230.imageshack.us/img230/4305/weilheimeggleisseitezl1.jpg

Bahnhofsgebäude Gleisseite. Ich dürfte auf dem Gleis 1 stehen.

http://img127.imageshack.us/img127/166/weilheimgleisvorfeldif4.jpg

Ausfahrt Richtung Kirchheim, rechts müssten die Lokbehandlungsanlagen gestanden haben.

http://img216.imageshack.us/img216/6901/weilheimgleisvorfeldeinba2.jpg

Das würde der Triebfahrzeugführer heute sehen, wenn er von Kirchheim kommend in den Bahnhof Weilheim einfahren würde.

Rechts die Bahnhofsstraße, links die "Einfriedung". Wir sind jetzt etwa Höhe Lokschuppen, links dürfen wir von einer angedachten Drehscheibe träumen. Kindergarten, das ganze Wohngebiet ist ehemaliges Bahnareal.


Freundlicher Gruß
Eberhard



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:12:17:09:32:36.

Re: Frage zum Abbau?

geschrieben von: Andreas

Datum: 17.12.07 19:30

Hallo Eberhard,

kein Wunder, ich habe den Weilheimer Bahnhof dort noch nicht gefunden, so "zugebaut" und versteckt wie der heute ist ;-)
In der Kalixtenbergstraße, etwa auf Höhe der Firma Kächele, kann man noch einigermaßen einen Bahndamm und ehemalige Schotterreste erahnen.

Da kommt bei mir die Frage auf, wann in Weilheim/Teck die Bahnstrecke abgerissen wurde? So übermäßig lange kann das ja auch noch nicht her sein. Bis Holzmaden liegen die Gleise ja heute noch.

Viele Grüße,
Andreas

Die Gesamteinstellung...

geschrieben von: 798 777

Datum: 17.12.07 19:45

... zwischen Holzmaden und Weilheim ist meines Wissens 1988 erfolgt, der Abbau vermutlich bald darauf. Erschreckend, wie sich Eisenbahngeschichte in solch verhältnismäßig kurzer Zeit kaschieren lässt.

Gruß
Frank